Friedenspanzer

27. Juli 2011

„Si vis pacen, para bellum“ – sogesehen ist Deutschland der drittgrößte Friedensexporteur


Stadtneurosen

8. November 2010

Irgendwie hat es die Psychoanalyse schon immer gewusst: Nicht nur Menschen können psychisch Erkranken, sondern auch Organisationen. Jetzt ist es amtlich. „Auch Städte sind neurotisch“, so der Titel einer auf dem psychoanalytischen Kongress Warschau vorgestellten Studie. Ihr Inhalt: Psychische Störungen, die sich bei Menschen beobachten lassen, können auch auf Einrichtungen, ja sogar ganze Städte, übertragen werden. Damit nicht genug, spezifische bei Störungen auftretende Verhaltensmuster ließen sich ebenfalls hier nachweisen. „Auch eine Stadt hat Komplexe und kann neidisch werden“, erklärt Dr. Ahlhaus von der Psychologischen Fakultät der Universität Freudenstadt.

Doch worauf soll eine Stadt neidisch sein? Die Antwort ist ebenso einfach wie genial: Auf andere Städte. „Das Phänomen ist hier ähnlich wie beim Menschen“, so Dr. Ahlhaus, „die weniger schönen, wichtigen, kulturellen, Städte beneiden die anderen.“ Doch welche Kriterien legen fest ob eine Stadt weniger schön ist? Nach den Untersuchungen von Dr. Ahlhaus scheint das Vorhandensein historischer Bauten, vor allem Schlösser, wichtiges städtisches Selbstbewusstseinskriterium zu sein, ebenso wie ein internationaler Flughafen mit mindestens vier Terminals oder der Status als Hauptstadt. „Wir konnten einen regelrechten ‚Schlossneid‘ bei schlosslosen Städten feststellen, ebenso Minderwertigkeitskomplexe wegen zu kleiner Flughäfen bzw. Bahnhöfe“, sagt Ahlhaus. Das Verblüffendste aber: laut der Ahlhaus Studie bedienen sich  Städte ähnlicher Bewältigungstragegien wie Patienten aus Fleisch und Blut. „Das müssen Sie sich ungefähr so vorstellen, wie Teenager, die sich übermäßig schminken um erwachsener zu wirken. Es werden vollmundige Namen wie ‚Messe- oder Kongressstadt‘ genutzt“, auch das Einverleiben nicht städtischer Gemeinden in eine sogenannte Metropolregion ist, gemäß Ahlaus  ein typisches Verhaltensmuster bei Schlossneid. „Meist wird zudem versucht, das nicht vorhandene Schloss durch pompöse Neubauten wie Konzerthallen, oder Einkaufspassagen zu kompensieren“, erklärt Ahlhaus hierzu.

Dabei ist nicht jede Konkurrenz zwischen Städten gleich als Neid auszulegen, noch ist sie per se schädlich. Laut Ahlhaus  ist simples Imponiergehabe, etwa das Ausrichten einer städtischen Großveranstaltung,  an sich harmlos. In einigen Fällen kann sich aus dieser kleinen neurotischen Störung jedoch eine handfeste Psychose entwickeln, „dass sind die Fälle bei denen wir von ‚pathologischen Schlossneid‘ sprechen“, erläutert Ahlhaus. Hier erreicht die Störung einen therapiebedürftigen Grad. Bei pathologischem Schlossneid wird, folgt man Ahlhaus Studie, das gesamte Verhalten einer Stadt von nicht zu befriedigenden Geltungsdrang gesteuert. Es kommt zu einer Wahrnehmungsverschiebung die diesen Geltungsdrang als städtische Kernaufgabe erscheinen lässt. In einem zweiten Stadium werden ihm alle städtischen Funkionen untergeordnet. Wenn jetzt nicht eingegriffen wird, folgt über kurz oder lang der finanzielle und physische Kollaps. Die Stadt kann ihre Kernaufgaben nicht mehr wahrnehmen kurze Zeit später setzt der soziale (Bildung, soziale Projekte) und letztendlich der physische Verfall (kaputte Straßen, marode Funktionsgebäude) ein.

