Gefahrengebiets-Playlist

6. Januar 2014

Zusammen mit Sanczny,
Dank an @loveheartcore & @fuerdieteilung

Weite Teile Hamburgs wurden aus recht zweifelhaften Gründen zum „Gefahrengebiet“ erklärt [1, 2], was massive Kontrollen [3, 4, 5], nicht-so-ganz-legale Durchsuchungen und Aufenthaltsverbote/Platzverweise für alle bedeutet, welche dem Profil entsprechen. Da sich Hamburger Polizist*innen ohnehin ungeliebt fühlen[6, 7], ließe sich ihr harter Alltag mit ein wenig musikalischer Beschallung der Anwohner*innen abwechselungsreicher gestalten.

Als Service der Kulturellenpraxis präsentieren wir deshalb:
Gefahrengebiet – eine Playlist für Gefahrengebiete und andere musikalische Notstände.

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Kai-Horst

1. Dezember 2012

Fast in einem Anflug von Nostalgie, soll hier ein Studierendencafé-Mem für die Nachwelt dokumentiert werden, das der Gründung der Kulturellenpraxis maßgebend vorausging.

Da jetzt zumindest die Existenz des NSU, sowie beunruhigende Verbindungen zum Verfassungsschutz herausgekommen sind, ist anzunehmen, bleibt zu hoffen, daß es wenigstens interne Disziplinarmaßnahmen gab. Sei es auch nur für das Herauskommen

Was aber ist die übelste Strafversetzung, die einem Inlandsgeheimdienst zur Verfügung steht? Freie Radios zu hören ohne Möglichkeit des umschaltens mag bisweilen unangenehme Momente haben – einige sendende sind Dilettan*n  -, doch beispielsweise FSK erfreut sich selbst bei der Hamburger Polizei hoher Beliebtheit.

Die übelste Strafversetzung aller Überwachungsbehörden ist der Horchposten Studierendencafé. Codename de* abhörenden lautet „Kai-Horst“. Stellen wir uns vor: den ganzen Tag pseudoakademisches Gelaber, gefühls- oder dogmenlinke Tiefflüge, Flugblattschreiben, endlose Sitzungen.


Facebook strikes back

4. April 2012

Irgendwie musste ich doch ein bisschen schmunzeln:

Waren Facebook, Twitter und Co. nicht bis vor kurzem noch die neuen Hoffnungen jeder Demokratie? Siehe Tunesien, Ägypten, Lybien: durch soziale Netzwerke wurde zur Revolution aufgerufen! Hier sprach das Volk!

Im Mordfall Lena nun auf einmal umgekehrt? Ein wütender Mob mobilisiert sich (siehe)! Auf einmal sind „fehlende Gatekeeper“ (Vorsicht, hier hat jemand nicht verstanden, wie ein Diskurs funktioniert) gefährlich!

Böses, böses Facebook, du (wenigstens vollüberwachter) Stammtisch! Lass du mal unseren Rechtsstaat in Ruhe! In Ägypten gerne! Aber hier pfui!


Zukunft der Sozialsysteme

13. September 2011

Ein Pilotprojekt zur Reform der Sozialsysteme wurde gestern von der britischen Polizei beendet. Ein angeblicher Sprecher des Arbeitsministeriums dazu: „daß wir nicht darauf gekommen sind! Hier wurden sonst komplett nutzlose Menschen wieder in die Arbeitsgesellschaft integriert, ohne eine Möglichkeit Kriminalität zu verursachen. Auch halten wir den Ansatz, die Lohnnebenkosten in ungeahnte Tiefen zu drücken für äußerst innovativ.“

Die Lehren aus diesem Fall sollen unter dem Arbeitstitel „Hartz5“ in einen Gesetzesentwurf gegossen werden, das Treitschke Institut für geisteswissenschaftliche Nutzenoptimierung zeigte sich zuversichtlich, die Ausschreibung gegen die Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft zu gewinnen, denn aus der Geschichte zu lernen heißt siegen lernen.


