Querverweis

26. November 2016

Fauchi Stomborn, Comrade of Drag_ons
foto-0440aus dem Team der Kulturellenpraxis hat einen Gastbeitrag für die Prinzessinnenreporter geschrieben. Im Sinne einer „groundless solidarity“ hoffen wir alle, daß sich für kommende Kämpfe doch noch ein wenig Verstand zusammenballen läßt und danken den linkshirnextremistischen Prinzessinnen.


Flachzangen mal wieder

12. Februar 2016

Wider besseres Wissen las ich einen Artikel mit „Intersektionalität“ in der Überschrift und zwar diesen: http://jungle-world.com/artikel/2016/06/53480.html

Dabei ist immer wieder faszinierend, mit wie wenig geistigem Aufwand sich offenbar ein Artikel in einer überregionalen Zeitung veröffentlichen läßt. Früher hätte ich vielleicht nochmal „Intersektionalität“ erklärt, mache aber nicht kostenlos andererleute Arbeit mehr.

Zunächst einmal fällt die vernachlässigte Recherche auf. Hier werden zu den Ereignissen von Köln halbgare Überzeugngen präsentiert, ein Mädchenmannschaftsartikel gelesen, Intersektionalität, Critical Whiteness weder verstanden noch auseinandergehalten. Dies kennen wir von Debatten die mit Gerüchten über „die Postmoderne“ geführt wurden, auch hier konnten die wenigstens Autor*innen Postmoderne, Poststrukturalismus und Gerüchte darüber unterscheiden. Besonders spektakulär wird die Arbeitsweise des Artikels demonstriert im Zitat einer „Nadja Shehade“. Mutmaßlich sollte damit Nadia „Shehadistan“ Shehadeh bezeichnet werden; wird sie aber nicht. Abgesehen von der Peinlichkeit, in einem Artikel über Rassismus den Namen einer PoC falsch zu schreiben, spricht dies Bände über die Arbeitsweise der Autorin.

Nun ist das (fast) zitierte Blog Mädchenmannschaft ohnehin ein beliebtes Feindbild, sie zu rügen kann auch in diesem Artikel nicht fehlen: Kartoffeln wollen nicht Kartoffeln genannt werden und natürlich kennen sich diese in Rassenkunde aus, wissen also genau, wer „Nordafrikaner“ ist.

Als ich unironische Verwendung des Wortes „Denkverbote“ las, prüfte ich nochmal, ob ich wirklich auf der Seite der Jungleworld war oder einem Organ der „besorgten Bürger“.

Hier wird von „Realität“ gesprochen – allgemein ein schlechtes Zeichen – und vorgeworfen, daß „die Welt da draußen aber schlicht nicht ihr Forschungsgegenstand ist“. Nun, der Artikel dekliniert lediglich – zudem teils nach rechts anschlußfähige – Überzeugungen durch und kommt zu Resultaten, die auch wenig Ähnlichkeit mit dem haben, was von Leuten vor Ort berichtet wird – so etwas hier http://www.sueddeutsche.de/panorama/hamburger-tuersteher-die-groessten-probleme-machen-nicht-fluechtlinge-sondern-anzugtraeger-ueber–1.2857617#

Da läßt sich fragen, handelt es sich bei dem Realitätsgerede um eine pathische Projektion oder bloß Idealismus im Sinne der Überzeugung, daß die Realität mit den eigenen Konzepten übereinzustimmen habe? Jedenfalls können wir, wenn „die Welt da draußen“ einem „Forschungsgegenstand“ gegenüber gestellt wird, Antiintellektualismus feststellen. Da die Autorin beklagt, daß ihr Lieblingsthema Antisemitismus vernachlässigt werde, kann sie als Übungsaufgabe den Zusammenhang von Antisemitismus und Antiintellektualismus recherchieren.

Hier wurden mal wieder Wohlfühlgewissheiten eines Szenesplitters kenntnisfrei in Polemik umgesetzt und es beängstigt, daß Leute offenbar denken, an soetwas könnte etwas dran sein. Denn selbst wenn dies der Fall wäre, es dermaßen schlecht zu vertreten sollte selbst die Anhänger*innen dieser Meinungen abstoßen.

Die rot angestrichene Flachzange des Monats geht an: Hannah Wettig.


Nachtreten

2. Februar 2016

Verwurschtung eines Twitter-Memes,
müßt Ihr jetzt nicht unbedingt verstehen


Männer im Bildungssystem

29. Dezember 2014

Gastbeitrag von Hackerschorsch

Zu der angeblichen „Ungerechtigkeit im Bildungssystem“:

Bevor hier eine Ungerechtigkeit zweifelsfrei bewiesen ist, sollten wir keine voreiligen Schlüsse ziehen. Die Benotung in den Schulen erfolgt ausschließlich nach Leistung (und ist heute so gerecht wie nie zuvor!). Wir sollten uns einfach endlich eingestehen, dass Männer für geistige Aufgaben weniger geeignet sind. Das weiß doch eigentlich jeder: Jungs sind von klein an körperlich aktiver, interessieren sich für Bagger und Lastwegen. Sie sehnen sich nach einfachen körperlichen Tätigkeiten (Es gibt vielleicht Ausnahmen, aber werden die wirklich glücklich? Tut man denen einen Gefallen, wenn man sie lässt?).

