Kulturellepraxis live

18. Januar 2019

Mit Kai Denker

Wieso nur??? Können möchtegernlinksintellektuelle Honks nicht weiter bei Adorno bleiben?!?“ – „Weil man jede mögliche Dummheit über den schon gesagt hat.“

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Gewaltfreie Kommunikation

28. Dezember 2018

Pro:
Erstaunlich viele Konflikte basieren auf Kommunikation. Sie ist Operationsweise unseren Miteinanders und ein besseres Miteinander ist das Α&Ω besserer Gellschaft. Bedenken wir, daß Autentizität ein zeichenbasiertes Konstrukt ist, also auch eine scheinbar unregulierte Kommunikation keine ursprüngliche oder natürliche ist, sondern nur anderen – durchaus kritisierenswerten und kritisierbaren – Strukturen folgt. Die Freheit der einzelnen endet schließlich bei der der anderen. Polemisch zugespitzt: Nicht jede Mackerei muß als edgy Diskussionsstil anerkannt werden.
Lassen wir uns also nicht von den schlimmsten Versuchen entmutigen.

Contra:
Wir können zunächst einmal die Beobachtung festhalten: Es funktioniert anscheinend nicht so wie angenommen bzw. erhofft; und macht viele aggressiv. Scheinbar „weichgespülte“ Gruppierungen können in der Sache überraschend hart und kompromißloslos werden. Die „Gewaltfreiheit“ droht bisweilen in ihr Gegenteil zu umzukippen.
Als mögliche Erklärungen können wir unterschiedliche Theorien darauf werfen.
Zwar bezog sich Tiefenpsychologie-Vorläufer Nietzsche explizit auf das Christentum, doch seine Denkfigur, daß Verdecktes, Uneingestandenes, Verdrängtes unter der Oberfläche umso stärker nachwirkt, zumal wenn es kollektiv kanalisiert wird greift auch gerade hier.
Dann gehört Kult um die „Ich-Aussage“ kritisiert: Ziel sollte sein, sich vom behauptet-objektiven Standpunkt zurückzuziehen um Raum zur Aushandlung zu lassen. Tatsächlich macht dieser Rückzug aber die eingenommene Position unangreifbar, einer Ich-Aussage läßt sich nicht sinnvoll widersprechen. Es geht darum einen gemeinsamen Bezugsrahmen zu schaffen; dieser ist nicht die Realität, aber im Endeffekt eine.
Mit Luhmann’scher Systemtheorie können wir darüber hinaus einwenden, daß die einzelnen Menschen nicht als Teil des Systems betrachtet werden sollten, sondern als Teil von dessen Umwelt, da sonst sie – und nicht nur ihre Inputs – systemgerecht gemacht werden müssen.
Sich auf Mittel statt Inhalte zu beziehen scheint zunächst neutral, doch können diese auch so gewählt werden, daß bestimmte Postionen unangreifbarer oder angreifbarer werden; also schlimmstenfalls werden z.B. Einwände nur in einer Form zulassen, wenn diese ineffizient bleiben können. Doch wie auch immer die Mittel konfiguriert werden, die Suche nach Mitteln setzt den mit ihnen zu erreichenden Zweck ersteinmal absolut, enzieht also diesen implizit der Aushandlung. Hier liegt ein zentraler Punkt: Was wird wie und warum der Aushandlung entzogen; wenn das implizit/unansprechbar passiert ist die Intuition es mit versteckt aggressiver Durchsetzung zu tun zu haben berechtigt, dann sollte „gewaltfreie“ Kommunikation aggressiv machen! Nicht daß in Metakommunikation nicht auch zur Ablenkung von der nötigen dienen kann; aber die Fallacyforschung lassen wir heute mal weitgehend aus.
„Suche“ nach Mitteln bedeutet zudem auch anzunehmen, daß es ein geeignetes Mittel geben müsse, ein fataler Fall von Methodengläubigkeit.
Anzunehmen oder zu fordern das Miteinander habe ein harmonisches zu sein birgt das Risiko, alles was als Störung der Harmonie wahrgenommen wird als außerhalb zu verorten, was sowohl bedeutet einzelne Personen oder Gruppen als ein Außerhalb oder Problemträger wahrzunehmen zu können als auch Verschwörungstheorien – also hinter jeder wahrgenommenen Störung versteckte böse Absichten von einem tatsächlichen oder Imaginären Gegner zu vermuten – begünstigt.
Wenn wir also überlegen wie wir unser Miteinander und dessen Operation, die Kommunikation gestalten wollen sollten wir die Warnung des Argumentationstheoretikers Harald Wohlrapp berücksichtigen: Handelt es sich bei unserer Theorie vielleicht um „Schönwetterrelativismus“?

