Gewaltfreie Kommunikation

28. Dezember 2018

Pro:
Erstaunlich viele Konflikte basieren auf Kommunikation. Sie ist Operationsweise unseren Miteinanders und ein besseres Miteinander ist das Α&Ω besserer Gellschaft. Bedenken wir, daß Autentizität ein zeichenbasiertes Konstrukt ist, also auch eine scheinbar unregulierte Kommunikation keine ursprüngliche oder natürliche ist, sondern nur anderen – durchaus kritisierenswerten und kritisierbaren – Strukturen folgt. Die Freheit der einzelnen endet schließlich bei der der anderen. Polemisch zugespitzt: Nicht jede Mackerei muß als edgy Diskussionsstil anerkannt werden.
Lassen wir uns also nicht von den schlimmsten Versuchen entmutigen.

Contra:
Wir können zunächst einmal die Beobachtung festhalten: Es funktioniert anscheinend nicht so wie angenommen bzw. erhofft; und macht viele aggressiv. Scheinbar „weichgespülte“ Gruppierungen können in der Sache überraschend hart und kompromißloslos werden. Die „Gewaltfreiheit“ droht bisweilen in ihr Gegenteil zu umzukippen.
Als mögliche Erklärungen können wir unterschiedliche Theorien darauf werfen.
Zwar bezog sich Tiefenpsychologie-Vorläufer Nietzsche explizit auf das Christentum, doch seine Denkfigur, daß Verdecktes, Uneingestandenes, Verdrängtes unter der Oberfläche umso stärker nachwirkt, zumal wenn es kollektiv kanalisiert wird greift auch gerade hier.
Dann gehört Kult um die „Ich-Aussage“ kritisiert: Ziel sollte sein, sich vom behauptet-objektiven Standpunkt zurückzuziehen um Raum zur Aushandlung zu lassen. Tatsächlich macht dieser Rückzug aber die eingenommene Position unangreifbar, einer Ich-Aussage läßt sich nicht sinnvoll widersprechen. Es geht darum einen gemeinsamen Bezugsrahmen zu schaffen; dieser ist nicht die Realität, aber im Endeffekt eine.
Mit Luhmann’scher Systemtheorie können wir darüber hinaus einwenden, daß die einzelnen Menschen nicht als Teil des Systems betrachtet werden sollten, sondern als Teil von dessen Umwelt, da sonst sie – und nicht nur ihre Inputs – systemgerecht gemacht werden müssen.
Sich auf Mittel statt Inhalte zu beziehen scheint zunächst neutral, doch können diese auch so gewählt werden, daß bestimmte Postionen unangreifbarer oder angreifbarer werden; also schlimmstenfalls werden z.B. Einwände nur in einer Form zulassen, wenn diese ineffizient bleiben können. Doch wie auch immer die Mittel konfiguriert werden, die Suche nach Mitteln setzt den mit ihnen zu erreichenden Zweck ersteinmal absolut, enzieht also diesen implizit der Aushandlung. Hier liegt ein zentraler Punkt: Was wird wie und warum der Aushandlung entzogen; wenn das implizit/unansprechbar passiert ist die Intuition es mit versteckt aggressiver Durchsetzung zu tun zu haben berechtigt, dann sollte „gewaltfreie“ Kommunikation aggressiv machen! Nicht daß in Metakommunikation nicht auch zur Ablenkung von der nötigen dienen kann; aber die Fallacyforschung lassen wir heute mal weitgehend aus.
„Suche“ nach Mitteln bedeutet zudem auch anzunehmen, daß es ein geeignetes Mittel geben müsse, ein fataler Fall von Methodengläubigkeit.
Anzunehmen oder zu fordern das Miteinander habe ein harmonisches zu sein birgt das Risiko, alles was als Störung der Harmonie wahrgenommen wird als außerhalb zu verorten, was sowohl bedeutet einzelne Personen oder Gruppen als ein Außerhalb oder Problemträger wahrzunehmen zu können als auch Verschwörungstheorien – also hinter jeder wahrgenommenen Störung versteckte böse Absichten von einem tatsächlichen oder Imaginären Gegner zu vermuten – begünstigt.
Wenn wir also überlegen wie wir unser Miteinander und dessen Operation, die Kommunikation gestalten wollen sollten wir die Warnung des Argumentationstheoretikers Harald Wohlrapp berücksichtigen: Handelt es sich bei unserer Theorie vielleicht um „Schönwetterrelativismus“?

