Psychoanalyse

5. September 2018

Heute auf Twitter: Eine ausgefranste – deshalb schwer verlinkbare – Diskussion über Psychoanalyse. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder textliche Schönheit seien hier deshalb ein paar Denkanstöße festgehalten, Diskussion in den Kommentaren oder auf Twitter möglich. Da sich hier bereits genug über Flachzangen frankfurter Fandoms aufgeregt wurde wird versucht die Diskussion ohne allzuviel Polemik gegen die schlimmsten Anhänger*innen zu führen, wer Verschwörungstheorien über „die Postmoderne™“ verbreitet gilt nicht als satisfaktionsfähig.

  • Im Kern die Frage der Wissenschaftlichkeit. Zwar wird diese oftmals bezweifelt, nur sollten diese Zweifel aus einem durchdachteren Wissenschaftsverständnis als implizitem oder explizitem Neopositivismus kommen
    • Reproduktionskrise der nach empirisch-statistisch Methode forschenden Psychologie
    • Das Karl Raimund Dilemma: Wenn wir Psychoanalyse und Marxismus wegen nicht falsifizierbarer bzw. aussagekräftiger Kernaussagen verwerfen, könnten wir auch die Evolutionstheorie nicht halten; erfolgreiche Theoriebildung scheint also anders zu bewerten sein, Grundannahmen wissenschaftliche Theorien müssen nicht zwingend empirisch hart sein, sie bewähren sich an den Einzelanwendungen
    • Wirkungsforschung: Die neopositivistische Konkurrenz der Verhaltenstheapie und die humanistische der Gesprächstherapie erzielen zwar vergleichbare, aber insgesamt nicht überzeugend bessere Erfolge als die psychoanalyselastige Tiefenpsychologie
  • Konkrete Probleme der Psychoanalyse umfassen u.a. die Praxis der Immunisierung eigener Thesen indem beispielsweise auf psychische Abwehrmechanismen verwiesen wird – Agencyaneignung sozusagen – und psychoanalytisch begründete Homofeindliche Aussagen bei konkreten – inkl. politischen – Psychoanalytiker*innen, so wie mögliche Essenzialisierungen von Triebgeschehen
    • Psychoanalyse als Sammlung von Metanarrativen aus denen sich einzelne Stories konstruieren lassen
    • Frage der Bewährungs- und Falsifikationsmöglichkeiten und -praxen dieser Stories
      • Konkret wäre hier Foucaults Kritik zu nennen: Die Annahme eines Geheimnisses kann dieses Geheimnis erst schaffen und Psychoanalyse als Fortsetzung der Beichte mit anderen Mitteln. Eine tiefere Wahrheit anzunehmen ist historisch gewachsen und muß für das Funktionieren der Praxis nicht zwingend existieren
  • Verhältnis von Aufklärung, Wissenschaft und Psychoanalyse
    • Eine Assoziationskette von „Aufklärung“ und „Materialismus“ kann leicht zu einem verkürzten Wissenschaftsverständnis führen
      • Antiessenzialismus oder GTFO!
    • Das „Psychische“ und v.a. nicht individuell „Psychische“ als Kuhn’sche Anomalie an zu einfachem Aufklärungsdenken
      • Frankfurter Schule als Versuch dies zu Gaffatapen
    • Frage ob andere Theorien – Nietzsches unbewußte Triebe, poststrukturalistische Subjekttheorien, Untergruppen der Psychoanalyse – Funktionen von Psychoanalyse in politischen Theorien besser leisten können
      • Siehe auch: Fromm-Adorno Kontroverse ob eine psychoanalytische Sozialpsychologie entwickelt werden müsse oder reine Freudrezeption reiche
  • Daraus ergeben sich folgende Fragen/Aufgaben
    • Ein (akzeptables und zeitgemäßes) Wissenschaftsverständnis der Psychoanalyse benennen/finden/entwickeln
    • Dieses sollte Immunisierungen von Annahmen durch psychoanalytisches Gedankengut klar widersprechen können
    • Umgang mit Homo- und Asexualität als „Nagelprobe“ für diese Theorie
  • Es bleibt die Frage ob das psychoanalyseimmanent geleistet werden kann – wenn ja wie genau -, eine gewaltige Dekonstruktionsarbeit (Dekonstruktion hier wirklich als Kofferwort von Destruktion und Konstruktion) geleistet werden muß oder eine andere komplett andere Theorie für den Gegenstandsbereich nötig ist
    • Wissen über das Unbewußte – woher nehmen und nicht stehlen?
  • Siehe auch: Frühere Psychoanalysekritik der Kulturellenpraxis
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Flachzangen immer wieder

