Locker Room Talk

14. Oktober 2016

Nachdem diverse Anschuldigungen Donald Drumpf neige zu sexueller Belästigung wie soviele seiner Untragbarkeiten im „postfaktischen“ Diskurs versickert sind, fiel ihm das doch noch auf die Füße. Er, der sich – unprofessionell wie immer – im Januar über ein schlecht funktionierendes Mikrofon im Pensacola Bay Center beschwerte stolperte über ein allzu gut funktionierendes. Auf dem Weg zu einem Soap Opera Cameo in 2005 wurde ein Gespräch mitgeschnitten in dem Trump Hinweise zur sexuellen Belästigung von Frauen gab („Grab them by the pussy“; wir hoffen als Reaktion auf viel Pussy Riot). Jener Trump der die – sprichwörtlich gewordene – Silversternacht in Köln und die Behauptung, Mexiko schicke Vergewaltiger als Gründe gegen Migration sieht; der Unterschied sei „when you’re a star, they let you do it“. Daß sein Gesprächspartner Billy Bush ein Cousin des ehemaligen Gouverneurs und Präsidentschaftskandidaten-Kandidaten Jeb „FNX“[1] Bush war sei noch als pikantes Detail am Rade genannt.

Trump entschuldigte sich halbherzig mit der Begründung er sei nicht perfekt, es sei nur „locker room talk“ gewesen und Bill Clinton sei ja viel schlimmer. Dieser rhetorische Kniff, zu betonen wieviel schlimmer die anderen(tm) seien scheint das einzige was den Trump Anhänger*innen angesichts sinkender Umfragewerde und sich distanzierender republikanischer Partei bleibt. Wie jemand wie Trump überhaupt soviele Anhänger*innen bekommen konnte und wie der „postfaktische“ Diskurs – für den Drumpf wie kein anderer Populist steht – funktioniert sollte dringend ausführlicher aufgearbeitet werden, hier zunächst einmal „nur“ ein paar Anmerkungen zum „locker room talk“.

Es distanzierten sich u.a. Profi-Sportler von diesem Begriff, überraschenderweise werde beim Leistungssport in der Umkleide nicht über soetwas gesprochen. Daß deutsche Fußballer zugeben, schwule kollegen im Umkleideraum wären ihnen unangenehm tut scheinbar nichts zur sache. Nun mögen einige an feministischen Diskursen ernsthaft und wohlwollend teilnehmende männlich identifizierbare tatsächlich intakte Filterbubbles haben oder rechtzeitig aus dem Schrank gekommen sein um nichts von soetwas mitbekommen zu haben, aber leider ist derartiges sexistische Gelaber unter Heteromännern – auf Deutsch auch „Herrengespräche“ genannt – ein Ding.

Dies nicht zu verleugnen scheint auch deswegen so wichtig, da soetwas zu den Aspekten gehören, die das Aufwachsen als ungeoutet schwul oder asexuell schwerer machen, Menschen der geballten Heteronormativität aussetzen. Auch die Niceguys(tm) fallen ja nicht vom Himmel, wir könnten sie als das Produkt der in diesen Gesprächen ganz besonders übel manifestierten Diskurse darstellen. Diese Gespräche sind ein Reproduktionsmechanismus toxischer Männlichkeit in einer merkwüdigen – sehr drumpfigen – Überlagerung von „ich sage wie es ist“ und „ich meine es ja nicht ernst/wörtlich“. Freilich nicht so harmlos bei die Protagonisten behaupten, sondern ein oftmals unterbelichteter Aspekt der Rapeculture.

Ohne jetzt – nach sonstiger Gewohnheit – Diskurstheorie abzuhandeln sei vorausgesetzt, daß auf kommunikativem Weg Normalitäten und Selbstverständlichkeiten hergestellt werden und sich Diskurse zu etwas verdichten können was „Wahrheit“ genannt wird. Soziale Zusammenhänge können ihre eigenen Realitäten schaffen – im Extrem bei Sekten -, womit Theorien, welche diese Mechanismen untersuchen nicht die Ursache – killing the messenger -, sondern ein notwendiges Werkzeug sind, solch einen Irrsinn zu untersuchen.


Premiumsekten der Gegenwart (II)

11. Oktober 2014

Gastbeitrag von mr garde
Mehr zum Thema von der Redaktion siehe hier, hier und hier

Name: harte zeiten

Aktiv seit: 2005/1863

Hauptwerke: „Die Kunst des Geführtwerdens“, „Das fünfte Rad am Bobbycar“, „Der Rote Stuhl. 20 gute Haushaltstipps zum fortschrittlichen Abführen“

Wurde beeinflusst von: Ferdinand Lassalle, Liste LINKS, Ronald B. Schill, Olaf Scholz

Hat Einfluss auf: 1 (in Zahlen: einen) SPD-Parteitagsdelegierten

Verfeindete Denker: SPD-Landesparteitag, studentische Vollversammlungen, Ladenschlussgesetze

Beste Sätze: „Pie Jesu Domine, Dona Eis Requiem“; „Du betreibst doch die Politik des rechten Senats!“; „Wer keine Flugblätter verteilt, soll auch nicht essen!“

Wer harte zeiten mag, mag auch: Selbstkasteiung, intellektuelle Emetika, sozialliberale Koalitionen, Brotkrumen


Premiumsekten der Gegenwart

10. Oktober 2014

Gastbeitrag von mr garde
Mehr zum Thema von der Redaktion siehe hier, hier und hier

Name: Liste LINKS

Aktiv seit: 1993 (Gründungsakt in der Mensa), 1789 (längere Aufklärungstradition)

Hauptwerke: Zum Geleit (Teil I bis MMXIV); „Das ist doch Antikommunismus!“ – Wie man Kritiker (nicht nur) mundtot macht; Gestammelte Werke; Von Umbruch zu Umbruch: 1989 kleine Ratschläge für die kritisch-kooperative Lebensweise

Wurde beeinflusst von: Lawrenti Pawlowitsch Berija, Erich Mielke, Ronald B. Schill, „Rhymin‘ Simon“.