Fazit
False Dilemma. Habe ich gerade eine Diskussion mit mir selbst verloren?


Overthinking

11. Dezember 2018

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Lese das und überlege wie sich das modifizieren ließe. Ja, zugegeben: Wie ich einen Abstauberspruch mit kleinen verbesserungen bringen kann. Die nationalistischen Kontinuitäten lassen sich ja alleine schon aus dem Wort „Volk“ rekonstruieren – ohne die Ambiguität hier herunterspielen zu wollen; [eigentlich müßte ich auch noch was zur Bedeutung dieser für politische Bewegungen hinzufügen], aber da laufe ich Gefahr die gegenwärtigen rechten Bewegungen zu verharmlosen oder gar die DDR zu verherrlichen; [hier müßte noch eine klärende Bemerkung wie Kritik am Ostblock-„Sozialismus“ nicht mißverstanden werden sollte].

Wie @RubenMmkay doch so schön parodierte: „Keine Parolen, nur die ganze Wahrheit!

Solche Überlegungen deuten aber darauf hin daß es möglich und erstrebenswert sein könnte auch kurze pointieret Sachen mit ungeahnter Reflexionstiefe zu unterfüttern. Was heißt daß das beliebte Journalist*innenargument „ich habe nur x Zeichen“ aufs schärfste zurückgewiesen werden sollte, geht es darum daß sich kurz und verständlich zu fassen einfaches Denken und begrenztes Wissen erfordere, das ist ein Kategorienfehler. Doch halt – Principle of Charity: Ein Argument sollte zunächst als stärkstmögliche Form gedeutet werden! Unter kapitalistischen Bedingungen für ein ohnehin schon geringes Zeilengeld in Dissertationstiefe zu recherchieren treibt die Selbstausbdeutung zu weit.

Ja, das alles läßt sich problemlos als ein massiver Fall von Overthinking deuten. Doch gelten Liegestütze idr. nicht als „Overmoving“!


Nachtrag: Kommen wir nochmal zurück zu den Modifkationsmöglichkeiten eines solchen Spruchs. Die angedeutete mögliche Debatte um Wertungen und Nuancen ließe sich auch als Austausch von Varationen führen; fast schon eine mikro- & offline-Form von Memes. Also z.B.: Eine Person modifiziert den Spruch dahingehend den nicht-ganz-emanzipatorischen Charakter von ’89 überzubetonen. Wenn die nächste jetzt sagt: „Du mit Deiner DDR-Verherrlichung“ wäre sie jetzt Spielverderber*in, aber es steht ihr frei eine weitere Pointe draufzusetzen in der die Kritik an der DDR wiederum deutlich wird. Das sind ganz spezielle „Ordnungen des Diskurses“, wie sie z.B. manchmal in manchen Studicafés zu erleben sind. Also durch die gemeinsame Form des Herumalberns durchaus Kontroverse Punkte spielerisch austauschen.

Gut, das fällt leider immernoch unter „Schönwetterrelativismus“, da unterschiedliche Interessen, Bedürfnisse oder Grundlagen für gemeinsames Handeln nicht direkt betroffen sind, aber ist ein schönes Modell wie diskursive Formengebung und soziale Interaktion zusammenwirken und daraus Kreatives entstehen kann; also „die macht“ – des „sei doch keine Spaßbremse“ – hier produktiv ist.


Kulturellepraxis live: Antwort

11. November 2018

„Ey, biste schwul?!?“ – „Da diese Frage höchstproblematische Präsuppositionen enthält – allen voran die Annahme einer diskreten Zweigeschlechtlichtkeit, so wie eines auf gewisse Abstraktion von Körperformationen gerichteten Begehrens – kann die Anwort nur lauten: Mu


Hinweis: Für derartige Antworten bei derartig fragenden empfiehlt sich eine Kampfkunstausbildung und/oder Bewaffnung – so z.B. griffbereites Tierabwehrspray – als Argumentationshilfe bei zu erwartenden … Folgefragen.


Kulturellepraxis live

29. Oktober 2018

„Da steht der Feind!“ – „Wo? Ich sehe nur einen Nebel aus Assoziationsketten …“


Systemische Umwelt?

11. Oktober 2018

Dieser Artikel ist Teil dessen womit er ringt: Duschgedanken statt systematischer Herangehensweise. Die Frage lautet: Ist die Systemik zu unsystematisch?

