Nationalphilosoph*n

29. Februar 2012

Wird ein Kontrast zum offensichtlichen Höhepunkt deutschen Kulturguts 1933-1945 gesucht, fallen Sätze wie “im Land eines Immanuel Kant”. Was soll das heißen? Anzunehmen, daß alle deutsch identifizierten nach dem Kategorischen Imperativ oder nur den Werten der Aufklärung lebten, ist trivial falsch. Aĺso sind Philosoph*n sowas wie Staatseigentum?

Kant ging 1946 in sowjetischen Besitz über, deshalb wurden Leninposter bisweilen auch mit dem Antlitz Manelchen Kants versehen, da Karl Heinrich Marx und Friedrich Engels auf der anderen Seite des eisernen Vorhangs lebten und starben. Aufgrund eines Bündnisgeschenks an den sozialistischen Bruderstaat durch Walter Ulbricht, wurde später Nietzsche ergänzt und das Poster in seiner heute bekannten Form (Kant, Nietzsche, Lenin) kam zustande. In Fachkreisen wird Lenin seitdem ironisch als “Quotenhete” bezeichnet. Bis heute laufen Verhandlungen zwischen der BRD, der Schweiz, Italien und Russland, wem Nietzsche nach Ende des Kalten Krieges nun zusteht. Kant hingegen wurde in den 90ern von Lukoil aufgekauft und seitdem luk-rativ vermarktet. Kritiker*innen mögen deshalb zwar die zeitgenössischen Darstellungen von Aufklärungsphilosophie als Zweckrationalismus und hypothetischer Imperativ als zu kommerziell-stromlinienförmig abtun, aber sein Rassismus hat über die Jahrhunderte nichts von der ursprünglichen Kraft verloren.


Anwendungsorientierung

28. Februar 2012

Pragmatik schützt nicht vor Ideologie; höchstens vor Ideologiekritik


Apropos Tabus

27. Februar 2012

In Zusammenhang mit Afghanistan darf – Verfassunghack – immernoch nicht das K-Wort gesagt werden. Aber welches? Der Drohnenkrieg diskreditiert ja nicht alle Ausprägungen der Kybernetik, Heinz von Foerster z.B. bestand darauf, niemals etwas militärisch Nützliches geliefert zu haben. Treitschke Institut besteht darauf, an dieser Stelle nocheinmal die Nützlichkeit ihres Namensgebers zu betonen. Oder geht es hier um Medienkritik? Vielleicht die Berichterstattung rein konstruktivistisch untersuchen zu wollen. Der letzte Afghanistan Krieg wurde auch von einem sozialistischen Staat geführt (keinerlei “K”), und es waren s.g. “Sozialdemokraten”, die Deutschland am Hindukusch verteidigen wollten.

Aber die Lehren aus der Geschichte wurden ja gezogen. Nein, nicht daß Nazis gefährlich sind. Und “nie wieder Krieg” ist falsch zitiert, die Lehre aus der Geschichte lautet “nie wieder Krieg ohne hinreichend verbündete”

Apropos Krieg: Electric Six fahren btw. eine ähnliche Taktik wie die Bundesregierung, sie haben alle schmutzigen Wörter aus der Youtube-Version von “Gay Bar” zensiert. Gleichwohl die Kritik (u.a.) sprachlicher Reproduktionsmechnismen von Ideologie (vor dem “Linguistic Turn” bereits von Klemperer in “LTI” untersucht) gilt, auch wenn eingies einfach gelassen wird, köntne das Leben angenehmer sein


kleiner Nachtritt

26. Februar 2012


Heute im Musikprogramm

25. Februar 2012

Das diskursive Ensemble spielt für Sie “Rauschen”
(Premiere heute Abend in der Aula der Kulturellen Praxis)


Nach seiner letzten überaus erfolgreichen und gefeierten Symphonie “Schweigen“, bietet Ihnen das diskursive Ensemble mit “Rauschen” erneut ein Meisterwerk aus der Kategorie moderner Kammermusik in drei Sätzen in der Formation eines klassischen Streichquartetts. Unter Anderem ermöglicht wird diese Performance durch ein Team erfahrener Archäolog*Innen, die das lange im Archiv verschollene und nur fragmentarisch erhaltene Notendokument rekonstruiert haben.

