#cutenessrevolution anderswo #3: Radwegwächter*innen

18. September 2019

https://mobile.twitter.com/nochrichten/status/1174353571040641027

Plüschtiere – der günstigeren Sorte – auf dem weißen Streifen der die Fahrbahn vom Radweg trennt aufgereiht. Bildunterschrift: „Mit Teddybären und vielen anderen Stofftieren auf der Markierung des Radfahrstreifens auf der Währinger Straße machte die
@radlobby das Radfahren dort für kurze Zeit sicherer. Gefordert wird eine kindergerechte Radinfrastruktur.“

Was machen wir aus Sicht der Plüschtierstudies daraus? Es scheint ja zunächst einmal gegen das fiktive Gesetz zum Schutz von Anscheinstieren zu verstoßen potentielle Companions auf eine befahrene Straße zu setzen; solch niedliche Wesen einer Gefahr auszusetzen fühlt sich unangenehm an. Und dieses unangenehme Gefühl ist beabsichtigt. Auch wenn diese Aktion damit einige Definitionen von Kunst erfüllen dürfte, werden die wehrlosen Plüschtiere hier nicht zu instrumentell eingesetzt? Zumal keine sündhaft teuren zu erkennen sind; also anzunehmen ist daß mit Schäden/Verlusten gerechnet wurde und sie als günstige Requisiten – also reine Objekte – erworben wurden.

Doch Plüschtiere – Teddybären zumal – können Beschützer*innen sein und gerade wenn ihre große Trampler Kinder sind, dürfte ihnen das ein Anliegen sein. Und um Schutz geht es hier ja in doppelter Hinsicht, zum einen unmittelbar – sie riegeln den Radweg vom motorisierten Individualverkehr ab – zum anderen in politischer Weise – sie machen darauf aufmerksam was für einer Gefahr sie und damit ihre Trampler durch diese Art von unzureichender Trennung ausgesetzt sind.

Sehen wir dies also nach Principle of Charity als eine Demo mutiger Plüschtiere und fordern: Plüschtiere an die Macht!

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Intellenz

8. September 2019

Ist es – unter Berücksichtigung des „falschen Ganzen“1 herrschender Verhältnisse – intelligent die verfügbare Intelligenz zu nutzen um sich das Leben einfacher2 zu machen oder schwieriger?

Plüschschwein Sokrates3, alias „Sokra-Pig“


1 Schließungen des Möglichkeitsraums trotz scheinbarer Widersprüche – genauer: Gegensätze – innerhalb wird bezeichnet mit dem aus fortgeschrittenen Dialektikarten entlehnten wissenschaftlichen Fachbegriff „Gesamtscheiße“

2 „Einfacher“ heißt auch, die vorhandenen Handlungsoptionen hinzunehmen und somit die „Gesamtscheiße“ aus der sie entstammen dadurch performativ zu festigen, ein Phänomen was die Kritische Psychologie als „restriktives Handeln“ zu fassen sucht, welches dem Subjekt dieser Theorie zu Folge letztlich immer schade

3 „It is better to be a human dissatisfied than a pig satisfied; better to be Socrates dissatisfied than a fool satisfied. And if the fool, or the pig, are of a different opinion, it is because they only know their own side of the question.“ —John Stuart Mill


Gelöbnisse

24. Juli 2019

Marode Ausrüstung, Nachwuchssorgen, Nazivorfälle – um die Bundeswehr scheint es trotz steigenden Budgets zur Zeit nicht gut zu stehen. Doch soll sich dies mit der neuen Verteidigungsministerin, liebevoll auch nach dem letzten Updatejahr ihrer Überzeugungen AKK-47 genannt – ändern, sie stellte nun die CDU Gesamtstategie für Y-Tours vor. Ecktpunkt sollen mehr öffentliche Gelöbnisse sein. Dies erinnert viele an autoritäre Regime, doch ist es Teil der Exzellenzinitiative des tödlichsten Trachtenvereins des Landes. Statt wie zuvor Unsummen für Polizeischutz dieser Veranstaltungen auszugeben werden die Proteste nun kreativ in das Training eingebunden.

