Frühneuzeitlicher Sysadmin

28. Dezember 2012

Zum 29c3 – jetzt in der najasten Stadt der Welt – gedenken wir all jenen Held*innen der Arbeit, die in High-Tech-Berufen eine besondere Stellunug eingenommen haben. Einsam hielten sie an ihren i.d.R. dunklen Arbeitsplätzen – deren Umfang als Wohlstandszeichen galt – die Technologie am Laufen; mißtrauisch beäugt, da viele diese Technik für Teufelszeug hielten, sodaß trotz häufig guter Entlohnung die Tätigkeit als eher Unehrliche galt. Möglichweise auch aus Antiintellektualismus, sie beschäftigen sich mit Vorgängen, die fern des Alltagswissens sind. Die Rede ist von Müller*n.

Werbeanzeigen

Kulturellepraxis live

4. Oktober 2012

„Wieviele Nazis braucht man, um eine Glühbirne zu wechseln?“ – „Keine, niemand braucht Nazis“(siehe hier und hier)

Btw.: Wer wegen der Kaffeehausdilettant*n Sendung zum 03.10. diese Seite gefunden hat, sucht sicherlich eine kleine Materialsammlung gegen Schland. Naja, wir haben nichts gegen Deutschland, jedenfalls noch nichts Wirkungsvolles:

  • Knarf Rellöm: Arme Kleine Deutsche(1)
  • Verbrochenes: Deutschland von der Karte streichen(2)
  • (Schopenhauer, Arthur: Parerga und Paralipomena : kleine philosophische Schriften Bd. 1; Zürich 1999 (Ersterscheinen: Berlin 1851); S. [suchsdirselbstheraus]: „Die wohlfeilste Art des Stolzes hingegen ist der Nationalstolz. Denn er verrät in dem damit Behafteten den Mangel an individuellen Eigenschaften, auf die er stolz sein könnte, indem er sonst nicht zu dem greifen würde, was er mit so vielen Millionen teilt. Wer bedeutende persönliche Vorzüge besitzt, wird vielmehr die Fehler seiner eigenen Nation, da er sie beständig vor Augen hat, am deutlichsten erkennen. Aber jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein. Hieran erholt er sich und ist nun dankbarlich bereit, alle Fehler und Torheiten, die ihr eigen sind, mit Händen und Füßen zu verteidigen.”
  • Pfiffe und Buhrufe auf schräges Deutschlandlied(3)
  • Kulturellepraxis: Tieffliegeralarm(4)
  • Postillon: Inflation : Wert des Begriffs Freiheit seit Gaucks Amtsantritt drastisch gefallen(5)
  • Deniz Yücel: Besser : Aspirin, Vitamin, Kokain – und Gauck(6) & An die Holzfäller von Lichtenhagen : Gaucks Eiche gefällt, sauber!(7)
  • Linkshirnextremisten: Baummanifest(8)
  • Titanic 10/2012: Briefe an die Leser: NDR Info
  • Monty Python: Lumberjack Song (9)
  • Kulturellepraxis: Plagaismus I (10)
  • Kulturellepraxis: Antiseptentrismus(11)
  • Plagaismus II (12)
  • Kulturellepraxis: Deutsche Bundesländer(13)
  • Titanic: Beängstigend(14)
  • Kulturellepraxis: Vergleich DDR – Kaiserreich(15)
  • Kulturellepraxis: 2012(16)
  • Die Goldenen Zitronen: ICE Bertold Brecht(17)
  • 17grad: Arminius – Einleitung zu Ep.89 „XFaktor (18)
  • Kulturellepraxis: Der Neandertaler(19)
  • Mel Brooks: Springtime for Hitler 1968(20)
  • Kulturellepraxis: Aus aktuellem Anlass 3: “Lena, Lena, Lenafghanistan”(21)
  • Extra3: Super Truppe(22)
  • Toten Hosen: 1000 gute Gründe(23)
  • Kulturellepraxis: Menschenmaterial(24)
  • Kulturellepraxis: Nicht alles was hinkt ist ein Vergleich(25)
  • Kulturellepraxis Exportschlager(26)
  • Egotronic: Exportschlager Leitkultur(27)
  • Schland, Schloch(28)
  • Kulturellepraxis: Versöhnungen(29)
  • Linkshirnextremisten: Vorläufiges Nationen Manifest(30)
  • Kulturellepraxis: Radio Eriwan – Reloaded(31, 32)
  • Es war uns ein inneres Plenum eines selbstverwalteten Hausprojekts