Hat Einfluss auf: Das Versmaß, Mensa-Currysoucen, Das Waldsterben, AOK-Beitragssätze

Beste Sätze: „Freude sei (sic!) der Maßstab des Gelingens!“; „Knackfrisch vom Bäcker / nicht zu groß, nicht zu klein / so muss ein wahrlich / linkes Brötchen sein“; „Das ist doch Antikommunismus!“

Wer Liste LINKS mag, mag auch: Nudeln vom Vortag, Schlafentzug, Good Cop/Bad Cop-Spielchen, Lobotomie

 


Sächsische Stadt

26. Februar 2014

Carole Magne fac itervm


Dank an @Anireyk & @unvollkommen

Disclaimer: Uns ist bewußt, daß sich die „Sachsenkriege“ eher auf dem Gebiet der heutigen Bundesländer Niedersachsen, sowie NRW abspielten, daß auch dieses Reich keine 1000 Jahre gehalten hat – gleichwohl länger als 12 – und daß sich um eine differenzierte Bewertung der historischen Person unabhängig von unkritischem Personenkult bemüht werden sollte. Diskussionsbeiträge zur Karolingischen Renaissance sind uns willkommen und deutlich interessanter, als solche zu Zeitgeschichtlichem. Auch Korrekturvorschläge und damit verbundene philologische Debatten sind auch erwünscht.

P.S.


Gefahrengebiets-Playlist

6. Januar 2014

Zusammen mit Sanczny,
Dank an @loveheartcore & @fuerdieteilung

Weite Teile Hamburgs wurden aus recht zweifelhaften Gründen zum „Gefahrengebiet“ erklärt [1, 2], was massive Kontrollen [3, 4, 5], nicht-so-ganz-legale Durchsuchungen und Aufenthaltsverbote/Platzverweise für alle bedeutet, welche dem Profil entsprechen. Da sich Hamburger Polizist*innen ohnehin ungeliebt fühlen[6, 7], ließe sich ihr harter Alltag mit ein wenig musikalischer Beschallung der Anwohner*innen abwechselungsreicher gestalten.

Als Service der Kulturellenpraxis präsentieren wir deshalb:
Gefahrengebiet – eine Playlist für Gefahrengebiete und andere musikalische Notstände.


Kulturellepraxis live

8. August 2013

Dank an Bewitchedmind für die Pellkartoffeln

„Was so ein paar Kartoffeln für die Lebenszufriedenheit bewirken können“ – „Das wurde wahrscheinlich 1845 auch gesagt“ – „Aber auch 1939 …“


Bauprojekte

16. Juli 2013

Schon jetzt gilt die unvollendete Elbphilharmonie mit 575 mio. Euro als das teurste Konzerthaus der Welt. Zum Vergleich: die Aussichtsplattformen des Fernsehturms wieder nutzbar zu machen wäre für 5-10 mio. machbar. Konzerte könnten auch hier stattfinden, die Akustik dürfte auch nicht schlechter sein, für das zu erwartende Interesse dürfte der Raum reichen. Angesichts der Berichterstattung über die Elbphilharmonie – siehe Ende dieses Artikels – besteht der Eindruck, als handele es sich um ein schlecht geplantes und lange verzögertes Projekt. Aber ist die Planung wirklich so schlecht? Ungeahnte Gewinne und lange gesichterte Arbeitsplätze deuten auf das Gegenteil hin. Und bislang kann von langer Bauszeit keine Rede sein, bedenken wir jene des Kölner Doms. Gleichwohl sich die Kosten für letzteren schwer errechnen lassen dürften, Hamburg hat hier nun endlich mal gelegenheit, zu zeigen was es kann und Köln im Bereich Korruption/Filz eindeutig gewachsen zu sein. Stuttgart und Berlin ohnehin: Der Neubau des Stadtschlosses dürfte, so nach historischen Plänen durchgeführt sogar funktionieren, in Preußen wurde Effiziente Planung noch großgeschrieben (siehe auch).

Angesichts dessen vermochten wir Gerüchte, besorgte Bürger*innen erstreben eine für die Stadt gesichtswahrende Exit-Strategie und suchen verzweifelt nach Weltkriegsbombenblindgängern (1), (2) für die Baustelle bislang nicht zu bestätigen. Da eine Fortsetzung des Baus den deutlich größeren Schaden anrichtet, scheinen auch terroristische Anschläge von Seeseite – wir erinnern uns, Terrorfahnder*innen in den Reihen unserer treuen Leser*innen begrüßen zu dürfen, an jenen auf die USS Cole – recht unwahrscheinlich. Und das nicht nur, weil kompetentes Personal schwer zu finden ist; bei jener kompetenten Architekturgestaltung könnte auch ein Schlauchboot ohne Sprengstoff reichen.

Ein Sprecher des Hamburger Landesamtsverbands linksextremistischer Chaot*innen & Terrorist*innen dazu: „Was Elbphilharmonie und Hafencity angeht, setzen wir lieber auf eine Nachhaltige Strategie. Im Rahmen der deutschlandweiten Flutkampagne [siehe (3), siehe nicht (4); Anm. d. Red.] sind unsere Mitglieder sind zu möglichst hoher CO2 Produktion aufgerufen. Muhaha, einzig Helmut Schmidt könnte uns noch stoppen!“

Mehr zur Elbphilharmonie von der Kulturellenpraxis:

Siehe auch Postillon: