Save the Date! Plüschtiertstudies live in Hamburg

8. April 2019

Plüschtierstudies – Zu postmodernen Subjekten und ihren Erweiterungen
Im Rahmen der Vorlesungsreihe der Ag Queer Studies: Jenseits der Geschlechtergrenzen
Mittwoch 29.05.2019, 19ct, Hamburg, Von-Melle-Park 5 („WiWi Bunker“) 0079

Für diesen Anlaß hat sich Pizzafahrer Olaf Wachenhausen bereiterklärt die Kulturellepraxis zu repräsentieren, die Chefredakteur*innen werden aber anwesend sein

Abstract
Wie bei Haraways Cyborg scheinen auch bei Plüschtieren gewohnte Dichotomien nicht ganz zu passen, so beispielsweise die den meisten essenzialistischen Ansätzen zu grundeliegende von Subjekt und Objekt: Wir können unsere kuscheligen Begleiter*innen fürs Leben nicht guten Gewissens nur als Objekte bezeichnen, wissen aber, dass sie nicht unabhängig von unserer Subjektivität sind. Wir bilden sozusagen ihr „Wirtsbewusstsein“, wie es der Pionier der Plüschtierpsychoanalyse, Dr. Wood, so treffend formuliert.

Doch leider behandelt die bisherige Forschung Plüschtiere ansonsten fast ausschließlich im Zusammenhang mit Kindern und erklärt das Phänomen der Niedlichkeit meist biologistisch weg („Kindchenschema“). Somit können die transdisziplinären Plüschtier-Studies zunächst lediglich Schneisen in dieses neue Forschungsfeld schlagen, hoffend, am Rande Erkenntnisse über Subjekttheorie, radikale Selfcare und möglicherweise sogar Gemeinschaftlichkeitsutopien zu finden.

Plüschtiere werden gebeten, zu ihrem Vortrag ihre großen Trampler („Menschen“ u.ä.) mitzubringen.

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Zum Materialismus

24. März 2019

Gastbeitrag von RadicapR

Wie groß ist die Schnittmenge zwischen linken Fans von Materialismus und der Aufklärung? Denn eigentlich haut das nicht hin: wenn die Basis – Produktionsverhältnisse – bestimmt was ideologisch läuft ist das Gerede vom wahren, guten, schönen sonst welcher Christen egal.

Der real existierende Materialismus ist ganz schön idealistisch.

„Es hilft nichts, den falschen Leuten das richtige zu erklären“ ist ein identitätspolitischer Take. Eigentlich ist ganze Identitätspolitik „das sein bestimmt das Bewusstsein“ mit anderem Hauptwiderspruch. Deshalb ist es irgendwie albern, zur Abgrenzung alles mögliche „materialistisch“ nennen.

„Materialism must be a form of idealism, since it’s wrong — too.“ –Sahlins, Marshall: Waiting for Foucault, Still; Chicago 2002; S. 6.


Anger Management

18. März 2019

Gastbeitrag von Jane

Ich zerschlage dein Weltbild nehme die Scherben und steche dich damit ab


Ziehharmonikatheorie

18. März 2019

Idee: Baron René Garde

Schlechte Nachrichten: Die Reparatur wird deutlich aufwendiger als wir gehofft hatten. Anfangs sah es so aus als wären nur die Ränder nur ein wenig verbogen – war zu der Zeit alles ein bißchen düster hier um das genauer zu erkennen -, wir nannten das die Hufeisentheorie. Aber das ist nicht nur verbogen, das ist ziemlich angedetscht, wir nannten das dann die Extremismustheorie. Gut, das dingsens an der rechten Seite ist ziemlich aggressiv, sehen Sie, alles offem da drüben – Haß, Gewalt, _ismus – das ist nicht schön, das muß erstmal dringend raus. Aber aber sehen Sie wie weit sich das rüberfrißt. Einige wollten wenigstens den linken Teil dann noch mit einem Fishhaken retten. Wir haben erstmal gemessen wo genau auf Ihrem politischem Spektrum sich die _ismen häufen und fanden heraus: Die X-Achse ist komplett hinüber! Wir nennen das die Ziehharmonikatheorie.


