Fefe und der Standort

31. Januar 2019

Über Fefe zu lästern gibt immer gute Klicks. Im Ernst: Wenn wir ihn diskursiv repräsentativ für eine gewisse Subgruppe von Nerds sehen und wenn wir beachten daß bei seinen Gegner*innen gerne auf „Denkmethoden“ abhebt, selbst dabei aber häufig reinfällt ist es vielleicht einen Kommentar wert.

Was ist passiert? Eine Farbbeutelaktion gegen das berliner Amazon Büro; interessanter Clou: Der Werkschutz wurde mit einem Fahrradschloß eingesperrt. Fefe fragt was das für einen Nutzen haben soll und schließt die Frage an was es bringen soll falls die ganzen Tech Firmen aus Berlin verschwinden.

Was Denkmethoden angeht sei an dieser Stelle wärmstens für das „Principle of Charity“ geworben: Elliptische Argumente sollten ersteinmal in stärkstmöglicher Form ergänzt werden bevor sie kritisiert werden.
Die Kulturellepraxis weiß auch nicht was der genaue Zweck war – weist aber darauf hin daß die meisten linken Bekennerschreiben dringend professionell lektoriert werden sollten, in sofern vielleicht besser daß es hier anscheinend keines gab; das Szeneconsulting des Instituts für geisteswissenschaftliche Nutzenoptimierung wird soetwas anbieten. Doch ergänzt Fefe hier etwas das stark nach „Standort“1 Logik klingt, d.i. nationalistische oder provinzielle Denkweisen mit der Scheinrationalität von „die Wirtschaft“ Argumenten zu versöhnen.

Hypothesen gegen Alternativhypothesen zu testen gilt zwar gerade unter Naturwissenschaftsfans als Standardmethode, aber woher nehmen und nicht stehlen? Nicht nur ist „Alternativhypothese“ arbiträr – also diese Beliebigkeit die den Geisteswissenschaften gerne vorgeworfen wird -, auch stoßen wir auf eine weitere Denkfalle positivistischer Methodik, daß das Naheliegende – leicht messbare, diskursiv etablierte usw. – konkret scheint. Dennoch seien mal ein paar aus dem Hintergrundwissen gezogen.

Aus dem Komplex der leider mit dem ungenauen und wertenden Begriff „Terrorismus“ bezeichnet wird können wir einiges lernen. Zunächst einmal daß Gewalt auch „kommunikativ“ angewendet werden kann, also nicht auf die „materiellen“ Effekte ausgelegt. Ein schönes Beispiel wären die Schlandlappen zur Fußball WM, welche „wir alle sind für Schlandland“ verkünden, während diese illegal zu entfernen ein klares „Nein!“ sichtbar macht. Nur dürfte bekannt und v.a. sagbar sein wie böse Amazon ist – es sei denn diese Bedenken werden durch Standortlogik wegrationalisiert.
Hintergrund „Terroristischer“ Akte ist häufig so etwas wie Autopropaganda; d.h. daß die Motive möglicherweise psychologischer und nicht politischer Natur sind. Sei es einen klaren Gegner haben und angreifen zu wollen, sei es Frust von ausgebeuteten Angestellten oder Ex-Angestellten – Gründe Amazon ohne ein langfristiges Ziel schaden zu wollen lassen sich jedenfalls einige vorstellen. Daß anscheinend die Schwelle politische Motive zu unterstellen bei möglichen linken deutlich niedriger als bei möglichen rechten zu sein scheint nur am Rande.

Aber suchen wir lieber nach rationalen und planvollen Motiven: Wenn Betriebe die als besonders ausbeuterisch auffallen mit Angriffen rechnen müssen hat es einen Vorteil nicht zu diesen gezählt zu werden. Was möglicherweise einen Unterbietungswettbewerb im Scheiße-sein auslöst. Das ist zwar genau so spekulativ wie „aus Berlin vertreiben“, stellt aber die Täter*innen in einem vollkommen anderen Licht dar. Und heißt daß sie viel zu tun haben werden.

Auch wenn über Intelligenz spätestens seit den Sherlock Holmes Geschichten gerne erzählt wird mit der selben Datenbasis mehr herausfinden zu können und auch wenn schlecht eingesetzte Zweifel – angesichts der Tatsache daß sich alles irgendwie bezweifeln läßt – nicht fruchtbar sind, Skepsis bei dünner Informationslage ist vielleicht gar nicht so schlecht.


1 Doch unter uns: Unternehmen sollten sich im schönen Hamburg ansiedeln, die Szenelinken hier sind so zerstritten und von Spitzeln und Spitzelparanoia geplagt daß sicherlich weniger passiert als in Berlin, G20 war Knowhow von außerhalb und Versagen durch Selbstüberschätzung der Politik.

