Neue Universität

17. Juni 2013

Mit Hackerschorsch

Nachdem der Umzug auf den kleinen Grasbrook wohl (hoffentlich) vom Tisch ist, aber immernoch Begehrlichkeiten auf die teuren Grundstücke der Universität Hamburg herrschen, außerdem „Einsparungen“ den Platzbedarf massiv herabgesetzt haben, wird nach einem neuen, allerdings innenstadtnahem Standort gesucht. Unter dem Titel „Heinrich-Hertz-Hochschule“ verlegen wir die Uni deshalb einfach in die seit 12 Jahren leerstehende Aussichtsplattformen des Hamburger Fernsehturms. Hier schonmal Material für die PR-Abteilung:

  • Hoch-Schule
  • Überblickswissen
  • Hohes Niveau
  • Leuchtturmprojekt
  • Herausragend („Stands out“)
  • Strahlt weit aus
  • Elfenbeinturm
  • Aufstiegsmöglichkeiten
  • regelmäßig polarisierend
  • stark frequentiert
  • angegliederte Autovermietung

Studieren Sie an der Heinrich-Hertz-Hochschule. Wir vermitteln Überblickswissen auf höchstem Niveau und bilden damit ein herausragendes Leuchtturmprojekt, welches weit ausstrahlt. Zwar bekennen wir uns zu klassischen Bildungsidealen des Elfenbeinturms, bieten aber auch gewaltige Aufstiegsmöglichkeiten. Unserem Namensgeber werden wir gerecht, denn nicht nur unsere angegliederte Autovermietung ist stark frequentiert, wir wirken auch regelmäßig polarisierend.

Allerdings soll die Köhlbrandbrücke abgerissen werden. Eine Uni, die schon bessere Tage gesehen hat würde perfekt zu diesem Bauwerk passen. Zumal dies optimal die Symblolik der Bridge-Trilogie aufgreift: Veraltete Technologie gerät in eine Krise, woraufhin durch Selbstorganisationsprozesse – in diesem Fall, wie auch schon in „Red Star, Winter Orbit“ durch Besetzung – ursprünglich unintendierte Verwendungspraxen entstehen. In einer cyberpunkigen Verbindung von Hightech und Lowlife, sowie Technologie und Mensch entsteht Neues.

  • Gehobene Ansprüche
  • Keine trockenen Stoffe
  • Erforschung von Brückentechnologien
  • Fördert Inselbegabungen
  • Tiefgründig basiert
  • Basis befindet sich im Fluss
  • Spannt einen weiten Bogen
  • Uferlose Möglichkeiten
  • Ermöglicht Zugang (z.B. nach Waltershof)

Die neue Hochschule für gehobene Ansprüche ermöglicht tiefgründig basiert ungeahnte Zugänge (z.B. nach Waltershof). Hier wird ein weiter Bogen gespannt von Brückentechnologien bis Inselbegabungen, hier herrschen uferlose Möglichkeiten. Dabei beschäftigen wir uns nicht mit trockenen Stoffen, denn unsere Basis befindet sich stets im Fluß.

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Hochschulentwicklung

6. April 2013

Mit: FrlPia

Die Attraktivität dieses Fachbereiches Geschichte konnte bereits in der Vergangenheit, nach dem bahnbrechenden Wirken Heinrich von Treitschkes erfolgreich vermarktet werden: Sei es durch den Knoppismus, sei es in der Zusammenarbeit der Universität mit größeren Senior*innenresidenzen, deren Mangel an Tagesräumen mit Hilfe von Vorlesungen auszugleichen. So entstand in Marktoptimierung auf Kontaktstudierende bereits die Reihe „Erotik in Hitlers Cäsarbild“.

Doch auch jüngere Studierende müssen noch stärker als Kund*innen begriffen werden; viele fordern solch eine Behandlung auch schon aktiv ein. Lehre muß sich konsequent an Erwartungen und Wohlbefinden der Konsument*innen anpassen, ein sehr positiver Schritt sind wellness-basierte Evaluationsverfahren

Auf diesem Wege erreichen wir einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz, was letztlich auch höhere Preise rechtfertigt. Gerade in Seminaren zu moralisch aufgeladenen Themen existiert gewaltiger Optimierungsbedarf, viele werden unnötig aus ideologischen Ansprüchen der Lehrenden – Gutmenschentum – enttäuscht.