23. August 2018

Dank an @momorulez für den Hinweis

Gut eingebubblet um wenig davon mitzubekommen und keine Motivation für lau ausführlich zu recherchieren – Unsinn ist ohnehin leichter in die Welt zu setzen als zu widerlegen – ließ es sich dennoch nicht vermeiden neueste Tiefpunkte die im Assoziationsraum „Postmoderne“ verbreitet werden schmerzlich wahrzunehmen.

Die Gefährdung durch die Postmoderne™ wurde anscheinend von „neoliberal“ auf „faschistisch“ hochgestuft. Im Rauschen des Diskurses sind Essenzialismusvorwürfe an den Poststrukturalismus zu vernehmen. Nach Jahrzehnten der ermüdenden Relativismusdebatten und „killing the messenger“ für vorhergesagte „postfaktische“ Politikstrategien nun auf einmal Essenzialismus?!?

Dahinter scheint eine Assoziationskette von „Poststrukturalismus = Postmoderne = Critical Whiteness = Ethnopluralismus“ zu stehen.

Daß diese Gleichsetzungen nicht zutreffen und darüber hinaus die einzelnen Positionen lediglich durch Gerüchte beschrieben werden wurde – u.a. hier – schon so häufig erklärt, daß wir uns damit nicht weiter aufhalten sollten. Viel mehr beängstigt diese Ignoranz, zumal wenn wir genauer untersuchen wie diese funktioniert: Wir haben gestapelte Assoziationsketten, Gerüchte, welche sich zu Wahrheitswirkungen verdichten, ein wir:die-Schema, bei dem auch noch die Gegner*innen alle irgendwie zusammenhängen und nur erfolgreich sind indem sie falsch spielen. Das sind Muster von Verschwörungstheorien und dennoch gehen sie in sich als links verstehenden Kreisen als Theoriediskussion durch.

Zusammenhänge von Verschwörungstheorie, Antiintellektualismus und Antisemitismus aufzuzeigen sei den Leser*innen als einfache Hausaufgabe überlassen.

Bei theoretische Positionen kann eins schonmal unterschiedlicher Ansicht sein – wir kommen nur mit Irrtumslizenz weiter. Die Unis bieten auch nicht mehr so viele Freiräume, womit theoretisch in die Tiefe zu gehen schwieriger geworden ist. Auch wenn Leute sich in ihren Kämpfen nicht so sehr in diese theoretische Tiefen gehen wollen ist das nachvollziehbar; gleichwohl das – äußerst bewegliche – Verhältnis von Kämpfen und Theorie gründliche Reflexion vertragen könnte, doch wird gerade sowas durch haltlosen Behauptungen erschwert.

Verschwörungsdenken und Desinformationen um andere anzugreifen ist unter keinen Umständen emanzipatorisch.


Sommerlochthemen

7. August 2018

Klimakatastrophe, extrem rechte Positionen finden sich immer mittiger und irgendwie geht die links-rechts X-Achse auch häufiger mal kaputt. Der größte Stuß wird als ernst zu nehmend diskutiert. Von linken Szenekonflikten wollen wir gar nicht erst anfangen.

