Kulturellepraxis live: Zu spät

11. November 2012

„Deutschland gilt als verspätete Nation. Deshalb wird soviel Wert auf Pünktlichkeit gelegt.“


Vielleicht mag jepserd zu Japan kommentieren. Auch gerade der japanischen Geschäftswelt wird sehr viel Wertschätzung von Pünktlichkeit nachgesagt, gerade Japan kam spät, aber dafür umso heftiger zur Moderne (Moderne wohlgemerkt nie als linearer Fortschritt, sondern immer als Ideologie mit der Idee eines solchen verstanden).

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Kulturellepraxis live

4. Oktober 2012

„Wieviele Nazis braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln?“ – „Keine, niemand braucht Nazis“(siehe hier und hier)

Btw.: Wer wegen der Kaffeehausdilettant*n Sendung zum 03.10. diese Seite gefunden hat, sucht sicherlich eine kleine Materialsammlung gegen Schland. Naja, wir haben nichts gegen Deutschland, jedenfalls noch nichts Wirkungsvolles:

  • Knarf Rellöm: Arme Kleine Deutsche(1)
  • Verbrochenes: Deutschland von der Karte streichen(2)
  • (Schopenhauer, Arthur: Parerga und Paralipomena : kleine philosophische Schriften Bd. 1; Zürich 1999 (Ersterscheinen: Berlin 1851); S. [suchsdirselbstheraus]: „Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.”
  • Pfiffe und Buhrufe auf schräges Deutschlandlied(3)
  • Kulturellepraxis: Tieffliegeralarm(4)
  • Postillon: Inflation : Wert des Begriffs Freiheit seit Gaucks Amtsantritt drastisch gefallen(5)
  • Deniz Yücel: Besser : Aspirin, Vitamin, Kokain – und Gauck(6) & An die Holzfäller von Lichtenhagen : Gaucks Eiche gefällt, sauber!(7)
  • Linkshirnextremisten: Baummanifest(8)
  • Titanic 10/2012: Briefe an die Leser: NDR Info
  • Monty Python: Lumberjack Song (9)
  • Kulturellepraxis: Plagaismus I (10)
  • Kulturellepraxis: Antiseptentrismus(11)
  • Plagaismus II (12)
  • Kulturellepraxis: Deutsche Bundesländer(13)
  • Titanic: Beängstigend(14)
  • Kulturellepraxis: Vergleich DDR – Kaiserreich(15)
  • Kulturellepraxis: 2012(16)
  • Die Goldenen Zitronen: ICE Bertold Brecht(17)
  • 17grad: Arminius – Einleitung zu Ep.89 „XFaktor (18)
  • Kulturellepraxis: Der Neandertaler(19)
  • Mel Brooks: Springtime for Hitler 1968(20)
  • Kulturellepraxis: Aus aktuellem Anlass 3: “Lena, Lena, Lenafghanistan”(21)
  • Extra3: Super Truppe(22)
  • Toten Hosen: 1000 gute Gründe(23)
  • Kulturellepraxis: Menschenmaterial(24)
  • Kulturellepraxis: Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich(25)
  • Kulturellepraxis Exportschlager(26)
  • Egotronic: Exportschlager Leitkultur(27)
  • Schland, Schloch(28)
  • Kulturellepraxis: Versöhnungen(29)
  • Linkshirnextremisten: Vorläufiges Nationen Manifest(30)
  • Kulturellepraxis: Radio Eriwan – Reloaded(31, 32)
  • Es war uns ein inneres Plenum eines selbstverwalteten Hausprojekts

Mondverschwörung

25. September 2012

In vergangenen Zeiten wurden Verschwörungstheorien im öffentlich-rechtlichen Fernsehen noch anders diskutiert – Bewertung von Art und Weise sei dem Urteil d* Leser*innen überlassen (m.E.: Rhetorik siegt über Substanz und Positivist*innen mag niemand; hoffe inständig, Yogeshwar hat mittlerweile mal die „Dialektik der Aufklärung“ gelesen).

Die Kulturellepraxis begrüßt ausdrücklich alle Verschwörungstheorien, denen zufolge sich Nazis in der Antarktis oder der Rückseite des Mondes aufhalten. Nicht nur, daß Iron Sky trotz allem einige äußerst unterhaltsame Momente hatte. Endlich kann der problematische, gleichwohl liebgewonnene Spruch „Nazis Raus“ wieder mit Inhalt gefüllt werden, mit sofortiger Wirkung sind Nazis zu ihresgleichen zu verbannen, wo sie hingehören, nämlich nach Neuschwabenland (Glatzen beschleunigen das Auskühlen) und/oder gleich ins All!


Tag der Vertriebenen

9. September 2012

Ärgerliche Panne am s.g. Tag der Vertriebenen. Da sowohl der BdV, als auch die Kooperative deutschsprachiger Veralberungsblogs (KdV) für ihre Entwürfe Piratepads nutzten, landete versehntlich ein Teil des Entwurfs letzterer im Script ersterer. Treue Kulturellepraxis Leser*innen erkennen z.B. den Satz „Immanuel Kants ‚Kritik der reinen Vernunft‘ ist untrennbar mit Königsberg, das der Philosoph Zeit seines Lebens niemals verlassen hat, [..] verhaftet“, wir hatten die Idee ja schon bei „Nationalphilosoph*n“ verwendet und die antikantianischen Beißreflexe von der AG Queer Studies übernommen. Die Kulturellepraxis sagt: Nichts für ungut!

