Kulturellepraxis live

4. Juni 2015

„Jeder Schuß ein Treffer“ – „Gute Satire ist halt was anderes als G36 oder HSV“


Back to (virtual) Life

20. März 2013

Meine lieben Mäusegesichter

Gerüchte über Existenzerleichterung waren verfrüht. Zwei Schreiberlinge sind im Dissertationsstreß, einer praktikiert in Südamerika und d* überwiegend Administratives übernehmende (Autor*in) Odradek(s) hatte 1½ Wochen Inetausfall.

Wir hoffen, nicht zuviele Stammleser*innen durch diese Pause verloren zu haben, es ist weiterhin angestrebt, wenigstens einen kleinen Spruch ca. jeden 2. Tag zu posten.

Da die Kulturellepraxis aus dem Geist von Studierendencafés gegründet wurde (zum Grundkonzept siehe hier und hier), macht1 das Ganze allerdings ohnehin als One-Cyborg-Show wenig Sinn2. Soll heißen: Neue Autor*innen sind herzlichst willkommen. Dabei mag ein poststrukturalistischer Hintergrund hilfreich sein, ist aber nicht notwendig. Kommunikationstechnisch haben wir einen Mailaccount bei GMX, der vor dem ät „Kulturellepraxis“ stehen hat und ein .de am Ende, außerdem nutzt Odradek(s Autor*in) Twitter.


1 Ja, konstruktivistisch „sinn machen“!
2 Ob Sinn dekonstuieren Sinn macht sei dahingestellt.


Satirisch schwer beblogbares Thema

23. August 2012

Political Ambiguity, Explicit SarcasmEs gibt eine Petition mit dem Titel Kein Adorno-Preis fuer Judith Butler! Kein Adorno-Preis fuer Antisemiten!. Satirisch juckt es in den Fingern. Aber es wurde nichts. Sei es um einen Tagesartikel zu haben, sei es, weil ich neulich Adaptation gesehen habe, schildere ich mal das (fiktive) Scheitern des Schreibprozesses:

Die erste Idee war schnell gefunden:

„Kein Adorno-Preis für Judith Butler, kein Adorno-Preis für Jüdinnen“

Viel zu hart, auch für Satire, auch gePAESt und kann darüber hinaus übelst mißverstanden werden. Ganz schlechte Idee. Butler wurde doch mal als Star gefeiert, nachdem sie einen Preis abgelehnt hatte. Wie wär es also mit:

„Keinen Adorno Preis annehmen von Judith Butler! Kein Preis, benannt nach Homophobikern!“

Naja, das jetzt zum Totschlagargument gerinnen zu lassen, ist vielleicht alleine strategisch suboptimal. Außerdem geht das ja am Punkt vorbei, eine wichtige Kritik an der Kritischen Theorie wird hier lediglich als ad hominem eingesetzt. Dann schaue ich mir nochmal die ursächlichen Statements an (der Link ist ja bereits auf diesem Blog verlinkt und zwar hier). Schlechte-Laune Material voller geistiger Tiefflüge. Viel mehr als ihr Statement die ganzen Fragen aus dem Publikum; mir wäre auf dem Podium längst der Kragen geplatzt, aber sie nimmt das Gerade als legitime Fragen und greift bis zu den Schultern ins Klo.

Hiermit wäre die Aussage, es gebe keinen dummen Fragen widerlegt. Dabei stellt sie an anderer Stelle doch die richtige Frage zum Nahostkonflikt: Wer wird als Subjekt gesehen, welche Opfer gelten als betrauernswert, welche nicht. Leider taugt ihre Antwort nichts.

Aber halt, während Deutschland immernoch antisemitisch durchsetzt ist und 90% der sich zum Nahostkonflikt äußernden an (eigenen) Geschichtsbefindlichkeiten doktorn wollen, befindet sich Butler doch in einer anderen diskursiven Großgemengelage. Sie ist in einer jüdischen Familie aufgewachsen, also muß es ihr nicht sosehr wie o.g. deutschen 90% um klassisches Othering handeln. Und dann wäre noch die isradelfreundliche Staatsräson der Neocons, bis hin zu offenem Rassismus; pars prototo sei die Behauptung von Ayn Rand, Palästinenser seien „Savages“ herangezogen.

Da liegt die einfache Negation so nahe, manifestiert in beknackter (zweiwertiger) „der Feind meines Feindes“ Logik. Aber moment, Adenauer und Springer haben Unterstützung Israels auch zur Staatsraison erklärt. Dennoch ist es hier irgendwann gelungen, Antisemitismus in linken Kreisen zu thematisieren. Nunja, viele haben bei diesen Auseinandersetzugnen ihren Verstand verloren und die einfache Negation hat selbst auf Adornitisch-antideutscher Seite manchmal grausam zugeschlagen. Wie bringe ich das in eine witzige Formulierung?

Vielleicht brauchen amerikanische Gefühlslinke Entwicklungshilfe aus Deutschland?

Naja, auch ein wenig kolonial gedacht; zumal doch noch zuviel vor der eigenen Haustür zu kehren ist. Dann würde ich dieses, mein, Statement auch wieder parodieren müssen:

Am antideutschen Wesen soll die Welt genesen!

Aber das wäre schon wieder zu hart und eröffnet einen nicht unproblematischen Assoziationsraum. Vielleicht das irgendwie abschwächen oder vereindeutlichen? Das Dilemma, damit entweder als Anti-D zu gelten oder Applaus aus der falschen Richtung zu bekommen bleibt.