Da sehnen sich viele nach den klassischen Sommerlochthemen. Auch wenn sich Kroko noch nicht in einen Badesee traut war er für Euch ganz Mutig, deshalb präsentiert die Kulturellepraxis: Krokodil im Spülbecken!


Eine Lanze für #9 Fallacyforschung

19. Juli 2018

“Eine Lanze für … : Hantologische Streifzüge zu totgesagten Konzepten, in theoretischen Abfällen containernd”, Teil 9: Eine Lanze für Fallacyforschung

Dieser Ansatz erscheint zunächst so fruchtbar und undogmatisch, da er nicht vorschreibt was oder wie zu denken sei, sondern nur offensichtliche Fehler bekämpft. Bedenken wir zudem die Beobachtung daß der s.g. „Rechtspopulismus“ keinen Wert auf logische Konsistenz oder Kohärenz legt, scheint es geradezu wie ein Gebot der Stunde für weniger fehlerhaftes Denken einzutreten. Umso mehr wenn wir diese Denkfehler als Alltagsdenken identifizieren, also die Mechanismen und Problemlösungsstrategien die uns ohne den Kopf zu sehr anzustrengen durch den Alltag bringen – ich überprüfe nicht erst die Falsifizierbarkeit meiner Annahmen um den Abwasch zu machen.

Kollateralnutzen sich eine gewisse Kenntnis im Bereich der Argumentationsfehler zuzulegen ist, diese schneller zu erkennen und damit – so sich diese häufen – auch schneller zu erkennen wenn eine Diskussion nicht ernsthaft geführt wird, sondern lediglich als Durchsetzungsstrategie genutzt wird.

Doch wie allgemein allzu große Hoffnungen daß Philosophie zu besserem Denken führe häufig durch konkrete Philosoph*n herbe enttäuscht werden, trifft dies besonders auf Leute zu, die besonders gerne Argumentations- und Denkfehlern – Kurz: Fallacies – nachjagen. Die Befürchtung, daß dieser Ansatz einfach zu formal ist und damit solch unordentlichen Sachen wie denken und Argumentieren nicht gerecht werden kann läßt sich hier leider nicht zerstreuen.

Nun fand sich aber auf Twitter ein Erklärungsversuch

People who are obsessed with logical fallacies suffer from the most severe fallacy: that disagreements are easily resolved. As though everyone secretly agrees, but half the population made a simple logical misstep and arrived at the wrong conclusion. —Existential Comics

Dann wäre aber nicht die Methodik das Problem, sondern implizite Annahmen ihrer Anwendung. Für die Argumentationstheorie, daß Konflikte auf einfachen Fehlern der Gegenseite beruhen, für die Erkenntnistheorie, daß die Wahrheit nur von einigen Fehlern verstellt sei, aber eigentlich einfach bzw. einfach zu erreichen sei.

Aus der Überzeugung daß genau das nicht der Fall sei wird es aber gerade interessant sich mit Verfahren der Erkenntnissuche – und also wo sie häufiger mal schiefgeht – zu beschäftigen:

„Wenn wir den Quellen der Erkenntnis nachforschen, begehen wir meist den Fehler, uns dieselben viel zu einfach vorzustellen“ –Fleck, Ludwik: Zur Krise der Wirklichkeit; in: Schäfer, Lothar (Hrsg.); Schnelle, Thomas (Hrsg.): Ludwik Fleck : Erfahrung und Tatsache; Frankfurt/M 1983; S. 46-58, S. 46.