Die Natur hat für den Mann eindeutig die einfachen körperlichen Tätigkeiten vorgesehen; Männer sind nun einmal kräftiger, das kann man nicht wegdiskutieren. Es ist daher schon in Ordnung, wenn Männer keine höhere Schulbildung bekommen.

Und überhaupt: Unser eigentliches Problem in Deutschland ist der Fachkräftemangel. Da kann man sich nicht aufhalten mit angeblichen Ungerechtigkeiten im Bildungssystem. Wir sollten uns lieber darauf konzentrieren, diejenigen, die besser geeignet sind für geistige und filigrane Tätigkeiten, also Frauen, effektiver darauf vorzubereiten.

Man muss als Mann ja gar nicht enttäuscht sein, keine höhere Schulbildung bekommen zu können, für unser Volk ist es auch wichtig zu baggern, zu schaufeln und schwere Sachen zu heben. Wir müssen den Männern nur genügend Anerkennung dafür zukommen lassen (ab und zu mal Schokolade und Blumen mitbringen!). Dann stört es sie auch nicht, wenn sie nicht studieren können.


Premiumsekten der Gegenwart (II)

11. Oktober 2014

Gastbeitrag von mr garde
Mehr zum Thema von der Redaktion siehe hier, hier und hier

Name: harte zeiten

Aktiv seit: 2005/1863

Hauptwerke: „Die Kunst des Geführtwerdens“, „Das fünfte Rad am Bobbycar“, „Der Rote Stuhl. 20 gute Haushaltstipps zum fortschrittlichen Abführen“

Wurde beeinflusst von: Ferdinand Lassalle, Liste LINKS, Ronald B. Schill, Olaf Scholz

Hat Einfluss auf: 1 (in Zahlen: einen) SPD-Parteitagsdelegierten

Verfeindete Denker: SPD-Landesparteitag, studentische Vollversammlungen, Ladenschlussgesetze

Beste Sätze: „Pie Jesu Domine, Dona Eis Requiem“; „Du betreibst doch die Politik des rechten Senats!“; „Wer keine Flugblätter verteilt, soll auch nicht essen!“

Wer harte zeiten mag, mag auch: Selbstkasteiung, intellektuelle Emetika, sozialliberale Koalitionen, Brotkrumen


Premiumsekten der Gegenwart

10. Oktober 2014

Gastbeitrag von mr garde
Mehr zum Thema von der Redaktion siehe hier, hier und hier

Name: Liste LINKS

Aktiv seit: 1993 (Gründungsakt in der Mensa), 1789 (längere Aufklärungstradition)

Hauptwerke: Zum Geleit (Teil I bis MMXIV); „Das ist doch Antikommunismus!“ – Wie man Kritiker (nicht nur) mundtot macht; Gestammelte Werke; Von Umbruch zu Umbruch: 1989 kleine Ratschläge für die kritisch-kooperative Lebensweise

Wurde beeinflusst von: Lawrenti Pawlowitsch Berija, Erich Mielke, Ronald B. Schill, „Rhymin‘ Simon“.

Hat Einfluss auf: Das Versmaß, Mensa-Currysoucen, Das Waldsterben, AOK-Beitragssätze

Beste Sätze: „Freude sei (sic!) der Maßstab des Gelingens!“; „Knackfrisch vom Bäcker / nicht zu groß, nicht zu klein / so muss ein wahrlich / linkes Brötchen sein“; „Das ist doch Antikommunismus!“

Wer Liste LINKS mag, mag auch: Nudeln vom Vortag, Schlafentzug, Good Cop/Bad Cop-Spielchen, Lobotomie

 


Offener Brief

10. Mai 2014

mit @Bediko, @Literalschaden, @Ultras_Luhmann, @sanczny und unnamed

Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit
Dr. Harald Parigger
Praterinsel 2
80538 München

Bayer. Informationsstelle gegen Extremismus im Landesamt für Verfassungsschutz
Knorrstr. 139
80937 München

 

Sehr geehrte Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, liebe Bayerische Informationsstelle gegen Extremismus im Landesamt für Verfassungsschutz,

mit Erstaunen mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass in Ihrer Sammlung linksextremistischer Ideologien, wir als queerfeministische poststrukturalistische Postmarxist*innen, postkoloniale Intersektionalist*innen / Critical Whiteness Schnubbis, radikale Linksluhmannianer*innen und Team Adorno nicht vorkommen. Wir sind auch linksextrem! Das Auslassen unserer linksextremistischen Strömung*en und die damit einhergehende Diffamierung als nicht-linksextrem empfinden wir als äußerst ignorant und verletzend.