Von Heinz von Foerster in philosophisches Denken gelockt, habe ich bis heute eine Schwäche für diese Ecke der Systemtheorie. Und jüngst stieß ich auf ein paar Vorlesungsaufzeichnungen von und über Luhmann. Nun wird ihm gerne vorgeworfen „Armchair Soziologie“ zu betreiben, auch wenn sich viele informelle Beispiele finden, das sei das doch keine harte empirische Forschung.

Nun, ein Wissenschaftsverständnis das nur quantitative Erhebungen gelten läßt weigert sich nicht nur grundlegende Überlegungen über sich und ihren Gegenstand anzustellen, für sie wirkt je konkreter desto leichter zu messen und an Annahmen rutschen am besten die unmarkierten durch – adornitisch formuliert: Der Positivismus hat immer eine Tendenz die bestehenden Verhältnisse zu affirmieren. Doch bleibt die Frage: Mit welchen „Möglichkeiten sich selbst zu überraschen“ (Luhmann über den Nutzen von Methoden) können wir die Luhmann’sche Theoriebildung bestätigen oder widerlegen?

Dazu können wir uns eines Verständnisses von geschlossenen Systemen bedienen: Die Welt (Umwelt) darf sich meist nur in bestimmter Form „äußern“, in der Geschichtswissenschaft beispielsweise über historische Texte – Quellen -, in der Psychologie meist durch quantitative Daten, die am besten in einem Experiment erhoben wurden. Auch wenn Erweiterungen dieses Zugangs – z.B. in der Geschichtswissenschaft Methoden für Bilddeutung zu entwickeln – oftmals als Fortschritte gefeiert werden, diese Begrenzung ist nicht nur praktisch für den Wissenschaftsbetrieb – ermöglicht u.a. Transparenz und Reproduzierbarkeit -, sondern bildet konstitutive Gesten für ein Fach. Z.B. in der Geschichtswissenschaft sich von Geschichtsphilosophie abzugrenzen, z.B. in Psychologie das Experiment zur Grundlage zu erklären, auch wenn sich – beispielsweise mit dem Behaviorismus oder der kognitiven Wende – das Verständnis wie genau zu experimentieren sei mehrfach stark geändert hat.

Damit ist Falsifizierbarkeit – mal wieder – ein viel zu grobes Instrument. In Luhmann’schen Rahmen wäre eher zu fragen: Wie kann die Umwelt das System stören? Kann es sich mit unerwartetem Input ändern oder kann es höchstens zerstört werden? Betreiben wir „Cherry Picking“, können nur das betrachten was die Theorie erklären kann oder kann es zu Anomalien – im Kuhn’schen Sinne: innerhalb der Theorie für wichtig gehaltenen Beobachtungen die sich der gewöhnlichen Erklärungsweise der Theorie entziehen – kommen?

Für Luhmann habe ich leider keine Guten Antworten darauf. Vielleicht kommt es auf die „Anschlußfähigkeit“ an, wo kann ich Produktives damit anfangen – die Theorie und der Anwendungsbereich finden sozusagen zueinander. Dies spräche für Theorien denen einzelne Ergebnisse oder Denkfiguren zu entnehmen wären ohne gleich auf das gesamte Denksystem wie auf eine Bibel schwören zu müssen (in your face, adornitische Totalität!).

Auch viele philosophische Ansätze regulieren zwar ihre Argumentationsweisen, aber nicht direkt den Zugang zu Fakten/Welt – auch wenn es Versuche gibt sich von Nachbarwissenschaften abzugrenzen, „reine“ Philosophie zu betreiben, sei diese als folgerichtig, aber inhaltsleer abgetan -, das kann einerseits vorwissenschaftlich sein, andererseits geht es auch ganz  ohne Armchair nicht: Die Bedingungen der Beobachtung können nicht direkt beobachtet werden, in Luhmann’scher Denkweise formuliert: Jedes Beobachtungssystem produziert seinen blinden Fleck.

Daß Luhmanns Zugang zur Umwelt erstaunlich informell ist kann also sowohl als Stärke wie Schwäche gesehen werden. Sich grundlegende und nicht auf kleine empirische Studien ausgelegte Gedanken zu machen scheint mir in positivem Sinne unzeitgemäß und das Potential der „unfinished revolution“ systemischer Ansätze – u.a. des oben genannten Heinz von Foersters und seines Umfelds – für diesen Bereich fruchtbar machen zu wollen sympathisch. Die Welt ist zu groß für nur eine geschlossene Theorie.


