Hörflausch – Plüschtierstudies als Podcast

9. Oktober 2019

Eigentlich sollte nur der Plüschtiervortrag gesendet werden, jetzt wurde es dank Fiction for Fairies & Cyborgs doch eher ein Beispiel dafür was Freies Radio alles kann.

Fauchi Stormborn bei einem früheren Vortrag

Die freie Version findet sich Bei freie-radios.net und auf der soundcloud, doch aufgrund der CC-Lizenz können die Dateien ja auch weitergegeben oder woanders gespiegelt werden.

Mobile Abschlußkonferenz der Kulturellenpraxis zur Sendung

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Lehrnarrativ

9. September 2019

Skepsis gegenüber Zweierteilungen ist wichtig, denn sie erweisen sich häufig als Denkfalle die die Welt nur scheinbar sortieren. Sie sind aber auch die einfachste Form der Differenz, also nach (post)strukturalistischem Sprachverständnis eine einfache Form etwas auszudrücken. Und unsere treuen Leser*innen kennen sich sicherlich hinreichend mit Dekonstruktion, negativer Dialektik etc. aus ihr Denken nicht von solch einer Spar-Differenz einfangen zu lasesen.

Nach Heinz von Foerster sei eine legitime Frage eine auf die eins die Antwort nicht wisse, aber wissen wolle. Somit wirkt es unredlich wenn eine Aussage als Frage, Mitmacharbeit oder Ähnliches verschleiert wird. Das ist keine Didaktik – im Sinne der Kunst etwas nicht unnötig schwierig darzustellen -, das ist Knabenführung (Pädagogik). Zwar gibt es Fähigkeiten die nur in Anwendung erworben werden können, aber dies zum einzig gültigen Paradigma zu erklären wäre etwas beschränkt. Das mag auch als Verteidigung des verrufenen „Frontalunterrichts“ verwendet werden, speziell für Leute die sowas wie „Ehrlichkeit“ für einen Wert halten.

Das was jetzt „frontal“ vermittelt werden soll weist zwingend gewisse Strukturen auf, auch wenn die Fragen was, wie und warum strukturiert werden soll auf einem anderen Blatt steht. Probieren geht da ausnahmsweise tatsächlich mal über studieren um dem Methodenfetisch zu entkommen.

Ein zentripetales Narrativ zu wählen hilft bei vielen Anforderungen an gängige Unterrichtssituationen: es ist schneller nachvollziehbar, es produziert leichter abfragbare – und abgestuft bewertbare – Antworten. Das prägt wiederum eine Erwartung wie eine Lernsituation auszusehen hat, also prägt auch die Erwartungen des Publikums. Dies hat Grenzen, beispielsweise Deterritorialisierungsbemühungen können wir dabei knicken. Und auch wenn es ein Widerspruch wäre kritisches Denken lehren zu können, Hilfestellungen um mehr als Informationskonsument*innen zu sein lassen sich so auch schlecht bieten.

Von daher sei dem ein Bild des zentrifugalen Narrativs – wie dem der Plüschtierstudies – entgegengesetzt: das Wissen wird nicht zu einem Kernpunkt hin zugespitzt, viel mehr liegt der Ausgangspunkt in einer verschiebbaren Mitte vieler weiterer Bezüge. Die Welt wird komplexer und größer; statt beherrschbarer. Damit werden aber – günstigenfalls intendiert – gängige Vorstellung von Lernen durchkreuzt, so jenes, das von einer fairen Prüfung aus gedacht die geschlossenen Narrative – also das Gegenteil der zentrifugalen narrativen Bewegung – anstrebt. Damit kann der Eindruck entstehen weniger zu lernen und daß diese Art des Lernens kompliziert und zu fortgeschritten sei. Sicherlich liegt – wie erwähnt – ein Moment des Ernstnehmens darin und die Überzeugung, daß „durch Nulpen dividieren“ niemanden dazu bringt das eigene Potential zu entwickeln. Aber auch wenn praktisch gerne so vorgegangen wird diese Denkbewegung weit Fortgeschrittenen zu reservieren, auch wenn auf einige gewohnte Erfolgserlebnisse verzichtet werden muß, letztlich basiert diese Vorstellung auf einem Kategorienfehler.

Denn eine zentrifugale Erzählweise bedeutet hohe Anforderungen an d* Lehrende*, so hoch daß auch der Kontrollverlust – gerade wenn in anderen Bereichen Kompetentere im Publikum sind – in Kauf genommen werden muß. Und etwas nicht unnötig kompliziert zu präsentieren schließt nicht aus sich mit der Komplexität des Gegenstands auseinandergesetzt zu haben. Auch wenn – Stichwort: Halbbildung – sich gegenseitig zu bestätigen daß gängige Vereinfachungen ein Zeichen von Kenntnis seien praktische Funktionen der Bildung – nicht zuletzt kulturelles Kapital – besser erfüllt als sich zentrifugal auf einen Gegenstand zu stürzen.