Ob eine Therapie ähnlich wie beim Menschen möglich ist, darüber streitet die Wissenschaft, einig sind sich die Experten nur in dem Punkt, dass eine Kur schnellst möglich gefunden werden muss.

Betroffene Bürger werden es Ihnen danken!


Wende im Hamburger „Feuerteufelfall“

19. September 2010

(Hamburg) Im Fall der vorsätzlich gelegten Autobrände, die seit über einem Jahr die Stadt in Atem halten, ist der Sonderkommission des LKA endlich der entscheidende Durchbruch gelungen: „Kaum zu glauben, dass wir die ganze Zeit in die vollkommen falsche Richtung ermittelt haben“, so ein Sprecher des LKA.

Weil gezielt Luxusautos in Brand gesetzt wurden, hatte die Sonderkommission den oder die Täter*Innen vor allem im links-autonomen Spektrum vermutet.

Seit letztem Freitag präsentiert sich der Fall nun jedoch in einem völlig anderem Licht. So scheint es sich um eine gezielte Aktion verschiedener Autohersteller zu handeln, mittels der die Verkaufszahlen von Neuwagen erhöht werden sollten.

Dokumente, die dem LKA bereits am Anfang der vorherigen Woche zugespielt worden, brachten die Ermittler auf die richtige Spur.
Bei den Unterlagen handelt es sich um ein Strategiepapier, das gemeinsam vom Verband der deutschen Luxusautoverkäufer und Vertretern verschiedener Automobilkonzerne wohl am 12. Dezember 2008 erstellt wurde. In dem Papier, das die Fahrtrichtung von Automobilindustrie und Vertrieb für die sich anbahnende Wirtschaftskrise festlegen sollte, findet sich ein Abschnitt der unter dem Stichwort „innovative Vertriebsoptimierung“ vorschlägt: …die Akquise neuer Individualkunden durch technische Maßnahmen zu beschleunigen, […] so wird unter anderem dort die „Implementierung von Haltbarkeitsbegrenzern (Sollbruchstellen) an Neufahrzeugen“ als „dringend geboten“ erachtet Weiter ist zu lesen: „Für die langfristige Stabilisierung des Aktienkurses ist es unbedingt erforderlich, aller Optionswindows innovativer Akquise im Customer-Segment voll auszuschöpfen, um die deutsche Autoindustrie auf die Challenge der Krise optimal vorzubereiten und so ihre Flagshipposition weiter zu festigen.“

Wie die Verantwortlichen das „Customer-Segment“ „voll auszuschöpfen“ gedachten, ergab jetzt eine Untersuchung von 200 nach dem 1. Januar 2009 hergestellter Fahrzeuge, die Erstaunliches ans Licht brachte. Seit diesem Datum wurden offenbar in die Elektronik aller Neufahrzeuge ein Programm integriert, das in der Lage war, die Batterie des Wagens zu überlasten und so die Brände auszulösen. „Wir haben es hier höchstwahrscheinlich mit einer besonderen Form der warmen Sanierung zu tun“, so ein Sprecher des LKA, der schätzt, dass sich Vertrieb und Automobilindustrie mittels dieser Methode einen Gewinn im mehrstelligen Millionenbereich ergaunerten.

Allerdings ist es schwer nachzuweisen, wie das Programm in die Elektronik der Fahrzeuge eingespeist wurde und wer genau dafür verantwortlich ist. Heute kam es im gesamten Bundesgebiet zu Haus- und Firmendurchsuchungen, von denen auch die Automobilkonzerne Audi und Daimler betroffen waren. Von den sichergestellten Unterlagen erhoffen sich die Ermittler weitere Erkenntnisse über die Drahtzieher des Falls.

Eine aus der linken Szene geforderte Entschuldigung für die falschen Verdächtigungen wurde von LKA und Staatsanwaltschaft bisher abgelehnt.


Achtung Kontrolle

17. September 2010

Die Sendung „Achtung Kontrolle“ auf Kabel 1 erfreut sich den Quoten nach großer Beliebtheit. Teilweise verfolgen bis zu 1,09 Millionen1 Zuschauer, wenn Ordnungsamt und Polizei medienwirksam und massenkonform dafür sorgen, dass es in unserem schönen Land ruhig, gesittet und sauber zugeht. Da machen beflissene Außendienstmitarbeiter Jagt auf dreiste „Kippenwegschmeißer“, trinkfreudige Volksfestbesucher und gefährliche Dackel-nicht-an-der-Leine-Führer.