Fazit
False Dilemma. Habe ich gerade eine Diskussion mit mir selbst verloren?

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Overthinking

11. Dezember 2018

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Lese das und überlege wie sich das modifizieren ließe. Ja, zugegeben: Wie ich einen Abstauberspruch mit kleinen verbesserungen bringen kann. Die nationalistischen Kontinuitäten lassen sich ja alleine schon aus dem Wort „Volk“ rekonstruieren – ohne die Ambiguität hier herunterspielen zu wollen; [eigentlich müßte ich auch noch was zur Bedeutung dieser für politische Bewegungen hinzufügen], aber da laufe ich Gefahr die gegenwärtigen rechten Bewegungen zu verharmlosen oder gar die DDR zu verherrlichen; [hier müßte noch eine klärende Bemerkung wie Kritik am Ostblock-„Sozialismus“ nicht mißverstanden werden sollte].

Wie @RubenMmkay doch so schön parodierte: „Keine Parolen, nur die ganze Wahrheit!

Solche Überlegungen deuten aber darauf hin daß es möglich und erstrebenswert sein könnte auch kurze pointieret Sachen mit ungeahnter Reflexionstiefe zu unterfüttern. Was heißt daß das beliebte Journalist*innenargument „ich habe nur x Zeichen“ aufs schärfste zurückgewiesen werden sollte, geht es darum daß sich kurz und verständlich zu fassen einfaches Denken und begrenztes Wissen erfordere, das ist ein Kategorienfehler. Doch halt – Principle of Charity: Ein Argument sollte zunächst als stärkstmögliche Form gedeutet werden! Unter kapitalistischen Bedingungen für ein ohnehin schon geringes Zeilengeld in Dissertationstiefe zu recherchieren treibt die Selbstausbdeutung zu weit.

Ja, das alles läßt sich problemlos als ein massiver Fall von Overthinking deuten. Doch gelten Liegestütze idr. nicht als „Overmoving“!


Nachtrag: Kommen wir nochmal zurück zu den Modifkationsmöglichkeiten eines solchen Spruchs. Die angedeutete mögliche Debatte um Wertungen und Nuancen ließe sich auch als Austausch von Varationen führen; fast schon eine mikro- & offline-Form von Memes. Also z.B.: Eine Person modifiziert den Spruch dahingehend den nicht-ganz-emanzipatorischen Charakter von ’89 überzubetonen. Wenn die nächste jetzt sagt: „Du mit Deiner DDR-Verherrlichung“ wäre sie jetzt Spielverderber*in, aber es steht ihr frei eine weitere Pointe draufzusetzen in der die Kritik an der DDR wiederum deutlich wird. Das sind ganz spezielle „Ordnungen des Diskurses“, wie sie z.B. manchmal in manchen Studicafés zu erleben sind. Also durch die gemeinsame Form des Herumalberns durchaus Kontroverse Punkte spielerisch austauschen.

Gut, das fällt leider immernoch unter „Schönwetterrelativismus“, da unterschiedliche Interessen, Bedürfnisse oder Grundlagen für gemeinsames Handeln nicht direkt betroffen sind, aber ist ein schönes Modell wie diskursive Formengebung und soziale Interaktion zusammenwirken und daraus Kreatives entstehen kann; also „die macht“ – des „sei doch keine Spaßbremse“ – hier produktiv ist.


