Premiumsekten der Gegenwart (II)

11. Oktober 2014

Gastbeitrag von mr garde
Mehr zum Thema von der Redaktion siehe hier, hier und hier

Name: harte zeiten

Aktiv seit: 2005/1863

Hauptwerke: „Die Kunst des Geführtwerdens“, „Das fünfte Rad am Bobbycar“, „Der Rote Stuhl. 20 gute Haushaltstipps zum fortschrittlichen Abführen“

Wurde beeinflusst von: Ferdinand Lassalle, Liste LINKS, Ronald B. Schill, Olaf Scholz

Hat Einfluss auf: 1 (in Zahlen: einen) SPD-Parteitagsdelegierten

Verfeindete Denker: SPD-Landesparteitag, studentische Vollversammlungen, Ladenschlussgesetze

Beste Sätze: „Pie Jesu Domine, Dona Eis Requiem“; „Du betreibst doch die Politik des rechten Senats!“; „Wer keine Flugblätter verteilt, soll auch nicht essen!“

Wer harte zeiten mag, mag auch: Selbstkasteiung, intellektuelle Emetika, sozialliberale Koalitionen, Brotkrumen

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Premiumsekten der Gegenwart

10. Oktober 2014

Gastbeitrag von mr garde
Mehr zum Thema von der Redaktion siehe hier, hier und hier

Name: Liste LINKS

Aktiv seit: 1993 (Gründungsakt in der Mensa), 1789 (längere Aufklärungstradition)

Hauptwerke: Zum Geleit (Teil I bis MMXIV); „Das ist doch Antikommunismus!“ – Wie man Kritiker (nicht nur) mundtot macht; Gestammelte Werke; Von Umbruch zu Umbruch: 1989 kleine Ratschläge für die kritisch-kooperative Lebensweise

Wurde beeinflusst von: Lawrenti Pawlowitsch Berija, Erich Mielke, Ronald B. Schill, „Rhymin‘ Simon“.

Hat Einfluss auf: Das Versmaß, Mensa-Currysoucen, Das Waldsterben, AOK-Beitragssätze

Beste Sätze: „Freude sei (sic!) der Maßstab des Gelingens!“; „Knackfrisch vom Bäcker / nicht zu groß, nicht zu klein / so muss ein wahrlich / linkes Brötchen sein“; „Das ist doch Antikommunismus!“

Wer Liste LINKS mag, mag auch: Nudeln vom Vortag, Schlafentzug, Good Cop/Bad Cop-Spielchen, Lobotomie

 


Sächsische Stadt

26. Februar 2014

Carole Magne fac itervm


Dank an @Anireyk & @unvollkommen

Disclaimer: Uns ist bewußt, daß sich die „Sachsenkriege“ eher auf dem Gebiet der heutigen Bundesländer Niedersachsen, sowie NRW abspielten, daß auch dieses Reich keine 1000 Jahre gehalten hat – gleichwohl länger als 12 – und daß sich um eine differenzierte Bewertung der historischen Person unabhängig von unkritischem Personenkult bemüht werden sollte. Diskussionsbeiträge zur Karolingischen Renaissance sind uns willkommen und deutlich interessanter, als solche zu Zeitgeschichtlichem. Auch Korrekturvorschläge und damit verbundene philologische Debatten sind auch erwünscht.

P.S.


RAF kämpft für Deutschland

6. Februar 2013

Die – auch von uns geäußerte – Forderung nach verlängerter Kapitalismuskritik ist vielleicht immernoch verkürzt: Wenn wir „verkürzte Kapitalismuskritik“ als massentaugliche Variante von „strukturell antisemitische Kapitalismuskritik“1 definieren, fällt die RAF eindeutig darunter, gleichwohl sie verglichen mit manch konformistischer Revolte noch intellektuell wirkt.

Deren verkürzte Kapitalismuskritik hatte aber die Tendenz, über das Ziel hinauszuschießen. Wir sollten also genauer festlegen, inwieweit die verkürzte Kapitalismuskritik zu verlängern ist und sollten den ganzen Prozeß2 einen Schritt weiterdenken: Elfmeterschießen?