Verant-was? Ökologiebewegung und die Abwesenheit des revolutionären Subjekts

15. Februar 2019

Hachja, die Twitterlinke wieder. Schaut man sich die Positionen hinsichtlich der Theorie an, nach der wir diesen Planeten davor retten sollen, zur finnischen Sauna (ohne all die netten Sachen an einer finnischen Sauna, wie zum Beispiel nackte Finnen) zu werden, stoßen wir meistens auf zwei verschiedene Grundpositionen: die Produktionsweise muss sich ändern, oder die Konsumweise muss sich ändern. Dass diese Dychotomie vollkommen den entscheidenden Punkt verfehlt, können wir getrost außer Acht lassen, denn es geht ja nicht wirklich darum, etwas zu verändern, sondern um Polemik, und wie steht es schon um meine Verantwortung als Produzent – von Texten? Ich werde einfach das gleiche tun wie alle anderen und verkünden, dass andere hinter mir aufräumen sollen.

Die Fraktion derer, die daherkommen und meinen, man müsse bei der Produktion anfangen, weil ja ein Großteil der Emissionen und so weiter, gliedern sich ihrerseits in verschiedene Gruppen, denn was wäre eine Twitterlinke ohne Spaltung? Offline.

Die einen sind frustriert, dass sie nun, nachdem doch andere ihren Planeten zugrunde gerichtet haben, diejenigen sein sollen, die ihn versuchen in Ordnung zu bringen. Adorno beschrieb in seinen Studien zum autoritären Charakter sehr anschaulich, dass das Gefühl, Geheimwissen zu besitzen, wie die simple Formel „Produktions- statt Konsumwandel“, ein Gefühl von Macht verleihen, ja, in einen Rausch übergehen kann. Man darf nun alles kritisieren, was die anderen machen, und muss sich selbst nicht rühren; man kann den anderen diese Formel zuflüstern, weise und besonders fühlen und sich beklatschen lassen. Woher der Produktionswandel kommen soll… das braucht man sich so wenig fragen, wie sich der Antisemit, den Adorno dabei im Sinn hatte, sich fragt, woher die Juden denn all diese Macht nehmen.

Für die anderen liegt der Schlüssel zum Produktionswandel, zur großen Revolution darin, zu warten, dass die Regierung die Sache schon regelt. (An dieser Stelle bitte eine kurze Kunstpause einlegen und eine Lachspur aus einem alten Film einspielen.) Die Regierung, oder NGOs, oder die Vereinten Nationen, das Weltwirtschaftsforum, irgendwer wird doch schon eine gute Idee haben, verdammt! Und dann kriegen wir den Ökosozialismus verordnet, und die Kapitalisten werden sich noch umsehen! Jawoll! Aber eigentlich hofft man, dass die selber drauf kommen. Das wird schon. Irgendwie. Schließlich haben die Kapitalisten das Unheil angerichtet, jetzt werden sie es auch in Ordnung bringen, das ist immerhin nur fair, und wenn sie es nicht von alleine tun, wird die Regierung sie dazu zwingen, darauf vertrauen wir, weil es die letzten Jahrzehnte auch so gut geklappt hat.

Die übrigen sehen sich als linke Revolutionspropheten und meinen, man müsse nur auf die Revolution warten und die Frage nach den Produktionsformen habe sich erledigt – sie stehen in den Fußstapfen jener Kommunist_innen, die sich sicher darin sind, bei einem radikalen Wandel in der Gesellschaft werde die Arbeiter_innenklasse schon genau wissen, was sie tue. Seltsamerweise sucht man etwa Basisgewerkschafter_innen oder Kollektivist_innen unter ihnen vergeblich; es ist beinahe, als wollten sie mit den ganzen Details gar nichts zu tun haben und sich um Himmels willen nicht die Hände schmutzig machen, sondern nur andere belehren und ihre eingeübten Parolen wiederholen, bis… eines Tages wird es soweit sein…

