Hinweis

29. März 2011

Da es übersehbar war: Das Fukushima-Tagebuch wird bisweilen ergänzt. Sollten Eure Feedreader das nicht hinbekommen, am besten die Kommentare jenes Posts abonieren; solltet Ihr den Blog auf die herkömmliche Art lesen, am besten bisweilen auf neue Kommentare am Rand schauen. Denn jede Ergänzung wird zunächst als Kommentar angefügt und erst später in den Artikel eingefügt.

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Artikel #128

16. September 2010

Mit 128 Artikeln eine runde Zahl erreicht habend eine Bilanz:

  • Vier aktive Autor*Innen und ein Adminaccount (= 5, Zufall?)
    • Weitere geistreiche & humorvolle Schreiber*Innen sind willkommen (kulturellepraxisaddgmxpunktde)
    • Interessanterweise gehen persönliche/interne Einschätzung und Resonanz von Artikeln teils stark auseinander. Ein „best-of“ der Autor*Innen befindet sich in Prä-Planung
    • Danke allen für die anregende Zusammenarbeit
  • Herzlichen Dank
    • An die Leser*Innen für ihr Interesse (2,423 Hits mit TagesTop von 82)
    • An Prokopius und Hackerschorsch für ihre Anregungen und Ideen
    • An Timcarlos für den Matrix-Foucault
    • An „Gatekeeperin“ ihdl für Tipps und Verlinkungen
  • 96 Kommentare
    • Naja, ca. ein Dutzend, wenn wir jene aus den eigenen Reihen und die Pingbacks weglassen
  • 42 (Zufall?) Tags nach Cleanup
  • Ihr könnt diesen Post als Anlaufpunkt für Fundamentalfeedback nutzen (Zensur und Verfälschung vorbehalten *eg*)

Hinweis

12. Juli 2010

Gleichwohl mit diesem Beitrag das Admindasein weitaus langweiliger werden könnte: Wenn Ihr die Browserreferer nicht abgestellt habt, sehen wir, wo Ihr vorher gewesen seid (nicht daß die Vorstellung nicht amüsant ist, wie sich Personen nach physischer Masturbation unsere geistige ansehen). Suchbegriffe sehen wir auf jeden Fall. Tutnurso hat diese mal für einige feministische Blogs zusammenstellt (Video und Script).

Von daher als Service für Firefox Nutzer*Innen: So schaltet Ihr die Referer ab. Und wenn Ihr schon dabei seid: Besser auch das Prefetching. Wenn es danach noch ein bißchen mehr Anonymität sein darf: Tor hat Vorteile; für Firefox Nutzer*Innen am besten in Kombination mit Torbutton.

So, nach dieser Aufklärung kann ich jeden Mißbrauch Eurer Daten guten Gewissens unter „Selbstschuld“ verbuchen 😛


Der hegemoniefreie Diskurs

5. Juli 2010

Entgegen der Ankündigung im Vorstellungstext dieses Blogs, soll hier doch noch einmal der habermassche Diskurs thematisiert sein, zumal dieser uns auf Grund seiner (medialen) Omnipräsenz ständig begegnet und das zuversichtliche Wiederbeten seiner Heilsversprechen („wir können doch alle Konflikte friedlich und mit Worten lösen“) einfach nur unerträglich ist.

Erneut sei hier auf die Unmöglichkeit eines solchen Diskurses verwiesen. Um jetzt nicht Kuhns umstrittene Inkommensurabilitätshypothese zu strapazieren, wäre ein gutes Argument gegen ihn und für den jederzeit machtbeladenen Diskurs dieser Blog, denn: habermassche Thesen kommen hier (nicht meinbar & nicht messbar) schlichtweg nicht zu Wort.


Eine Lanze für … #1 Antirealismus

29. Mai 2010

Aus aktuellem Anlaß beginnt hiermit unsere Reihe „Eine Lanze für … : Hantologische Streifzüge zu totgesagten Konzepten“. Teil 1: Antirealismus.