Offene Türen einzurennen, so zu bärklären, daß Interkulturelles älter als die Seidenstraße ist und wir letztlich alle so deutsch wie die Kartoffel sind, oder gar jenes überstrapazierte McClintock-Zitat (zuletzt: hier) zu bringen, sparen wir uns an dieser Stelle.

Da es schon irgendwie peinlich wirkt, sich nach über 60 Jahren – und teils erst kurz vor dem Anlaß, einem verlorenen Angriffskrieg dorthingekommen – als „vertrieben“ darzustellen – ohne Frau Steinbach jetzt zu einem Selbstmordattentat zu raten, das materielle Sein wirkt sich selbst auf ihr Bewußtsein aus -, startet demnächst eine großangelegte Solidaritätsaktion. Ein* Sprecher*in der Initiative „jüdisch-bolschewistische Weltverschwörung e.V.“ (Idee für diesen Gruppennamen leider nicht von uns): „Wir konnten das nicht mit ansehen, so heruntergekommen wie der BdV mittlerweile wirkt – hilfloser Zweckoptimismus in der Rede spricht ebenso laut wie die Mitgliederzahlen. Das Problem ist, die s.g. ‚Vertriebenen‘ sind seßhaft geworden, haben sich in der BRD eingerichtet und damit an Glaubwürdigkeit verloren. Wir geben ihnen was sie brauchen. Die Vertriebenen müssen wieder ins Training kommen – und mal wieder vertreiben werden!“


Botanik des Widerstandes

27. August 2012

Dank an Balduin für die fachliche Beratung

Sprechchor in Rostok: „Nazis gehen über Leichen, was macht Deutschland? Es pflanzt Eichen.“ (via; Kontext)

Ausgerechnet die Eiche, eine wahrlich ungünstige Wahl. (siehe) und das war nicht nur ein Tritt ins Fettnäpfchen, Bürgerschaftspräsidentin Jens zieht es vor, noch ein wenig zu planschen und

verteidigt die „Friedenseiche“, wie sie nun heißt: „Wir können uns doch nicht auch noch unsere Flora und Fauna nehmen lassen.“(1, via)

Ja, urdeutsche Flora, wie z.B. die sprichwörtliche Solanum tuberosum. Btw.: Könnte es sein, daß das Wort „Frieden“ nur noch von Honks genutzt wird?

Die Eiche national aufzuladen korrelliert mit einem interessanten Irrtum, nämlich nicht zu erkennen, daß auf dem Gebiet, welches deutsch werden sollte mehr Buchen (das dazugehörige unvermeidliche Wortspiel hier) standen. Daß alle Nationalismen geschlechtlich, erfunden und gefährlich sind(2) muß unserer schlauen Leser*innenschaft nicht erklärt werden.

Indessen wurde eine Gauck erstaunlich ähnlich sehende Person mit einer Axt gesichtet, wie sich diese an allen verbleibenden Pappelbeständen zu schaffen macht. Darauf angesprochen: „Wir müssen die letzten Spuren der DDR-Planwirtschaft endlich beseitigen, seit 1990 ist Deutschland wieder eine Eichennation!“


Patriotismus

22. Juli 2012

Achtung, höchstens unter Mediavist*innen praxistauglich

„Ich bin so deutsch wie Ludwig der Deutsche!“ (siehe Hermann FN2)


Schwarmjustiz

1. Juni 2012

Verurteilung wegen Aufrufs zur Schwarmjustiz; welch ein Glück, daß der zu lynchende sich als unschuldig erwiesen hatte, wie hätte sonst die öffentliche Reaktion ausgesehen? Die Strafe wurde btw. nicht wegen dieser Tat verhängt, sondern wegen Verzichts auf einen Anwalt. Ein RechtsexperteHonk dazu „es ist ja nicht so, als wären dies islamistische oder linksextremistische Gewaltphantasien gewesen, gesundes Volksempfinden ist im deutschen Rechtssystem so verwurzelt wie die Sicherungsverwahrung.“

Indessen prüft Facebook Zivilrechtliche Schritte, der Mordaufruf war eindeutig AGB-widrig: Lynchmorde sind ‚Events‘, keine ‚Kommentare‘. Dies mag auch die Unentschlossenheit des Lynchmobs bedingt haben.

Das Pressebüro Joseph Konys hingegen begrüßte das Urteil mit der Kurzmitteilung „die deutsche Justiz hat eine eindeutiges Zeichen gegen Selbstjustizbestrebungen auf Facebook gesetzt.“, während das Innenministerium meint „dieser skandalöse Fall eines pädophilen – ach, er war Unschuldig? Ja? Ich fang nochmal von vorne an – dieser skandalöse Fall eines Mordaufrufs zeigt mal wieder, daß die Anonymität im Netz enden muß und wir dafür die Vorratsdatenspeicherung brauchen!“

Ein Kommentator auf NDR-Info stapaziert das naheliegende Bild des „dünnen Lackes der Zivilisation“; so schön die Pointe wäre, Facebook versetze uns in die vor-Steinzeit, das stimmt nicht. Sowas tarnt sich nur als „Naturrecht“, das ist nicht vorzivilisatorisch, sowas geschieht nicht trotz Zivilisation; ist das gar die Dialektik der Zivilisation?