Plüschie Theorie #5: Gemeinschaft

18. Juli 2018

In einem Interview der Kaffeehausdilettant*n – stellvertretend für die Punkprinzessin und Fauchi Stormborn – mit ki7sun3, – stellvertretend für Percy Plushergaben sich viele neue Aspekte für unsere Plüschtier-Reihe. Die Sendung wird auf diesem Blog angekündigt, aber der Vollständigkeit halber seien hier die neuen Erkenntnisse schriftlich festgehalten

 

  • Unterschätzt nicht, wie viele Plüschbegeisterte es gibt!
  • Plüschtiere als Möglichkeit miteinander in Kontakt zu treten
    • Dies kann zunächst einfach als „Icebreaker sein, eine Gemeinsamkeit, ein Gesprächsthema usw.
    • Dies kann auch als Form von Avatar sein. Durch digitale Kommunikationsmöglichkeiten sind viele gewohnt sich mit unterschiedlichen Online-Personae zueinander in Kontakt zu setzen; dies sind weniger Aspekte der Persönlichkeit als viel mehr Entwicklungsmöglichkeiten. Plüschtiere können so etwas im Meatspace fortsetzen
    • Plüschtier als Kommunikationsmöglichkeit, z.B. zu signalisieren ob/wieviel Kontakt erwünscht ist
  • Plüschtiere als Verkörperung von „Diversity“
  • Neil Steinberg: The new science of cute
    • Biologistische Erklärungsansätze
      • Konrad Lorenz: Kindchenschema
      • Konzentration, feinmotorische Fähigkeiten Dopaminausschüttung
      • Zwei-Ebenen-Modell: Nicht nur motiviert es Pflege von Neugeborenen, es soll auch Interaktion von Kleinkindern und also Sozialisation erleichtern
    • Ob/wie Cuteness in Gegenständen wahrgenommenwird ist stark kulturspezifisch
    • Auf Cuteness ausgelegte künstlerische Darstellungen erst um 1900
    • Kawaii := Nicht bedrohlich; im Gegensatz zu „niedlich“ immer positiv besetzt
    • „Cuteness-Studies“ als interdisziplinäres Feld von Verhaltens- & Kulturwissenschaft und Biologie
    • Dadurch daß Cuteness die Grenzen von Ich und Anderem, von Subjekt und Objekt durchbricht erleichtert es sich in Beziehung zu Anderem zu setzen
    • Plüschtiere als „Hausgötter“
  • Wolfseule behält Recht

Skandal am Heiligen See

6. Juni 2018

Inspiriert von C_Holler

Nach den Erfolgen der bayrischen Polizei im Einsatz gegen Schulschwänzer*innen zog die brandenburger nach und machte sich auf die Jagd auf Verdächtige, die werktags Freizeitaktivitäten nachgehen. Die SoKo „Kristina“ war nach der ehemaligen Familienministerin Kristina Schröder benannt und ihrer weit rezipierten Frage: „Ist das gerecht gegenüber denen, die arbeiten?“

Eingentlich erwarteten die Polizisten bei dieser Razzia krank gemeldete Mindestlohnempfänger*innen zu erwischen, nicht aber den Parteivorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Alexander Gauland an einer illegalen Badestelle aufzugreifen.

Ein anonymer Polizeisprecher hierzu: „Jemand mit seinem Einkommen müßte wirklich das Geld für einen Freibadbesuch – oder ordnungsgemäßes Parken – haben, Bademeister retten Leben und der Herr ist ja auch nicht mehr der Jüngste. Aber als wir ihn in Badehose abführten jammerte er irgendwas von einer gestohlenen Hose. Ich dachte ja bislang, Rechte hätten einen Sinn für Ordnung und eine gewisse Härte, wie man sich irren kann.“

Leider druckte die s.g. „Lügenpresse“ geschlossen die Geschichte von einer gestohlenen Hose ab – als ermittele der Staatsschutz bei Dummjungenstreichen -, vom doppelten Fehlverhalten des Herrn Gaulands abzulenken.

Indessen ging nun auch offiziell die Klage der Guanoproduzent*innen bei Gericht ein, daß Gauland ihr Produkt („Vogelschiss“) geschäftsschädigend herabwürdige.


Kroko statt GroKo #2

15. Mai 2018

Kroko nimmt Ängste ernst

Kroko gehört zu den kleinen Leuten (42cm)

Plüschtiere an die Macht!