Kulturellepraxis live

17. November 2012

Mit ihdl

Wenn Gewalt die Sprache der Dummen ist, biete ich gerne Übersetzungen für Nazis an“ – „Mh?“ – „Ist Witzeerklären nicht auch irgendwie epistemische Gewalt?“ – „Dann ist Kant epistemischer Slapstick“

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Kulturellepraxis live

12. September 2012

Gastbeitrag von Balduin

„Nehru, ist das nicht der Typ der Nepal angezundet hat?“ – „Nee du, ich glaub, du meinst Neapel.“ – „Jedenfalls nicht Rom.“ – „Hat er überhaupt was angezündet?“ – „War er Raucher?“


DIE(tm) sehen doch alle gleich aus!

1. September 2012

Sehen sich Breivik und Assange eigentlich wirklich ähnlich – oder sind das nur meine ethnisierenden Vorurteile1?


rassismustheoretische Anmerkung …


Facebook strikes back

4. April 2012

Irgendwie musste ich doch ein bisschen schmunzeln:

Waren Facebook, Twitter und Co. nicht bis vor kurzem noch die neuen Hoffnungen jeder Demokratie? Siehe Tunesien, Ägypten, Lybien: durch soziale Netzwerke wurde zur Revolution aufgerufen! Hier sprach das Volk!

Im Mordfall Lena nun auf einmal umgekehrt? Ein wütender Mob mobilisiert sich (siehe)! Auf einmal sind „fehlende Gatekeeper“ (Vorsicht, hier hat jemand nicht verstanden, wie ein Diskurs funktioniert) gefährlich!

Böses, böses Facebook, du (wenigstens vollüberwachter) Stammtisch! Lass du mal unseren Rechtsstaat in Ruhe! In Ägypten gerne! Aber hier pfui!


Fortschritt? Welcher Fortschritt?!?

17. März 2012

Im Anschluß an Feine Atheisten mal wieder und eine Replik darauf hat sich eine ausführliche und interessante Debatte entwickelt. Zum Thema „Fortschritt“ kann dieser Artikel ohnehin nur die Nachlese zu drkulturs Beitrag – dem hiermit hehre Erklärbären-Ehren verliehen werden – betreiben, unternimmt das alleine schon, um außerhalb der Kommentare auf gute Beiträge in jenen hinzuwiesen.

Technischer Fortschritt, was soll das sein? Ein überhistorisches Fortschrittskriterium, welches von Soziokulturellem – wie etwa ortzeitlichen Vorstellungen – vollkommen unabhängig ist?!? Was unter „Fortschritt“ verstanden wird ändert sich im Zuge des Fortschritts – der Fluß ändert häufiger mal seine Richtung -, insofern hat der Begriff etwas Zirkuläres. Aber nehmen wir an, es könnte ein Set von Kriterien geben. Nahezu jeder Formalismus läßt sich hacken, wer entscheidet, wo er legitim zutrifft?

Probieren wir das an kermions Kriterium „möglichst viel mit möglichst wenigen, allgemeinen Annahmen zu beschreiben“. Fundichristliche Flitzpiepen würden darauf bestehen, ihr Glaube tue genau das, Discodier schlügen vor: „a&¬a, daraus können wir alles folgern“. Sicherlich, beide sind Spielverderber – letztere wenigstens mit Genuß -, aber wer entscheidet das? Wer ist d* neutrale Schiedsrichter*in – eben jenes modest_witness -, dessen Standpunkt Objektivität verbürgt? [Anm.: In erster Vorlage habe ich versehentlich nicht gegendered – bezeichnend]

Sicherlich können wir Kriterien angeben, nach denen es sowas wie „Fortschritt“ stattgefunden habe. Einige klingen auch recht allgemein, z.B. Erweiterung der Möglichkeiten; doch bleiben das Kriterien des hier und jetzt und die Diskutant*innen wir. Wie ein Parlament mit allen verganenen Wissenschaftler*innen in Fortschrittsfragen entscheiden würde [Fleck: Erfahrung und Tatsache S.132], wäre auch mal ein schönes Szenario für einen Artikel.

