Vorstellung

Herzlich willkommen in der kulturellen Praxis, einem kleinen Raum1, erstellt von einem Team vom Diskurs angerufener2, (d.h. gleichzeitig selbst ernannter) Blogger_Innen, welche sich der Anhäufung von Interessanz widmen.

Genauer betrachtet sind wir ein Stamm von Philosoph_Innen, The[le]olog_Innen, Magier_Innen, Wissenschaftler_Innen, Künstler_Innen, Clowns und ähnlichen Verrückten (und wären im Mittelalter nur die Fracht eines Narrenschiffes3, fliehen aber heute scharenweise ins Internet.) Wir sind verrückt, aber das heißt nicht, daß wir falsch liegen, wir sind irre, nicht krank4.5

Wir sind verortet im poststrukturalitischen Blogging, wie im blogstrukturalistischen Posting, letzteres hiermit – also performativ6 – ausrufend.

Wir behandeln weder Patient_Innen noch Klient_Innen, sondern Subjektivierungsprodukte. Im weitesten Sinne fallen unter diese Kategorie auch nichtmenschliche Tiere7 (Schrödinger starb, aber was ist mit seiner Katze? Sie ist Haustier unserer Praxis geworden, weshalb pawlow’sche Hunde – inklusive Pawlow – angehalten sind, draußen zu warten, bitte auch nicht die Türglocke8 benutzen!).

Da solche Behandlungen auch manchmal etwas härter ausfallen – gute Satire muß wehtun -, sind einige Artikel den Leser*innen nur auf eigene Gefahr zuzumuten und deshalb mit PAES markiert, was sowohl Triggerwarnung, Geschmackswarnung, als auch politische Ambivalenz inkludiert.

Wir verkünden weder die ‚power of positive thinking‘ noch die ‚power of positivst thinking‘, und verweisen in diesem Zusammenhang auf die ‚power of dispositives‘9, nur sie macht uns zu glücklicheren Positivist_Innen10. Dem Glauben an eine Regulierung des Subjekts durch innere Harmonie setzen wir die äußere Hegemonie11 entgegen, lehnen in diesem subjekttheoretischen Zusammenhang aber das Schema L 12 ab, da dies zur kantigen Hegelmonie führt. Stattdessen geht es uns ganz Geekig & Nerdig13 ums Hacken, den kreativen Umgang mit formalen Systemen in atypischem Nutzer_Innenverhalten.14

In unserer Praxis behandeln wir keine Wurzeln, suchen also gar nicht erst nach solchen, interessieren uns vielmehr für deren wissenschaftliche Deduktionen (das daoistische Chi ist die Wurzel vom stochastischen Chi-Quadrat, schon klar! Doch was ist dessen Ableitung?), dazu untersuchen und analysieren wir Brüche, die geradezu chronisch bei unseren häufigsten Besucher_Innen sind: der Wissenschaftsgeschichte15 und dem Diskurs16. Hin und wieder behandeln wir kleinere und größere philosophische Beulen17. Auch versuchen wir uns im orthopädischen Schreiben.18

Da wir binäre Oppositionspaare ablehnen19, gibt es für uns kein Denken in Kategorien aus Innen und Außen20 – wenn wie z.B. oben von Blogger_Innen die Rede war, sind damit selbstverständlich immer auch Blogger_Außen gemeint.

Wir wissen: „two things are certain in the long run: one is that we’ll all be dead; but another is that we’ll all be wrong.“21, lassen uns aber davon nicht den Spaß an unserer fröhlichen Wissenschaft22 verderben. So ist Niveau für uns keine Handcreme, doch scheuen wir auch die Falltüren im Niveaukeller nicht.

Wir wissen auch, dass ihr schon wisst, was wir meinen (oder doch nicht?23). Wer dies versteht, betrachte sich zum Re-Reading aufgefordert.

Ansonsten gibt es noch Weitere einleitende Worte und ein vorläufiges Best-Of (aus dem April 2011).


1Zum „spatial turn“ vgl.: Bachmann-Medick, Doris: Cultural Turns : Neuorientierungen in den Kulturwissenschaften; Reinbek 2006, c6, S. 284-328.

2 Althusser, Louis: Ideologie und ideologische Staatsapparate; in: ders.: Ideologie und ideologische Staatsapparate : Aufsätze zur marxistischen Theorie; Hamburg, Berlin 1977; S. 140-149. Vgl. Butler, Judith: Körper von Gewicht; Frankfurt/M 1997; S. 173.

3 Foucault, Michel: Wahnsinn und Gesellschaft; Frankfurt/M 1973; S. 25.

4 Zum Begriff der Krankheit vgl. Fleck, Ludwik: Über einige besondere Merkmale des ärztlichen Denkens (1927); in: ders.: Erfahrung und Tatsache : Gesammelte Aufsätze; Frankfurt/M 1983; S. 37-45, S. 43f.

