Gaucks einsame Entscheidung

15. April 2012

Political Ambiguity, Explicit Sarcasm

Das Treitschke-Institut präsentiert
Gefördert vom Carrer Center der Bundeswehr
Einen Film von Schwarz-Rot-Gold Productions

Gaucks einsame Entscheidung

Wer träumt nicht bisweilen davon, die Geschichte zu redigieren? Wer will nicht bisweilen vergangene Niederlagen mit künftiger Stärke auslöschen. „The Final Countdown“ war Balsam auf die US-Amerikanische Volksseele nach Durchsickern von Kriegsverbrechen und v.a. der Niederlage im Vietnam-Krieg: Im zweiten Weltkrieg waren es doch noch so einfach und klar.

An diese Gefühlslage wollen wir anknüpfen. Unsere Geschichte beginnt in der Lüneburger Heide. Das kampfstärkste Truppenverband in der Geschichte der Bundeswehr zieht unter den Augen des Bundespräsidenten ins Manöver. Doch die Gruppe inkl. Beobachter gerät in einen Zeitstrudel und landet im Zweiten Weltkrieg.

In atemberaubender Spannung berät der Präsident mit dem Führungsstaab. Die Offiziere meinen, als deutsche Soldat*n müßten sie für Deutschland kämpfen, doch dann hält Gauck – gespielt von Bruno Ganz – eine moralische Rede vor wehender Deutschlandfahne (welcher auch immer), daß sie für ein anderes Deutschland einstehen müßten. Ein Deutschland, das nützliche Ausländer akzeptiert, ein Deutschland, das aus den Niederlagen gelernt hat: Nie wieder Krieg ohne hinreichend verbündete. Ein Deutschland, das dieses mal moralisch wirklich überlegen ist, weil es sich wie kein anderes Land an diese Vergangenheit erinnere.

Tatsächlich hat einer der Offiziere Militärgeschichte studiert und so ist es dem Trupp ein Leichtes, in hochgradig heldenhaften Handstreichmanövern die Wehrmacht (human, im Abspann wird nocheinmal darauf hingewiesen, daß der Film den Verfassungsschutz-Richtlinien entsprach und keine Nazis zu Schaden kamen) außer Gefecht zu setzen.

Dann droht neues Unheil, Bomber fliegen gen Dresden! Und so bohrt die Bundeswehr eiligst Brunnen, diese Stadt zu löschen.

Doch da begreift Gauck, der aus dem Osten anrückende Kommunismus ist ja viel totalitärer als der Nationalsozialismus! In nächtelangen Verhandlungen schafft er es, die Altnazis zur Mitarbeit zu bewegen, sie bekommen Informantengehälter. Am Bündnis beteiligen sich auch die Großbanken – die Übergabe des symbolischen Schecks erfolgt mit den Worten „Ihr hättet das Gleiche für uns getan und könnt es uns in 70 Jahren zurückgeben, wir nehmen auch gerne Griechenland“. Unsere Helden, die unsichtbare Hand des Marktes jetzt auf ihrer Seite, ziehen siegessicher zur letzten Schlacht. Es folgt eine Widmung an all die Helden, welche gegen Extremistische Ideen kämpfen.

Am Ende erläutert Knopp die „historischen“ Hintergründe: Durch diese Nazis wurde auch die historische junge Bundesrepublik zu dem was sie war – laut Merkel einer funktionierenden Demokratie -, bis die stasi-gesteuerte 68er Revolte das Idyll und dabei auch die Familie zerstörte.

Am Ausgang des Kinos stehen Rekrutierungsstände der Bundeswehr zur Verfügung, wer sich vorher mustern läßt bekommt ermäßigten Eintritt.

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Guy Fawkes

3. März 2012

Matussek entdeckt, daß es sich eigentlich um einen katholischen Anschlag handelte und läuft künftig als Fawkes herum. Btw.: Gehört der Katholizismus nach Deutschland – dann hätten wir nur ein Integrationsproblem – oder sollten wir diese potentiellen Attentäter in den Vatikan abschieben, wo sie hingehören?

Indessen klärte sich ein Geheimnis am Ende des Films auf: Ein Sprecher von Heckler und Koch räumte nun offiziell die Existenz einer Guy-Fawkes-Sperre ein. Mit Enfield L85 Gewehren hätten nämlich höchstens Ladehemmungen ein Massaker verhindern können. Die hier verwendete Exportvariante des HK50 wurde also nicht zufällig von „G36E“ in „G36V“ umbenannt, sie kann – so ohne Jailbreak – nicht auf Leute mit derartigen Masken feuern, welche die Bundeswehr in geheimen Lagern vorrätig hält. Bei Lieferengpässen durch Occupy und Annonymous wurden solche allerdings an Zivilfahnder als Amtshilfe ausgegeben. SSchäuble nutzte diese Gelegenheit, um erneut Bundeswehreinsätze im Inneren zu fordern.

Damit sind Annahmen widerlegt, daß die Wahl der Waffen dem Fundus der Babelsberger Studios oder Schleichwerbung geschuldet sei oder der Film gar davon ausginge, daß in einer derartigen Situation alle von Gewalt abstand nähmen.

-POLITGELABER-


Aus aktuellem Anlass: Neumann auf der Berlinale

10. Februar 2012

Bundesbeauftragter für Kultur und Medien Bernd Neumann mahnte und erinnerte gestern bei der Eröffnung der Berlinale daran, dass in Ländern wie dem Iran und China, die Kunst mit Füßen getreten werde und es wichtig sei, dass „Flagge gezeigt wird für Menschenrechte und für die Freiheit der Kunst.“

Die Kulturelle Praxis mahnt und erinntert hieran.