Ihnen allen ist gemein, dass sie nichts damit zu tun haben wollen, dass die Welt den Bach runtergeht. Das hält sie nicht davon ab, zu glauben, ihr Konsum hätte nichts damit zu tun. Auch ihr neokoloniales Anspruchsdenken hat damit mehr als nur ein bisschen zu tun: den Arbeiter_innen in China, die ihre Waren produzieren und in ihrem Müll leben, fühlen sie sich kein Bisschen verbunden, schließlich sind sie Europäer_innen und wer sie zur Rechenschaft ziehen will, begeht Hybris!

 

Das grundlegende Problem ist an jeder Stelle das gleiche: die linke Ökologiebewegung, oder die ökologische Linke, ist subjektlos.

 

Verantwortung ist wichtig, ohne Frage, aber irgendwer anders soll sie übernehmen, nach mir die buchstäbliche Sintflut, wenn die Polkappen erst einmal ab sind und unsere Waren ungehindert durch die Arktis verschifft werden können. Die Regierung soll es regeln, die Unternehmen sollen sich irgendwie besinnen – meine Güte, die Bewegungslinke soll es irgendwie in Ordnung bringen, oder von mir aus die Dialektik, man hat sich ja daran gewöhnt. In jedem Fall bleibt eines gleich: von dem der Wandel ausgehen soll, bleibt offen, es gibt kein Subjekt, dass diesen Einfluss nehmen soll, man hofft in religiöser Staatstreue, die da oben werden es schon richten. Und nimmt damit dem Planeten täglich etwas mehr Zeit, während man aus Stolz Auto fährt, vermeidbaren Plastikmüll produziert (im Zweifel soll Dänemark sich halt drum kümmern, die importieren doch mittlerweile Müll) und dabei tranceartig wiederholt, es gebe keinen ethischen Konsum im Kapitalismus, damit man um Himmels Willen nicht das Gefühl haben muss, einen Anteil an der ganzen Sache zu haben. Die anderen werden das schon richten. Diejenigen, die die Produktionsmittel besitzen, werden sich schon irgendwie besinnen.

Also wie Einfluss nehmen? Georg Lukács unterschied in seinem Werk die immanenten und transzendenten Mittel einer gesellschaftlichen Umwälzung, bedienen wir uns der Einfachheit halber dieser Unterscheidung als Gliederung:

Der Gesellschaft immanent sind nach Lukács, einfach gesagt, all die Handlungen, die keinen Bruch mit der Gesellschafts- und Produktionsform darstellen. Die einfachste – und, da muss den Propheten des Produktionswandels recht gegeben werden – alleine nicht ausreichende Maßnahme ist, Druck über den Markt aufzubauen, da wir, wenn auch zu unser aller Leidwesen, nun einmal in einer Marktwirtschaft leben. Was man nicht loswird, lohnt sich nicht zu produzieren, und solange der Bauer aus dem Nachbardorf seine Kartoffeln auf dem Wochenmarkt los wird, braucht er sie nicht exportieren. Konsumismus wird nicht der Weg sein, die Welt in Ordnung zu bringen, aber es ist ein notwendiger Weg zur globalen Schadensbegrenzung.

Ebenfalls systemimmanent ist der Aspekt der Bildung; wenn ökologisch Bewegte es schaffen, ihren Eltern, Kindern und Freund_innen beizubringen, wie sie an dieser Schadensbegrenzung teilnehmen können, anstatt sich auf dem fatalistischen „Ist doch jetzt eh egal“ auszuruhen, ist ein wichtiger Schritt getan, und für die Prekarisierten unter uns – habe ich gerade meinen Namen gehört? – gibt es auch bisweilen Arbeitsplätze in der Umweltbildung.