Leak: Schwarz-Rot-Gold Productions

3. Oktober 2012

Gastbeitrag von Balduin

Nun sind die Planungen für den letzten, unvollendeten Eichinger-Film geleakt. Stellen wir uns ein verrauchtes Hinterzimmer vor:

Eichinger: Ich suche nach einer Idee für einen neuen Film
Bruno Ganz: Wie wäre es mit einem Nazi. Und Kommunisten. Genau: Ein Nazi der sich in einen Kommunisten verliebt.
E: Ein Schwulendrama im Dritten Reich?
Til Schweiger: Ja genau!
Praktikant: Ich habe Adorno gelesen, Schwule Nazis finde ich extrem stimmig
Stefan Aust: Naja, wenn das historisch stimmig sein soll, müssen wir noch Herrn Knopp für das Drehbuch gewinnen. Und Anne Will (oder wie die gerade heißt), kann dann den Film bewerben, als Zuständige für deutsche Aufarbeitung.
Eichinger: Aber wasnützt der beste Film, wenn in ihm keine junge, blonde Nachwuchs-Darstellerin auftaucht, die ICH entdeckt habe?


Gaucks einsame Entscheidung

15. April 2012

Political Ambiguity, Explicit Sarcasm

Das Treitschke-Institut präsentiert
Gefördert vom Carrer Center der Bundeswehr
Einen Film von Schwarz-Rot-Gold Productions

Gaucks einsame Entscheidung

Wer träumt nicht bisweilen davon, die Geschichte zu redigieren? Wer will nicht bisweilen vergangene Niederlagen mit künftiger Stärke auslöschen. „The Final Countdown“ war Balsam auf die US-Amerikanische Volksseele nach Durchsickern von Kriegsverbrechen und v.a. der Niederlage im Vietnam-Krieg: Im zweiten Weltkrieg waren es doch noch so einfach und klar.

An diese Gefühlslage wollen wir anknüpfen. Unsere Geschichte beginnt in der Lüneburger Heide. Das kampfstärkste Truppenverband in der Geschichte der Bundeswehr zieht unter den Augen des Bundespräsidenten ins Manöver. Doch die Gruppe inkl. Beobachter gerät in einen Zeitstrudel und landet im Zweiten Weltkrieg.

In atemberaubender Spannung berät der Präsident mit dem Führungsstaab. Die Offiziere meinen, als deutsche Soldat*n müßten sie für Deutschland kämpfen, doch dann hält Gauck – gespielt von Bruno Ganz – eine moralische Rede vor wehender Deutschlandfahne (welcher auch immer), daß sie für ein anderes Deutschland einstehen müßten. Ein Deutschland, das nützliche Ausländer akzeptiert, ein Deutschland, das aus den Niederlagen gelernt hat: Nie wieder Krieg ohne hinreichend verbündete. Ein Deutschland, das dieses mal moralisch wirklich überlegen ist, weil es sich wie kein anderes Land an diese Vergangenheit erinnere.

Tatsächlich hat einer der Offiziere Militärgeschichte studiert und so ist es dem Trupp ein Leichtes, in hochgradig heldenhaften Handstreichmanövern die Wehrmacht (human, im Abspann wird nocheinmal darauf hingewiesen, daß der Film den Verfassungsschutz-Richtlinien entsprach und keine Nazis zu Schaden kamen) außer Gefecht zu setzen.

Dann droht neues Unheil, Bomber fliegen gen Dresden! Und so bohrt die Bundeswehr eiligst Brunnen, diese Stadt zu löschen.