Filmprojekt

26. August 2011

Das Treitschke Institut präsentiert
Einen Film von Schwarz-Rot-Gold Productions
Das Prequel des Jahres

Der Untergang II : Der Aufstieg

Aktueller denn je: Erleben Sie, wie ein von Niederlagen gezeichneter Mann sich das Rauchen abgewöhnt um Großes zu erreichen. Erleben Sie den Kampf gegen die Weltwirtschaftskrise und Arbeitslosigkeit. Erleben Sie, wie eine geschlagene Nation wieder militärische Siege feiert.

Dieser Film ist fsk-12, denn auch hier werden die Verbrechen des Nationalsozialismus in guter deutscher Tradition verschwiegen, verharmlost oder notfalls dem Kommunisten angelastet.


Germany’s next Schwarzer

31. März 2011

Die Funktion, welche Alice Schwarzer ausübte, Aushängefigur des Feminismus, sich unnachgiebig Maskulisten und Antifeministinnen entgegenzustellen dürfte eine nicht unwichtige sein. Doch gab sie auch Anlaß zu viel berechtigter Kritik, von der an dieser Stelle lediglich (Kultur)Rassismus angeführt sei, denn der Vorwurf mangelnden feministischen Pluralismus könnte gar revisionsbedürftig sein. Dennoch kann die Kulturellepraxis das Gefühl nicht abschütteln, diverse Personen zu kennen, die diese Funktion besser ausüben könnten.

Was wir also brauchen ist eine neue Repräsentantin des deutschsprachigen Feminismus. In zeitgemäßer Form finden wir diese durch eine Castingshow.

Erleben Sie physische Gefechte, wer wehrt Vergewaltiger am schmerzhaftesten ab. Erleben Sie Wortgefechte – wer weist Machos am besten in die Schranken, wer stellt Antifeministinnen am besten bloß, wer hat die unhaltbarsten Diskreditierungen der innerfeministischen Gegner*Innen? Erleben Sie die Typenberatung – Kurzhaarfrisur, Femmensss oder alles komplett verqueer? Erleben Sie den Schreibwettbewerb zu aktuellen Themen und errleben Sie das große Entscheidungsquiz – wer weiß mehr über feministische Theorien?

Verpassen Sie auch nicht den nächsten Blockbuster von K-Productions: Das Model und der Geek: Sehen Sie, wie in nur drei Wochen aus einem Modeopfer eine Haeckse/Nrrrd wird und es keine Themen gibt, die sich im Spätkapitalismus nicht vermarkten lassen.


Neue Geisteswissenschaft

26. Juni 2010

Der Bernd-Eichinger-Lehrstuhl für Knoppismus am Treitschke-Institut für geisteswissenschaftliche Brandstiftung veröffentlicht ihren Strukturentwicklungsplan für die Geschichtswissenschaft:

Von den Naturwissenschaften lernen heißt siegen lernen, sie gelten als nützlich, sie bekommen das gesamte Geld. Sie muß, neben verändertem Anspruch im akademischen Betrieb unser Leitbild werden

  • Publikationen sollten unverständlicher geschrieben werden – abgesehen von geschlechtsneutralen Formulierungen, die gehören natürlich abgeschafft -, in einer Sprache die Jahre der Einarbeitung erfodert, überhaupt einen Satz zu verstehen; das wird einigen nicht sonderlich schwerfallen und knüpft an das altehrwürdige Genre der deutschen Wissenschaftsprosa an; als ersten Schritt stellen wir alle historischen Publikationen auf Fraktur oder Schlimmeres um
  • Dann ist es wichtig, die Verantwortung für die Folgen unserer Wissenschaft abzustreifen, das entscheiden die ‚demokratisch‘ (z.B. mit Wahlcomputern) gewählten Politiker im Namen der ‚aufgeklärten‘ Gesellschaft. Die Geschichte kann so nutzbar für Wohlstand und Sicherheit werden wie die Kernspaltung.
  • Beschäftigung mit Methoden und Theorie wird verboten
  • Wichtigste Felder sind unmittelbarer Nutzen und Populärwissenschaft. Beides wird realisiert in Historienromanen und Kostümfilmen. Die Methodik ist entsprechend umzustellen
    • Da ein Forschungsstand zu kompliziert ist, betrachten wir nur noch ein Einheitsparadigma lehrbuchkanonisierter Fakten als wissenschaftlich
    • Da Interpretationen sich als falsch erweisen können und veränderlicher Forschungsstand ohnehin zu Verwirrung führt, darf nicht mehr interpretiert werden
      • Die Historisch-Kritische Methode wird abgeschafft
      • Autorennamen spielen keine methodische Rolle mehr, sie dienen lediglich als Personenkult von Diskursivitätsbegründern
      • Kontextinformationen spielen keine Rolle mehr, sie wirken verwirrewnd und verkomplizierend und Naturwissenschaft arbeitet schließlich auch mit isolierten Systemen
      • Wir verraten den Studierenden endlich, daß Belegbarkeit keine Rolle spielt, wenn der Titel stimmt, das akademische System sollte sich dazu bekennen ein autoritäres zu sein und keine Zeit mit der Legitimation von Autorität verschwenden
    • Zentrales Moment ist die unmittelbare Wirkung der Quelle auf den Autoren, alles andere wäre zu intellektuell und für unser Ziel zu aufwendig