Erfreut sich das US-Publikum an nervenaufreibenden Autoverfolgungsjagden, die Live über den Bildschirm flimmern, scheint „das hiesige Fernsehpubikum “ sich obsessiv an der Bestrafung von mehr oder weniger harmlosen Ordnungsverstößen zu ergötzen. Ist das lediglich die Fortsetzung des Reality-TV/Castingshow Voyeurismus? Die heimliche, projektive Freude, Stunden vorher selbst ungestraft das SUV verkehrswidrig geparkt zu haben? Oder ist sie einfach nicht totzukriegen, die deutschtümelnde Ordnungsverliebtheit mit Faible für die Büttel, Denunzianten und Aufpasser?

Bei einer kurzen Recherche in den Weiten des Internets fanden sich verschiedene Kommentare zu Sinn oder Sinnlosigkeit dieses Kabel 1 Vorabendformats. Ein User schreibt: „Es ist eine tolle sendung ,weil man ordnungshütern beim job zugucken [kann]“ [Sic], dagegen stellt ein anderer Kommentar den voyeuristischen Charakter der Sendung heraus. „Wer Spaß daran hat, anderen in die Wohnung zu schauen oder zu sehen, wie ein Verkehrssünder Geld bezahlen muss, der wird mit dieser Sendung gut bedient. Für Menschen mit einem eigenen Leben, die keinen Spaß daran finden können, anderen beim „Kontrolliert werden“ zuzusehen, rate ich von dieser Sendung ab!“2

Bei den Stimmen zur Sendung scheinen sich demnach voyeuristisch bedingtes Interesse am Anderen und die Kritik an einer von Amüsement getragenen Do it to Julia-Haltung regelmäßig abzuwechseln. Auf den ersten Blick unterscheidet sich dieses Format somit in der Tat nicht von dem, was uns die deutsche Fernsehlandschaft ansonsten zu bieten hat. Warum neben Promidinner, Topmodel- und Aussteigerdrama nicht auch Ordnungsamtsthriller?

Wo ist schon der Unterschied zwischen der quotenwirksamen Erniedrigung eines potentiellen Supersternchens durch Herrn Bohlen und der Maßregelung renitenter Bürger_Innen vor laufenden Kameras? Also nichts Neues kein Grund mehr zur Aufregung?

Wohl doch, „Achtung Kontrolle“ unterscheidet sich von den gängigen ‚Unterhaltungsformaten‘ erheblich. Diesesmal geht es nicht mehr nur darum, dass Menschen sich in der Hoffnung auf Geld oder Erfolg vorführen lassen, sondern die Sendung trägt, wie auch ein User richtig feststellt dazu bei: „dem Bürger beim Nachvollziehen von Entscheidungen [zu] helfen und die Staatsdiener menschlicher [zu] machen.“3 Doch genau das ist abzulehnen. Nicht weil hier einer dumpfen der „böse Staat und seine Büttel Haltung“ das Wort geredet soll. Es sei Polizist_Innen ebenso gewünscht wie allen anderen, dass ihnen das Leben nicht unnötig schwer gemacht wird. Dennoch, Gesetze und Verordnungen sind nicht Gott-gegeben, sie sind von Menschen gemacht und damit fehlbar, veränderbar und manches Mal sinnlos. Ein Verständnis für Ordnungskräfte wie es in der Sendung erzeugt wird, als unangreifbare wie unfehlbare Hüter_Innen einer nicht infragezustellenden Ordnung kann nur abgelehnt werden, dahinter steckt ein verkürztes Gesellschafts- und rudimentäres Demokratieverständnis.

Wir wissen um die vielen Widersprüche und Klagen gegen Aktionen von Ordnungskräften. Denn im Gegensatz zur (gezielt?) gezeigten Scheinwelt von beflissenen, ausschließlich vom Allgemeinwohl beseelten Ordnungswächter_Innen und egoistischen, renitenten oder schlicht engstirnigen Bürger_Innen sind solche Verhältnisse wohl doch etwas komplizierter.