Kulturellepraxis live: Antwort

11. November 2018

„Ey, biste schwul?!?“ – „Da diese Frage höchstproblematische Präsuppositionen enthält – allen voran die Annahme einer diskreten Zweigeschlechtlichtkeit, so wie eines auf gewisse Abstraktion von Körperformationen gerichteten Begehrens – kann die Anwort nur lauten: Mu


Hinweis: Für derartige Antworten bei derartig fragenden empfiehlt sich eine Kampfkunstausbildung und/oder Bewaffnung – so z.B. griffbereites Tierabwehrspray – als Argumentationshilfe bei zu erwartenden … Folgefragen.


Neues im DFB-Skandal

17. November 2015

Die Welt titelt:
NATIONALMANNSCHAFT Löw und Co. werden mit Maschinenpistolen bewacht

Die Kulturellepraxis ruft diesen Bewacher*innen zu:

Fight the game, not the player!


Kulturellepraxis live

18. Januar 2014

„Aber Du bist doch eine Frau?“ – „Nö, ich bin kein abstrahierendes Konzept“


Parolen mit Fußnoten

14. Dezember 2013

Hoch1 die2 „inter“nationale3 Solidarität4!


1 Obwohl diese tote Metapher aus Verständlichkeitsgründen nutzend, distanzieren wir uns hiermit entschieden von vertikalistischen Ideologien und wollen keine Wertigkeit durch Höhe implizieren. Die Alternative „Es lebe“ schien uns allerdings untotenfeindlich und mögliche Bündnispolitiken im Falle einer Zombiekalypse unnötig einzuschränken.

2 Das ebenfalls aus Verständlichkeitsgründen genutzte grammatikalische Geschlecht soll keinerlei gegenderte Konnotationen für „Solidarität“ evozieren. Aus Entschlossenheitsgründen wird in dieser Parole der bestimmte Artikel genutzt, doch soll damit keineswegs eine konzeptuelle Schließung oder Anspruch auf absolute Deutungshoheit über impliziert werden.

3 An dieser Stelle müssen wir uns auf Schärfste von völkischen Antiimperialismen distanzieren. „International“ soll eine Aufhebung von Entsolidariserung projektieren, welchen Subjekte durch nationalistische Ideologien und deren Materialisierungen – Grenzregimes, postkoloniale Tendenzen – ausgesetzt sind. Als äußerst problematisch erweist sich hierbei das „Inter“, da dies allzu leicht nationalstaatlichen Gebilde zum Gegenstand der Solidarität zu machen droht, also eine Emanzipation des Subjekts von nationalen Subjektivierungen a priori verunmöglicht. Die Diskussion ob möglicherweise „transnationale“ eine geeignete Ersetzung wäre, konnte bedauerlicherweise zum Zeitpunkt dieser Demonstration zu keinem konsensuellen Ergebnis gelangen. Wir bekennen uns jedoch entschieden zu dem Satz „All nationalisms are gendered, all are invented, and all are dangerous.“ aus McClintock, Anne: „No Longer in a Future Heaven“: Women and Nationalism in South Africa; in: Transition 15 (1991) S. 104-123, S. 104.

4 „Solidarität“ sollte keinesfalls als Szenesprache verstanden werden oder einseitiges Einfordern von Privilegien im Namen „der Bewegung“ (siehe). Vielmehr soll dieser Begriff mit neuem Inhalt gefüllt werden. Konzeptuell berufen wir uns hierbei auf Haraways Konzept einer Gemeinschaft ohne Totalität (vgl. Haraway, Donna Jeanne: A Cyborg Manifesto – Science, Technology, and Socialist-Feminism in the Late Twentieth Century; in: Socialist Review 80, 1985. Digital verfügbar und in deutscher Übersetzung vertont) und Elams „Groundless Solidarity“, d.h. grob umrissen dekonstruktivistische Solidarität ohne Identät (vgl. Elam, Diane: Towards a Groundless Solidarity, in: (dies.): Feminism and deconstruction; London (u.a.) 1994; S. 64-88.).


Kulturellepraxis live: Typo

7. Dezember 2013

„Führer war alles besser“