Das Treitschke-Insitut für geisteswissenschaftliche Nutzenoptimierung präsentiert im Rahmen seines innovativen Hochschulentwicklungsplans ein Musterprojekt aus der Geschichtswissenschaft: Das zeitgemäße und kund*innenorientierte Genozid-Seminar. Freuen Sie sich auf Themen wie

  • Einführungssitzung: Der Untergang des Abendlandes – Freies Assoziieren zu beliebigen Textstellen
  • Die demographische Katastrophe: Deutschland schafft sich ab
  • Der wirklich echt wahre Hufeisenplan: Deutschland muß (wieder) Kriege wegen Auschwitz führen
  • Der Kulturelle Genozid in Tibet
  • Das große Konzentrationslager Gaza
  • Der Holocaust auf Deinem Teller
  • Der Baumholocaust durch Stuttgart21 und IBA
  • Der aliierte Bombenholocaust auf Dresden und andere deutsche Städte
  • Der Babyholocaust: Abtreibung fordernde Feminazis
  • (Sex)“Arbeit macht frei“: Eine Femen Gastreferentin erläutert die Parallelen zwischen „Prostitution“ und Nationalsozialismus
  • Die Amis
    • „Indianer“ mit anschließendem Karl May Lesekreis
    • Hiroshima
    • Vietnam (Agent Orange & Napalm)
  • Die Massenvergewaltigungen und Gulags: Warum Operation Barbarossa eine notwedige Verteidigungsmaßnahme war
  • Stalingrad: Nichts kann furchtbarer gewesen sein
  • Nachbereitung: Gegenseitiges Schulterklopfen und gegenseitiges Versichern, daß weiße heterosexuelle christliche ableoid Deutsche – Mittelschicht aufwärts und nicht zu links – doch voll OK sind

Kulturellepraxis Shop #4 Kopfhörer

15. Februar 2013

Kopf hoch! Halten Sie immer den Kopf über Wasser, dank der KP-Schwimmkopfhörer“


Dialektik, Digga

8. Januar 2013

„Postmoderne“ läßt sich auf vielerlei weise fassen; platte Geschichtsphilosophie – die Moderne ideologisch beerben zu wollen -, Modewort – so hätte es wohl auch Focuault verstanden -, Abwertungsversuch gegen Poststrukturalismus, was mit intertextualität/zitaten/kombinierbarkeit, moderne redigieren. Wir haben es hier meist im Derrida’schen Sinne, als nicht vormoderne Kritik an der Moderne mit Mitteln dieser verwendet.

<#befindlichkeitstweet>In existenzialistischer (bei aller Kritik an den Inhalten/Antworten: Sie hatten zumindest guten Themen) Stimmung </#befindlichkeitstweet> mal das mit der Beliebigkeit: Nüchtern betrachtet entzündet sich der Konflikt meist an Verabschiedung des God-Tricks, daß keine Metaphysik das eigene Rechthaben verbürgt. Soweit, so trocken. Denn die philosophischen Überlegungen über Grenzen erfassen nicht diese kafkaeske Erfahrung, beim Versuch eine Realität abzubilden nur in einen zerbrochenen Spiegel zu schauen (oder auch beim Versuch, sich selbst zu erkennen, gleichwohl Psychoanalysefans genre darin Kaffeesatzlerei betreiben). Durch den Prozeß des Erkennens können wir keine tiefere Wahrheit hinter dem Erkennen erkennen; wie sollten wir wahrnehmen, was außerhalb der Wahrnehmung, sagen, was außerhalb der Sprache ist. Die Ent-Täsuchung ist also, daß alleine die Frage nach der wahren Realität also schon der Holzweg ist. Btw.: Wie Leute zum einen dsa „dialektischer“ am Materialismus überlesen, sowie Materialismus und Realismus verwechseln ist mir schleierhaft; der Glaube, die Welt müsse den eigenen Konzepten entsprechen ist Vulgäridealismus der übelsten Sorte.

Diese Ent-Täuschung setzt die Aufklärung voraus. In einem religiösen Weltbild ist die Welt zwar auch vollständig verstehbar, aber letztlich nur durch ein höheres Wesen. Der Positivismus tritt mit dem Glauben an, die Welt vollständig im Rahmen seines Wissenschaftsverständnisses erfassen zu können.1.) Mit anderen Worten: Das moderne Erkenntnisversprechen muß in der Welt sein, um sein Scheitern überhaupt erst denk-/meinbar zu machen.

Interessant wird das freilich erst, wenn es darum geht, das „was dann“ anzupacken; vielleicht der gemeinste Trick der Flachzangen, die Frage mittels zu einfacher Beantwortungsversuche (ob tatsächlich oder erfunden) abbügeln zu wollen. Beliebter Argumentationsfehler: In queeren Kreisen wurde mir auch ein Nichtfunktionieren simpler Identitätsablehnung für viele politische Kontexte als Argument gegen die queere Kernkompetenz der Identitätskrtiik verkauft.

Ein weiterer Versuch, den Bedeutungsnebel „Postmoderne“ dingfest zu machen wäre also: Sich epistemisch wie politisch von der Idee der Repräsentation2.) zu verabschieden.


1.) Beispiel: Die berühmte Verkürzung des Tractatus auf seine zwei besten Catchphrases, nämlich den ersten und den letzten Satz; meist von Leuten, die die PU nicht gelesen haben.

