Save the Date! Plüschtiertstudies live in Hamburg

8. April 2019

Plüschtierstudies – Zu postmodernen Subjekten und ihren Erweiterungen
Im Rahmen der Vorlesungsreihe der Ag Queer Studies: Jenseits der Geschlechtergrenzen
Mittwoch 29.05.2019, 19ct, Hamburg, Von-Melle-Park 5 („WiWi Bunker“) 0079

Für diesen Anlaß hat sich Pizzafahrer Olaf Wachenhausen bereiterklärt die Kulturellepraxis zu repräsentieren, die Chefredakteur*innen werden aber anwesend sein

Abstract
Wie bei Haraways Cyborg scheinen auch bei Plüschtieren gewohnte Dichotomien nicht ganz zu passen, so beispielsweise die den meisten essenzialistischen Ansätzen zu grundeliegende von Subjekt und Objekt: Wir können unsere kuscheligen Begleiter*innen fürs Leben nicht guten Gewissens nur als Objekte bezeichnen, wissen aber, dass sie nicht unabhängig von unserer Subjektivität sind. Wir bilden sozusagen ihr „Wirtsbewusstsein“, wie es der Pionier der Plüschtierpsychoanalyse, Dr. Wood, so treffend formuliert.

Doch leider behandelt die bisherige Forschung Plüschtiere ansonsten fast ausschließlich im Zusammenhang mit Kindern und erklärt das Phänomen der Niedlichkeit meist biologistisch weg („Kindchenschema“). Somit können die transdisziplinären Plüschtier-Studies zunächst lediglich Schneisen in dieses neue Forschungsfeld schlagen, hoffend, am Rande Erkenntnisse über Subjekttheorie, radikale Selfcare und möglicherweise sogar Gemeinschaftlichkeitsutopien zu finden.

Plüschtiere werden gebeten, zu ihrem Vortrag ihre großen Trampler („Menschen“ u.ä.) mitzubringen.

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Plüschie Theorie #6: Suspension of Disbelief

6. April 2019

Dank an K Kater und FrlPia

Anitessenzialismus im Sinne der Kulturellenpraxis bedeutet auch: „Die Wahrheit ist von dieser Welt“1 und damit nicht übersinnlich verbürgt. Gleichwohl „esoterische“ Deutungsmuster Essenzialismuskritiken gerne instrumentalisieren für die Behauptung daß ihre Vorstellungen möglich seien, die Überzeugungen enthalten meist starke Essenzialismen, basierend auf Empfindungen und/oder Weltbildern, die sich bei näherer Betrachtung meist auch noch in problematischen Bereichen des Diskurses bewegen. Oder anders: sich ernsthaft um Erkenntnis bemühen bedeutet den Wahrheitsbegriff von metaphysischem Ballast zu befreien. und Verantwortung für die politische Verflochtenheit des eigenen Denkens zu übernehmen.

Liebevolle Verflochtenheit

Wenn wir also sagen es gehe bei den Plüschtierstudies um „Magie“, sollten wir diese streng von der auf Esoterikmessen verkauften abgrenzen. Sicherlich läßt sich nicht die gesamte Welt verlustfrei in Naturwissenschaften überführen, aber wenn wir Sozial- & Kulturwissenschaften hinzunehmen können wir erstaunlich vieles beschreiben, haben also keine Ausrede nicht bei den Wissenschaften zu bleiben, zumal wenn wir ihre Ideale von der bisweilen hinter diesen zurückbleibenden institutionellen Praxis abgrenzen und beachten, daß Wissenschaft der Prozeß, nicht dessen Ergebnis ist; also davon ausgehen, daß die Vorstellung einer endgültigen Wahrheit unwissenschaftlich sei.

