Noch einmal (weils so viel Spaß macht): Guttenbashing

29. August 2011

Soeben bin ich in einem (zugegebenermaßen nicht sonderlich guten) wissenschaftlichen Text auf eine These gestoßen, die Gutenbergs Buchdruck zur first copyright technology ernennt. 1

So gesehen wäre Gut(t)enberg also zugleich Erfinder und (Zer)Störer des Copyrights. Bleibt nur noch die Frage zu klären: Wo hat der eigentlich dieses verdammte zweite „t“ her?


1 aus Bishop, Jack (2005): Building International Empires of Sound: Concentrations of Power and Property in the “Global” Music Market. S.443-471 in: Popular Music and Society Vol.28:4
(es geht um Strukturen + Geschichte der Musikindustrie speziell Majorlabels und die These, dass diese gegenwärtig musikalische Kreativität unterdrücken bzw. nach ihren Interessen kanalsieren -> iiiihhhhhh(!!!!)
Notiz: wir brauchen für die Kulturelle Praxis unbedingt noch einen Alarmknopf für (platte und einseitige) Repressionshypothesen).


KT-Phone

19. Mai 2011

Gastbeitrag vom Hackerschorsch

Der ehemalige Minister Wilhelm zu Guttenberg war Gegner des iPhone bis 2009 (iPhone OS 3.0), es hatte kein Copy-Paste …

Die Kulturellepraxis definiert, „Copy-Pasten“:=“Guttenbergen“


Nachruf

4. April 2011

Westerwelle ist zurückgetreten, ein Burschenschaftler weniger, gleichwohl (noch?) nicht aus dem Bundestag. Wie schon bei Guttenberg hinterläßt ein erfreulicher Rücktritt – schade, daß sowas so selten permanent ist – bei Satiriker*Innen schalen Beigeschmack. Gleichwohl zuviele Parodien in Klamauk oder gar Homophobie abdrifteten (Gegenbeispiel), demonstrierte niemand so schön wie Westerwelle, was in diesem Land schief läuft – als inkompetent und arrogant eingeschätzt, Privilegierung in Person und dies mit „Freiheit“ begründend, während für schlechtergestellte das „Leistungsprinzip“ strapaziert wurde. Dabei mischten sich noch nationalistisch-konservative Töne (in der damaligen Bundestagsdebatte formulierte er „proud to be german“ gar noch in der englischen Sprache ähnlichen Lauten) in den neoliberalen Brei. Bei allen innerlinken Kontroversen also ein perfektes Feindbild.


Lärmschutz

7. März 2011

Traditionell sind in diesem Mäusebunker die Wände recht hellhörig und bei den brillanten Planer*Innen führte eine Renovierung schalltechnisch eher zu Verschlechterungen; kein Wunder, wenn Messungen und/oder gesunder Menschenverstand durch Statistik ersetzt werden.

Da gespräche über Telephon/voip häufiger problematisch empfunden wurden, entschuldigte ich mich präventiv bei meiner Nachbarin für ein nächtliches Fachgespräch kurz vor einem Hausarbeits-Abgabetermin. Diese versicherte aber, zu jener Zeit gut geschlafen zu haben. D.h., die störenden Gespräche mancher müssen … merkwürdig (noch merkwürdiger als dieses) sein.

Und doch bleibt zu befürchten, daß das unbewußt wahrgenommen im Schlaf aktiv bleibt und geisteswissenschaftliche Themen zu Albträumen führen können. Wie könnten solche Träume aussehen? Ähnlich schlechter Spionagefilme werde ich von der Agency verfolgt, ohne zu wissen, ob sie mehr als ein schlechtes Emplotment ist. Und was soll ich bloß mit den außerdiskursiven Praktiken machen? Werfe ich sie einfach in die Diskurskiste, nachdem mein Butler angebaut hat? Doch lieber dis-positiv denken? Aber mit welchem Bindestrich fische ich danach?

„Wissenschaftliches Träumen“ kann durchaus vorkommen. Und damit ist nochnichteinmal soetwas wie populärwissenschaftliche „Quantenzüge“ – bei denen die Fahrgäste nie wissen, an welcher Station sie als nächstes ankommen – gemeint. So schreckte ich in der heißen Phase meiner ersten Hausarbeit aus dem Wegdämmern auf, bei dem Gedanken, das Geträumte doch gar nicht belegen zu können.