Und da wir nicht aus dem Äpfel mit Birken vergleichen herauskommen, wie ist der Zusammenhang zwischen wissenschaftlich-theoretischem und technischem Fortschritt? Kompliziert! Spätestens hier kommen wir aus dem Kontext und also den soziokulturellen Bedingungen des s.g. „Fortschritts“ nicht mehr heraus. Von Holzwegen wie Kern(spaltungs)kraft oder Quecksilberbirnen [Anm.: Terminus Technicus „Kompaktleuchtstofflampen“] will ich gar nicht erst anfangen. Da sich bösesachen(tm) mit dem – durchaus Möglichkeiten eröffnendem – Chip des neuen Personalausweises machen lassen, läßt sich dieser nicht mehr als Pfand erwenden, er verliert durch „technischen Fortschritt“ diese Möglichkeit.


Political Ambiguity, Explicit Sarcasm Ganz plattes/plattmachendes Beispiel: Was macht eine Waffe fortschrittlich? Die Anzahl der potentiell getöteten? Dann wäre die Tsar-Bomba immernoch Gipfel des menschliches Fortschritts gewesen. In derzeit geführten Kriegen kommen aber die meisten durch Kleinwaffen um und – Beispiel gibt’s genug, nehmen wir mal den Klassiker – Kriege werden offenbar nicht zwangsläufig durch Hightech gewonnen. Selbst wenn wir abstraktere Überlegungen – wie Vorteile eines Schwertes, wenn die Munition ausgeht – ausblenden und sagen, heutige Gewehre seien besser als jene von vor 50 Jahren – Inwiefern? Sicherlich nicht das Aussehen, die Grüßaugusttruppen der BRD nutzen immernoch das Mauser 98. Gewicht? Stopping Power oder Durchschlagskraft? Reichweite? Wartungsaufwand und Zuverlässigkeit? Munitionsmenge? Preis? Das und mehr spielt eine Rolle und was wir als „Fortschritt“ beschreiben könnten, sind nicht nur immer neue Mischungen aus solchen Kriterien, sondern auch neue Anforderungen, etwa durch Studien, was in vergangenen Kämpfen genützt habe (siehe etwa). Welche Waffe jetzt die richtige ist hängt ohnehin von äußeren Faktoren ab, z.B. wo wird gekämpft, was nutzen die Gegner*innen (Waffen, Schutzwesten, …), wie trainiert sind die eigenen Leute, welche Möglichkeiten bestehen zu Nachschub/Wartung. Allgemein werden Kriege nicht kontextfrei geführt.

Ganz interessantes Beispiel: US Soldat*innen nutzen seit 1964 Gewehre mit 5.56×45 Munition (BRD seit 1997); nun scheinen s.g. „aufständische“ in Afghanistan sich die Grenzen der Reichweite und Durchschlagskraft dieser zu Nutze zu machen (siehe). Dabei fällt gerade bei der Bundeswehr auf, außer bei Gewich, Größe und Munitionsmenge hatte das alte G3 bessere Daten als das aktuelle G36, umgekehrt wurde am (ursprünglichen) G36 kritisiert, daß es keine einfache Alternative wie Kimme-Korn zu den optischen Zielhilfen hatte (es also ein Problem ist, wenn der rote Zielpunkt nachts zu hell ist, die Optik beschlägt oder zerkratzt). Gelände, Ausrüstungen und Taktiken beider Seiten – das alles bestimmt offenbar wie nützlich eine Waffe ist. Sprich: Es bestimmt der Kontext; der aber wiederum u.a. von der Waffentechnik mitbestimmt ist. Eine einfache oder formal-quantitative Lösung für ein fortschrittliches Gewehr („die Gewehrformel“) werden wir deshalb wohl nicht finden.

Wer ahnt, dies arbeitet auf die Pointen hin, daß die Kalaschnikow (1947!) verbreitetste Kleinwaffe bleibt und daß Menschen (vielleicht auch andere Tiere) immer besser umlegen zu können gar nicht so fortschrittlich sei: Laaangweilig!


Auf noch übleres Terrain begeben wir uns, wollten wir mit Ähnlichkeiten in geschichtlichen „Entwicklungen“ (noch ein furchtbares Bild, als stünde die Geschichte schon aufgewickelt bereit) vorherbestimmte Fortschrittsrichtungen belegen. Nicht nur, daß bereits die Seidenstraße ein Teil Globalisierung war, abgeschlossene „Kulturkreise“ also wohl eher ein Mythos sind, solch eine Fortschrittsannahme droht auch wiederum ins Zirkuläre abzurutschen, nämlich Fortschrittlich als genau das zu definieren, was uns ähnlich (und überhaupt relevant) erscheint. Schlimmer noch, diese Sicht produziert ihr Anderes: „Völker ohne Geschichte“.