Auf die Frage ob Fauchi Stormborn Lord oder Ladyrezeptbewahrer*in sei hieß es nur: „Deshalb kann Euch Menschen niemand ausstehen, Ihr habt doch echt einen Knall mit Eurem Zweigeschlechtlichkeitswahn!“

Der Magie der Plüschtiere nachspürend geht es also um keine Übernatürliche, sondern eine geschaffene. Wie für einen Film brauchen wir Suspension of Disbelief. Vielleicht fällt das Kindern leichter. Diese Suspension ist nicht grenzen- oder bedingungslos, von daher gilt es Plüschtiere keinesfalls „out of character“ darzustellen.2 Zauberkünstler*innen arbeiten zwar damit die Ungläubigkeit des Publikums zu entkräften, aber dennoch muß sich dieses darauf einlassen – es wird also nicht getäuscht, sondern Künstler*in und Publikum schaffen gemeinsam eine Welt in der Dinge möglich sind von denen alle wissen daß sie es nicht sind.

„Die Idee ist, dass du als Zauberer imstande bist, ein Ambiente, einen Kontext zu erzeugen; eine Welt, in der die Zuschauer mitspielen, diese Welt zu erzeugen. Das heißt, du baust deinem Zuschauer eine Welt auf, in der eben die erstaunlichen Sachen passieren, die er dann erlebt. Aber die er eigentlich konstruiert in seiner Idee, in seinen Gedanken, in denen die Löwen oder Elefanten plötzlich verschwinden.“ –Heinz von Foerster Zitiert nach Müggenburg S. 65.

Zwischen“menschliche“ (-cyborgige u.ä.) Beziehungen sind immer ambivalent und Enttäuschungen sind unvermeidlich. Schlimmer noch: Beides vermeiden zu wollen hat noch üblere Folgen. Doch wer ist im Falle von beispielsweise Liebeskummertränen für uns da? Es geht im Verhältnis zu unseren kuscheligen Freund*innen nicht um eine faktische Realität, es geht darum eine fiktive zu schaffen. Das mag Eskapismus genannt werden; oder Selfcare. Doch lassen sich diese fiktiven Welten mit anderen teilen.

Königspinguine zeigen Interesse an Plüschpinguin Giovanni

U.a. durch Plüschies. Mit Plüschies können wir also gemeinsam Welten schaffen in denen unsere kuscheligen Freund*innen aktiv sind, handeln, ihren Charakter entfalten. Laut Lacan entstehe Selbstbewußtsein bei Kindern dadurch daß sie sich im Spiegel – oder nach späteren Theorien auch indirekter – als vollständiges Wesen erkennen, das Kind identifiziert sich als sich selbst; womit dieses Selbst aber auch etwas Anderes als das unmittelbar erlebte ist. Somit können Plüschies als das Spiegelstadium von Plüschtieren angesehen werden – es wird mit dem Bild zum autonomen Wesen, auch wenn dieses imaginär ist – so are we.

Schnuffi und die Punkprinzessin helfen beim Kuchenbacken


1 Foucault, Michel: Wahrheit und Macht : Interview von A. Fontana und P. Pasquino; in: ders.: Dispositive der Macht : Michel Foucault über Sexualität, Wissen und Wahrheit; Berlin/W 1978; S. 21-54: S. 51.

2 Beispiele für ausdrucksstarke aber charakterlich unpassende Plüschies gibt es sicherlich viele, um aber keine schlechten Plüschies zu verlinken – und da die ursprüngliche Referenz mutmaßlich aus Copyrightgründen verschwunden ist – lieber etwas in dieser Hinsicht Interessantes.


Wenn Wissenschaftler*innen über ihr Fach schreiben

20. März 2019

Kritik der Struktur „die denken das Falsche“ greift meist zu kurz; wenn überhaupt wohin. Sie ist zwar ein Standardzug im Konkurrenzkampf, aber damit alleine bleibt dieser schon ausgeblendet. Konkret hieße das, eine Kritik an Fehlentwicklungen in einem Fach – vielleicht erweiterbar auf linkspolitische Theoriepraxisdiskurse – sollte besser strukturelle/institutionelle berücksichtigen. Wir könnten das an den alten „Materialismus“:“Idealismus“ Gegensatz des 19. Jahrhunderts versuchen anzuknüpfen; müssen wir aber nicht.