Ein Sprecher des Ministeriums dazu: „Wenn die Polizei immer mehr militärische Ausrüstung bekommt sollen die Leute mal das Original sehen!“ Möglich machen es neue Befugnisse für Sicherheitsbehörden und Bundeswehreinsatz im Inneren wie im Zuge der Exzellenzinitive Olivgrün gefordert. Das KSK wird ihre Gelöbnisse künftig auf dem Achidi-John-Platz in Hamburg abhalten. Wer flieht oder tödlich verwundet hat die Aufnahme in diese Eliteeinheit nicht bestanden. U.a. geraten an manchen Orten die ABC-Schutzausrüstungen angesichts hoher Konzentrationen von THC in der Luft an ihre Grenzen. Doch keineswegs wird linken Akitivst*innen alle Arbeit überlassen – bereits der Weg zum Gelöbnis wird zum Teil der – in Schlandland traditionell harten – Aufnahmerituals. Das Verteidigungsministeriums dazu: „Wer auf dem Weg eine Runde Bier ausläßt fliegt. Wer umkippt fliegt. Auch der Zustand unserer Transportmittel wird zum Plus, wer den Marsch nicht ohne Hilfsmittel schafft oder sich beim Schwarzfahren erwischen zu lassen ist nicht für die Kriege der Zukunft geeignet. Nur durch dieses praxisnahe Trainingskonzept wird die Truppe endlich wieder was sie mal war. Äh, das schneiden Sie raus.“


Plüschie Theorie #9: Flauschgeschichten

15. Mai 2019

Auch wenn Zorn/Empörung/Wut die notwendige Energie um notwendige Veränderungen – vorzugsweise gemeinsam – in Angriff zu nehmen liefern kann, als Lebens- und Socializingart bedeutet das Gemeinschaft durch Feindbestimmung und Virtue-Signaling herzustellen.

Das ist nicht flauschig.

Flausch streckt sich mit den Fasern nach eine* aus, schmiegt sich formannehmend an. Flausch ist ein Teil der Circlusphere.

Unsere kuscheligen Companions mögen uns mit dem zwanglosen Zwang der Niedlichkeit verleiten schönere Geschichten zu bewohnen.

Plüschtiere an die Macht!


Ziehharmonikatheorie

18. März 2019

Idee: Baron René Garde

Schlechte Nachrichten: Die Reparatur wird deutlich aufwendiger als wir gehofft hatten. Anfangs sah es so aus als wären nur die Ränder nur ein wenig verbogen – war zu der Zeit alles ein bißchen düster hier um das genauer zu erkennen -, wir nannten das die Hufeisentheorie. Aber das ist nicht nur verbogen, das ist ziemlich angedetscht, wir nannten das dann die Extremismustheorie. Gut, das dingsens an der rechten Seite ist ziemlich aggressiv, sehen Sie, alles offem da drüben – Haß, Gewalt, _ismus – das ist nicht schön, das muß erstmal dringend raus. Aber aber sehen Sie wie weit sich das rüberfrißt. Einige wollten wenigstens den linken Teil dann noch mit einem Fishhaken retten. Wir haben erstmal gemessen wo genau auf Ihrem politischem Spektrum sich die _ismen häufen und fanden heraus: Die X-Achse ist komplett hinüber! Wir nennen das die Ziehharmonikatheorie.


Gewaltfreie Kommunikation

28. Dezember 2018

Pro:
Erstaunlich viele Konflikte basieren auf Kommunikation. Sie ist Operationsweise unseren Miteinanders und ein besseres Miteinander ist das Α&Ω besserer Gellschaft. Bedenken wir, daß Autentizität ein zeichenbasiertes Konstrukt ist, also auch eine scheinbar unregulierte Kommunikation keine ursprüngliche oder natürliche ist, sondern nur anderen – durchaus kritisierenswerten und kritisierbaren – Strukturen folgt. Die Freheit der einzelnen endet schließlich bei der der anderen. Polemisch zugespitzt: Nicht jede Mackerei muß als edgy Diskussionsstil anerkannt werden.
Lassen wir uns also nicht von den schlimmsten Versuchen entmutigen.

