Plüschie Theorie #9: Flauschgeschichten

15. Mai 2019

Auch wenn Zorn/Empörung/Wut die notwendige Energie um notwendige Veränderungen – vorzugsweise gemeinsam – in Angriff zu nehmen liefern kann, als Lebens- und Socializingart bedeutet das Gemeinschaft durch Feindbestimmung und Virtue-Signaling herzustellen.

Das ist nicht flauschig.

Flausch streckt sich mit den Fasern nach eine* aus, schmiegt sich formannehmend an. Flausch ist ein Teil der Circlusphere.

Unsere kuscheligen Companions mögen uns mit dem zwanglosen Zwang der Niedlichkeit verleiten schönere Geschichten zu bewohnen.

Plüschtiere an die Macht!

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Save the Date! Plüschtiertstudies live in Hamburg

8. April 2019

Plüschtierstudies – Zu postmodernen Subjekten und ihren Erweiterungen
Im Rahmen der Vorlesungsreihe der Ag Queer Studies: Jenseits der Geschlechtergrenzen
Mittwoch 29.05.2019, 19ct, Hamburg, Von-Melle-Park 5 („WiWi Bunker“) 0079

Für diesen Anlaß hat sich Pizzafahrer Olaf Wachenhausen bereiterklärt die Kulturellepraxis zu repräsentieren, die Chefredakteur*innen werden aber anwesend sein

Abstract
Wie bei Haraways Cyborg scheinen auch bei Plüschtieren gewohnte Dichotomien nicht ganz zu passen, so beispielsweise die den meisten essenzialistischen Ansätzen zu grundeliegende von Subjekt und Objekt: Wir können unsere kuscheligen Begleiter*innen fürs Leben nicht guten Gewissens nur als Objekte bezeichnen, wissen aber, dass sie nicht unabhängig von unserer Subjektivität sind. Wir bilden sozusagen ihr „Wirtsbewusstsein“, wie es der Pionier der Plüschtierpsychoanalyse, Dr. Wood, so treffend formuliert.

Doch leider behandelt die bisherige Forschung Plüschtiere ansonsten fast ausschließlich im Zusammenhang mit Kindern und erklärt das Phänomen der Niedlichkeit meist biologistisch weg („Kindchenschema“). Somit können die transdisziplinären Plüschtier-Studies zunächst lediglich Schneisen in dieses neue Forschungsfeld schlagen, hoffend, am Rande Erkenntnisse über Subjekttheorie, radikale Selfcare und möglicherweise sogar Gemeinschaftlichkeitsutopien zu finden.

Plüschtiere werden gebeten, zu ihrem Vortrag ihre großen Trampler („Menschen“ u.ä.) mitzubringen.


Plüschie Theorie #6: Suspension of Disbelief

6. April 2019

Dank an K Kater und FrlPia

Anitessenzialismus im Sinne der Kulturellenpraxis bedeutet auch: „Die Wahrheit ist von dieser Welt“1 und damit nicht übersinnlich verbürgt. Gleichwohl „esoterische“ Deutungsmuster Essenzialismuskritiken gerne instrumentalisieren für die Behauptung daß ihre Vorstellungen möglich seien, die Überzeugungen enthalten meist starke Essenzialismen, basierend auf Empfindungen und/oder Weltbildern, die sich bei näherer Betrachtung meist auch noch in problematischen Bereichen des Diskurses bewegen. Oder anders: sich ernsthaft um Erkenntnis bemühen bedeutet den Wahrheitsbegriff von metaphysischem Ballast zu befreien. und Verantwortung für die politische Verflochtenheit des eigenen Denkens zu übernehmen.

Liebevolle Verflochtenheit

Wenn wir also sagen es gehe bei den Plüschtierstudies um „Magie“, sollten wir diese streng von der auf Esoterikmessen verkauften abgrenzen. Sicherlich läßt sich nicht die gesamte Welt verlustfrei in Naturwissenschaften überführen, aber wenn wir Sozial- & Kulturwissenschaften hinzunehmen können wir erstaunlich vieles beschreiben, haben also keine Ausrede nicht bei den Wissenschaften zu bleiben, zumal wenn wir ihre Ideale von der bisweilen hinter diesen zurückbleibenden institutionellen Praxis abgrenzen und beachten, daß Wissenschaft der Prozeß, nicht dessen Ergebnis ist; also davon ausgehen, daß die Vorstellung einer endgültigen Wahrheit unwissenschaftlich sei.