Die offensichtlichste Art von Teilhabe, die die Spielregeln des Gesellschaftssystems transzendiert, ist die direkte Aktion. Von der Enteignung durch Betriebsbesetzung bis zum Riot gibt es eine Vielzahl dunkelbunter Aktionsformen, die den Produzent_innen es sich durch den Kopf gehen lassen, wie viel sie sich erlauben können. Das bedarf natürlich der gemeinsamen Organisation, und bedenkt man den Charakter des_der durchschnittlichen Twitterlinken, dürfte dies sicherlich eine nicht geringe Hürde darstellen.

Eine Mischform aus immanenten und transzendenten Widerstandformen wäre die Gründung von Produktions- und Konsumgenossenschaften, Kollektiven und Kooperativen. Während diese zwar juristisch betrachtet Unternehmen sind wie alle anderen auch, bricht die basisdemokratische und klaren Werten verpflichtete Organisationsform auf deutliche Weise mit der Marktlogik, hilft, von der entfremdeten zur sinnhaften Arbeit zu kommen, zieht die globale Kooperation dem Wettbewerb vor und bekämpft durch Liefer- und Produktionsketten abseits des ach so freien Marktes das Problem der schlechten Produktion wie auch der schlechten Konsumption genau da, wo es entsteht.

Der letzte Hebelpunkt, der hier zur Sprache kommen soll, ist eher ein indirekter; doch wegen ihrer nicht zu unterschätzenden Bedeutung für das gesamte kapitalistische System (oder, wie wir in academia sagen, die Gesamtscheiße), möchte ich ihn dennoch zu den Formen rechnen, die den Horizont des Gesellschaftlichen transzendieren: Bekämpft die Entfremdung in eurem Leben. In jedem von euch lebt ein Onlineshop, mit einem Klick alles drin. Die Marktwirtschaft, und die Marktförmigkeit der Arbeit, haben uns den Bezug zu dem genommen, was wir produzieren und konsumieren, und es ist eine enorme Befreiung, sich diese intime Beziehung wieder aufzubauen. Wenn ich sage, dass ich es mit 75€ im Monat geschafft habe, mich überdurchschnittlich nachhaltig und müllarm zu ernähren, sage ich damit nicht, dass irgendwer von 75€ im Monat leben müssen sollte, Gott bewahre; ich sage, dass diese Dinge eine Frage des Lernens ist und wir uns alle ein wenig Autonomie über diesen Teil unseres Lebens zurückholen können.

Dies mag alles wie eine klassische Kritik von Bewegungslinken an Theorielinken klingen, was daran liegen könnte, dass es tatsächlich um so etwas in der Art handelt; aber was hier unterm Strich stehen bleiben soll, ist eine Weisung, die so alt ist wie die sozialistische Bewegung selbst: Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen. Es ist unmenschlich und total daneben, von Menschen mit Behinderungen zu erwarten, auf Plastikstrohhalme zu verzichten, und dennoch ist es gut, ihren Verkauf einzuschränken und Alternativen zu fördern; es ist geistlos und bringt die Arbeiter_innenklasse gegen die Bewegung, die behauptet, sie zu vertreten, auf, von Arbeiter_innen mit Kindern zu erwarten, auf ihr Auto zu verzichten, ohne für guten öffentlichen Nahverkehr Druck zu machen. Jede nach ihren Fähigkeiten, jeder nach ihren Bedürfnissen. Egal ob Bildungsarbeit, Kommunalpolitik, Gewerkschaft – jeder Beitrag ist wichtig und gut. Die eine Sache, die wir alle tun können, ist an unserem Konsum arbeiten, auch wenn einige von uns von der Vorstellung dieser Autonomie so eingeschüchtert und so davon entfremdet sind, dass sie sie für das wahre Übel halten.

Nur Kneifen gilt nicht, und es gibt immer noch keine Orden für Schreibtischkrieger_innen. Es sei denn, die erhalten tatsächlich die Deutungshoheit. Dann gehe ich aber lieber in die Sauna.

 


Flachzangen, immer wieder

26. Januar 2019

Mal wieder auf eine Materialsammlung von „Kritik“ an Queerfeminismus und allem was locker damit assoziiert wird gestoßen; will das nicht verlinken, will nicht in der tiefe analysieren – schon gar nicht für umme -, also beteilige ich mich einfach mal an dem Quatsch und rante inhaltsleer drauflos.