Das Grundgesetz billigt allen Bürger_Innen das Recht zu, einen Eingriff in seine_ihre persönlichen Rechte und Freiheiten auf dem Rechtsweg überprüfen zu lassen (Art 19 IV GG). Das bedeutet, ein Staat im Sinne des Grundgesetzes geht von der Fehlbarkeit seines eigenen Handelns aus. Nicht jede Entscheidung, die „Totto und Harry“ treffen ist rechtmäßig und schon gar nicht unanfechtbar. Dies ist eine systematische Leerstelle, ebenso wie die Realisierung der legalen Abwehrrechte gegenüber dem – nach Maßstab eigener Regelungen – überambitionierten Staat.

Wieso gibt sich diese Sendung derartig obrigkeitsstaatlich? Regrediert sie lediglich aus Bildungsmangel der Produzierenden in das Staatsverständnis des 18 und 19. Jahrhunderts?

Die für die Produktion der Sendung verantwortliche Janus TV GmbH ein Unternehmen der Janus Gruppe, scheint mit der Sendung neben einen unterhaltenden auch einen erzieherischen Aspekt zu verfolgen. So heißt es im Sendekonzept: „Die Geschichten, die wir erzählen, bringen dem Zuschauer die tägliche Arbeit der Ordnungshüter näher und machen ihm begreiflich, wie wichtig die Ausübung ihres Jobs ist. Somit bekommt der Zuschauer einen Mehrwert geliefert.“4 Die Zuschauer_Innen sollen, so hat es den Anschein, entmachtet werden. Von den legalen, allen Bürger_Innen zustehenden Abwehrrechten gegen den Eingriffsstaat ist in Konzept und Sendung keine Rede. Damit nicht genug wird diese Erziehung zur Passivität auch noch als „Mehrwert“ für „den Bürger“ verstanden.5 Mehrwert in den Augen der Macher ist somit ein möglichst passiver, amtstreuer Bürger. Was in der Tat auf ein Staatsverständnis des 19. Jahrhunderts schließen lässt.

Es scheint jdeoch auch ein Markt für eine derartig mediale Erziehung zu existieren so dass es mittlerweile schon einige Spinoffs oder Nachahmer der Sendung gibt.6 Es lässt sich jedoch kaum übersehen, dass sich viele Fälle, die in „Achtung Kontrolle“ und ähnlichen Sendungen ausgeschlachtet werden – selbst wenn juristisch legitim – moralisch in fragwürdigen Grauzonen bewegen; wie die Observation von notorisch krankfeiernden Arbeitnehmern durch private Detekteien oder das ungefragt Eindringen von sogenannten Sozialhilfedetektiven in die Privatsphäre von Bedürftigen. Hier werden Menschen in prekären Lebensverhältnissen kriminalisiert. Es hat den Anschein, als ob die Hilfsbedürftigkeit dieser Menschen jedes noch so perfide Drangsal zu rechtfertigen scheint. Eine derartig rücksichtslos vorgehende TV-Taskforce der Steuerfahndung7 suchen wir indes vergebens; zumindest in dieser Hinsicht können Achtung Kontrolle und ähnliche Sendungen als sehr realistisch betrachtet werden.


1 http://www.quotenmeter.de/cms/?p1=n&p2=40940&p3Dabei konnte die Sendung vom 23 März 2010 im Segment der jungen Zuschauer einen Marktanteil von 8, 2 Prozent erreichen.

2 Die Kommentierungen stammen von: http://www.texxas.de/tv/Achtung+Kontrolle!+Einsatz+f%C3%BCr+die+Ordnungsh%C3%BCter.html.

3 Ebenda.

4 http://www.janusfilm.de/janustv_d/produktionen/infotainment/achtungkontrolle.php

5 Ob der Begriff „Mehrwert“ hier korrekt verwendet ist sei dahingestellt

6 Als Vorreiter dieses Formats kann die Spiegel TV Reihe „Die Sozialhilfedetektive“ gelten. Spinoffs findet man in „Mein Revier“ oder Ärger im Revier (RTL 2)

6 Fleißige Steuerfahnder_Innen bekommen dagegen nicht ihr eigenes TV Format, sondern die Kündigung oder schlimmer sie werden amtlich für Verrückt erklärt. Vgl.: http://www.fr-online.de/steuerfahnder/, vgl. auch: http://www.stern.de/politik/deutschland/3-steuerfahndung-frankfurt-eiskalt-abserviert-649420.html.