Auf die Frage ob Fauchi Stormborn Lord oder Ladyrezeptbewahrer*in sei hieß es nur: „Deshalb kann Euch Menschen niemand ausstehen, Ihr habt doch echt einen Knall mit Eurem Zweigeschlechtlichkeitswahn!“

Der Magie der Plüschtiere nachspürend geht es also um keine Übernatürliche, sondern eine geschaffene. Wie für einen Film brauchen wir Suspension of Disbelief. Vielleicht fällt das Kindern leichter. Diese Suspension ist nicht grenzen- oder bedingungslos, von daher gilt es Plüschtiere keinesfalls „out of character“ darzustellen.2 Zauberkünstler*innen arbeiten zwar damit die Ungläubigkeit des Publikums zu entkräften, aber dennoch muß sich dieses darauf einlassen – es wird also nicht getäuscht, sondern Künstler*in und Publikum schaffen gemeinsam eine Welt in der Dinge möglich sind von denen alle wissen daß sie es nicht sind.

„Die Idee ist, dass du als Zauberer imstande bist, ein Ambiente, einen Kontext zu erzeugen; eine Welt, in der die Zuschauer mitspielen, diese Welt zu erzeugen. Das heißt, du baust deinem Zuschauer eine Welt auf, in der eben die erstaunlichen Sachen passieren, die er dann erlebt. Aber die er eigentlich konstruiert in seiner Idee, in seinen Gedanken, in denen die Löwen oder Elefanten plötzlich verschwinden.“ –Heinz von Foerster Zitiert nach Müggenburg S. 65.

Zwischen“menschliche“ (-cyborgige u.ä.) Beziehungen sind immer ambivalent und Enttäuschungen sind unvermeidlich. Schlimmer noch: Beides vermeiden zu wollen hat noch üblere Folgen. Doch wer ist im Falle von beispielsweise Liebeskummertränen für uns da? Es geht im Verhältnis zu unseren kuscheligen Freund*innen nicht um eine faktische Realität, es geht darum eine fiktive zu schaffen. Das mag Eskapismus genannt werden; oder Selfcare. Doch lassen sich diese fiktiven Welten mit anderen teilen.

Königspinguine zeigen Interesse an Plüschpinguin Giovanni

U.a. durch Plüschies. Mit Plüschies können wir also gemeinsam Welten schaffen in denen unsere kuscheligen Freund*innen aktiv sind, handeln, ihren Charakter entfalten. Laut Lacan entstehe Selbstbewußtsein bei Kindern dadurch daß sie sich im Spiegel – oder nach späteren Theorien auch indirekter – als vollständiges Wesen erkennen, das Kind identifiziert sich als sich selbst; womit dieses Selbst aber auch etwas Anderes als das unmittelbar erlebte ist. Somit können Plüschies als das Spiegelstadium von Plüschtieren angesehen werden – es wird mit dem Bild zum autonomen Wesen, auch wenn dieses imaginär ist – so are we.

Schnuffi und die Punkprinzessin helfen beim Kuchenbacken


1 Foucault, Michel: Wahrheit und Macht : Interview von A. Fontana und P. Pasquino; in: ders.: Dispositive der Macht : Michel Foucault über Sexualität, Wissen und Wahrheit; Berlin/W 1978; S. 21-54: S. 51.

2 Beispiele für ausdrucksstarke aber charakterlich unpassende Plüschies gibt es sicherlich viele, um aber keine schlechten Plüschies zu verlinken – und da die ursprüngliche Referenz mutmaßlich aus Copyrightgründen verschwunden ist – lieber etwas in dieser Hinsicht Interessantes.


Sommerlochthemen

7. August 2018

Klimakatastrophe, extrem rechte Positionen finden sich immer mittiger und irgendwie geht die links-rechts X-Achse auch häufiger mal kaputt. Der größte Stuß wird als ernst zu nehmend diskutiert. Von linken Szenekonflikten wollen wir gar nicht erst anfangen.

Da sehnen sich viele nach den klassischen Sommerlochthemen. Auch wenn sich Kroko noch nicht in einen Badesee traut war er für Euch ganz Mutig, deshalb präsentiert die Kulturellepraxis: Krokodil im Spülbecken!