Auch bei uns steht das Individuum nicht im Mittelpunkt, wir dekonstruieren es gar bzw. betrachten es als Teil der Umwelt. Auch unsere Theorien verknüpfen Wissenschaft und „Handlungsanleitung“ (siehe „Knutschverbot“, #mackergohome). „Dem Menschen angeborene, unveränderliche und vorstaatliche Grundrechte“ existieren auch unserer Auffassung nach nicht, sie sind immer Resultat einer historisch-diskursiven Formation. Selbst das Konzept des „Menschen“ teilen wir nicht.

Wenn von einer freiheitlich demokratischen Grundordnung die Rede ist, kann vom ‚Menschen‘ schon nicht mehr die Rede sein, da wir der Meinung sind, dass Menschen in sozialen Systemen sowieso nichts verloren haben. Nur das soziale System (oder halt die Klasse)! Der Mensch ist hier nur noch als irgendwie vorhandene Bedingung zur Entstehung sozialer Systeme notwendig und da schmunzeln wir nur. Aber klar, wenn es darum geht, zu einem sozialen System „eurer“ Umwelt zu gehören, sind wir sofort dabei. Denn auch wir wollen erwähnt werden, wenn es darum geht, linksextrem und gefährdend zu sein. Zur Not greifen wir auch zum Hardcover und schrecken auch vor der Benutzung bei Demos nicht zurück. Zum Glück schließt linksextreme Kommunikation eben auch an diese an. Und wir lassen uns nicht nehmen, dass auch in der Evolution linksextremer Kommunikation und Konstitution linksextremer sozialer Systeme die Linksluhmannianer*innen vorkommen. Und sowieso: „Systemtheorie ist eine besonders eindrucksvolle Supertheorie“ (Luhmann, Niklas: Soziale Systeme: Frankfurt/Main 1984; S. 19 Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 666)

Vom „Menschen“ zu sprechen ermöglicht sogleich dessen konstitutives Äußeres, Personen zu entmenschlichen. So sollte „Mensch“ nicht synonym für „alle“ verwendet werden – alle einschließen zu können ist auch eine Allmachtsphantasie -, da es sich hier um eine aus der kolonialen Aufklärung geborenes Konzept handelt. In diesem Sinne kann “man sehr wohl wetten, daß der Mensch verschwindet wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand.” (Foucault, Michel: Die Ordnung der Dinge: Frankfurt/M 1974; S. 462.)

Auch unsere Positionen haben starken Bezug zu „1968“, so läßt sich der Poststrukturalismus als Versuch deuten, die Lehren aus dessen Scheitern zu ziehen, so bot die Kritische Theorie Adornos und Horkheimers zu dem Zeitpunkt bereits eine entwickelte Alternative zu von Ihnen vorgestellten marxistischen Strömungen. Insofern möchten wir alle als „Weiterentwicklungen“ angeführt werden.

Auch wir halten es für geboten eine „kapitalistische“ (das heißt sowas Ähnliches wie der Euphemismus „marktwirtschaftlich“) Gesellschaftsstruktur als solche zu benennen, obschon Ökonomie unserer Ansicht nach lediglich als eine von mehreren – mindestens: Race, Class, Gender, Ability – zusammenwirkenden Machtachsen ist.

Gleichwohl nicht im Anarchismus verortet, klingen letztlich „Freiheit, Freizeit, Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung“ gar nicht so schlecht – rhetorisch hätte die Aufzählung übrigens besser aus dreien bestehen sollen.

Wir sind nicht damit einverstanden, als theoretische Intellektuelle des linksextremen Spektrums verschwiegen zu werden, nur weil wir nicht zur Traditionslinken zählen. Als Philosoph*innen könn(t)en wir Leute totquatschen unsere Texte eignen sich gesprochen wie geworfen zur Folter! Damit wären wir als „diskursiv gewaltbereit“ einzustufen. Auch wir lehnen Herrschaft, „Hierarchie und Unterordnung“ ab – gleichwohl mit einem elaborierteren Verständnis davon – und somit auch Sie, liebe Bayerische Landeszentrale und Informationsstelle.

Wir fordern Sie daher auf, uns als queerfeministische poststrukturalistische Postmarxist*innen, postkoloniale Intersektionalist*innen / Critical Whiteness Schnubbis, radikale Linksluhmannianer*innen und Team Adorno, in ihre Sammlung linksextremistischer Ideologien aufzunehmen, für die wir sicherlich eine Bereicherung darstellen, sowie hinreichend geschultes Personal einzustellen, sich mit unseren Ideologien auseinanderzusetzen; für entsprechende Fortbildungen wenden Sie sich gerne an uns.
Wir fordern Sie darüber hinaus auf, die angegebenen Aktionsfelder von Linksextremisten um Antirassismus, Anti-/Cis-/Heterosexismus, Kampf für Barrierefreiheit, freie Bildung, freie Software, Subversion, Freibier, alkoholfreie Erfrischungsgetränke und vegane Snacks zu erweitern.

Viva la revolución und mit freundlichen Grüßen
Ihre queerfeministischen poststrukturalistischen Postmarxist*innen, postkolonialen Intersektionalist*innen / Critical Whiteness Schnubbis, radikalen Linksluhmannianer*innen und Team Adorno