#Cutenessrevolution anderswo #6: Podcast zur Teddybärgeschichte

7. Dezember 2019

Der zugegebenermaßen recht knapp gehaltene und auch nicht nur durch die Werbepausen recht kommerziell klingende Podcast „Pessimists Archive“ beschäftigt sich mit Teddybären. Da können die Plüschtierstudies natürlich nicht weghören.

Die oberflächlichen Aspekte – Steiff und Michtom bringen beide 1902 Spielzeugbären heraus, nach einer Jagdgeschichte über Theodore Roosevelt (Roosevelt der 26.) setzt sich die Bezeichnung „Teddy Bear“ für soetwas durch – wurden ja auch in unseren Plüschstudies erwähnt, doch dieser Podcast spricht einen weiteren Aspekt an: 1907 wurden „Teddybären“ im US Amerikanischen Blätterwald kontrovers diskutiert, in einer Weise, die für diskursgeschichtliche Herangehensweisen1 äußerst fruchtbar2 scheint.

Da auch im Podcast darauf hingewiesen wird, daß es nicht viel Forschung zu Teddybären gibt, sei an dieser Stelle nochmal darauf hingewiesen: Die Plüschtierstudies könnten eine interdisziplinäre Dissertationsfabrik werden, wenn nur internationale Konferenzen und ein Institut finanziert würden *prettypleasewithcherryontop*!

Zum Inhalt: Da Teddybären zunächst als Jungendspielzeug gedeutet wurden und da befürchtet wurde, sie könnten Puppen – die als Mittel Mädchen zur Häuslichkeit zu erziehen gesehen wurden – verdrängen, gab es panische eugenisch durchsetzte Warnungen von Konservativen daß Teddybären eine Gefahr für die Gesellschaft seien; es kristallisierten sich also Diskurse zu Race und Gender an diesen – damals gar nicht mal so – kuscheligen Companions. Dies ließe sich weiter spinnen zur These daß Plüschtiere eine subversive Kraft besäßen und zeigt, daß auch Feminismus und Plüschstudies ein längst nicht zuende gedachtes Thema sind, also ihre hier dargestellte Anschlußfähigkeit an Haraways Cyborgfeminismus nur eine erste Schneise durchs Themenfeld sind.

Am Ende wird erwähnt, daß Teddybären im Laufe ihrer Entwicklung immer stärker in Richtung Niedlichkeit optimiert wurden. Doch da es über „Kindchenschema“ und Evolution von Konsumprodukten gedeutet wird, bringt uns das erstmal leider nicht über einen Funfact hinaus und zeigt, daß bei allen interessanten Informationen nicht ums selbst Denken und Forschen herumkommen, solche Podcast mögen zwar bisweilen anregen, werden es uns aber nicht abnehmen.


1 Früher hätten hier Hinweise auf die einschlägige Literatur gestanden. Daß Landwehr und Sarasin gute Einführungen dazu geschrieben haben nur am Rande. Leider nicht mehr auf dem Laufenden seiend, sei statt einer Bibliographie ein willkürlich gewähltes Beispiel aus jüngerer Zeit wie sich sowas an einem anderen Thema praktisch aufziehen läßt präsentiert.

2 Mythenmetz’sche Abschweifung: Im Podcast wird kurz erwähnt, daß umstritten ist, wie alt das Konzept von Kindheit ist. Ließe sich „reaparieren“ mit der Aussage, daß das heutige Konzept – inkl. v.a. der Abgrenzungen – erstaunlich neu und erstaunlich veränderbar ist – und ja, diese Veränderungen auch im Zusammenhang mit den Produktionsverhältnissen stehen -, aber ein plattes „gab es nicht“ für frühere Verständnisse etwas kurz greift; Puppen sind bereits in der Antike nachgewiesen. Hier hilft Foucault, bzw. diskursgeschichtliche Methodik weiter: Was etwas vor der diskursiven Überformung ist läßt sich nicht sinnvoll sagen, das Wissen darüber wurde immer in vermachteten Prozessen hervorgebracht, in sofern macht es Sinn statt einem „Ding an sich“ nachjagen zu wollen, sich anzuschauen, wie sich beispielsweise das Sprechen über den Gegenstand geändert hat. Das heißt auch, daß die gesellschaftliche/kulturelle/sprachliche/usw. Bedingtheit unseres Wissens und Denkens zu hinterfragen mehr und anderes bedeutet als einfache „ist konstruiert“ oder „gibt es nicht“ Aussagen, sondern einen methodischen Aufwand erfordert; also vorsicht vor den falschen Denkabkürzungen!


#cutenessrevolution anderswo #5: Chiijohn

26. November 2019

Last Week Tonight beschäftigte sich bereits zuvor mit japanischen Maskottchen, u.a. mit einer Story über Chitan, einem inoffiziellen Maskottchen von welchem niedliche, aber äußerst kontroverse Videos kursierten. Abschlossen wurde der Bericht dadurch, daß als Ersatz für Chitan dem offiziellen Maskottchen der Stadt Susaki Shinjo-Kun ein neues, Moderator John Oliver ähnliches namens Maskottchen namens Chiijohn zur Seite gestellt wurde. Dazu gibt es jetzt eine sehr schön erzählte Folgegeschichte, die John Oliver mit Worten anmoderiert, die auch ein Grundsatzprogramm der Plüschstudies sein könnten:

The whole saga was heartwarming, wholesome and basically the exact opposite of what it feels like being alive right

Viel Spaß!