Nun soll die Wertung – laut Derrida ja einer der Gefahren solcher Zweiergegensätze – hier nur als umkehrbar dargestellt werden, ohne zu verleugnen daß beispielsweise „Komplexitätsreduktion durch Komplexitätsaufbau“ auch ein wertvolles Lernkonzept sein kann, wenn dadurch die Komplexität des Gesamtgegenstands nicht aus dem Blick gerät. Auch sind Informationen sicherlich eine wichtige Grundlage zum Denken, also sei hier nur v.a. vor Einseitigkeit gewarnt.

Seien wir – mit Haraway – also auch bei De- und Reterritorialisierungsprozessen im Lernprozeß lustvoll im Verwischen und verantwortungsvoll im Ziehen von Grenzen!


Intellenz

8. September 2019

Ist es – unter Berücksichtigung des „falschen Ganzen“1 herrschender Verhältnisse – intelligent die verfügbare Intelligenz zu nutzen um sich das Leben einfacher2 zu machen oder schwieriger?

Plüschschwein Sokrates3, alias „Sokra-Pig“


1 Schließungen des Möglichkeitsraums trotz scheinbarer Widersprüche – genauer: Gegensätze – innerhalb wird bezeichnet mit dem aus fortgeschrittenen Dialektikarten entlehnten wissenschaftlichen Fachbegriff „Gesamtscheiße“

2 „Einfacher“ heißt auch, die vorhandenen Handlungsoptionen hinzunehmen und somit die „Gesamtscheiße“ aus der sie entstammen dadurch performativ zu festigen, ein Phänomen was die Kritische Psychologie als „restriktives Handeln“ zu fassen sucht, welches dem Subjekt dieser Theorie zu Folge letztlich immer schade

3 „It is better to be a human dissatisfied than a pig satisfied; better to be Socrates dissatisfied than a fool satisfied. And if the fool, or the pig, are of a different opinion, it is because they only know their own side of the question.“ —John Stuart Mill


Zum Materialismus #2

10. Juli 2019

Wieso nutzen eigentlich sich als „Materialist*n“ bezeichnende Theoriepraxen letztlich nur einen politisch aufgebohrten Idealismus? Marxens Argumentationsweisen ist anzumerken daß er im deutschen Idealismus studiert hat. Wenn wir jetzt Lenin folgend annehmen daß Materialismus „von den Dingen ausgehen“ sei, wäre doch eigentlich die analytische Philosophie das Richtige („Der Sachverhalt ist eine Verbindung von Gegenständen. (Sachen, Dingen.“ –Tractatus 2.01); die Marx noch nicht zur Verfügung stand. Noch alberner wird es wenn die Frankfurtfankurve Individualpsychologie als Erklärungsmuster nutzt, sich aber trotzdem von „den Pomos“ als Materialistisch abgrenzen, obwohl sich glücklicherweise die meisten von denennicht (mehr?) so viel „Idealismus“ leisten.

Um auf die rhetorische Frage zu antworten: Das Verständnis von „Materialismus“ ist weit gestreut – nach Principle of Charity stürzen wir uns mal ausnahmsweise nicht auf die mögliche Bedeutung für die Dinge wie sie sind sprechen zu wollen und also übersinnlichen Zugang zur Wahrheit vorauszusetzen – und irgendwelche Verortungen im Netz der Positionen des 19. Jahrhunderts bringen uns heute nicht sonderlich weiter. Dieser Gegensatz ist wahrscheinlich mittlerweile nicht einmal mehr zu dekonstruieren, sondern gleich zu destruieren.

Wenn wir das aus dem Weg haben können wir anfangen produktiv darüber nachzudenken wie wir die Verzahnungen von Wahrheitswirkungen, Praxen, Institutionen usw. am besten untersuchen ohne einseitig die bretter immer nur an der dünnsten stelle zu bohren.


Save the Date! Plüschtiertstudies live in Hamburg

8. April 2019

Plüschtierstudies – Zu postmodernen Subjekten und ihren Erweiterungen
Im Rahmen der Vorlesungsreihe der Ag Queer Studies: Jenseits der Geschlechtergrenzen
Mittwoch 29.05.2019, 19ct, Hamburg, Von-Melle-Park 5 („WiWi Bunker“) 0079

Für diesen Anlaß hat sich Pizzafahrer Olaf Wachenhausen bereiterklärt die Kulturellepraxis zu repräsentieren, die Chefredakteur*innen werden aber anwesend sein

Abstract
Wie bei Haraways Cyborg scheinen auch bei Plüschtieren gewohnte Dichotomien nicht ganz zu passen, so beispielsweise die den meisten essenzialistischen Ansätzen zu grundeliegende von Subjekt und Objekt: Wir können unsere kuscheligen Begleiter*innen fürs Leben nicht guten Gewissens nur als Objekte bezeichnen, wissen aber, dass sie nicht unabhängig von unserer Subjektivität sind. Wir bilden sozusagen ihr „Wirtsbewusstsein“, wie es der Pionier der Plüschtierpsychoanalyse, Dr. Wood, so treffend formuliert.