Aus Sicht motvierter Geisteswissenschaftler*innen bedeutet Wissenschaft zunächst – sozusagen „den Acker pflügen“ – den Forschungsstand durchzugehen. Wenn sich die Arbeit darin erschöpfte hätten wir den Spott der Naturwissenschaftler*innen sogar verdient, aber Wissenschaft ist ein gemeinschaftliches Unterfangen, da macht es Sinn sich erstmal einen Überblick über den Wissensstand der Gemeinschaft zu verschaffen. Wenn wir dann noch aufhören zu unterschätzen wie veränderlich, kontrovers- poststruk formuliert: „brüchig“ – dieses Wissen sein kann und das ohne daß es sich mit Sortieren in „wahr“ und „unwahr“ so einfach lösen ließe – auch wenn es wieder der einfachste Zug im Theoriewettkampf ist alles was der eigenen Theorie/Hypothese entgegensteht als „falsch“ oder „irrelevant“ bei Seite zu räumen, Papier ist geduldig – können wir das Gerede vom „Cargo Kult“ bei Seite packen und mit der Vorbereitungsarbeit beginnen.

Was uns zum nächsten Problemkomplex bringt: Dem Verhältnis von Fach- und Populärwissenschaft zu Interdisziplinarität. Wir können öfters beobachten daß wenn Wissenschaftler*innen über Fragen die in ihr Fach fallen sprechen keinen Unterschied zu machen scheinen wenn sie über den Bereich ihrer speziellen Kompetenz hinausgehen, oftmals merken sie das gar nicht bewußt. Psychologisch interessant ist dabei wie sehr anscheinend die Anrufung als Expert*in, das Wahrgenommenwerden als kompetent auch die Selbstwahrnehmung beeinflußt. Das ist nicht nur eine Fehlerquelle, diese ließe sich noch durch gründlicheres und breiteres Einlesen abstellen, gerade Enzyklopädien erweisen sich als erstaunlich hilfreich die Randbereiche des eigenen Wissens abzurunden. Das Problem hängt darüber hinaus damit zusammen daß andere Arbeitsbereiche und erst recht Fächer andere Formen von Arbeitsweisen, Kontextwissens, Denkstil haben. Und soetwas wie „Alltagsverstand“ sollte keineswegs mit Abwesenheit von Denkstilen verwechselt werden, nur weil es einen Pool von Wissen und Denkweisen bietet die über die Fachgrenzen hinausgehen; es handelt sich um eine Denkweise, die meist einfachere, aber dafür deutlich fehleranfälligere Methoden nutzt – gerade davon wegzukommen gibt es ja Wissenschaft.

Polemisches Beispiel: Wenn Naturwissenschaftler*innen über „die Geschichte“ schreiben wissen studierte Historiker*innen schnell daß diese keinen „Stallgeruch“ haben, selbst wenn keine groben sachlichen Schnitzer vorkommen. Was eher unwahrscheinlich ist, gerade im Bereich Wissenschaftsgeschichte gibt es das Phänomen der Lehrbuchmythen. Es gehört zur fachlichen Kompetenz abschätzen zu können wo und wie weit einem Hand- oder Lehrbuch zu trauen ist, aber bei den „Geschichte des“ Teils überschätzen gerade Naturwissenschaftler*innen diese oftmals. Hinzu kommt, daß historische Umbrüche gerne zu einer Fortschrittsgeschichte umgeschrieben werden, T.S.Kuhn läßt grüßen. Wenn dann auch noch mit dem „Cargo Kult“ Argument etwas für richtig gehaltenes wiederholt wird ohne feinsäuberlich transparent zu machen woher welche Aussage genau stammt, können sich Desinformationen gut verbreiten. Oder praxisnäher: Eine falsche Aussage über die Geschichte des eigenen Faches kann nicht mit Messdaten kollidieren, etwas historisch zu widerlegen funktioniert überhaupt vollkommen anders als etwas physikalisch zu widerlegen. Damit entsteht der Eindruck als wären beispielsweise historische Aussagen nicht im selben Sinne wahrheitsfähig wie beispielsweise physikalische; einige nehmen dies als selbst erfüllende Lizenz zur Dummschwätzerei.