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Kulturellepraxis live

29. Oktober 2018

„Da steht der Feind!“ – „Wo? Ich sehe nur einen Nebel aus Assoziationsketten …“


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1. Mai 2018

Mit Baron René Garde

„Moin, Wachtmeister. Scheiß Tach gehabt?
Dann gönn‘ Dir doch ’nen Hamburger Kessel!“

„Für mich zählt bei Demos das Gemeinschaftserlebnis,
Hamburger Kessel gehört einfach dazu!“

„Nach 14 Semestern endlich den Taxischein.
Klar bin ich dabei wenn es Hamburger Kessel gibt!“

Hamburger Kessel – Deftiges aus dem Norden.


Cui Bono?

20. Januar 2018

Der Adorniterorden ist uns auf die Schlichte gekommen: großes Ziel der POSTMODERNE™ ist die Selbstinfantilisierung. Aber wer steckt dahinter?

Die Plüschtiere! Es geht darum daß die Plüschtiere für eine bessere Welt die Macht übernehmen.

Plüschtiere an die Macht!


Linke Homöopathie

18. Januar 2018

„Nach wie vielen Spaltungen sind wir endlich eine Volksbewegung?“


Neues Musical

27. Juli 2017

Neue Flora besetztHeute legte die Rote Flora ihr neues Nutzungskonzept vor, den Vorstellungen der Politik von dieser Stadt näher zu kommen.  Nach der erfolgreichen Inszenierung des an diesem Ort so geschichtsträchtigen „Phantom der Oper“[1] folgt nun das nächste Musical am Achidi-John-Platz: „Ernst Thälmann – Sohn seiner Klasse“. Die Handlung ist am gleichnamigen DEFA-Film angelehnt, doch die musikalische Gestaltung folgt unlängst entdeckten Partituren von Hans Eisler aus einem verloren geglaubten Briefwechsel mit Theodor W. Adorno.

Die HADAG sagte bereits zu, die „C-Star“ aufzukaufen und anläßlich des Musicals in „Ernst Thälmann“ umzubenennen, am Design der neuen Lackierung wird z.Zt. fieberhaft von HfBK Studierenden gearbeitet. Nach ersten Soundchecks zeigte sich Kultursenator Dr. Brosda (SPD) beeindruckt und bot den Gestaltenden der Roten Flora spontan einen Gebäudetausch mit der Elbphilharmonie an.

Einzig aus den Reihen der Partei „die Partei“ gab es Proteste, Hamburg müsse Muscalfreie Zone werden[2], eine Räumung der Neuen Flora wird diskutiert. Anwohner*innen zeigten sich diesem Vorschlag gegenüber aufgeschlossen, gingen doch deutlich stärkere Belästigungen für sie vom Publikum der Neuen Flora aus. Innensenator Grote (SPD) bot an, die Lage mit dem erfolgreichen Einsatzkonzept vom 06.07.2017 ff zu entschärfen: Wer vor der Neuen Flora auf dem Radweg geht kann im Rahmen hamburger Verhältnismäßigkeit künftig mit Pfefferspray rechnen.

Im Rahmen dieser Kompromißverhandlungen unterzeichnete Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation bereits einen Kooperationsvertrag mit „Der Schwarze Block“® gGmbH, künftig müssen Halter*innen verkehrswidrig geparkter Fahrzeuge mit unbürokratischen Schnellverfahren mittels Grillanzünder rechnen.


Haushaltssicherheit

18. Juni 2016

Idee: Prokopius

Haushaltsunfälle häufen sich in Deutschland. Mit ca. 90001 Toten durch Haushaltsunfälle im Jahr 2014 ist die Gefahr deutlich höher als jene durch Verkehrsunfälle (ca. 35001) einzuschätzen. Doch während im Straßenverkehr zahlreiche Regulierungen und Kontrollen für unsere Sicherheit sorgen, ist der Bereich des Haushalts nach wie vor unterreguliert; und das trotz Fortschritten wie flächendeckende Rauchmelder, sowie deren Umbenennung in Brandmelder.

Hier will jetzt die Bundesregierung eingreifen. In enger Zusammenarbeit mit den Handwerkskammern entsteht gerade ein neues Gesetz zur Optimierung der Treppensichierheit, das an die überragenden Erfolge der #dankhelm Kampagne2, 3 des Verkehrsministeriums anknüpfen soll. Künftig müssen in jedem mehreren Mietparteien zugänglichen Treppenhaus Sturzhelme ausliegen. Diese werden dann halbjährlich vom Schornsteinfeger kostenpflichtig überprüft. Sollte das Angebot ausliegender Helme nicht auf Basis freiwilliger Selbstverpflichtungen durch die Mieter*innen hinreichend genutzt werden, wird eine Kameraüberwachung der Treppenhäuser erwogen, auch um der Gefahr entgegenzuwirken, Einbrecher*innen könnten aus der Position eines Helms folgern, wer gerade nicht daheim ist.