Bei den konkreten Vorwürfen ging es um Antizionismus und paktieren mit – bzw. nicht hinreichend distanzieren von – antisemitischen Gruppen. Gibt es eigentlich darüber hinausgehende Hinweise auf Antisemitismus? In Deutschland steckt hinter Antizionismus so häufig Antisemitismus, daß ein induktiver Schluß sicherer als so manches Alltagswissen funktioniert; aber auch in den USA? Ich weiß es nicht. Auch wenn die Selbst- und Fremdzuschreibung „jüdisch“ sicherlich nicht vor Antisemitismus schützt, wäre auch zu fragen, ob es sich um Beißreflexe gegen israelischen Vertretungsanspruch, ergo einen „innerjüdischen“ Konflikt um Deutungshoheit handelt, den außenstehende vielleicht besser nicht mit eigenen Be-Deutungen aufladen sollten? Nachtrag: Butlers Replik geht auch in diese Richtung.

Unqualifizierter Zwischenruf von den Billigen Plätzen: BITTE KEINE UNQUALIFIZIERTEN ZWISCHENRUFE VON DEN BILLIGEN PLÄTZEN

Vielleicht noch irgendwas dazu, daß in der Petition der Begriff „Terrororganisation“ unreflektiert eingesetzt wird, „Terrorismus“ ist immer eine Fremdzuschreibung für die es mindestens 108 Definitionen gibt. Versuchen wir’s mal

„Terrororganisation“ ist genauso spezifisch – und zugegebenermaßen zutreffend – wie „Arschgeigenorganisation“

Ach nee, das ist die Fußnote zu einem Nebenkriegsschauplatz. Die Apartheidsvergleiche haben doch Potential. Vielleicht spiele ich den Szenenasenschreck und mach‘ einen Waffenporno daraus:

Die südafrikanische Armee nutzt bis heute eine Lizenzfertigung des israelischen Galil; wie das potentielle Nachfolgemodell CR-21 basiert auf diesem …

Nee – wieauchimmer wir die damaligen Waffendeals bewerten, die Apartheidsvergleiche sind so übel, besser die ins Lächerliche ziehen:

Wenn Israel ein Apartheidsstaat wäre, könnte die Forderung nach einem palästinensischen Staat als Unterstützung der Homelandpolitik gesehen werden. Wieviele Besucher*innen des Landes sich wohl strafbar nach „Immorality Act“ gemacht haben und was mit den Kibbuzim nach dem „Suppression of Communism Act“ passierte …

Nach Kulturellepraxisstandard mache ich aber sowas nur mit ein wenig Substanz, aber ich habe keine Lust, den Ordner „Das System der Apartheid in Südafrika 1948-1994“ zu suchen.

Nun ist es ein philosophischer Reflex, wenn es irgendwie einfach nicht hinhaut, auf eine Metaebene zu wechseln. Und so schrieb ich:

Es gibt eine Petition mit dem Titel …


Artikel #128

16. September 2010

Mit 128 Artikeln eine runde Zahl erreicht habend eine Bilanz:

  • Vier aktive Autor*Innen und ein Adminaccount (= 5, Zufall?)
    • Weitere geistreiche & humorvolle Schreiber*Innen sind willkommen (kulturellepraxisaddgmxpunktde)
    • Interessanterweise gehen persönliche/interne Einschätzung und Resonanz von Artikeln teils stark auseinander. Ein „best-of“ der Autor*Innen befindet sich in Prä-Planung
    • Danke allen für die anregende Zusammenarbeit
  • Herzlichen Dank
    • An die Leser*Innen für ihr Interesse (2,423 Hits mit TagesTop von 82)
    • An Prokopius und Hackerschorsch für ihre Anregungen und Ideen
    • An Timcarlos für den Matrix-Foucault
    • An „Gatekeeperin“ ihdl für Tipps und Verlinkungen
  • 96 Kommentare
    • Naja, ca. ein Dutzend, wenn wir jene aus den eigenen Reihen und die Pingbacks weglassen
  • 42 (Zufall?) Tags nach Cleanup
  • Ihr könnt diesen Post als Anlaufpunkt für Fundamentalfeedback nutzen (Zensur und Verfälschung vorbehalten *eg*)

Hinweis

12. Juli 2010

Gleichwohl mit diesem Beitrag das Admindasein weitaus langweiliger werden könnte: Wenn Ihr die Browserreferer nicht abgestellt habt, sehen wir, wo Ihr vorher gewesen seid (nicht daß die Vorstellung nicht amüsant ist, wie sich Personen nach physischer Masturbation unsere geistige ansehen). Suchbegriffe sehen wir auf jeden Fall. Tutnurso hat diese mal für einige feministische Blogs zusammenstellt (Video und Script).

Von daher als Service für Firefox Nutzer*Innen: So schaltet Ihr die Referer ab. Und wenn Ihr schon dabei seid: Besser auch das Prefetching. Wenn es danach noch ein bißchen mehr Anonymität sein darf: Tor hat Vorteile; für Firefox Nutzer*Innen am besten in Kombination mit Torbutton.

So, nach dieser Aufklärung kann ich jeden Mißbrauch Eurer Daten guten Gewissens unter „Selbstschuld“ verbuchen 😛


Metapost

17. April 2010

Hallo und herzlich willkommen in der kulturellen Praxis.

In den nächsten Tage wird sich hier Satire, Poststrukturalismus und sonstige Ineressanz in Text und Bild ansammeln.

Neben dem sozialen Aspekt – mit interessanten Menschen Interessantes zu produzieren („Kunst“ oder „Wissenschaft“ wären zu große Begriffe) – können auch Studierendencafés als Inspiration für diese Plattform dargestellt werden, wo endlose Nachmittage Unsinn auf akademischem Niveau geredet wurde. Eine Kultur, der (leider nicht „die“) Studiengebühren und Bologna arg zugesetzt haben. So ist dies vielleicht auch ein Experiment: Was an Universitäten nicht mehr daheim ist versucht ins Netz zu emigrieren.