Fat-[whatever]

1. Juni 2015

Faszinierender Fail, präzise am Problem vorbei:

„Persönlich fände ich es gut, wenn es eine Bewegung gäbe, die die gesundheitlichen Gefahren von Unter- und Übergewicht anerkennt und darüber aufklärt und sich gleichzeitig dafür einsetzt, dass Menschen frei über ihren Körper entscheiden. Ich denke auch, eine wirklich freie Entscheidung ist nur mit allen Informationen möglich.“[1]

Genau bei „allen Informationen“ liegt doch das Problem, welches darüber zu diskutieren unmöglich macht. Genauer, daß es nicht um alle Informationen geht – die dürften bei sich damit jahrelang beschäftigenden weitgehend auf dem Tisch liegen -, sondern genau die kontroverse Frage, wie diese zu bewerten seien.

Scheinbar ‚objektive medizinische wahrheiten‘ werden gegen gewisse Körper in Stellung gebracht. Die Anrufung, die gesundheitlichen Gefahren anerkennen zu müssen ist genau das Mittel, gegen das gekämpft wird, um ein Stück Deutungshoheit über den eigenen Körper zurückzubekommen; freilich bisweilen mit dem Resultat ‚das Ziel ist im Weg‘.

Wiesehr scheinbar wissenschaftlich fundierte Hoffnungen (siehe hierzu z.b. diesen großartigen Artikel), durch Ernährungsänderungen das wohlbefinden zu steigern aberglaubensähnliche Züge annehmen ist ein Faß, daß hier nur gezeigt sei, aber ungeöffnet bleibt.

Nun könnten wir versuchen, „Gewißheiten“ zu isolieren, z.B., daß sich ständig über andererleute Gesundheitszustand zu verbreiten eine Form der Übergriffigkeit ist[2], das Problem bleibt dennoch: In einem Klima, in dem viele Gesundheitsprobleme unnötig auf die auffällige Abweichung „Übergewicht“ geschoben werden, ist es mindestens schwer zu beurteilen was “’gut“‘ für eins ist.3

Das wäre die erkenntnistheoretische Tücke hinter dem Problem: Es lassen sich Argumente für so ziemlich jede Position finden, daß sie bei derart umkämpften Themen keine Orientierung bieten. ‚Wissen‘ ist nichts Individuelles, entsteht immer in der Herde und da hier einiges auf Inkommensurabilität4 hindeutet, wird sich weder mit middleground, noch mit irgendwelchen unbestreitbaren „Fakten“ eine einfache Lösung finden lassen. Bleibt zu befürchten, daß sich Widersprüche gar nicht zum Höheren auflösen. Und dem Subjekt damit höchstens die Wahl bleibt, welchem bezugsgruppenbedinten Brett vor dem Kopf es sich unterordnet.5


3 Meine eigene gerade ganz gut funktionierende Lösung, auf Essen und Gewicht kein Wert zu legen, sondern Verbesserung (auch wieder so ein scheißneoliberales Konzept) des persönlichen Wohlbefindens in Kondition zu suchen – und mit jener als Kollateralnutzen auch noch ein wenig Geld zu verdienen – ist bestimmt nicht verallgemeinerbar.

4 Den üblichen Standards nach müßte an dieser Stelle eine Abhandlung mit einer oder zumindest eine Literaturliste stehen. Ätsch.

5 Und nein, wer behauptet, ganz individuell zu denken und keinen gruppenbedingten Standpunkt zu haben, vertritt meistens nur den unsichtbaren da unmarkierten Standpunkt.