Eine These aus „feine Atheisten mal wieder“ war – recht adornitisch -, (neo)positivistische Methoden – Sir Karl großzügig subsummierend – hätten die Tendenz, das Bestehende zu affirmieren. Den Fortschrittsbegriff einzuführen hat dies noch erweitert: Das gilt auch für die (je gegenwärtige) Zukunft. Insofern ist vergangene (uneingetretene) Zukunft etwas extrem Spannendes.


Apropos Tabus

27. Februar 2012

In Zusammenhang mit Afghanistan darf – Verfassunghack – immernoch nicht das K-Wort gesagt werden. Aber welches? Der Drohnenkrieg diskreditiert ja nicht alle Ausprägungen der Kybernetik, Heinz von Foerster z.B. bestand darauf, niemals etwas militärisch Nützliches geliefert zu haben. Treitschke Institut besteht darauf, an dieser Stelle nocheinmal die Nützlichkeit ihres Namensgebers zu betonen. Oder geht es hier um Medienkritik? Vielleicht die Berichterstattung rein konstruktivistisch untersuchen zu wollen. Der letzte Afghanistan Krieg wurde auch von einem sozialistischen Staat geführt (keinerlei „K“), und es waren s.g. „Sozialdemokraten“, die Deutschland am Hindukusch verteidigen wollten.

Aber die Lehren aus der Geschichte wurden ja gezogen. Nein, nicht daß Nazis gefährlich sind. Und „nie wieder Krieg“ ist falsch zitiert, die Lehre aus der Geschichte lautet „nie wieder Krieg ohne hinreichend verbündete“

Apropos Krieg: Electric Six fahren btw. eine ähnliche Taktik wie die Bundesregierung, sie haben alle schmutzigen Wörter aus der Youtube-Version von „Gay Bar“ zensiert. Gleichwohl die Kritik (u.a.) sprachlicher Reproduktionsmechnismen von Ideologie (vor dem „Linguistic Turn“ bereits von Klemperer in „LTI“ untersucht) gilt, auch wenn eingies einfach gelassen wird, köntne das Leben angenehmer sein


Gattungsbeschreibung einer Bedrohten Art

16. November 2011

Heute präsentieren wir Euch eine weitere possierliche Art, den Erklärbär. Und das aus aktuellem Anlaß, da diskutiert wird, ihn mit seiner großen Schwester, dem Encyclopädchen auf die schwarz-rote Liste der bedrohlichen Arten zu setzen; eine Maßnahme, die darin resultiert, ihn mit sofortiger Wirkung ins Exil auf die Insel der unfähigen Maskottchen zu verfrachten und zwar in Palitücher verstrickt. Was hat er also getan, zum Problembär zu werden?

Nach deutscher Tradition wurde Bruno erschossen und Knut geliebt, weil letzterer weiß war. Aufgrund dieser kultürlichen Auslese hat sich bei privilegierten Arten wie dem Erklärbär noch nicht das funktionale Merkmal, über weißsein nachzudenken evolutionär herausbilden können. Weshalb er sich jetzt ständig den Kopf an unmarkierten Wänden stößt. Das ist schon deshalb so traurig, weil er und sein Schwesterchen andere vor philosophischen Beulen (PU §119) bewahren wollten.

Nun liegt er da, er hat sich übernommen. Die Kulturellepraxis wünscht ihm gute Besserung und ist sich sicher, er wird sich wieder erholen. Denn für ihn und sein Schwesterchen ist noch viel zu tun!

Nur sollte er künftig besser auf sich aufpassen. D.h., einerseits die Situiertheit eigenen und anderleute Wissens ernstnehmen, nicht mit seinen großen Tatzen anderen auf die Füße zu treten – diese Bärenart meint es meistens nicht böse, ist aber häufig sehr ungeschickt. Eigentlich nascht der Erklärbär ja gerne neues Wissen, aber dieser Honigtopf ist bitterer als die anderen. Hoffen wir, ihm bekommt’s, so manche haben sich den Theoriemagen damit verdorben. Zum anderen Andererseits hat er auch die schmerzhafte Erfahrung gemacht, daß gegen Ignoranz kein Gruppenknuddeln hilft; er wird lernen müssen, Ignoranz – auch wenn die sich gerne als solche hunterhältig tarnt – von Unwissenheit zu unterscheiden.

Als ersten Schritt druckt der Erklärbär AGB, daß er höchstens zwei der drei Anforderungen Kürze, Verständlichkeit und Nichttrivialität erfüllen kann.