2.) So versucht dies auch dieser Vortrag zum Thema Marxismus, inkl. Postmarxismus zu fassen. Bei allen Enttäuschungen und Polemiken, wenn auf Audioarchiv mal wieder Flachzangiges angepriesen wird, wegen Fundstücken wie diesen (geschweige denn: Den Bini Adamczak Vorträgen) lohnt sich der Ärger eben doch manchmal. Das dürfte wohl auch sowasmitnichtidentisch sein.


Mehr Studies #0: Einleitung

26. Dezember 2012

Neben des Turn-Turns“ haben wir auch eines „Studies-Turn“ zu verzeichnen, also eine Tendenz, Fachrichtungen mit dem modischen Zusatz „-Studies“ zu versehen. Sei es, weil die Sichtweisen im Ursprungsfachbereich als unzureichend erwiesen haben (z.B. Disability Studies), sei es, sich ‚interdisziplinär‘ mit einem ‚vollkommen originellen‘ Thema zu befassen (Critical-Boot-Studies, Johnny-Studies); meist liegen Mischformen vor.

Die Marketingabteilung des Treitschke-Instituts für geisteswissenschaftliche Nutzenoptimierung nimmt sich im Rahmen dieser Reihe eine Optimierung der Philosophie (künftig: Wisdom Studies) vor. Bereiche der Philosophie zu eigenes -studies zu erklären war überfällig und marketingmäßig unausweichlich, bedenken wir v.a., daß die meisten Wissenschaften – mit Ausnahme der Medizin1 – letztlich nur erfolgreich werdende Zweige der Philosophie waren.

(to be continued)


1 Insofern bedeutet es Entwicklungshilfe für die Psychologie, sich auf philosophische Verwurzelung des Faches zu besinnen, damit wären Psycholog*innen zu kritischerem Denken zu befähigen als dem ärztlichen. Hier liegt auch ein Unterschied zwischen Psychologie und Psychoanalyse, diese ist in jenem verwurzelt und obwohl Psychologie wie Medizin in erster Linie experimental-statistisch arbeiten, scheint die Psychoanalyse auf Ärzte größere Anziehungskraft als die Psychologie auszuüben, während Psychoanalyse in dieser wiederum eher marginal ist.


(R)Evolution und Punk

16. Oktober 2012

Wenn der Iro und lange Haare szenefähig werden und Hosen mit Löchern oder Schlag über den Catwalk laufen (wenn also Dissidenz als Differenz sich verkauft?1).

Wenn Indepentmusiker*Innen ihre eigenen Labels gründen, Selbstmanagementliteratur lesen und sich ganz „authentisch“ (weil nicht „musikindustriell korrumpiert“) vermarkten.

Wenn bekannte „Punk-Musiker“ die Nationalhymne bei der Reason Rally 2012 performen, Bücher mit Titel Anarchy Evolution und Population Wars herausbringen und derartige Statements von sich geben:

„Weißt du, ich glaube, der Grund dafür, dass die Dinge sich so entwickelt haben […] liegt daran. dass da irgendwas in unserem Lebensraum ist, das in den Menschen eine Sehnsucht erzeugt hat, einen Refrain und eine Strophe zu hören. Diese Formen, die sich entwickelt haben, konnten entstehen, weil sie anpassungsfähig waren. Sie bedienten eine bestimmte Funktion in unserer biologischen Natur. Warum sollte man also Menschen aus ihrer eigenen biologischen Natur aufwecken, wenn diese Natur es ist, die sie zufrieden macht?“2

Darf ich am (Konzept) „Punk“ zweifeln?

Darf ich der Kulturindustrie gratulieren?

Darf ich dem Kreativitätsdispositiv (der Künstlerkritik) die Hand schütteln?


1 vgl. den Klassiker hierzu: Holert, Tom & Terkessidis, Mark (Hg.): Mainstream der Minderheiten. Pop in der Kontrollgesellschaft.
Berlin: Edition ID Archiv, 1996.
2 S.107 in: Uschmann, Oliver: Bad Religion und die Dialektik der Aufklärung. S.103-108 in: Testcard#12: Linke Mythen. Büsser, Martin; Behrens, Roger; Plesch, Tine & Ullmaier, Johannes (Hg.), Mainz: Ventil, 2003.


Kulturellepraxis live

20. September 2012

Wenn etwas in einem Lehrbuch steht, ist es garantiert in 20 Jahren falsch.

Siehe Sahlins, Marshall: Waiting for Foucault, Still; Chicago 2002 (online verfügbar); S. 2:

At the outset, however, I have to confess that in looking over my notebook it struck me that Lord Keynes didn’t tell the whole story about the long run. At least as far as Anthropology goes, two things are certain in the long run: one is that we’ll all be dead; but another is that we’ll all be wrong. Clearly, a good scholarly career is where the first comes before the second.