Extremisten

4. Mai 2012

Viele kennen dieses Kuriosum aus der hessischen Landesverfassung: In Art. 21, Abs.1 HV „Bei besonders schweren Verbrechen kann er zum Tode verurteilt werden.“, übrigens scheint die verfassungsgebende Versammlung darin keinen Widerspruch zu Abs.3 „Alle Gefangenen sind menschlich zu behandeln.“ gesehen zu haben. Sicherlich, vollstreckt werden kann diese nicht, da das Strafgesetzbuch keine vorsieht und im Grundgesetz steht „Die Todesstrafe ist abgeschafft.“ (Art.102 GG) und „Bundesrecht bricht Landesrecht.“ (Art. 31 GG)

Doch erwies sich dies jetzt als Fallstrick für die hessische Landesregierung. Alle schworen auf die Landesverfassung, alle bestanden auf eine Extremismusklausel für Staatsbedienstete, worunter sie jetzt als – neben Wolfgang Schäuble mit astronomischer Anzahl an vom Verfassungsgericht kassierter Gesetzesentwürfe – als Feinde der FDgO unter ihre Ausschlußversuche von Radikalen/Extremisten fallen.

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Gaucks einsame Entscheidung

15. April 2012

Political Ambiguity, Explicit Sarcasm

Das Treitschke-Institut präsentiert
Gefördert vom Carrer Center der Bundeswehr
Einen Film von Schwarz-Rot-Gold Productions

Gaucks einsame Entscheidung

Wer träumt nicht bisweilen davon, die Geschichte zu redigieren? Wer will nicht bisweilen vergangene Niederlagen mit künftiger Stärke auslöschen. „The Final Countdown“ war Balsam auf die US-Amerikanische Volksseele nach Durchsickern von Kriegsverbrechen und v.a. der Niederlage im Vietnam-Krieg: Im zweiten Weltkrieg waren es doch noch so einfach und klar.

An diese Gefühlslage wollen wir anknüpfen. Unsere Geschichte beginnt in der Lüneburger Heide. Das kampfstärkste Truppenverband in der Geschichte der Bundeswehr zieht unter den Augen des Bundespräsidenten ins Manöver. Doch die Gruppe inkl. Beobachter gerät in einen Zeitstrudel und landet im Zweiten Weltkrieg.

In atemberaubender Spannung berät der Präsident mit dem Führungsstaab. Die Offiziere meinen, als deutsche Soldat*n müßten sie für Deutschland kämpfen, doch dann hält Gauck – gespielt von Bruno Ganz – eine moralische Rede vor wehender Deutschlandfahne (welcher auch immer), daß sie für ein anderes Deutschland einstehen müßten. Ein Deutschland, das nützliche Ausländer akzeptiert, ein Deutschland, das aus den Niederlagen gelernt hat: Nie wieder Krieg ohne hinreichend verbündete. Ein Deutschland, das dieses mal moralisch wirklich überlegen ist, weil es sich wie kein anderes Land an diese Vergangenheit erinnere.

Tatsächlich hat einer der Offiziere Militärgeschichte studiert und so ist es dem Trupp ein Leichtes, in hochgradig heldenhaften Handstreichmanövern die Wehrmacht (human, im Abspann wird nocheinmal darauf hingewiesen, daß der Film den Verfassungsschutz-Richtlinien entsprach und keine Nazis zu Schaden kamen) außer Gefecht zu setzen.

Dann droht neues Unheil, Bomber fliegen gen Dresden! Und so bohrt die Bundeswehr eiligst Brunnen, diese Stadt zu löschen.

Doch da begreift Gauck, der aus dem Osten anrückende Kommunismus ist ja viel totalitärer als der Nationalsozialismus! In nächtelangen Verhandlungen schafft er es, die Altnazis zur Mitarbeit zu bewegen, sie bekommen Informantengehälter. Am Bündnis beteiligen sich auch die Großbanken – die Übergabe des symbolischen Schecks erfolgt mit den Worten „Ihr hättet das Gleiche für uns getan und könnt es uns in 70 Jahren zurückgeben, wir nehmen auch gerne Griechenland“. Unsere Helden, die unsichtbare Hand des Marktes jetzt auf ihrer Seite, ziehen siegessicher zur letzten Schlacht. Es folgt eine Widmung an all die Helden, welche gegen Extremistische Ideen kämpfen.