Doch funktioniert ja Wissenschaft nicht vollkommen unabhängig von denen die sie betreiben. D.h. ein Beweis oder eine Widerlegung sollte zwar gemäß ihrer fachlichen Relevanz und methodischen Korrektheit Wirkung entfalten (blenden wir mal aus wie uneindeutig diese Kriterien bei näherer Betrachtung sein können), sie entfalten aber nur ihre Wirkung wenn sie wahrgenommen werden und genug der richtigen Leute sie akzeptieren. D.h. Beweis und Widerlegung ist immer auch etwas Soziales im Wissenschaftsbetrieb, was nicht gegen das Ideal – als regulierendes Ideal – spricht, daß nur sachliche und fachliche Kriterien relevant sein sollten.

Dies bringt uns wieder in die Nähe der Anfangsthese und läßt sie uns als – Präsupposition einer – Frage reformulieren: Wie sieht das Verhältnis von inneren und äußeren Faktoren bei der wissenschaftlichen Wissenschaftsproduktion aus? Dies ist eine schwierige und viel diskutierte Frage die sich hier nicht so schnell lösen läßt, dennoch eine steile These dazu: Je mehr wir die äußeren Faktoren anerkennen, desto mehr können wir innere als Leitideal fordern. Doch die Inneren sollten ja nicht Erfindung – also Science-Fiction, sry für das Wortspiel – sein, sondern schon im Zusammenhang mit dem was Wissenschaft macht stehen.

Auch das Problem können wir hier nicht lösen, es bringt uns aber auf den letzten Problemkomplex: Das Verhältnis von Wissenschaft und Wissenschaftstheorie. Daß verstehen und anwenden nicht das selbe sind und sich die Wertigkeit immer wieder umkehren läßt ist Gegenstand zahlloser Physiker-, Ingeneur- und Mathematiker*innenwitze. Wieso sollten also Fachwissenschaftler*innen auf der Metaebene ihrer Tätigkeit – gemeint ist Wissenschaftstheorie, nicht Metaphysik, nochmals sry fürs Wortspiel – sonderlich kompetent sein, selbst Methodologie ist etwas Anderes als Methodik, d.h. hat ihre eigene Methodik. Also ist dies wieder so ein Bereich in denen viele Fachwissenschaftler*innen wenn sie Populärwissenschaft oder Wissenschaftskommunikation betreiben nicht merken wenn sie über die Grenzen ihrer Fähigkeiten hinaus gehen. Zu merken ist dies häufig leicht durch das Literaturverzeichnis. Gesetzt den Fall daß Fragen über Wissenschaft und nicht nur aus der Wissenschaft berücksichtigt werden, stehen Philosoph*innen dort nur als bildungsbürgerliche Referenz oder wurde der Forschungsstand durchgeackert, so daß dort die Leute stehen die einschlägige Sachen zu den Themen des Buches von sich gegeben haben? Wenn beispielsweise diskutiert wird welchen Einfluß Schönheit/Eleganz auf Theoriebildung haben sollte wäre zu erwarten ein paar Konventionalist*n im Literaturverzeichnis zu finden.

Umgekehrt gilt ein ähnlicher – aber entgegengesetzter – Einwand für Wissenschaftstheoretiker*innen, die versuchen ihre Tätigkeit auf ihren Kompetenzbereich – idr. einen auch sehr kleinen Bereich der Philosophie – ein zugrenzen, sie reden auch oftmals Blech, aber gerade dadurch nicht in anderen Bereichen dilettieren zu wollen, es geht ja wie erwähnt um Philosophy of Science, nicht Philosophy of Science Fiction (in your face, Sir Karl). D.h. Wissenschaftstheorie muß sich auch mit mindestens einer betrachteten Fachwissenschaft und mit Wissenschaftsgeschichte auseinandersetzen.