Doch leider behandelt die bisherige Forschung Plüschtiere ansonsten fast ausschließlich im Zusammenhang mit Kindern und erklärt das Phänomen der Niedlichkeit meist biologistisch weg („Kindchenschema“). Somit können die transdisziplinären Plüschtier-Studies zunächst lediglich Schneisen in dieses neue Forschungsfeld schlagen, hoffend, am Rande Erkenntnisse über Subjekttheorie, radikale Selfcare und möglicherweise sogar Gemeinschaftlichkeitsutopien zu finden.

Plüschtiere werden gebeten, zu ihrem Vortrag ihre großen Trampler („Menschen“ u.ä.) mitzubringen.


Flachzangen, immer wieder

26. Januar 2019

Mal wieder auf eine Materialsammlung von „Kritik“ an Queerfeminismus und allem was locker damit assoziiert wird gestoßen; will das nicht verlinken, will nicht in der tiefe analysieren – schon gar nicht für umme -, also beteilige ich mich einfach mal an dem Quatsch und rante inhaltsleer drauflos.

Letztlich wird mit Mitteln von Verschwörungstheorien gearbeitet, Gerüchte, Falschaussagen, Gewohnheitsaussagen und -deutungsmuster, Othering zwecks Selbstverständnisfestigung. Ohne jetzt abstreiten zu können oder wollen daß viel – gerade auf Anwendungs- & Populärebene – im Argen liegt macht soetwas sinnvolle Kritik noch schwerer. Um bessere Theoriebildung kann es also schoneinmal nicht gehen.

Wie konnte es so weit kommen, daß akademische und bewegungsinterne Konkurrenz auf diesem Niveau angegriffen wird? Und anscheinend geht das nicht auf „die Postmoderne“ zurück, da es ja ihre Gegner*innen offensichtlich noch stärker betrifft und die Angegriffenen kaum noch tote französische Menners mit ihren schwer lesbaren Büchern in den Mittelpunkt stellen. Also: Don’t kill the messenger!

Nehmen wir mal die Forderungen nach „Materialismus“ ernster, denn so können wir ausschließen, daß es sich einfach um Versagen einzelner handelt oder daß das zu bekämpfende Problem irgendwelche falschen Theorien bzw. Meinungen sind. Also mit solch einer Form von Kritik überhaupt irgendetwas auszurichten ist. Ohne uns allzu lange beim Beobachter*innenproblem aufzuhalten, „Materialismus“ heißt auch daß Konzept und Ding nicht das selbe sind. Wenn also behauptet wird durch eine „materialistische“ Position im Namen der Dinge sprechen zu können, haben wir es lediglich mit Material für die Rundablage zu tun.

Nehmen wir mal an Wasser fließe immer von oben nach unten. Das schließt nicht aus gegen den Strom zu schwimmen, macht das aber schwer und v.a. längerfristig aussichtslos. Tote Fische schwimmen nicht nur mit dem Strom, sondern auch oben. Also statt stolz Recht zu haben wäre zu fragen warum so viel Müll wahrheitsfähig ist, d.h. wieso keine Überprüfungsmechanismen greifen, die solche Verschwörungstheorien – und bei der Gelegenheit auch gleich dumme Queer-Verflachungen auf der anderen Seite – eingrenzen.

Woran liegt das? Ich weiß es auch nicht. Aber bedenken wir daß ein fluffig-metaphysisches Konzept von Wahrheit nie hinreichend für Theoriebildungen war, müßten wir uns die Strukturen der Wahrheitsproduktionsmaschinerie anschauen. Also z.B. die „~krisen~“gebeutelten Printmedien und die reformgeplagten Universitäten. Kurzgeasagt: die „materiellen“ ressourcen sind in beiden Kontexten knapper geworden. Die Universitäten boten vor einiger Zeit noch gewaltige Freiheiten – warum auch nicht, das ist deutlich billiger als uns zu hospitalisieren -, es wird die „Linksintellektuellen“ Nische übervölkert haben. Mittlerweile haben die Universtitäten einen Haufen von Veränderungen hinter sich, die gerne mit dem Wort „Bologna“ abgekürzt werden. Klar wird sich das auf die Theoriebildung ausgewirkt haben.

Ich habe keine Antwort und keinen optimistischen Spin für Euch, sondern schreibe nur Nullnummern im 31. Stock. Schreibt doch einfach ein eigenen Ende und laßt es vielleicht hier in den Kommentaren.


Kulturellepraxis live

18. Januar 2019

Mit Kai Denker

Wieso nur??? Können möchtegernlinksintellektuelle Honks nicht weiter bei Adorno bleiben?!?“ – „Weil man jede mögliche Dummheit über den schon gesagt hat.“