Die Musiksprache des ersten Satzes lebt von den zahlreich gesetzten flottierenden Signifikanten des äußerst gelungenen Hauptthemas, das sich schon direkt bei Beginn der Exposition vollständig entwickelt und konstituiert gibt. In der Durchführung gewinnt der musikalische Verlauf jedoch an Spannungen durch harmonische wie hegemonische Transformation und Modulation der zuvor hauptthematisch etablierten leitmotivischen Gestalt. Besonders mächtig wirkt hier die nicht erfolgte Auflösung des Vorhaltes der vorletzten Aussage und dem darauf folgenden trugschlüssigen Wechsel von Dominante zu Subdominante. In der Reprise schließlich werden diese konfliktuellen Tendenzen mit der unidentischen Wiederholung des Hauptthemas auf die Spitze getrieben, so dass ein Eindruck der Unabgeschlossenheit bleibt.

Der zweite Satz entfaltet seine narrative Kraft durch die Verwendung von An-Rufmotiven, mit programmatischem Verweis auf der Musik äußerliche Symboliken und Bedeutungen, die jedoch niemals vollständig abgebildet, stattdessen immer wieder verworfen werden. Das Wesen des zweiten Satzes ist dadurch stets von ambiguitären Positionen geprägt, die auch instrumentell in der Behandlung der zwei gegenstätzlich verlaufenden Violinenstimmen artikuliert wird. Die vermeintliche Stabilität der beiden Mittelstimmen im Inneren (2. Violine und Bratsche) wird permanent durch die zwei konstitutiven Außenstimmen (Cello und 1. Violine) untergraben und heimgesucht.

Der Schlusssatz schließlich stößt an die Grenzen der abendländischen Ra-T[i]onalität und dekonstruiert raffiniert – in teils serialistisch-französischer Manier und Radikalität – bereits endgültig erschlossen und geschichtlich gesichert geglaubte Bereiche des musikalischen Materials. Mehrdeutigkeit bleibt jedoch bestehen, da die Differenzen zu Ursatz und Urlinie sowie zu herkömmlichen Praktiken, Techniken und Paradigmen des Komponierens niemals eindeutig markiert werden und wohl auch nicht beabsichtigt markiert werden sollen.

Insgesamt also besteht der Reiz von “Rauschen” in erster Linie aus diversen Verundeutlichungen und Unvorhersagbarkeiten musikalischer und zeitlicher Ereignisse.


Pressestimmen:

The Modest Witness Reviewer: “Rauschen” des diskursiven Ensembles: Natürlich ein kulturelles Muss.

The Daily Panopticon: Lassen Sie sich das diskursive Ensemble nicht entgehen. Nein! Sie können dem diskursiven Ensemble nicht entgehen.

The Floating Text: Das diskursive Ensemble präsentiert sich in nie dagewesener und unbeschreiblicher Form.

Moderne Post: Anything goes!


Antiimps

24. Februar 2012

Antiimperialisten, waren das nicht jene, die das Shogunat erhalten wollten? Oder haben sie gar Cäsar erdolcht? Gut, mit Etymologie kommen wir wohl nicht weiter, aber manche Flugblätter reaktivieren schon die Lust, gegen das Kaiserreich zu kämpfen …


Tabubruch

23. Februar 2012

Das Treitschke-Institut bricht jetzt das letzte Tabu. Die meisten haben davon gehört, aber die wenigsten wagen, es offen auszusprechen. Sicherlich werden einige unsere Meinungsfreiheit verletzen und uns die Mythen aus irgendwelchen linken Medien vorhalten, von denen sie indoktriniert wurden. Wir dürfen auch nicht die Macht der Molkerei-Lobby vergessen. Trotzdem haben wir den Mut, es deutlich anzusprechen! Es ist nuneinmal die unbequeme Wahrheit, die viel zu lange von Gutmenschen ignoriert wurde und man wird doch wohl mal sagen dürfen:

-WEITERLESEN-


Germany’s next Bundespräsident

22. Februar 2012

Nulpen
Skandale
Unionen

-METAGESCHWURBEL-


Cyborg #2

21. Februar 2012

Mit drkultur

Wenn der Subjekt-Wecker-Aktant nicht als Trivialmaschine funktioniert, liegt ein Abstraktionsversagen vor.  Alarm clocks kill dreams, doch das marktangemessen subjektivierte Wesen steht auch ohne Grund pünktlich auf.


Tätää #2

20. Februar 2012

Mit drkultur

Es ist Rosenmontag, die Kulturellepraxis geht als Waldorf & Statler:

Nach Bakhtin bietet der Karneval Möglichkeiten zur Subversion von Identität und Gesellschaft; es hätte also ein Fest der St.Judith werden können. Beim Blick auf den Karneval (besonders die deutschen Varianten) muss aber gesagt werden: “Waiting for Bakhtin, still!”


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