Science- & Humanities Fiction: Hoffnungen für Star Trek

27. März 2017

„I’d like a Star Trek future, where the abundance created by technology is distributed to all & we move past money to quality of life.“ —@aicilalewis

Dieser Tweet wirft so viele Ambivalenzen auf, daß es einen kleinen Blogartikel wert ist. Es wird nur manchmal am Rande erwähnt, gehört aber zu den Sachen die Star Trek so groß machen.

Das gibt-kein-Geld-mehr war leider nicht wirklich gut durchdacht und weist bisweilen Lücken auf, bleibt aber zumindest eine mutige Utopie. Daß bei VOY ausgerechnet geldähnliche Rationierung eingeführt wurde sobald die Ressourcen knapp zu werden drohten war somit ein Armutszeugnis.

Die m.E. schwiergiste Problem hierbei – und allgemeiner – ist die Frage des Miteinander. Immer unter der Prämisse daß im Bereich Subjekttheorie noch viel zu tun ist, das Verhältnis von Sein und Bewußtsein ein nichttriviales ist und besseres Miteinander keine Frage Pädagogischen Enforcement ist. Nehmen wir fürs Erste alleine die Annahme, daß nicht alle Konflikte verschwinden wenn Wohlstand gerechter verteilt wird, aber doch viele Arten von Konflikt betroffen sein dürften.

Zunächst einmal wäre zu fragen ob hier nicht sogar die Form eine Utopie darzustellen an ihre Grenzen stößt. Klare Aussagen – wie eben dieses „es gibt kein Geld mehr“ – wären auf dieser Ebene gerade ein Zeichen daß etwas nicht rund läuft; also wenn überhaupt müßte das zu subtil sein oder moralisierend holzhammern – und wir erinnern uns, es geht auch um sowas wie Unterhaltung oder vielleicht gar künstlerischen Anspruch.

Wichtiger Einwand gegen bei Star Trek zu sehende Praxen des Miteinander wäre, daß sowas wie Forschung in einer utopischen Zukunft hoffentlich nicht von einer militärischen Organisation durchgeführt wird; und manche militärische Traditionen vielleicht sogar für militärische Funktionen suboptimal sein könnten, nehmen wir als Beispiel alleine den Unterschied zwischen Uniform im engeren Sinne und Arbeitsbekleidung. Daß – bei Star Trek – häufig wichtige Entscheidungen in Konferenzräumen getroffen werden sei an dieser Stelle neutral vermerkt. Die einzelnen Führungsstile in den einzelnen Serien wären genauer zu untersuchen (stay tuned, grüße an den Rasterzeileninterrupt), aber allgemein bleibt die Hoffnung, daß es in einer utopischen Gesellschaft möglich sein sollte zumindest zeitunkritische Entscheidungen mit weniger Hierarchie gemeinsam(er?) zu treffen. Im Bereich Forschung ist das vielleicht z.Zt. utopischer als im Bereich Militär. Doch ob eine utopische Form Gemeinschaft für uns hier-und-jetzt Menschen überhaupt verständlich wäre darf bezweifelt werden; gerade da wir ja davon ausgehen, daß heutige Formen der Ressourcenkonkurrenz und die damit verzahnten Diskurse und Subjektivierungen überwunden sein werden/würden (ob und wenn ja wie sich diese Art von SciFi auf Zukunft bezieht klammern wir hier mal aus und nutzen die Arbeitshypothese, daß die Zukunft zumindest als Projektionsfläche für heutige Tendenzen dient, also SciFi doch irgendwie was mit sich-Zukunft-vorstellen zu tun haben könnte).

Jede Serie hatte ihre Zeitgebundenheit, beim Thema Sexismus ist seit TOS viel Positives geschehen, DS9 geht mit Homosexualität deutlich besser um als TNG usw., doch scheint hier beim sozialen Anspruch das Franchise ab VOY zu stagnieren, so daß in Bezug auf soziale Aspekte der Star Trek Utopie DS9 als Höhepunkt bezeichnet werden könnte. Noch hinzu kommen bei VOY und ENT bedenkliche Untertöne, beispielsweise Thematisierungen von Herkunft bei VOY, beispielsweise die Tatsache, daß das Foltertabu immer stärker erodiert – DS9 bleibt an dieser Stelle unabgeschmeckt, doch scheint ad hoc Picard der einzige mit Sicherheit in diesem Bereich vollkommen intgere Captain.

Zum Schluß sollten wir fragen weshalb es nicht mehr gelingt das utopische Potential zu erneuern (für spätere Verwendung: Dies wurde vor Veröffentlichung der 2017 erwareteten neuen Serie gepostet; und ja: pessimistische Prognose, sowie schwache Hoffnung sich zu irren) – die Märchenwelt von Star Wars erweist sich ja beispielsweise als recht gut aktualisierbar; interessanterweise gerade in Bezug auf Aspekte bei denen Star Trek mal Vorreiterrolle hatte: Auf der Brücke der ersten Enterprise saßen schon in den 60ern nicht nur weiße (daß nicht nur heterosexuelle stelle sich deutlich später raus) Männer! First Contact, ENT und das Film-Reboot verlagern das utopische Potential ja leider gar ins Retrofuturistische. Mit allzu verallgemeinernden Antworten, daß wir z.Zt. schlechte Bedingungen für Utopien hätten oder daß die Star Trek Utopie in einer Moderne verwurzelt sei deren Prämissen massiv zerfallen – also nicht mehr das Setting für zeitgemäße „postmoderne“ Utopien bieten könnten – machten wir es uns (hoffentlich) zu einfach. Also fragen wir als wissenschaftsbegeisterte Geeks, Freaks & Nerds doch mal wieder: Wie wollen wir das Weltall erforschen?