Contra:
Wir können zunächst einmal die Beobachtung festhalten: Es funktioniert anscheinend nicht so wie angenommen bzw. erhofft; und macht viele aggressiv. Scheinbar „weichgespülte“ Gruppierungen können in der Sache überraschend hart und kompromißloslos werden. Die „Gewaltfreiheit“ droht bisweilen in ihr Gegenteil zu umzukippen.
Als mögliche Erklärungen können wir unterschiedliche Theorien darauf werfen.
Zwar bezog sich Tiefenpsychologie-Vorläufer Nietzsche explizit auf das Christentum, doch seine Denkfigur, daß Verdecktes, Uneingestandenes, Verdrängtes unter der Oberfläche umso stärker nachwirkt, zumal wenn es kollektiv kanalisiert wird greift auch gerade hier.
Dann gehört Kult um die „Ich-Aussage“ kritisiert: Ziel sollte sein, sich vom behauptet-objektiven Standpunkt zurückzuziehen um Raum zur Aushandlung zu lassen. Tatsächlich macht dieser Rückzug aber die eingenommene Position unangreifbar, einer Ich-Aussage läßt sich nicht sinnvoll widersprechen. Es geht darum einen gemeinsamen Bezugsrahmen zu schaffen; dieser ist nicht die Realität, aber im Endeffekt eine.
Mit Luhmann’scher Systemtheorie können wir darüber hinaus einwenden, daß die einzelnen Menschen nicht als Teil des Systems betrachtet werden sollten, sondern als Teil von dessen Umwelt, da sonst sie – und nicht nur ihre Inputs – systemgerecht gemacht werden müssen.
Sich auf Mittel statt Inhalte zu beziehen scheint zunächst neutral, doch können diese auch so gewählt werden, daß bestimmte Postionen unangreifbarer oder angreifbarer werden; also schlimmstenfalls werden z.B. Einwände nur in einer Form zulassen, wenn diese ineffizient bleiben können. Doch wie auch immer die Mittel konfiguriert werden, die Suche nach Mitteln setzt den mit ihnen zu erreichenden Zweck ersteinmal absolut, enzieht also diesen implizit der Aushandlung. Hier liegt ein zentraler Punkt: Was wird wie und warum der Aushandlung entzogen; wenn das implizit/unansprechbar passiert ist die Intuition es mit versteckt aggressiver Durchsetzung zu tun zu haben berechtigt, dann sollte „gewaltfreie“ Kommunikation aggressiv machen! Nicht daß in Metakommunikation nicht auch zur Ablenkung von der nötigen dienen kann; aber die Fallacyforschung lassen wir heute mal weitgehend aus.
„Suche“ nach Mitteln bedeutet zudem auch anzunehmen, daß es ein geeignetes Mittel geben müsse, ein fataler Fall von Methodengläubigkeit.
Anzunehmen oder zu fordern das Miteinander habe ein harmonisches zu sein birgt das Risiko, alles was als Störung der Harmonie wahrgenommen wird als außerhalb zu verorten, was sowohl bedeutet einzelne Personen oder Gruppen als ein Außerhalb oder Problemträger wahrzunehmen zu können als auch Verschwörungstheorien – also hinter jeder wahrgenommenen Störung versteckte böse Absichten von einem tatsächlichen oder Imaginären Gegner zu vermuten – begünstigt.
Wenn wir also überlegen wie wir unser Miteinander und dessen Operation, die Kommunikation gestalten wollen sollten wir die Warnung des Argumentationstheoretikers Harald Wohlrapp berücksichtigen: Handelt es sich bei unserer Theorie vielleicht um „Schönwetterrelativismus“?