Auch hier können wir nur ersteinmal das Problem auf-, aber leider nicht zumachen. Eine sehr alte Antwort – hantologisch in philosophischen Abfällen containernd – wäre die Vorstellung daß Philosophie im Dialog stattfinde. Diese Vorstellung ist zwar sowohl durch die Art vieler Leute – gerade Philosoph*innen und solcher die es gerne wären – Dialoge zu führen diskreditiert; auch durchregeln bringt hier wenig, formale Systeme lassen sich hacken. Aber manchmal funktioniert es trotzdem. Auch Interdisziplinarität wäre hierbei ein Stichwort das oft fällt, doch selten ernst genug genommen wird und häufig in der Praxis scheitert – und es ist anzunehmen daß auch hier nicht nur charakterschwächen der beteiligten sondern Strukturen des Wissenschaftsbetriebs hinter stecken. Gute Vorschläge bitte in die Kommentare. Eine FSK-Sendereihe beantwortet diese Fragen Friedell-nahe mit dem schillernden Begriff „Dilettant*n“. Nicht zuletzt meint dies die ältere Bedeutung, nämlich Freude daran zu haben, es aber nicht beruflich zu machen, auch gerade das hier angerissene, sich auch an Themen außerhalb der fachlichem Komfortzone zu trauen, aber eben im Bewußtsein genau dies zu tun und dabei keine vorschnellen Antworten, sondern lieber kontroverse Fragen zu suchen und v.a. Neugierde als wissenschaftliche Tugend anzusehen; was für Wissenschaftsjournalismus i.w.S. und Essaysimus funktionieren mag, für Wissenschaft selbst jedoch kein vollständiges Patentrezept ist.

Truth – It’s complicated.


Ziehharmonikatheorie

18. März 2019

Idee: Baron René Garde

Schlechte Nachrichten: Die Reparatur wird deutlich aufwendiger als wir gehofft hatten. Anfangs sah es so aus als wären nur die Ränder nur ein wenig verbogen – war zu der Zeit alles ein bißchen düster hier um das genauer zu erkennen -, wir nannten das die Hufeisentheorie. Aber das ist nicht nur verbogen, das ist ziemlich angedetscht, wir nannten das dann die Extremismustheorie. Gut, das dingsens an der rechten Seite ist ziemlich aggressiv, sehen Sie, alles offem da drüben – Haß, Gewalt, _ismus – das ist nicht schön, das muß erstmal dringend raus. Aber aber sehen Sie wie weit sich das rüberfrißt. Einige wollten wenigstens den linken Teil dann noch mit einem Fishhaken retten. Wir haben erstmal gemessen wo genau auf Ihrem politischem Spektrum sich die _ismen häufen und fanden heraus: Die X-Achse ist komplett hinüber! Wir nennen das die Ziehharmonikatheorie.


Fefe und der Standort

31. Januar 2019

Über Fefe zu lästern gibt immer gute Klicks. Im Ernst: Wenn wir ihn diskursiv repräsentativ für eine gewisse Subgruppe von Nerds sehen und wenn wir beachten daß bei seinen Gegner*innen gerne auf „Denkmethoden“ abhebt, selbst dabei aber häufig reinfällt ist es vielleicht einen Kommentar wert.

Was ist passiert? Eine Farbbeutelaktion gegen das berliner Amazon Büro; interessanter Clou: Der Werkschutz wurde mit einem Fahrradschloß eingesperrt. Fefe fragt was das für einen Nutzen haben soll und schließt die Frage an was es bringen soll falls die ganzen Tech Firmen aus Berlin verschwinden.