Letztlich wird mit Mitteln von Verschwörungstheorien gearbeitet, Gerüchte, Falschaussagen, Gewohnheitsaussagen und -deutungsmuster, Othering zwecks Selbstverständnisfestigung. Ohne jetzt abstreiten zu können oder wollen daß viel – gerade auf Anwendungs- & Populärebene – im Argen liegt macht soetwas sinnvolle Kritik noch schwerer. Um bessere Theoriebildung kann es also schoneinmal nicht gehen.

Wie konnte es so weit kommen, daß akademische und bewegungsinterne Konkurrenz auf diesem Niveau angegriffen wird? Und anscheinend geht das nicht auf „die Postmoderne“ zurück, da es ja ihre Gegner*innen offensichtlich noch stärker betrifft und die Angegriffenen kaum noch tote französische Menners mit ihren schwer lesbaren Büchern in den Mittelpunkt stellen. Also: Don’t kill the messenger!

Nehmen wir mal die Forderungen nach „Materialismus“ ernster, denn so können wir ausschließen, daß es sich einfach um Versagen einzelner handelt oder daß das zu bekämpfende Problem irgendwelche falschen Theorien bzw. Meinungen sind. Also mit solch einer Form von Kritik überhaupt irgendetwas auszurichten ist. Ohne uns allzu lange beim Beobachter*innenproblem aufzuhalten, „Materialismus“ heißt auch daß Konzept und Ding nicht das selbe sind. Wenn also behauptet wird durch eine „materialistische“ Position im Namen der Dinge sprechen zu können, haben wir es lediglich mit Material für die Rundablage zu tun.

Nehmen wir mal an Wasser fließe immer von oben nach unten. Das schließt nicht aus gegen den Strom zu schwimmen, macht das aber schwer und v.a. längerfristig aussichtslos. Tote Fische schwimmen nicht nur mit dem Strom, sondern auch oben. Also statt stolz Recht zu haben wäre zu fragen warum so viel Müll wahrheitsfähig ist, d.h. wieso keine Überprüfungsmechanismen greifen, die solche Verschwörungstheorien – und bei der Gelegenheit auch gleich dumme Queer-Verflachungen auf der anderen Seite – eingrenzen.

Woran liegt das? Ich weiß es auch nicht. Aber bedenken wir daß ein fluffig-metaphysisches Konzept von Wahrheit nie hinreichend für Theoriebildungen war, müßten wir uns die Strukturen der Wahrheitsproduktionsmaschinerie anschauen. Also z.B. die „~krisen~“gebeutelten Printmedien und die reformgeplagten Universitäten. Kurzgeasagt: die „materiellen“ ressourcen sind in beiden Kontexten knapper geworden. Die Universitäten boten vor einiger Zeit noch gewaltige Freiheiten – warum auch nicht, das ist deutlich billiger als uns zu hospitalisieren -, es wird die „Linksintellektuellen“ Nische übervölkert haben. Mittlerweile haben die Universtitäten einen Haufen von Veränderungen hinter sich, die gerne mit dem Wort „Bologna“ abgekürzt werden. Klar wird sich das auf die Theoriebildung ausgewirkt haben.

Ich habe keine Antwort und keinen optimistischen Spin für Euch, sondern schreibe nur Nullnummern im 31. Stock. Schreibt doch einfach ein eigenen Ende und laßt es vielleicht hier in den Kommentaren.


Gewaltfreie Kommunikation

28. Dezember 2018

Pro:
Erstaunlich viele Konflikte basieren auf Kommunikation. Sie ist Operationsweise unseren Miteinanders und ein besseres Miteinander ist das Α&Ω besserer Gellschaft. Bedenken wir, daß Autentizität ein zeichenbasiertes Konstrukt ist, also auch eine scheinbar unregulierte Kommunikation keine ursprüngliche oder natürliche ist, sondern nur anderen – durchaus kritisierenswerten und kritisierbaren – Strukturen folgt. Die Freheit der einzelnen endet schließlich bei der der anderen. Polemisch zugespitzt: Nicht jede Mackerei muß als edgy Diskussionsstil anerkannt werden.
Lassen wir uns also nicht von den schlimmsten Versuchen entmutigen.