In Otter News: Ein Significant Otter auf Reisen


Hörflausch – Plüschtierstudies als Podcast

9. Oktober 2019

Eigentlich sollte nur der Plüschtiervortrag gesendet werden, jetzt wurde es dank Fiction for Fairies & Cyborgs doch eher ein Beispiel dafür was Freies Radio alles kann.

Fauchi Stormborn bei einem früheren Vortrag

Die freie Version findet sich Bei freie-radios.net und auf der soundcloud, doch aufgrund der CC-Lizenz können die Dateien ja auch weitergegeben oder woanders gespiegelt werden.

Mobile Abschlußkonferenz der Kulturellenpraxis zur Sendung


Frohen Brückentag!

4. Oktober 2019

Venedig gilt mit 426 Brücken in der historischen Altstadt als brückenreich. Hamburg verfügt über 2496. Hier Ansichten und Plüschies von unserer liebsten.


#cutenessrevolution anderswo: #4: Späte Rettung

26. September 2019

https://twitter.com/SusanWiseBauer/status/1176585215755657219

@SusanWiseBauer:
Fourteen years ago, my four-year-old daughter lost her dearest stuffed animal friend ever. Plurna was gone. We all wept. For months.

Today, my farm manager found Plurna in the woods wrapped in roots.

We washed her and she is whole.

I am speechless.

Vielleicht jetzt nicht die gewohnte theoretische Tiefe, aber eine herzzerreißende Geschichte von langer verbundenheit mit einem kuscheligen Companion.


#cutenessrevolution anderswo #3: Radwegwächter*innen

18. September 2019

https://mobile.twitter.com/nochrichten/status/1174353571040641027

Plüschtiere – der günstigeren Sorte – auf dem weißen Streifen der die Fahrbahn vom Radweg trennt aufgereiht. Bildunterschrift: „Mit Teddybären und vielen anderen Stofftieren auf der Markierung des Radfahrstreifens auf der Währinger Straße machte die
@radlobby das Radfahren dort für kurze Zeit sicherer. Gefordert wird eine kindergerechte Radinfrastruktur.“

Was machen wir aus Sicht der Plüschtierstudies daraus? Es scheint ja zunächst einmal gegen das fiktive Gesetz zum Schutz von Anscheinstieren zu verstoßen potentielle Companions auf eine befahrene Straße zu setzen; solch niedliche Wesen einer Gefahr auszusetzen fühlt sich unangenehm an. Und dieses unangenehme Gefühl ist beabsichtigt. Auch wenn diese Aktion damit einige Definitionen von Kunst erfüllen dürfte, werden die wehrlosen Plüschtiere hier nicht zu instrumentell eingesetzt? Zumal keine sündhaft teuren zu erkennen sind; also anzunehmen ist daß mit Schäden/Verlusten gerechnet wurde und sie als günstige Requisiten – also reine Objekte – erworben wurden.

Doch Plüschtiere – Teddybären zumal – können Beschützer*innen sein und gerade wenn ihre große Trampler Kinder sind, dürfte ihnen das ein Anliegen sein. Und um Schutz geht es hier ja in doppelter Hinsicht, zum einen unmittelbar – sie riegeln den Radweg vom motorisierten Individualverkehr ab – zum anderen in politischer Weise – sie machen darauf aufmerksam was für einer Gefahr sie und damit ihre Trampler durch diese Art von unzureichender Trennung ausgesetzt sind.

Sehen wir dies also nach Principle of Charity als eine Demo mutiger Plüschtiere und fordern: Plüschtiere an die Macht!


Intellenz

8. September 2019

Ist es – unter Berücksichtigung des „falschen Ganzen“1 herrschender Verhältnisse – intelligent die verfügbare Intelligenz zu nutzen um sich das Leben einfacher2 zu machen oder schwieriger?

Plüschschwein Sokrates3, alias „Sokra-Pig“


1 Schließungen des Möglichkeitsraums trotz scheinbarer Widersprüche – genauer: Gegensätze – innerhalb wird bezeichnet mit dem aus fortgeschrittenen Dialektikarten entlehnten wissenschaftlichen Fachbegriff „Gesamtscheiße“

2 „Einfacher“ heißt auch, die vorhandenen Handlungsoptionen hinzunehmen und somit die „Gesamtscheiße“ aus der sie entstammen dadurch performativ zu festigen, ein Phänomen was die Kritische Psychologie als „restriktives Handeln“ zu fassen sucht, welches dem Subjekt dieser Theorie zu Folge letztlich immer schade

3 „It is better to be a human dissatisfied than a pig satisfied; better to be Socrates dissatisfied than a fool satisfied. And if the fool, or the pig, are of a different opinion, it is because they only know their own side of the question.“ —John Stuart Mill