#Newstweet

19. November 2013

+++++ Super 8: Horror für Fahrradfahrer*innen auf Schmalfilm +++++


Kulturellepraxis live: Masken

20. Februar 2013

„Lieber eine Stormtrooper-, als eine Guy-Fawkes-Maske, dann hält eine* niepserd für eine* Antiimp“


Riots in Hollywood

31. Oktober 2012

+++Eilmeldung+++

Riots in Hollywood wegen „Innocence of Muslims“. Aufgebrachte Cineast*innen, engagierte Independent Regisseur*innen und ehrgeizige Drehbuchautor*innen lassen ihrer Wut freien Lauf, wiesehr dieser Film alle Ideale guten Kinos, gar ihren auf gute Filme ausgerichteten Lebensstil beleidigt.


Leak: Schwarz-Rot-Gold Productions

3. Oktober 2012

Gastbeitrag von Balduin

Nun sind die Planungen für den letzten, unvollendeten Eichinger-Film geleakt. Stellen wir uns ein verrauchtes Hinterzimmer vor:

Eichinger: Ich suche nach einer Idee für einen neuen Film
Bruno Ganz: Wie wäre es mit einem Nazi. Und Kommunisten. Genau: Ein Nazi der sich in einen Kommunisten verliebt.
E: Ein Schwulendrama im Dritten Reich?
Til Schweiger: Ja genau!
Praktikant: Ich habe Adorno gelesen, Schwule Nazis finde ich extrem stimmig
Stefan Aust: Naja, wenn das historisch stimmig sein soll, müssen wir noch Herrn Knopp für das Drehbuch gewinnen. Und Anne Will (oder wie die gerade heißt), kann dann den Film bewerben, als Zuständige für deutsche Aufarbeitung.
Eichinger: Aber wasnützt der beste Film, wenn in ihm keine junge, blonde Nachwuchs-Darstellerin auftaucht, die ICH entdeckt habe?


Equi-Feminismus

16. August 2012

Es existiert eine neuer feministischer Trend, der Equi-Feminismus. Devise dieses Feminismusverständnis lautet:

Ex equo pugnare

Was sie angenehm von den Equity-Feminist*innen unterscheidet, welche nur von selbigem erzählen. Allerdings ist der Anteil an männlich identitifizierten Anhänger*innen bedenklich hoch. Auch ein beliebter, aber zu vermeidender Fehler sind Verwechselungen mit dem Eques-Feminismus (dessen Anhänger*innen als Equitates bezeichnet werden).

Ziel des Equi-Feminismus ist, feministische Konzepte von jener Art her (genauer: Der Unterart Equus ferus caballus) zu denken. Der antiobjektivistische Aspekt einer solchen Vorgehensweise lehnt sich an die Standpunkttheorie von Haraways „Situated Knowledges“ an und wird vereinfachend durch den einschränkenden Zusatz „my“ verdeutlicht. Auch wurde die begrenzte Reichweite anthropozentrischer Aussagen bewußt mitgedacht und deshalb als weitere Einschränkung i.d.R. ein zusätzliches „little“ hinzugefügt.

Vertreter*innen dieser Richtung betonen in Tradition der Queer Theory eine Vielfalt und Vervielfältigung von Femininitätskonstruktionen. Eine Vordenkerin faßt die Grundkonzepte folgendermaßen zusammen [Quelle: Internet]:

  • There are lots of different ways to be a girl. You can be sweet and shy, or bold and physical. You can be silly and friendly, or reserved and studious. You can be strong and hard working, or artistic and beautiful. This show is wonderfully free of “token girl” syndrome, so there is no pressure to shove all the ideals of what we want our daughters to be into one package. There is a diversity of personalities, ambitions, talents, strengths and even flaws in our characters–it’s not an army of cookie-cutter nice-girls or cookie-cutter beauty queens like you see in most shows for girls.
  • Find out what makes you you. Follow your passions and ambitions [die Anlehnung an den existenzialistischen Feminismus Simone deBeauvoirs ist hier eindeutig zu erkennen, Anm. d. Red.], not what others expect of you. For instance, if you like sports don’t let someone’s suggestion that that is unfeminine stop you from doing what you love. Be considerate of others’ feelings, but not at the expense of your own goals and dreams.
  • You can be friends with people who are vastly different from you. And even though all friendships have their share of disagreements and moments when you don’t get along, that does not mean that your friendship has to end.

Hierdurch wurde das Konzept der Solidarität radikalisiert, mit dem Ergebnis, daß Freundschaft magisch sei.


Kulturellepraxis live

3. Mai 2012

Mit Bulduin

„Der Mittler zwischen Hirn und Hand ist das Herz“ – „Und Schriftsteller sind Ingeneuere der Seele“