Psychoanalyse

5. September 2018

Heute auf Twitter: Eine ausgefranste – deshalb schwer verlinkbare – Diskussion über Psychoanalyse. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder textliche Schönheit seien hier deshalb ein paar Denkanstöße festgehalten, Diskussion in den Kommentaren oder auf Twitter möglich. Da sich hier bereits genug über Flachzangen frankfurter Fandoms aufgeregt wurde wird versucht die Diskussion ohne allzuviel Polemik gegen die schlimmsten Anhänger*innen zu führen, wer Verschwörungstheorien über „die Postmoderne™“ verbreitet gilt nicht als satisfaktionsfähig.

  • Im Kern die Frage der Wissenschaftlichkeit. Zwar wird diese oftmals bezweifelt, nur sollten diese Zweifel aus einem durchdachteren Wissenschaftsverständnis als implizitem oder explizitem Neopositivismus kommen
    • Reproduktionskrise der nach empirisch-statistisch Methode forschenden Psychologie
    • Das Karl Raimund Dilemma: Wenn wir Psychoanalyse und Marxismus wegen nicht falsifizierbarer bzw. aussagekräftiger Kernaussagen verwerfen, könnten wir auch die Evolutionstheorie nicht halten; erfolgreiche Theoriebildung scheint also anders zu bewerten sein, Grundannahmen wissenschaftliche Theorien müssen nicht zwingend empirisch hart sein, sie bewähren sich an den Einzelanwendungen
    • Wirkungsforschung: Die neopositivistische Konkurrenz der Verhaltenstheapie und die humanistische der Gesprächstherapie erzielen zwar vergleichbare, aber insgesamt nicht überzeugend bessere Erfolge als die psychoanalyselastige Tiefenpsychologie
  • Konkrete Probleme der Psychoanalyse umfassen u.a. die Praxis der Immunisierung eigener Thesen indem beispielsweise auf psychische Abwehrmechanismen verwiesen wird – Agencyaneignung sozusagen – und psychoanalytisch begründete Homofeindliche Aussagen bei konkreten – inkl. politischen – Psychoanalytiker*innen, so wie mögliche Essenzialisierungen von Triebgeschehen
    • Psychoanalyse als Sammlung von Metanarrativen aus denen sich einzelne Stories konstruieren lassen
    • Frage der Bewährungs- und Falsifikationsmöglichkeiten und -praxen dieser Stories
      • Konkret wäre hier Foucaults Kritik zu nennen: Die Annahme eines Geheimnisses kann dieses Geheimnis erst schaffen und Psychoanalyse als Fortsetzung der Beichte mit anderen Mitteln. Eine tiefere Wahrheit anzunehmen ist historisch gewachsen und muß für das Funktionieren der Praxis nicht zwingend existieren
  • Verhältnis von Aufklärung, Wissenschaft und Psychoanalyse
    • Eine Assoziationskette von „Aufklärung“ und „Materialismus“ kann leicht zu einem verkürzten Wissenschaftsverständnis führen
      • Antiessenzialismus oder GTFO!
    • Das „Psychische“ und v.a. nicht individuell „Psychische“ als Kuhn’sche Anomalie an zu einfachem Aufklärungsdenken
      • Frankfurter Schule als Versuch dies zu Gaffatapen
    • Frage ob andere Theorien – Nietzsches unbewußte Triebe, poststrukturalistische Subjekttheorien, Untergruppen der Psychoanalyse – Funktionen von Psychoanalyse in politischen Theorien besser leisten können
      • Siehe auch: Fromm-Adorno Kontroverse ob eine psychoanalytische Sozialpsychologie entwickelt werden müsse oder reine Freudrezeption reiche
  • Daraus ergeben sich folgende Fragen/Aufgaben
    • Ein (akzeptables und zeitgemäßes) Wissenschaftsverständnis der Psychoanalyse benennen/finden/entwickeln
    • Dieses sollte Immunisierungen von Annahmen durch psychoanalytisches Gedankengut klar widersprechen können
    • Umgang mit Homo- und Asexualität als „Nagelprobe“ für diese Theorie
  • Es bleibt die Frage ob das psychoanalyseimmanent geleistet werden kann – wenn ja wie genau -, eine gewaltige Dekonstruktionsarbeit (Dekonstruktion hier wirklich als Kofferwort von Destruktion und Konstruktion) geleistet werden muß oder eine andere komplett andere Theorie für den Gegenstandsbereich nötig ist
    • Wissen über das Unbewußte – woher nehmen und nicht stehlen?
  • Siehe auch: Frühere Psychoanalysekritik der Kulturellenpraxis