Was Denkmethoden angeht sei an dieser Stelle wärmstens für das „Principle of Charity“ geworben: Elliptische Argumente sollten ersteinmal in stärkstmöglicher Form ergänzt werden bevor sie kritisiert werden.
Die Kulturellepraxis weiß auch nicht was der genaue Zweck war – weist aber darauf hin daß die meisten linken Bekennerschreiben dringend professionell lektoriert werden sollten, in sofern vielleicht besser daß es hier anscheinend keines gab; das Szeneconsulting des Instituts für geisteswissenschaftliche Nutzenoptimierung wird soetwas anbieten. Doch ergänzt Fefe hier etwas das stark nach „Standort“1 Logik klingt, d.i. nationalistische oder provinzielle Denkweisen mit der Scheinrationalität von „die Wirtschaft“ Argumenten zu versöhnen.

Hypothesen gegen Alternativhypothesen zu testen gilt zwar gerade unter Naturwissenschaftsfans als Standardmethode, aber woher nehmen und nicht stehlen? Nicht nur ist „Alternativhypothese“ arbiträr – also diese Beliebigkeit die den Geisteswissenschaften gerne vorgeworfen wird -, auch stoßen wir auf eine weitere Denkfalle positivistischer Methodik, daß das Naheliegende – leicht messbare, diskursiv etablierte usw. – konkret scheint. Dennoch seien mal ein paar aus dem Hintergrundwissen gezogen.

Aus dem Komplex der leider mit dem ungenauen und wertenden Begriff „Terrorismus“ bezeichnet wird können wir einiges lernen. Zunächst einmal daß Gewalt auch „kommunikativ“ angewendet werden kann, also nicht auf die „materiellen“ Effekte ausgelegt. Ein schönes Beispiel wären die Schlandlappen zur Fußball WM, welche „wir alle sind für Schlandland“ verkünden, während diese illegal zu entfernen ein klares „Nein!“ sichtbar macht. Nur dürfte bekannt und v.a. sagbar sein wie böse Amazon ist – es sei denn diese Bedenken werden durch Standortlogik wegrationalisiert.
Hintergrund „Terroristischer“ Akte ist häufig so etwas wie Autopropaganda; d.h. daß die Motive möglicherweise psychologischer und nicht politischer Natur sind. Sei es einen klaren Gegner haben und angreifen zu wollen, sei es Frust von ausgebeuteten Angestellten oder Ex-Angestellten – Gründe Amazon ohne ein langfristiges Ziel schaden zu wollen lassen sich jedenfalls einige vorstellen. Daß anscheinend die Schwelle politische Motive zu unterstellen bei möglichen linken deutlich niedriger als bei möglichen rechten zu sein scheint nur am Rande.

Aber suchen wir lieber nach rationalen und planvollen Motiven: Wenn Betriebe die als besonders ausbeuterisch auffallen mit Angriffen rechnen müssen hat es einen Vorteil nicht zu diesen gezählt zu werden. Was möglicherweise einen Unterbietungswettbewerb im Scheiße-sein auslöst. Das ist zwar genau so spekulativ wie „aus Berlin vertreiben“, stellt aber die Täter*innen in einem vollkommen anderen Licht dar. Und heißt daß sie viel zu tun haben werden.

Auch wenn über Intelligenz spätestens seit den Sherlock Holmes Geschichten gerne erzählt wird mit der selben Datenbasis mehr herausfinden zu können und auch wenn schlecht eingesetzte Zweifel – angesichts der Tatsache daß sich alles irgendwie bezweifeln läßt – nicht fruchtbar sind, Skepsis bei dünner Informationslage ist vielleicht gar nicht so schlecht.


1 Doch unter uns: Unternehmen sollten sich im schönen Hamburg ansiedeln, die Szenelinken hier sind so zerstritten und von Spitzeln und Spitzelparanoia geplagt daß sicherlich weniger passiert als in Berlin, G20 war Knowhow von außerhalb und Versagen durch Selbstüberschätzung der Politik.