Contra:
Wir können zunächst einmal die Beobachtung festhalten: Es funktioniert anscheinend nicht so wie angenommen bzw. erhofft; und macht viele aggressiv. Scheinbar „weichgespülte“ Gruppierungen können in der Sache überraschend hart und kompromißloslos werden. Die „Gewaltfreiheit“ droht bisweilen in ihr Gegenteil zu umzukippen.
Als mögliche Erklärungen können wir unterschiedliche Theorien darauf werfen.
Zwar bezog sich Tiefenpsychologie-Vorläufer Nietzsche explizit auf das Christentum, doch seine Denkfigur, daß Verdecktes, Uneingestandenes, Verdrängtes unter der Oberfläche umso stärker nachwirkt, zumal wenn es kollektiv kanalisiert wird greift auch gerade hier.
Dann gehört Kult um die „Ich-Aussage“ kritisiert: Ziel sollte sein, sich vom behauptet-objektiven Standpunkt zurückzuziehen um Raum zur Aushandlung zu lassen. Tatsächlich macht dieser Rückzug aber die eingenommene Position unangreifbar, einer Ich-Aussage läßt sich nicht sinnvoll widersprechen. Es geht darum einen gemeinsamen Bezugsrahmen zu schaffen; dieser ist nicht die Realität, aber im Endeffekt eine.
Mit Luhmann’scher Systemtheorie können wir darüber hinaus einwenden, daß die einzelnen Menschen nicht als Teil des Systems betrachtet werden sollten, sondern als Teil von dessen Umwelt, da sonst sie – und nicht nur ihre Inputs – systemgerecht gemacht werden müssen.
Sich auf Mittel statt Inhalte zu beziehen scheint zunächst neutral, doch können diese auch so gewählt werden, daß bestimmte Postionen unangreifbarer oder angreifbarer werden; also schlimmstenfalls werden z.B. Einwände nur in einer Form zulassen, wenn diese ineffizient bleiben können. Doch wie auch immer die Mittel konfiguriert werden, die Suche nach Mitteln setzt den mit ihnen zu erreichenden Zweck ersteinmal absolut, enzieht also diesen implizit der Aushandlung. Hier liegt ein zentraler Punkt: Was wird wie und warum der Aushandlung entzogen; wenn das implizit/unansprechbar passiert ist die Intuition es mit versteckt aggressiver Durchsetzung zu tun zu haben berechtigt, dann sollte „gewaltfreie“ Kommunikation aggressiv machen! Nicht daß in Metakommunikation nicht auch zur Ablenkung von der nötigen dienen kann; aber die Fallacyforschung lassen wir heute mal weitgehend aus.
„Suche“ nach Mitteln bedeutet zudem auch anzunehmen, daß es ein geeignetes Mittel geben müsse, ein fataler Fall von Methodengläubigkeit.
Anzunehmen oder zu fordern das Miteinander habe ein harmonisches zu sein birgt das Risiko, alles was als Störung der Harmonie wahrgenommen wird als außerhalb zu verorten, was sowohl bedeutet einzelne Personen oder Gruppen als ein Außerhalb oder Problemträger wahrzunehmen zu können als auch Verschwörungstheorien – also hinter jeder wahrgenommenen Störung versteckte böse Absichten von einem tatsächlichen oder Imaginären Gegner zu vermuten – begünstigt.
Wenn wir also überlegen wie wir unser Miteinander und dessen Operation, die Kommunikation gestalten wollen sollten wir die Warnung des Argumentationstheoretikers Harald Wohlrapp berücksichtigen: Handelt es sich bei unserer Theorie vielleicht um „Schönwetterrelativismus“?

Fazit
False Dilemma. Habe ich gerade eine Diskussion mit mir selbst verloren?