Unvollendete Postmoderne?

5. Januar 2017

Ja, ich weiß, wir waren niemals modern, wieso sollten wir deshalb von der „Postmoderne“ sprechen? so Latour, citation needed Vielleicht um auch die Postmoderne als unvollendetes ProjektLabermas, citation denied wiederzubeleben, als Hoffnung, unser Verhältnis zu einigen Denkgewohnheiten der Moderne – laut Kulturellepraxis die „Zukunft der Vergangenheit“ – produktiv ändern zu können. Sozusagen die Moderne redigieren.Lyotard I think, citation sowas von needed

Das dachte ich jedenfalls als mir dieses Zitat via Twitter unterkam.

Da leider z.Zt. nicht die Ressourcen für einen vollwerttigen Blogessay zur Verfügung stehen, nur kurz ein paar Fragen dazu angerissen – Baustelle betreten erbeten, Cyborgs haften für ihre Subjektivierungen:

  • Wir brauchen ein anderes Verhältnis zu Wahrheit als das alltagsintuitive „ist so“
    • Die Methode – und Transparenz dieser, m.E. eine der Säulen aller Wissenschaft – spielt eine größere Rolle als das Ergebnis, es ist nicht egal woher oder wieso eins etwas weiß
  • Viele Denkmethoden gehen von einem Mangel an Informationen aus. Wir brauchen mehr und bessere Methoden um mit einem Überfluß an diesen klarzukommen
    • Wo z.B. „jumping to conclusions“ ein mutiger Sprung statt eine denkfaule nachlässigkeit ist
    • D.h., methodischer Zweifel ist mehr gefragt als in Situationen in denen methodisches Raten gefragt ist
  • Die Informationen denen wir ausgesetzt sind, sind widersprüchlich. Wir müssen einen Umgang mit Brüchig- & Widersprüchlichkeit des Diskurses finden
    • Ex contradictione quodlibet sequitur, rein logisch wäre es zulässig, aus dem widersprüchlichen Informationsnoise zu folgern was beliebt
    • Die Vorstellung, die Wahrheit sei klar, einfach und unwidersprüchlich und die Welt sei durch genug Informationen komplett deduktiv zu erklären bringt uns als Leitbild nicht (mehr?) weiter, die Versuchung liegt nahe, soviel auszublenden, daß am Ende etwas der äußeren Form der eigenen Vorstellungen von „Wahrheit“ nahekommt. Und das erhöht die Täuschbarkeit.
      • Beispiel: Authentizität: Die Hoffnung auf etwas Echtes läßt auf Zeichen für Echtheit suchen, womit diese niemals authentisch, sondern auch immer hergestellt ist
  • Ziel sollte es sein, sich die Welt nie als zu einfach vorzustellen und jedes Modell als Komplexitätsreduktion statt als Abbildung (inkl. Teilabbildung) zu begreifen
  • Was als „Low-Level-PoMo“ in vielen Köpfen geistert – v.a., aber nicht ausschließlich denen der möchtegern-„Kritiker*innen“ – sind überwiegend vorschnelle und undifferenzierte Antworten auf wichtige Probleme
    • „Dann ist doch alles relativ“, „kann doch nicht alles anzweifeln“ usw. ist einfach nur langweilig
    • Eine Ontologie, die nur zum Ziel hat, das eigene Rechthaben zu begründen ist Bitverschwendung
    • Standpunkttheorie mit einer Vogelperspektive sozialer Strukturen zusammenzuflanschen ist banane
  • „Sinn machen“ ist zwar ein Anglizismus, aber ein sinnvoller: Sinn ist nichts was da ist und entdeckt wird (in your face, Platon), sondern etwas das – auch sozial – hergestellt wird. Von daher gilt es, die Mechanismen der Herstellung besser zu verstehen und sich dazu sinnvoller verhalten zu können
    • Statt „aber das Materielle“ zu schreien um im Namen der Wahrheit der eigenen Willkür zu frönen
    • Statt angesichts frustrierender Nonsensdiskussionen jeden Einwand als Angriff abzutun und sich in die Filterblase zurückzuziehen
  • Trotz allem eine gute Idee der Aufklärung: Denken lernen, Denkfehler erkennen und reduzieren

Alt Write

26. Dezember 2016

Anspruch:

„Es eigentlich ganz OK, Sprache entwickelt sich lebendig weiter und wenn die Anzahl der Fälle verringert wird ohne die Ausdrucksmöglichkeiten zu beschränken macht es diese sogar eleganter. Es gibt voll funktionstüchtige Sprachen mit deutlich mehr und auch mit weniger. Was zählt ist doch, daß die Kommunikation – oder die Differenzierung oder das Sprachspiel oder die Koordination von Koordinationen oder wasauchimmer Sprache macht – funktioniert und die Funktionsweise ist ja nicht betroffen; im Gegenteil: Einfacher heißt oftmals weniger Risiko zu Mißverständnissen. Finde ja auch die ähnlich und aus ähnlichen Ecken beklagte Entwicklung zum Anglizismus ‚Sinn machen‘ extrem sinnvoll, wir sollten uns bewußter werden, daß Sinn etwas Gemachtes und nicht etwas sich passiv Ergebendes ist. Und letztlich stehen hier doch auch nur Gewohnheiten gegeneinander. Einziger Grund darauf zu bestehen ist doch so ein klassistischer Standesdünkel, als ließe sich mit soetwas die eigene Privilegierung begründen oder absichern. …“