Fazit
False Dilemma. Habe ich gerade eine Diskussion mit mir selbst verloren?


Plenumsphobie

21. Dezember 2018

Dieses Stück ist mitten aus dem Leben gegriffen, beeindruckend vollständig und gut umgesetzt. Kurzgesagt: Hit too close to home.

Wir könnten es bei dem Seufzer der bedrängten Angestellten belassen und aus dem Kontetext Meme wie „Meetnapping“ oder „I survived another meeting that should have been an email“ importieren. Doch unterschätzen wir nicht das Problem.

Zunächst einmal geht es um Koordinationsarbeit und gemeinsame Entscheidungsfindung. Im Berufsleben und in politischen Zusammenhängen wo die Entscheidungsstrukturen idR. hierarchisch getroffen werden ist der Aspekt von Meetings also nur zeitverschwendende Demokratiesimulation. Nur können wir selbst schon in einem so einfachen Setting wie sozialpsychologischen Kleingruppenexperimenten nachweisen, daß je komplexer die Aufgaben werden, desto mehr geht der anfängliche Vorteile von zentralisierten Strukturen verloren. Damit ist festzuhalten: Wenn einzelne Personen oder Untergruppen ein Plenum dominieren deutet das darauf hin daß wir die dort verbrachte Lebenszeit lieber mit bezahlter Arbeit verbracht hätten. An dieser Stelle seien Zweifel angemeldet ob sich soetwas durch formale Regelungen angehen läßt, komplexe formale Systeme lassen sich immer hacken.

Das bringt uns schon zum nächsten Problem: Die naheliegende Lösung für Probleme mit dem Miteinander auf Plena wären Regeln einzuführen. Neben allgemeinem Zweifel an formalen Systemen, durch diese Regeln wird das ganze häufig noch anstrengender, sperriger, komplizierter. Nicht daß es im Einzelfall nicht helfen kann und allgemeiner in erwünschtem Verhalten resultieren kann, wie eine gute Lösung klingt das nicht, eher nach Flickschusterei.

Plena grundsätzlich abzulehnen wirft nicht nur die Frage auf wie wir dann gemeinsame Entscheidungen und Koordinationen hinbekommen sollen – und es ist eine ernstgemeinte Frage, keine rhetorische, wir wollen hier schließlich nicht Mittel und Zweck gleichsetzen. Das bringt uns zum entscheidenden Punkt: Linke Plena haben irgendwie meist das Ziel einer besseren Gesellschaft – wie klein oder groß diese Verbesserung auch aussehen mag, wie indirekt das konkrete Plenum auch damit zusammenhängt. Wenn jetzt aber die „Sachzwänge“ der politischen Arbeit dafür sorgen daß wir uns regelmäßig gegenseitig quälen – denn wer Plena mag ist Teil des Problems und sollte keine Besuchen dürfen – scheint es mit der Utopie eines besseren Miteinanders nicht so weit her zu sein; und nein, das Ziel zu erreichen in ferne Zukunft, die alles vorherige rechtfertigt zu verlegen ist keine Lösung.

Fazit: Wir hätten längst eine bessere Gesellschaft wenn es nicht so furchtbar wäre sich zu organisieren. Wenn eine andere Gesellschaft möglich ist, müßte ein anderes unmittelbares Miteinander auch bei politischer Koordinations- und Entscheidungsarbeit zumindest in Ansätzen erkennbar sein können.

Ich habe keine Antworten. Denn die offensichtlichen Antworten – von pädagogisch-methodengläubigen Regelwerken bis „seid lieb zueinander“ – wirken häufig nur problemverschärfend, „konstruktivistische“ Philosophien müssen sich an dieser Stelle bewähren mehr als Schönwetterrelativismus zu sein. Ich will nur sagen: Bei den Beziehungsweisen spielt die Musik!