Flachzangen, immer wieder

26. Januar 2019

Mal wieder auf eine Materialsammlung von „Kritik“ an Queerfeminismus und allem was locker damit assoziiert wird gestoßen; will das nicht verlinken, will nicht in der tiefe analysieren – schon gar nicht für umme -, also beteilige ich mich einfach mal an dem Quatsch und rante inhaltsleer drauflos.

Letztlich wird mit Mitteln von Verschwörungstheorien gearbeitet, Gerüchte, Falschaussagen, Gewohnheitsaussagen und -deutungsmuster, Othering zwecks Selbstverständnisfestigung. Ohne jetzt abstreiten zu können oder wollen daß viel – gerade auf Anwendungs- & Populärebene – im Argen liegt macht soetwas sinnvolle Kritik noch schwerer. Um bessere Theoriebildung kann es also schoneinmal nicht gehen.

Wie konnte es so weit kommen, daß akademische und bewegungsinterne Konkurrenz auf diesem Niveau angegriffen wird? Und anscheinend geht das nicht auf „die Postmoderne“ zurück, da es ja ihre Gegner*innen offensichtlich noch stärker betrifft und die Angegriffenen kaum noch tote französische Menners mit ihren schwer lesbaren Büchern in den Mittelpunkt stellen. Also: Don’t kill the messenger!

Nehmen wir mal die Forderungen nach „Materialismus“ ernster, denn so können wir ausschließen, daß es sich einfach um Versagen einzelner handelt oder daß das zu bekämpfende Problem irgendwelche falschen Theorien bzw. Meinungen sind. Also mit solch einer Form von Kritik überhaupt irgendetwas auszurichten ist. Ohne uns allzu lange beim Beobachter*innenproblem aufzuhalten, „Materialismus“ heißt auch daß Konzept und Ding nicht das selbe sind. Wenn also behauptet wird durch eine „materialistische“ Position im Namen der Dinge sprechen zu können, haben wir es lediglich mit Material für die Rundablage zu tun.

Nehmen wir mal an Wasser fließe immer von oben nach unten. Das schließt nicht aus gegen den Strom zu schwimmen, macht das aber schwer und v.a. längerfristig aussichtslos. Tote Fische schwimmen nicht nur mit dem Strom, sondern auch oben. Also statt stolz Recht zu haben wäre zu fragen warum so viel Müll wahrheitsfähig ist, d.h. wieso keine Überprüfungsmechanismen greifen, die solche Verschwörungstheorien – und bei der Gelegenheit auch gleich dumme Queer-Verflachungen auf der anderen Seite – eingrenzen.

Woran liegt das? Ich weiß es auch nicht. Aber bedenken wir daß ein fluffig-metaphysisches Konzept von Wahrheit nie hinreichend für Theoriebildungen war, müßten wir uns die Strukturen der Wahrheitsproduktionsmaschinerie anschauen. Also z.B. die „~krisen~“gebeutelten Printmedien und die reformgeplagten Universitäten. Kurzgeasagt: die „materiellen“ ressourcen sind in beiden Kontexten knapper geworden. Die Universitäten boten vor einiger Zeit noch gewaltige Freiheiten – warum auch nicht, das ist deutlich billiger als uns zu hospitalisieren -, es wird die „Linksintellektuellen“ Nische übervölkert haben. Mittlerweile haben die Universtitäten einen Haufen von Veränderungen hinter sich, die gerne mit dem Wort „Bologna“ abgekürzt werden. Klar wird sich das auf die Theoriebildung ausgewirkt haben.

Ich habe keine Antwort und keinen optimistischen Spin für Euch, sondern schreibe nur Nullnummern im 31. Stock. Schreibt doch einfach ein eigenen Ende und laßt es vielleicht hier in den Kommentaren.


Kulturellepraxis live

18. Januar 2019

Mit Kai Denker

Wieso nur??? Können möchtegernlinksintellektuelle Honks nicht weiter bei Adorno bleiben?!?“ – „Weil man jede mögliche Dummheit über den schon gesagt hat.“