Wirklichkeit:

„Das heißt ‚wegen des‘ und nicht ‚wegen dem‘!“


Mittel der Philosophie

17. September 2016

Beiträge von Kai Denker

Womit philosophiert werden sollte (Achtung: der Einsatz von Kernwaffen gilt nicht als Dekonstruktion)

  • Attische Dikastes: Schierlingsbecher
  • Nietzsche: Hammer
  • Ockham: Rasierer
  • Francis Bacon
  • Descartes: Methodischer Zweifel
  • Marx: Gespenster
  • Derrida: Marx‘ Gespenster
  • Mao: „‚Die politische Macht kommt aus den Gewehrläufen“
  • Fichte: Hauslehrerjobs
  • Philippa Foot: Gedankenexperimente/Straßenbahnweiche
  • Frege: Formale Logik
  • Carnap: Nur Logik und Wahrnehmbares
  • Sheffer: Strich
  • Gettier: Gegenbeispiele/Smith & Jones
  • Foucault: Werkzeugkiste
  • Deleuze: Fingernägel
  • Camus: Gauloises
  • Husserl: Aschenbecher
  • Russell: Tabakpfeife
  • Labermas: Argumente
  • Haraway: Cyborgs, Hunde uvm.
  • Schopenhauer: Pudel
  • Leibnitz: Alberne Perücke
  • Kant: Sein Ding an sich
  • Wittgenstein: Schürhaken

Kritik der Kritischen HAS-Kritik – Wir sitzen immernoch in einem Boot

24. Februar 2016

Schon interessant: die Art in der einstmals der Poststrukturalismus (meistens als „Postmoderne“, wer da keinen Unterschied sieht ist Teil des Problems und möge sich als Flachzange bezeichnet sehen) kritisiert wurde findet jetzt Anwendung auf die Human-Animal-Studies (HAS). Gut, auch in diesen gibt es Pomobashende Adorniter*innen, aber dies nur am Rande, tu quoque als argumentum ad hominem wäre ein non sequitur.

Jedenfalls tauchte (mal wieder) ein Sokal-esker Hoax auf, dieses mal auf einer Konferenz zu den HAS; deren Thema war recht konventionelle Kulturgeschichte. Nun wurde bereits vieles zum Thema gesagt, so daß hier v.a. ein paar Links zum selber denken zusammengetragen werden sollen

Zusätzliche kommentierten die Kaffeehausdilettant*n auf FSK:

  • Daß Belege – inkl. Archivmaterial – gründlich gefälscht wurden und einige steile Thesen im Review für eine Konferenz erstmal nicht auffielen sagt nichts aus über wissenschaftlichen Anspruch. In Naturwissenschaften flogen oftmals gefälschte Mess“ergebnisse“ erst nach Jahren aufCitation needed; siehe auch
    • Welche Thesen der HAS wie steil sind ist Teil der Kontroverse, sollte also nach geisteswissenschaftlichen Qualitätsstandards keinesfalls implizit verhandelt werden
  • Auch im Bereich der Informatik sind bereits Scherz-Artikel (automatisch generierte Papers) auf Konferenzen angenommen wordenCitation needed ohne daß dies breit Theorien, Fachbereichen oder Wissenschaftsgattungen angelastet wurde
    • Anzunehmen, nur weil Forschung nicht Politik als Gegenstand hat sei ihre Wahrheitsproduktion unpolitisch ist (leider?) ein Kategorienfehler
  • „Kritik“ ist stets ein – meist die eigene Bedeutung hervorhebender – Zug im akademischen Betrieb
    • Es wäre zu klären, wie innerakademische Kritik nicht Teil des Problems sein kann
    • Ein Teil des Problems ist innerakademische Kritik stets, wenn er die eigene Ingroup als ungerechtfertigt um Ressourcen gebracht sieht: Wissenschaft ist ein Prozeß, nicht das Ergebnis, also sollte „Wissenschaftlichkeit“ keine Frage der Positionen sein
      • Es geht hart & ungerecht zu. Eine konkurrierende (oder gar schwächere) Gruppe für schuldig zu erklären erinnert uns an …?
    • In der Diskussion unterbelichtet bleibt die gewachsene akademische Konkurrenz. Diese schlägt sich auch in Evaluationsverfahren (z.b.: wieviel wurde wo publiziert) nieder. Evaluation produziert leider in erster Linie Evaluationsergebnisse, nicht Qualität
      • Daß im gegenwärtigen Peer-Review System der Wurm ist, ist eine BinsenweisheitCitation needed, dennoch klammerten die Fälscher*innen diese aus ihrer Kritik aus
    • Es wäre – geschichts- & sozialwissenschaftlich – zu untersuchen, inwieweit innerwissenschaftliche Logiken gegenüber außerwissenschaftlichen „Sachzwängen“ an Bedeutung verlieren; eine reine und nur auf Wahrheit ausgerichtete Wissenschaft hat es zu keinem Zeitpunkt und in keinem Fach gegebencitation needed
  • An den gesunden Menschenverstand (GMV™) zu appellieren ist unwissenschaftlich
    • Der GMV sagt: Die Erde ist flach
    • U.a. durch den Cultural Turn wurden Alltagsphänomene geistes-/kultur-/sozialwissenschaftlich untersuchbar, am Gegenstand ist der wissenschaftliche Anspruch nicht ohne weiteres zu erkennen
    • An einer Prämisse läßt sich selten die Qualität eines wissenschaftlichen Ansatzes zu erkennen
    • Autodeterminierung des Anwendungsbereichs: Im Gegenteil lebt der wissenschaftliche Prozeß davon, daß Ansätze auf unintendierte Bereiche ausprobiert werden. Alleine um zu prüfen ob sich Ansätze der HAS in der Forschungspraxis als fruchtbar erweisen oder nicht, muß ihnen erstmal eine Irrtumslizenz ausgestellt werden
  • Kommt.Uns.Nicht.Mit.Humanismus!
  • Die Rolle der Ethik in der Wissenschaft
    • It’s complicated