Der o.g. Blogartikel beklagt, daß Subjekte, welche an eine abzubildende Wirklichkeit glauben zu Unrecht verspottet würden, da „Menschen“, die dies annehmen kontinuierlich „für die Allgemeinheit nützliche Ergebnisse“ produzierten, während widersprechende „nur Esos“ Argumente lieferten.

Auch wenn Spott wahrscheinlich die gesündere Alternative wäre und auch wenn hier nicht wirklich an „den Menschen“ geglaubt wird, die kulturelle Praxis versucht eine Notoperation.

Wir wissen nicht in was für einer Wirklichkeit dieser Holgi wohnt und versuchen auch nicht, diese mit dem Begriff „situiertes Wissen“ abzubilden. In unserer ist unabschließbare Prozeßhaftigkeit ein Unterschied zwischen Wissenschaft und Dogma.1 In unserer gibt es keine privilegierte Wahrnehmung der „Wirklichkeit“ außerhalb von Wahrnehmung. Und selbst in jener der analytischen Philosophie sind ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts Beobachtungen anerkanntermaßen immer theoriebeladen.2 Ein wenig Wissenschaftstheorie – empfohlen sei Ludwik Fleck3 oder für einfacheres Verständnis gerne sein Plagiator, der Physiker Thomas Samuel Kuhn – könnte eine*n auf die Idee bringen, daß auch naturwissenschaftliche Wissensproduktion nicht so einfach funktioniert, wie es sich derartige Dumpf-Korrespondenztheoretiker wünschen, weil ihr Auswendiglernen sonst sinnlos gewesen wäre. Dies wäre die optimale Stelle für den beliebten Spruch „Naturwissenschaftler verstehen soviel von Wissenschaftstheorie wie Fische von Aquadynamik“, doch herrschen Zweifel an der Angemessenheit, naiver Glaube zeichnet in den meisten Wissenschaften v.a. Anfänger*Innen und Laien aus.

Was nützt also ein Pink Invisible Unicorn der abbildbaren Wirklichkeit? Die Ambivalenz technischen Fortschritts ist – spätestens seit den Debatten, welche der Entwicklung von Kernwaffen folgten – trivial und es scheint zynisch, alle negativen Folgen für Menschen einer linear gedachten Geschichte (übrigens eine koloniale Geschichtsphilosophie) als „Modernisierungskosten“ abzutun. Um nicht wieder a.a.O. zitierte Haraway zu stapazieren4 sei nur auf die unterstützenswerte – und dem eingangs zitierten Blogger nicht ganz unbekannte – Arbeit des CCC verwiesen, technikbegeistert einen kreativ-kritischen Umgang mit politischen Implikationen von Technologien zu pflegen, beispielsweise könnten wir hier pars prototo den Kampf gegen Wahlcomputer ins Feld führen.

Womit wir in der Frage nach dem Nutzen komplett auf gesellschaftliche und politische Ebene (von der kulturellen sei abgesehen, denn diese handelt von Sinnproduktion, über deren Bedeutung zwischen Stackenblochen und der kulturellen Praxis keine Einigkeit herrschen dürfte) zurückgeworfen sind – siehe – Achtung Fachbegriff – „Technoscience“. Hier fällt auf, daß leicht Verantwortung auf den „Sachzwang“ („t.i.n.a.“ wie Bourdieu so schön Thatchers Lieblingsscheinargument zusammenfaßte) abgeschoben wird. Hier fällt auf, daß sich die Wissensproduktion nie ganz freimachen konnte von gesellschaftlichen Einflüssen ihrer Zeit.5 Hier fällt auf, daß sich Ziele nicht der „abzubildenden Wirklichkeit“ entnehmen lassen, das wäre der berühmt-berüchtigte „naturalistische Fehlschluß“ (oder für Popperfanboys: „Werte sind nicht falsifizierbar“) – daß höchstens Stalinisten noch an „objektive Interessen“ glauben sei lediglich in Parenthese angemerkt. Kurz: Sich auf eine „abzubildende Wirklichkeit“ zurückzuziehen, kann als Flucht vor Verantwortung für das eigene Wissen angesehen werden.