Stammtischparolen Teil III

14. September 2010

Der Zweite Weltkrieg – 50 Millionen Kriegstote, 6 Millionen ermordete jüdische Personen, Sinti und Roma, zehntausende Homosexuelle, kommunistische, sozialdemokratische und kirchliche Regimegegner. Innerhalb von 12 Jahren überzog ein Land beinahe die gesamte Welt mit Leid, Terror und Mord.

Auf die Frage, wie es soweit kommen konnte, vermochte die Wissenschaft bis heute keine zufriedenstellende Antwort zu geben. In der akademischen Community herrscht nach wie vor Uneinigkeit über die Ursachen des schlimmsten aller Verbrechen. Regelmäßig werden Thesen und Theorien aufgestellt, um eben so schnell verworfen oder entkräftet zu werden, ob nun die These vom Deutschen Sonderweg, die Charismatische Herrschaft Hitlers oder ein eliminatorischer Antisemitismus für die Greultaten der Deutschen verantwortlich gemacht worden. Einig ist sich die Wissenschaft offensichtlich nur darin, sich nicht einig zu sein. Bis jetzt! Forscher des Treitschke-Instituts für geisteswissenschaftliche Brandstiftung nährten sich dem Thema nun von einer gänzlich anderen Seite und scheinen zu bahnbrechenden neuen Erkenntnissen gekommen zu sein.

„Wir wollten die Nazis verstehen und merkten plötzlich, daß wir verstanden hatten“ so fasst Professor  Heinrich A. Wagner den schicksalhaften Moment zusammen, der sich am Lysenko-Lehrstuhl für biologistischen Sokalismus des Instituts ereignet hatte und wohl beinahe 65 Jahre Ursachenforschung gründlich umkrempeln wird.

Alles fing damit an, daß ein Team von Medizinhistoriker*Innen für eine Arbeit über die Verankerung der Rassenlehre im NS-Gesundheitsystem forschte. Sie begannen zunächst scherzhaft damit, den Grad der Gewalttätigkeit von NS Kriegsverbrecher*Innen mit bestimmten Merkmalen aus der NS-Rassenlehre zu vergleichen. „Plötzlich so Professor Wagner meinten wir ein Muster zu erkennen. Es fiel einfach auf, daß, wer beispielsweise  zum „Rassetyp X“ gehörte, seine Opfer lieber durch Genickschluss töte, als Jemand der, folgt man der Rassenlehre, nicht diesem Typus zugehörig war.

„Wir wollten diese Ergebnisse zunächst gar nicht beachten, schließlich ist die Rassenlehre der Nazis nichts, worauf sich seriöse Wissenschaftler*Innen berufen sollten. So blieben die Vergleiche lange ein „sportlicher“ Zeitvertreib. „Das lief dann etwa so“ erzählt Wagner. „Einer im Team fängt an und sagt beispielsweise“: „ich habe: freiwillige Teilnahme an Säuberungsaktionen der Sondereinsatzgruppe D in der Ukraine hat sich besonders bei der Ermordung der Kommunistischen Intelligenzija hervorgetan“. Dann musste der Rest der Gruppe raten zu welchem „Rassentyp“ diese Person bei den Nazis gehörte. „Wir waren überrascht wie hoch unsere Trefferquote war,“ erzählt Wagner, sahen das ganze allerdings mehr als intellektuelle Spielerei und Zeitvertreib.“

Doch, wenn auch nur makaberer Zeitvertreib, der Grad an Übereinstimmung ließ dem ambitionierten Forscher keine Ruhe: „Das waren einfach zu viele ‚positive‘ Überschneidungen, als Wissenschaftler kannst Du da nicht wegsehen“, so

