Nur ein paar Vorschläge um den Lebensmitteleinzelhandel noch transparenter zu gestalten

8. September 2010

§1 Wenn es Kaffee lateinamerikanischer Herkunft gibt, der mit dem Attribut ‚der Rassige‘ versehen ist, so sollte deutscher Getreidekaffe zukünftig mit dem Attribut ‚der Unmarkierte‘ bedacht werden.

§2 Genauso gilt: wird spanischer Wein als ‚temperamentvoll‘ deklariert, so müsste auf badischem Wein ‚temperamentlos‘ stehen.

§3 Schließlich ist auch die unpräzise Beschreibung ‚ein Hauch von Süden‘ auf dem Etikett mit einem Bild zu visualisieren. Zu denken wäre beispielsweise an das Bild einer Pinguinkolonie am Südpol, im Schneegestöber bei Minus 40 Grad.

§4 Solange wir (noch und perverserweise) auf Eier aus Bio-Freilandhaltung ‚von glücklichen Hühnern‘ schreiben, sollten alle Fair-Trade-Produkte den Schriftzug ‚von glücklichen Menschen‘ tragen.

§5 Außerdem ist es höchstironisch wenn Yogi Tee Sorten mit ‚Frauen Tee‘, ‚Frauen Balance‘, ‚Frauen Fitness‘ oder ‚Frauen Power‘ benannt sind.1

§6 Und merke stets: Joghurt ist dann gut, wenn er a) nicht tierlich ist und b) nicht aus ’natürlichen Joghurtkulturen‘, sondern aus ‚kulturellen Joghurtnaturen‘ besteht, denn nur dieser verdient das wertvolle Prädikat ‚monistischer Joghurt‘, akzeptabel wäre auch ‚poststrukturalistischer Joghurt‘.

§7 Und schließlich: Dem Tabak ohne Zusatzstoffe und Feuchthaltemittel, der als ‚authentisch indianisch‘ gilt, fehlt die Zusatzangabe, dass dieser außerdem auch ‚authentisch kapitalistisch‘ von Großkonzernen vertrieben wird.


1 ja, solcher Mist kommt immer gleich in mehrfacher Ausführung!!!


Eilmeldung

13. Juni 2010

DISCLAIMER: Dieser Artikel ist unautentisch,
verfaßt nach einem Schnitzel beim Excerpieren aus der TRE

Tragödie im Schlachthaus, soeben wurden mehrere Todesfälle berichtet; führende Wissenschaftler*Innen suchen noch d* Schuldigen.1 Im Hauptverfahren wird ein Austausch naturalistischer Fehlschlüsse erwartet.

Indessen fanden führende Theolog*Innen einen Übersetzungsfehler: In Genesis 3,6 handelte es sich bei der Ursünde um keine „Frucht“, sondern ein Hackbällchen (übrigens der erste überlieferte Gammelfleischskandal). Deshalb haben einige christliche2 Gruppierungen bis heute Probleme mit der s.g. „Fleischeslust“, während das wöchentlich konsumierte Fleisch ihres Erlösers den Geschmack3 von Esspapier aufweist.


1„Die Produktionsverhältnisse“ waren genausowenig wie „die Natur“ zu einer Stellungnahme bereit, möglicherweise fehlte der Redaktion der privilegierte Zugang zur materiellen Realität. Die universelle Weltverschwörung trifft sich leider erst Freitag in ihrem Stamm-Hinterzimmer. „Der Diskurs“ hingegen war wie so oft recht gesprächig, er zeigte angesichts dieser Anschuldigungen eine unglaubliche Positivität (Foucault, Michel: Archäologie des Wissens; Frankfurt/M (4)1994; S. 182.).

2 Vgl. Nietzsche, Friedrich: Der Antichrist; Leipzig 1895; c. 39; zitiert nach: onlineausgabe: „Das Wort schon ‚Christentum‘ ist ein Missverständnis -, im Grunde gab es nur einen Christen, und der starb am Kreuz.“

3 Wenn Jesu Blut allerdings nach Wein schmeckt, erklärt dies die wundersame Wandlung von Wasser in Wein (Johannes 2:9). Es bleibt ungeklärt, ob dieser Abschnitt ein protestantischer oder atheistischer Rant ist. Hail Eris!