Doch da begreift Gauck, der aus dem Osten anrückende Kommunismus ist ja viel totalitärer als der Nationalsozialismus! In nächtelangen Verhandlungen schafft er es, die Altnazis zur Mitarbeit zu bewegen, sie bekommen Informantengehälter. Am Bündnis beteiligen sich auch die Großbanken – die Übergabe des symbolischen Schecks erfolgt mit den Worten „Ihr hättet das Gleiche für uns getan und könnt es uns in 70 Jahren zurückgeben, wir nehmen auch gerne Griechenland“. Unsere Helden, die unsichtbare Hand des Marktes jetzt auf ihrer Seite, ziehen siegessicher zur letzten Schlacht. Es folgt eine Widmung an all die Helden, welche gegen Extremistische Ideen kämpfen.

Am Ende erläutert Knopp die „historischen“ Hintergründe: Durch diese Nazis wurde auch die historische junge Bundesrepublik zu dem was sie war – laut Merkel einer funktionierenden Demokratie -, bis die stasi-gesteuerte 68er Revolte das Idyll und dabei auch die Familie zerstörte.

Am Ausgang des Kinos stehen Rekrutierungsstände der Bundeswehr zur Verfügung, wer sich vorher mustern läßt bekommt ermäßigten Eintritt.


Feine Atheisten mal wieder

4. März 2012

Mal wieder ein nettes Fundstück in der Soup aufgetaucht mit dem Text „Water is two parts hydrogen and one part oxygen. What if someone says, ‚well, that’s not how I choose to think about water.‘?“

Also – Advocatus Diaboli; oder eher Advocat* Erisis – versuchen wir es mal. Ich – modest_witness – lasse mich nicht mit „anders sehen oder nicht“ abspeisen, sondern messe Massen, lasse reagieren (nein, liebes LKA, nur ein Gedankenexperiment), danach werden die ergebisse berechnet und wir stellen empirisch fest: Wasser ist ein Teil Sauerstoff und 0,126 Teile Wasserstoff …

-Wissenschaftsphilosophie-


Hayden White Facts

1. März 2012

Jedes Fach sollte ein Äquivalent zu den Bruce Schneier Facts (welche neben den Vin Disel Facts von den Chuck Norris Facts inspiriert waren) haben, das Treitschke-Institut fühlt sich irgendwie berufen, solche für die Historiker*innenzunft anzubieten:

  1. Hayden White weiß wie es wirklich gewesen ist
  2. Es gibt kein außerhalb des Diskurses, denn dort lauert Hayden White
  3. Hayden White braucht keine Quellenkritik, wenn die Quellen ihn sehen schreiben sie eilig ihre Selbstkritik
  4. Hayden White braucht keine Methode – wenn er die Quellen ansieht sagen sie ihm von selbst was er wissen will
  5. Der einzige Grund weshalb Guido Knopp noch nicht aus der Geschichte getilgt wurde ist, daß Hayden White kein deutsches Fernsehen sieht
  6. Es gibt Mikrogeschichte, aber alle Fakten kennt nur Hayden White
  7. Es gibt Makrogeschichte, aber den Gesammtüberblick hat nur Hayden White
  8. Es gibt Geschichtsphilospohie, doch nur Hayden White weiß, nach welchen Gesetzen die Geschichte funktioniert – seinen (alle Tropen, Narrative und Plots sind Konstruktionen, es sei denn, sie stammen von Hayden White)
  9. Es gibt quanitative Methoden in der Geschichtswissenschaft. Doch sie sind unbedeutend, denn Hayden White nutzt sie nicht (Traue keiner Statistik, es sei denn, sie ist von Hayden White)
  10. Nicht alle „große Männer machen Geschichte“ (–Treitschke), nur Hayden White

Autsch

19. Februar 2012

Fundstück von Balduin

Eine Zeitschrift titelt: „Nazi mit Herz. Ein Neonazi verliebt sich in eine Afrikanerin. [Subjekt, Prädikat, Objekt; Anm.d.Red.] Ist er jetzt ein besserer Mensch?“

Apropos Nazis, von einen Bullen, wie Hackerschorsch berichtet, stammt folgende Frage zu einem mutmaßlichen Verbrecher: „Sah er deutsch aus?“ [sic(k)] Es stimmt hingegen nicht, daß die Antwort lautete „Hmmm, lassen Sie mich mal überlegen… Er aß gerade eine Bratwurst mit Sauerkraut… Achja, und er war sehr pünktlich.“ [Anm. d. Autor*: Heißt das eigentlich, meine permanenten Verspätungen sind Anti-Deutsch?!?]