5 Principia Discordia 00001.

6 Butler: Körper S. 309. Vgl. Martschukat, Jürgen; Patzold, Steffen (Hrsg.): Geschichtswissenschaft und „performative turn“: Ritual, Inszenierung und Performanz vom Mittelalter bis zur Neuzeit; Köln u.a. 2003.

7 Haraway, Donna Jeanne: The Companion Species Manifesto : Dogs, People and Significant Otherness; Chicago 2004.

8 Auch als kondinierter Stimulus für Pawlow deutbar: Foerster, Heinz von: Entdecken oder Erfinden : Wie läßt sich Verstehen verstehen?; in: Gumin, Heinz; Mohler, Armin (hrsg.): Einführung in den Konstruktivismus; München 2003 (7. Auflage); S. 41-88, S. 85-87. Zu Pawlow vgl. auch Rüting, Torsten: Pavlov und der neue Mensch : Diskurse über Disziplinierung in Sowjetrussland; München 2002.

9Foucault, Michel: Schriften in vier Bänden : Dits et écrits, Bd.3; Frankurt/M 2003; S. 392: „Gesagtes ebenso wie Ungesagtes, das sind die Elemente des Dispositives.“ Vgl. Ders.: Der Wille zum Wissen : Sexualität und Wahrheit 1; Frankfurt/M 1983; S. 86f.

10 Foucault, Michel: Archäologie des Wissens; Frankfurt/M 1994 (4. Auflage); S. 182: „Wenn man an die Stelle der Suche nach den Totalitäten die Analyse der Seltenheit, an die Stelle des Themas der transzendentalen Begründung die Beschreibung der Verhältnisse der Äußerlichkeit, an die Stelle der Suche nach dem Ursprung die Analyse der Häufung stellt, ist man ein Positivist, nun gut, ich bin ein glücklicher Positivist, ich bin sofort damit einverstanden.“

11 Clarke, John; Hall, Stuart; Jefferson, Tony & Roberts, Brian: S.39ff, in: Hall, Stuart & Jefferson, Tony (Hrsg.): Resistance through rituals, London, 1976.

12 Lacan, Jaques: The Seminar : Book II : The Ego in Freud’s Theory and in the Technique of Psychoanalysis, 1954-1955; New York (u.a.) 1988; S. 243. Online verfügbar.

13 Vgl. dieses Venn-Diagramm. An dieser Stelle sei in „Groundless Solidarity“ (Elam, Diane: Towards a Groundless Solidarity; in: dies.: Feminism and Deconstruction; London (u.a.) 1994; S. 64-88.) auf die Nrrrdz verwiesen, denn diese Kategorie sollte keinesfalls auf männliche Naturwissenschaftler verkürzt werden.

14 Vgl. Ganz, Kathrin; Gerbig, Do.: Diverser leben, arbeiten und Widerstand leisten; in: Arranca 41 (2010).

15 Kuhn, Thomas Samuel: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen; Frankfurt/M 2003; c.1, S. 15-24. Vgl. ebd. S. 12: „Wenn man die Geschichtsschreibung für mehr als einen Hort von Anekdoten oder Chronologien hält, könnte sie eine entscheidende Verwandlung im Bild der Wissenschaft, wie es uns zur Zeit gefangen hält, bewirken.“

16 Vgl. Foucault, Michel: Archäologie des Wissens; Frankfurt/M 1994 (6.Auflage); S. 156.

17 Wittgenstein, Ludwig: Philosophische Untersuchungen; Frankfurt/M 2003; S.83 (§119): „Die Ergebnisse der Philosphie sind die Entdeckung irgend eines schlichten Unsinns und Beulen, die sich der Verstand beim Anrennen an die Grenze der Sprache geholt hat. Sie, die Beulen, lassen uns den Wert jener Entdeckung erkennen.“

18 Haraway, Donna Jeanne: Introduction : A Kinship of Feminist Figurations; in: dies.: The Haraway Reader; New York (u.a.) 2004; S. 1-6, S. 2: „I want my writing to be read as an orthopedic practice for learning how to remold kin links to help make a kinder and unfamiliar world.“

19 Wittgenstein, Ludwig: Über Gewißheit; Frankfurt/M 1970 (Ersterscheinen Oxford 1969); S. 17 (§33): „Wir merzen also Sätze aus, die uns nicht weiterbringen.“ Bringt uns dieser Satz weiter?

20 Moebius, Stephan; Wetze, Dietmar J. (Hrsg.): absolute Jacques Derrida; Freiburg 2005.

21 Sahlins, Marhsall: Waiting for Foucault, Still; Chicago 2002; S. 2. Online verfügbar.

22 Nietzsche, Friedrich: Die fröhliche Wissenschaft; Leipzig 1887. Online verfügbar.

23 Vgl. Wittgenstein, Ludwig: Philosophische Untersuchungen; Frankfurt/M, 2003, S.91-93 (§139).

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