Dies wird umso fataler, wenn wir bedenken, daß das was unmarkiert ist, klar und durchsichtig scheint, also oftmals unsichtbar wird. Somit könnten wir den – wie gezeigt zweifelhaften – Punkt daß „kontinuierlich für die Allgemeinheit nützliche Ergebnisse produziert“ werden gar zugeben und fragen, wer eigentlich genau diese „Allgemeinheit“ ist und wer, wann, wo, wieso aus ihr ausgeschlossen wird. Daß die gegenwärtige Normalität für viele Menschen <understatement>verbesserungswürdig</understatement> ist bedarf kaum eines Belegs.

Zuguterletzt scheint jener Blogger nicht zu denen zu gehören die für die Allgemeinheit nützliche Ergebnisse rezipieren, sonst wüßte er, daß sich „Esos“6 – ihm nicht ganz unähnlich – mit Vorliebe ihr argumentatives Rüstzeug aus (populär)naturwissenschaftliche Diskursen beziehen und sich Einfältigen viel Scheiß unter dem Deckmantel des berüchtigten „Scientists have shown“ für noch mehr Geld andrehen läßt.


1 Es gibt bessere Belege als Sir Karl – also holt nicht gleich den Schürhaken – aber dieser ist trotz Qualitätsmängeln anerkannt.
2 Read the Fucking Stegmüller.
3 „Wenn wir den Quellen der Erkenntnis nachforschen, begehen wir meist den Fehler, uns dieselben einfach vorzustellen.“ (Fleck), aber wer die Wirklichkeit abbilden will versucht solch ein Froschen nochnichteinmal …
4 Unter uns: Cyborg Manifesto S. 181.
5 Vgl. die Wissenschaftsgeschichte. Anstatt hier Anekdoten anzuführen, sei allen zweifelnden Wissenschaftler*Innen empfohlen, sich anerkanntes Wissen aus der Vergangenheit ihrer Disziplin vor dem Hintergrund der jeweiligen Zeit anzuschauen. Wer glaubt, daß ausgerechnet wir heute anders wären und unsere Erkenntnis über materielle Verflochtenheiten ihrer Herstellung – Prüfer*Innen, Stellen, Forschungsgelder, … – erhaben sei, wird kollektiv ausgelacht.
6 Belege in folgenden Fußnoten.


postmoderne Beliebigkeit

25. April 2010

Da von konservativer Seite (sei sie politisch links oder rechts) – obendrein zumeist aus einer schlichten Unkenntnis des Gegners – zum platten Totschlagargument hochstilisiert, hier nochmal in aller Deutlichkeit: Nein, die Postmoderne besteht nicht aus einer einzigen Beliebigkeit. (im gegensatz zum neoliberalen „anything sells“)

Das ganze nochmal in „postmoderner Beliebigkeit“1:


1 Gäbe es keine bestehenden Zwänge, Vorraussetzungen, Strukturen, Wissensmuster, Bedeutungskonstellationen (gewiss sind diese immer anthropomorph), wie wärest du etwa in der Lage diesen Satz zu verstehen?


Metapost

17. April 2010

Hallo und herzlich willkommen in der kulturellen Praxis.

In den nächsten Tage wird sich hier Satire, Poststrukturalismus und sonstige Ineressanz in Text und Bild ansammeln.

Neben dem sozialen Aspekt – mit interessanten Menschen Interessantes zu produzieren („Kunst“ oder „Wissenschaft“ wären zu große Begriffe) – können auch Studierendencafés als Inspiration für diese Plattform dargestellt werden, wo endlose Nachmittage Unsinn auf akademischem Niveau geredet wurde. Eine Kultur, der (leider nicht „die“) Studiengebühren und Bologna arg zugesetzt haben. So ist dies vielleicht auch ein Experiment: Was an Universitäten nicht mehr daheim ist versucht ins Netz zu emigrieren.