Terrorgefahr Fnord

11. September 2011

Ein Nachrichtensender. Im Hintergrund ein Deutschlandumriß in Schwarz-Rot-Senf, über welchen ein Fadenkreuz gelegt wurde; daneben ein Flick in grüner Uniform mit MP-5 und Beschußhemmender Weste. Der Fernseher ist recht leise, aus der Küche dringt Lärm und ich verstehe für einen Augenblick „Droht Deutschland ein Angriff von Polizisten?“

Einige Tage später dann Festnahmen. Also natürlich nicht von, sondern durch Polizisten (1). Nach aktuellem Stand zweifelhaft, ob auf Basis der vorhandenen Beweise überhaupt eine Verurteilung möglich ist. Sowas spricht in konservativer Logik nicht etwa gegen diese Aktion, sondern für mehr Überwachung und schärfere Gesetze


Demo der Zukunft

29. April 2011

Der ThinkTank des Treitschke-Instituts präsentiert: Sicherheitskonzepte für Demonstrationen der Zukunft. Da die Panzerung von ‚Menschen‘ und Gerät kaum auszuweiten ist und der Einsatz nichtmenschlicher Tiere eher einen Rückschritt darstellen dürfte, bleibt als einzige Möglichkeit, die eigenen Ausfallquoten weiter zu verringern die Angreifbarkeit herabzusetzen. Erreichen läßt sich soetwas dadurch, daß der Einsatz von fliegenden Drohnen massiv ausgeweitet wird.

Damit die Staatsmacht so oft es nötig ist massiv auszutreten hat, müssen wir allerdings die Kostenexplosion – beispielsweise durch Überstunden und Bereitschaftsdienste – eindämmen. Deshalb werden die Demo-Drohnen der Zukunft voll autonom handeln – wir bekämpfen gewissermaßen gleiches mit gleichem (pun intended). Nun werden einige rechtsstaatliche Bedenken haben, doch diese sind verfehlt. Beamten könnten Fehler unterlaufen – Gerichte stellen regelmäßig fest, daß dies in der Praxis nicht vorkommt, Fehlerhaft sind allenfalls die Überwachungskameras in entscheidenden Augenblicken , aber die theoretische Möglichkeit besteht -, während Drohnen nur auf vorher fest programmierte und von Juristen abgesegte Algorithmen ihre Gummigeschosse oder Tränengasgranaten abfeuern.

Die ersten Entwürfe werden gerade in Zusammenarbeit mit der Firma Cyberdyne Systems erprobt.


Handy Gassi-dienst

28. April 2011

Dank an ihdl

Kaum im Amt, fällt Neumann1 auf mit Vorschlägen, welche wir von ihm erwartet hätten: Echtzeitzugriff auf Mobilfunkdaten für die hamburger Polizei, da dieser sonst zu häufig vom Restrechtsstaatsbewußtsein einiger Richter*Innen unterbunden würde.

Halbwegs kompetente Kriminelle/Terrorist*n/Freiheitskämpfer* nehmen solch ortbare Geräte aber gar nicht zu ihren Machenschaften mit, daher dient dies höchstwahrscheinlich nur dem „Fahndungsdruck“, daß verdächtige künftig für daheimgelassene Handys verhaftet werden können. Ganz davon zu schweigen, um wievieles suspekter es wäre, gar keine Sim-Karte auf den eigenen Namen registriert zu haben.

Die Kulturellepraxis hat somit die Geschäftsidee für alle, die etwas zu verbergen haben; so etwa eine Affaire oder andere Eheprobleme: Den Gassi-Dienst für Händis – dieser führt die Geräte der Kund*n an unverfängliche Orten. Das schafft nicht nur einige Stunden der Privatsphäre – optional wird ein Maskenbildner zusätzlich das Gesicht der Kund*n für Überwachungskameras unkenntlich gestalten -, sondern ermöglicht gar ein bewegungsprofiltechnisches Alibi. Die Bezahlung erfolgt diskret in bar, wegen erhöhter Nachfrage mit Aufpreis für (sp)iPhones.


1 Wie schon Rio Reiser wußte: „Das ist unser Haus, schmeißt doch erstmal Scholz und Neumann und Kahrs aus Hamburg ‚raus“