Plüschie Theorie #5: Gemeinschaft

18. Juli 2018

In einem Interview der Kaffeehausdilettant*n – stellvertretend für die Punkprinzessin und Fauchi Stormborn – mit ki7sun3, – stellvertretend für Percy Plushergaben sich viele neue Aspekte für unsere Plüschtier-Reihe. Die Sendung wird auf diesem Blog angekündigt, aber der Vollständigkeit halber seien hier die neuen Erkenntnisse schriftlich festgehalten

 

  • Unterschätzt nicht, wie viele Plüschbegeisterte es gibt!
  • Plüschtiere als Möglichkeit miteinander in Kontakt zu treten
    • Dies kann zunächst einfach als „Icebreaker sein, eine Gemeinsamkeit, ein Gesprächsthema usw.
    • Dies kann auch als Form von Avatar sein. Durch digitale Kommunikationsmöglichkeiten sind viele gewohnt sich mit unterschiedlichen Online-Personae zueinander in Kontakt zu setzen; dies sind weniger Aspekte der Persönlichkeit als viel mehr Entwicklungsmöglichkeiten. Plüschtiere können so etwas im Meatspace fortsetzen
    • Plüschtier als Kommunikationsmöglichkeit, z.B. zu signalisieren ob/wieviel Kontakt erwünscht ist
  • Plüschtiere als Verkörperung von „Diversity“
  • Neil Steinberg: The new science of cute
    • Biologistische Erklärungsansätze
      • Konrad Lorenz: Kindchenschema
      • Konzentration, feinmotorische Fähigkeiten Dopaminausschüttung
      • Zwei-Ebenen-Modell: Nicht nur motiviert es Pflege von Neugeborenen, es soll auch Interaktion von Kleinkindern und also Sozialisation erleichtern
    • Ob/wie Cuteness in Gegenständen wahrgenommenwird ist stark kulturspezifisch
    • Auf Cuteness ausgelegte künstlerische Darstellungen erst um 1900
    • Kawaii := Nicht bedrohlich; im Gegensatz zu „niedlich“ immer positiv besetzt
    • „Cuteness-Studies“ als interdisziplinäres Feld von Verhaltens- & Kulturwissenschaft und Biologie
    • Dadurch daß Cuteness die Grenzen von Ich und Anderem, von Subjekt und Objekt durchbricht erleichtert es sich in Beziehung zu Anderem zu setzen
    • Plüschtiere als „Hausgötter“
  • Wolfseule behält Recht

Kroko statt GroKo #2

15. Mai 2018

Kroko nimmt Ängste ernst

Kroko gehört zu den kleinen Leuten (42cm)

Plüschtiere an die Macht!


Kroko Familie

24. April 2018

Auch wenn mehrere Exemplare unseres geliebten Plüschtiers da draußen existieren – wirtschaftlich gesehen existieren müssen, sie sind Ergebnisse der Massenfertigung  – ändert es nichts daran, daß nur dieses eine je-unseres ist. Von daher sei vor Plüschtiernamen „ab Werk“ gewarnt und empfohlen, diesen höchstens als Familiennamen zu nutzen.

Mit uns zusammen entwickelt ein Plüschtier eine eigene Persönlichkeit und Geschichte. Viel gedrückt und evtl. gewaschen entwickelt es auch eine individuelle Form. Ohnehin vermögen die Unterschiede anscheinend gleichförmiger Plüschtiere immer wieder zu überraschen – mit dem Blick kann die Individualität unserer Plüschtiere sichtbare Gestalt annehmen.

Insofern ist Plüschies auszutauschen immer ein anregendes Erlebnis. Deshalb genug der Vorrede, hier ein paar auf Twitter geteilte Paraplüsch-Krokos:

@seanfictions Kroko hilft fleißig bei der Hausarbeit

@ginfizzlybear aka Katta Strophe lebt seit zehn Jahren mit einem Kroko zusammen, der sich mittlerweile sogar ins Wasser traut

Hier Beim Trocknen

Auch Plüschtier-Prominenz Plüschmaus hat sich kürzlich einer Wäsche unterzogen.

@PandaMymla steht auf Arbeit sogar das gesamte Set zur Verfügung

P.S.