1 Das Wörtchen „Strukturell“ könnte zu Mißverständnissen führen. Analog zur Rassismusforschung sollten wir davon ausgehen, daß ein sinnvoller Begriff „Antisemitismus“ sich auf gesellschaftliche Strukturen beziehen muß. Hier ist es allerdings dennoch kein Pleonasmus, sondern ein wichtiger Zusatz. Denn gemeint ist, daß diese Kapitalismuskritik Gemeinsamkeiten, bzw. Ähnlichkeiten mit dem antisemitischen Deutungsmuster aufweist, die leicht, aber nicht zwangsläufig in direkten Antisemitismus umschlagen. Chefzyniker*innen würden hinzufügen, daß diese Differenzierung für einige einen Kollateralnutzen in der Personalbewertung hat: Marxens problematische Äußerungen über „Juden“ aus der Definition rausnehmen zu können, Lenins – von dem mir keine offen antisemitischen Bemerkungen geläufig sind – unkritische Anhänger*innen (lasse offen, ob hier auch eine potentielle Sinndopplung droht) aber trefflich kritisieren zu können.

2 An dessen Ende Kaubonbons stehen mögen, die uns aber unter jetzigen Bedingungen zuviel Mao und zuviel kapitalistische Produktionsweise enthalten. Höchstwahrscheinlich auch, da nur ihr Konkurrenzprodukt als vegan gilt …


Realsozialismus

11. Dezember 2012

„Alleine diese Idee, sich das Schlechte zum guten aneignen zu wollen und einfach ein ‚Volks-‚ davorzusetzen“ – „Nenne ein Beispiel“ – „Volksmörder“


Kulturellepraxis live

17. November 2012

Mit ihdl

Wenn Gewalt die Sprache der Dummen ist, biete ich gerne Übersetzungen für Nazis an“ – „Mh?“ – „Ist Witzeerklären nicht auch irgendwie epistemische Gewalt?“ – „Dann ist Kant epistemischer Slapstick“


Schwarmjustiz

1. Juni 2012

Verurteilung wegen Aufrufs zur Schwarmjustiz; welch ein Glück, daß der zu lynchende sich als unschuldig erwiesen hatte, wie hätte sonst die öffentliche Reaktion ausgesehen? Die Strafe wurde btw. nicht wegen dieser Tat verhängt, sondern wegen Verzichts auf einen Anwalt. Ein RechtsexperteHonk dazu „es ist ja nicht so, als wären dies islamistische oder linksextremistische Gewaltphantasien gewesen, gesundes Volksempfinden ist im deutschen Rechtssystem so verwurzelt wie die Sicherungsverwahrung.“

Indessen prüft Facebook Zivilrechtliche Schritte, der Mordaufruf war eindeutig AGB-widrig: Lynchmorde sind ‚Events‘, keine ‚Kommentare‘. Dies mag auch die Unentschlossenheit des Lynchmobs bedingt haben.

Das Pressebüro Joseph Konys hingegen begrüßte das Urteil mit der Kurzmitteilung „die deutsche Justiz hat eine eindeutiges Zeichen gegen Selbstjustizbestrebungen auf Facebook gesetzt.“, während das Innenministerium meint „dieser skandalöse Fall eines pädophilen – ach, er war Unschuldig? Ja? Ich fang nochmal von vorne an – dieser skandalöse Fall eines Mordaufrufs zeigt mal wieder, daß die Anonymität im Netz enden muß und wir dafür die Vorratsdatenspeicherung brauchen!“

Ein Kommentator auf NDR-Info stapaziert das naheliegende Bild des „dünnen Lackes der Zivilisation“; so schön die Pointe wäre, Facebook versetze uns in die vor-Steinzeit, das stimmt nicht. Sowas tarnt sich nur als „Naturrecht“, das ist nicht vorzivilisatorisch, sowas geschieht nicht trotz Zivilisation; ist das gar die Dialektik der Zivilisation?