Und bedenken wir, daß dieses Belegen die Hauptarbeit ist (das unterscheidet Wissenschaft von Klempnerei und ähnlichen Naturwissenschaften), bedenken wir, daß dies auch einen wesentlichen Teil (geistes)wissenschaftlicher Subjektivierung und „den“ (zumindest nach abgeschafftem Humboldt-Ideal) Unterschied von Schule und Universität ausmacht – nicht „Fakten“ zu reproduzieren, nicht einen beliebigen (Anything-Goes) Standpunkt zu wählen und blendersich zu vertreten -, wirkt die Bezeichnung „abschreiben“ oder „vergessene Fußnoten“ für Guttenbergs Aktion äußerst verharmlosend.

Zum Thema „geistiges Eigentum“ ließe sich auch viel schreiben. Reproduzierbare Informationen wie physische Waren zu behandeln führt zu Problemen; ob dies allgemeine Probleme der Warenwirtschaft sind oder wie die möglichen Lösungen aussehen ergäbe ein nettes Essay. Wenigstens läßt sich hier recht schön die Doppelmoral mancher aufzeigen.

Naja, aber was reg‘ ich mich auf: In Bologna wurde ohnehin die Scheidungsurkunde von Intellektuellen und Unis unterschrieben – Studierendencafés wandern schon ins Virtuelle aus -, sodaß letztlich nur unterschiedliche Maßstäbe für karrieristischen Erfolg konkurrieren – meh. Spannender wäre es, mal wieder „eine Lanze für“ zum Thema Intellektualismus zu schreiben.


Guttenbash

1. März 2011

Eigentlich war heute ein weiterer Guttenbash-Artikel geplant und ausgerechnet jetzt tritt der Typ zurück!


Gänsefüßchen

26. Februar 2011

Da uns bislang nicht viel zum Thema Wilhelm zu Guttenberg eingefallen ist, ein Blog mit unserer Belegdichte allerdings zur Kommentierung berufen ist, kopieren wir einfach (ohne Kopierer):

Zumindest hat diese Affaire eine Gegenbewegung erwirkt, jetzt werden Anführungszeichen beim Doktortitel vor Politiker*Innennamen angenommen.

Die ironischen Anführungszeichen können als bevorzugtes Satzzeichen der LTI gesehen werden [Klemperer, Victor: LTI : Notizbuch eines Philologen; Stuttgart 2010 (Erstauflage: Berlin 1947); S. 86-88.], somit läßt sich der Schaden für ‚die Demokratie‘ kaum überbetonent („one point Godwin“!).

Sicherheitshalber werden einige Anführungsstriche zum selbersetzen verteilt:'“““““‚


Metageschwurbel: Daß hier mit mehrerlei Maß gemessen wird, anderen solch eine Angelegenheit die Karriere ruiniert hätte und daß dieser Titel immer weniger wissenschaftliche Leistungen repräsentiert – oder lediglich als Karrierebooster gilt -, könnte problematisiert werden; doch eigentlich war es  zu erwarten und die Mehrheit derer, die denDoktor/Doctrix-Grad zu Unrecht führen, werden qualifizierte Ghostwriter beschäftigen und somit kaum erwischt. Eine Rede gegen Herkunftseliten sparen wir uns auch, das driftet meist ins dümmliche Leistungsprinzips-Dispositiv ab. Was d* Autor* wirklich beängstigt ist, daß es selbst seitens vieler Journalist*Innen ein größerer Aufreger zu sein scheint, als für die Mehrheit (von Teilen) der Bevölkerung – denn hier manifestiert sich das deutsche Phänomen der Intellektuellenverachtung.

Teils – achtung: ad hoc erklärung eines kulturrassistischen Einzelfalls – scheint diese Verachtung projektiv zu funktionieren, halbgebildetes Dummschwätzen nicht mit wissenschaftlichen Kompetenzstandards belasten zu wollen, die Ergebnisse solcher Standards deshalb auf Dummschwätzerei herabwerten zu müssen. Vielleicht hängt es auch mit einem merkwürdigen Gegensatz von Essenzialismus („ist so, muß also nicht recherchiert werden“) und Dumpfkonstruktivismus („Ist eh‘ beliebig, d.h. wie in der Schule Standpunkt wählen und nur rhetorisch gut vertreten“) zusammen?

Genauere (wissenschaftliche) Erklärungen/Theorien zu diesem Phänomen wären äußerst willkommen, sachdienliche Hinweise werden über Kommentarfunktion oder eMail gerne angenommen – gerne auch mit Quellenangabe. Denn solche kommen der intuitiven Vorstellung eines Fakts näher als eigentliche Fakten …