Kleidungsvorschrift

16. Juli 2015

Nach Diskussionen um ein Hotpantsverbot an Schulen bringt die Philipp-Lenard-Akademie für Ingenieur- und Naturwissenschaften der European Scientific Organisation Kleidungsvorschriften für Physikstudierende ins Gespräch. Ein naheliegender Trend, wenn wir Verschulung des Studiums – inkl. Elternabende – bedenken, sowie die allgemeinen Tendenz zu formalerer Bekleidung unter jungen Leuten. Dies greift Debatten im Vorfeld wie „Distractinglysexy“ auf, da v.a. auch Frauen unter den Folgen falscher Bekleidungswahl zu leiden haben. So ist es doch im Interesse aller, wenn künftig unnötige Kontroversen durch Verbote vermieden werden. Gerade am Fachbereich Physik kann manche Kleidung gewaltige Kontroversen hervorrufen, so wäre es besser, wenn Strings zu tragen verboten ist!


Hirnknoten

11. Juni 2015

Nur ein Satz zum Thema Hirnfroschung

Immer wenn leute sich von ihrem Gehirn trennen und plötzlich dank Neuro-Populärwissenschaft damit zwei Personen sind, frage ich mich: Wenn wir nach Ockham’s Razor die Anzahl der zur Erklärung notwendigen Entitäten (Entität:=Philosophisch für „Dingsbums“) möglichst klein halten sollen, brauchen wir überhaupt ein Gehirn – „Seltsamer Zufall, dass alle die Menschen, deren Schädel man geöffnet hat, ein Gehirn hatten“1?


1 Wittgenstein, Ludwig Josef Johann: Über Gewißheit; Frankfurt/M 1970; S. [suchsdirselbstraus].


Männer im Bildungssystem

29. Dezember 2014

Gastbeitrag von Hackerschorsch

Zu der angeblichen „Ungerechtigkeit im Bildungssystem“:

Bevor hier eine Ungerechtigkeit zweifelsfrei bewiesen ist, sollten wir keine voreiligen Schlüsse ziehen. Die Benotung in den Schulen erfolgt ausschließlich nach Leistung (und ist heute so gerecht wie nie zuvor!). Wir sollten uns einfach endlich eingestehen, dass Männer für geistige Aufgaben weniger geeignet sind. Das weiß doch eigentlich jeder: Jungs sind von klein an körperlich aktiver, interessieren sich für Bagger und Lastwegen. Sie sehnen sich nach einfachen körperlichen Tätigkeiten (Es gibt vielleicht Ausnahmen, aber werden die wirklich glücklich? Tut man denen einen Gefallen, wenn man sie lässt?).

Die Natur hat für den Mann eindeutig die einfachen körperlichen Tätigkeiten vorgesehen; Männer sind nun einmal kräftiger, das kann man nicht wegdiskutieren. Es ist daher schon in Ordnung, wenn Männer keine höhere Schulbildung bekommen.

Und überhaupt: Unser eigentliches Problem in Deutschland ist der Fachkräftemangel. Da kann man sich nicht aufhalten mit angeblichen Ungerechtigkeiten im Bildungssystem. Wir sollten uns lieber darauf konzentrieren, diejenigen, die besser geeignet sind für geistige und filigrane Tätigkeiten, also Frauen, effektiver darauf vorzubereiten.

Man muss als Mann ja gar nicht enttäuscht sein, keine höhere Schulbildung bekommen zu können, für unser Volk ist es auch wichtig zu baggern, zu schaufeln und schwere Sachen zu heben. Wir müssen den Männern nur genügend Anerkennung dafür zukommen lassen (ab und zu mal Schokolade und Blumen mitbringen!). Dann stört es sie auch nicht, wenn sie nicht studieren können.