Am Ende erläutert Knopp die „historischen“ Hintergründe: Durch diese Nazis wurde auch die historische junge Bundesrepublik zu dem was sie war – laut Merkel einer funktionierenden Demokratie -, bis die stasi-gesteuerte 68er Revolte das Idyll und dabei auch die Familie zerstörte.

Am Ausgang des Kinos stehen Rekrutierungsstände der Bundeswehr zur Verfügung, wer sich vorher mustern läßt bekommt ermäßigten Eintritt.


Nationalphilosoph*n

29. Februar 2012

Wird ein Kontrast zum offensichtlichen Höhepunkt deutschen Kulturguts 1933-1945 gesucht, fallen Sätze wie „im Land eines Immanuel Kant“. Was soll das heißen? Anzunehmen, daß alle deutsch identifizierten nach dem Kategorischen Imperativ oder nur den Werten der Aufklärung lebten, ist trivial falsch. Aĺso sind Philosoph*n sowas wie Staatseigentum?

Kant ging 1946 in sowjetischen Besitz über, deshalb wurden Leninposter bisweilen auch mit dem Antlitz Manelchen Kants versehen, da Karl Heinrich Marx und Friedrich Engels auf der anderen Seite des eisernen Vorhangs lebten und starben. Aufgrund eines Bündnisgeschenks an den sozialistischen Bruderstaat durch Walter Ulbricht, wurde später Nietzsche ergänzt und das Poster in seiner heute bekannten Form (Kant, Nietzsche, Lenin) kam zustande. In Fachkreisen wird Lenin seitdem ironisch als „Quotenhete“ bezeichnet. Bis heute laufen Verhandlungen zwischen der BRD, der Schweiz, Italien und Russland, wem Nietzsche nach Ende des Kalten Krieges nun zusteht. Kant hingegen wurde in den 90ern von Lukoil aufgekauft und seitdem luk-rativ vermarktet. Kritiker*innen mögen deshalb zwar die zeitgenössischen Darstellungen von Aufklärungsphilosophie als Zweckrationalismus und hypothetischer Imperativ als zu kommerziell-stromlinienförmig abtun, aber sein Rassismus hat über die Jahrhunderte nichts von der ursprünglichen Kraft verloren.


Kulturellepraxis live

17. Februar 2012

Dialog mit drkultur

„Vom Superbowl gehört?“ – „Hätte mir gefallen, wenn statt Kelly Clarkeson, Jimi Hendrix Star Spangeled Banner performt hätte und die Sat1-Übertragung statt vom IE9 vom Firefox10 präsentiert worden wäre. Der Sport ist gar nicht einmal so uninteressant, aber in jeder 30 Sekunden Pause ein Werbeclip und die Halbzeitshow mit Madonna und MIA“ – „Mia. aus Berlin?“ – „M.I. aus Acton, die mit dem Finger“ – „Gut, Mia. hätten wohl mit ihrem ‚rumgedeutsche solch ein Event ohnehin aus Antiamerikanismus abgesagt“ – „Stimmt! Andererseits hätte sich der Sat1-Kommentator daran erfreuen, können, dass neben dem Spieler Sebastian Vollmer, auch noch eine reinrassige deutsche Band im Stadion anwesend gewesen wäre.“

Kurzgesagt, besser spät als nie der traditionelle Sportdiskursgruß von der kulturellenpraxis: m(


Exportschlager

6. Oktober 2011

An der Supermarktkasse eine zeitschriftenartiges Heft gesehen mit der Aufschrift „Deutschland sammelt Deutschland“. Das ist auch schon letztes mal schiefgegangen


Unfreiwillig komisch

29. September 2011

Wetterbericht: „Am Montag ist dann mit Niederschlägen zu rechnen“


Eilmeldung

26. September 2011

Skandal: Jeder 5. Bundesbürger (es wird gemutmaßt, daß auch alle Innen und _) hat nicht-deutsche Vorfahren. Schlimmer noch Es muß im 19. Jahrhundert eine gewaltige Katastrophe gegeben haben, aus der dann weitere folgten. Denn wie eine Studie des Treitschke Instituts jetzt herausfand, kann niemand Vorfahren mit deutscher Staatsbürgerschaft vor 1871 vorweisen.

Und dann fragt man sich dann doch, wer soll eigentlich woraus, raus aus wo oder rein wohin …