Wagner. Heute freut sich die Wissenschaft, daß Professor Heinrich A. Wagner genau dies getan hat, ‚wegsehen ‚ und zwar in ein Buch. „Es war ein Science Fiction Roman in dem es um eine weltweite durch genetisch veränderte Lebensmittel ausgelöste Epidemie ging“ erinnert sich der Professor in unserem Interview. Wie so häufig in der Wissenschaft war es dann der Zufall, der einen nicht geahnten Fortschritt möglich machte. „Plötzlich so erzählt Wagner, durchzuckte mich der sprichwörtliche Blitz der Erkenntnis: Gene! Das ist das fehlende Glied zur NS Rassenlehre“. Noch in dieser Nacht führte der Wissenschaftler Telefonate mit Kriminologen, Kuratoren, Pathologen, Genetikern und natürlich auch *Innen.

Seine These sollte sich bestätigen. Mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit ließen sich Übereinstimmungen zwischen genetischem Profil, Kriegsverbrechen und NS-Rassentyp feststellen. Als ob diese Erkenntnisse nicht wegweisend genug wären, gelang den Forscher*Innen um Prof Wagner mittlerweile ein weiterer Erfolg, so konnten innerhalb der genetischen Typologien weitere Übereinstimmungen festgestellt werden. Dem Forschungsteam war es möglich das Gen: 4521/20-1938 zu isolieren. „Dieses Gen taucht in jeder untersuchten Kriegsverbrecher DNA auf und scheint eine wichtige Steuerungsfunktion zu übernehmen“ erklärt Wagner in unserem Interview 4521/20-1938 ließ sich darüberhinaus auch bei sämtlichen Vergleichsgruppen aus dem deutschsprachigen Raum nachweisen. Von daher nennen es die Forscher mittlerweile „deutsches Gen“. Hier schien es jedoch seit 1945 hauptsächlich reziprok aufzutreten, doch unterlief es seit den 90ern beängstigenden Mutationen.

Doch was bedeutet das jetzt konkret für die NS-Ursachenforschung? „Wir haben hier Neuland betreten mit genauen Ergebnissen ist nicht vor fünf Jahren zu rechen, dennoch steht schon heute fest: Die Auswirkungen von 4521/20-1938 sind nicht zu unterschätzen. Eine Forschung, die diesen genetischen Sonderweg nicht berücksichtigt, ist jetzt bestenfalls als dilettantische zu bezeichnen“, erläutert der Professor. Die Möglichkeiten seines Ansatzes sieht der Wissenschaftler nicht nur auf den deutschen Faschismus beschränkt: “ Es ist zumindest vorstellbar, das wir hier viel globaler denken müssen“ so Wagner. Einiges spricht laut Wagner dafür das 4521/20-1938 auch bei anderen Verbrechen in der Geschichte der Menschheit eine entscheidende  Rolle spielte. Seine gewagte Theorie stütz der erfolgreiche Wissenschaftler auf die Annahme, daß sich die Träger des Gens durch Auswanderung im Laufe der Jahrhunderte über alle Kontinente verbreitet hätten. „Im genetischen Gepäck dieser Migranten*Innen reiste auch fast immer 4521/20-1938“ erläutert Wagner

Aber war es wirklich nur 4521/20-1938 das „Woundet Knee“, oder das Massaker an den afrikanischen Hereros möglich machte? So weit will Wagner noch nicht gehen, „um hier eine wissenschaftliche stichhaltige Aussage treffen zu können ist es noch zu früh allerdings scheinen wir zumindest endlich auf dem richtigen Weg“ äußert sich der Wissenschaftler selbstkritisch.

Gestützt wird das unkonventionelle Vorgehen des Treitschke Instituts übrigens auch durch weitere Erkenntnisse der genetischen Forschung. So konnte ein interdisziplinäres US-Forschungsteam, der Benedict Arnold University (Connecticut) das den genetischen Code der 1.000 weltweit reichsten Menschen untersuchte bei jedem ein bestimmtes Gen nachweisen, das sonst hauptsächlich im schottischen Teil Großbritanniensauftritt und deshalb in der Community auch scherzhaft als Schottengen bezeichnet wird. „Mit unserer Forschung, so Professor Wagner zuversichtlich, gelingt uns vielleicht bald Ähnliches für den Deutschen Raum und das Phänomen des Kriegsverbrechens“.