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Männer im Bildungssystem

29. Dezember 2014

Gastbeitrag von Hackerschorsch

Zu der angeblichen „Ungerechtigkeit im Bildungssystem“:

Bevor hier eine Ungerechtigkeit zweifelsfrei bewiesen ist, sollten wir keine voreiligen Schlüsse ziehen. Die Benotung in den Schulen erfolgt ausschließlich nach Leistung (und ist heute so gerecht wie nie zuvor!). Wir sollten uns einfach endlich eingestehen, dass Männer für geistige Aufgaben weniger geeignet sind. Das weiß doch eigentlich jeder: Jungs sind von klein an körperlich aktiver, interessieren sich für Bagger und Lastwegen. Sie sehnen sich nach einfachen körperlichen Tätigkeiten (Es gibt vielleicht Ausnahmen, aber werden die wirklich glücklich? Tut man denen einen Gefallen, wenn man sie lässt?).

Die Natur hat für den Mann eindeutig die einfachen körperlichen Tätigkeiten vorgesehen; Männer sind nun einmal kräftiger, das kann man nicht wegdiskutieren. Es ist daher schon in Ordnung, wenn Männer keine höhere Schulbildung bekommen.

Und überhaupt: Unser eigentliches Problem in Deutschland ist der Fachkräftemangel. Da kann man sich nicht aufhalten mit angeblichen Ungerechtigkeiten im Bildungssystem. Wir sollten uns lieber darauf konzentrieren, diejenigen, die besser geeignet sind für geistige und filigrane Tätigkeiten, also Frauen, effektiver darauf vorzubereiten.

Man muss als Mann ja gar nicht enttäuscht sein, keine höhere Schulbildung bekommen zu können, für unser Volk ist es auch wichtig zu baggern, zu schaufeln und schwere Sachen zu heben. Wir müssen den Männern nur genügend Anerkennung dafür zukommen lassen (ab und zu mal Schokolade und Blumen mitbringen!). Dann stört es sie auch nicht, wenn sie nicht studieren können.


Premiumsekten der Gegenwart (II)

11. Oktober 2014

Gastbeitrag von mr garde
Mehr zum Thema von der Redaktion siehe hier, hier und hier

Name: harte zeiten

Aktiv seit: 2005/1863

Hauptwerke: „Die Kunst des Geführtwerdens“, „Das fünfte Rad am Bobbycar“, „Der Rote Stuhl. 20 gute Haushaltstipps zum fortschrittlichen Abführen“

Wurde beeinflusst von: Ferdinand Lassalle, Liste LINKS, Ronald B. Schill, Olaf Scholz

Hat Einfluss auf: 1 (in Zahlen: einen) SPD-Parteitagsdelegierten

Verfeindete Denker: SPD-Landesparteitag, studentische Vollversammlungen, Ladenschlussgesetze

Beste Sätze: „Pie Jesu Domine, Dona Eis Requiem“; „Du betreibst doch die Politik des rechten Senats!“; „Wer keine Flugblätter verteilt, soll auch nicht essen!“

Wer harte zeiten mag, mag auch: Selbstkasteiung, intellektuelle Emetika, sozialliberale Koalitionen, Brotkrumen


Wörterbuch Teil #8

8. Oktober 2014

Kort := Kofferwort für „Kofferwort“

Piepel := (von „people“) Ersetzungsversuch für „man“

Schrödingers Freundschaft := Unbeobachtet unbestimmbar, ob diese noch am Leben ist

Queerleninismus, der := Eine Begehrensform oder Subjektposition als allgemein emanzipatorisch darstellen

menscheln (verb) := 1. Wort, um andere als konformistische Zweckrationalitäten – beispielsweise moralische – verniedlichend herabzuwerten 2. Nicht ungefährliche Tendenz, über Konzepte und Rituale (i.d.R. „Gefühl“, „Verständnis“ o.ä.) Gemeinschaftstotalitäten durchzusetzen

Meinungsfreiheit, die := Nach Meinung einiger Freiheit von Reflexion oder Kritik

Bahamas-Gewinde := „Mit der Kritik der Bahamas ist es wie mit Schrauben: Nach fest kommt locker“ –Hermann Gremliza (zugeschrieben), d.h., ein durch unsachgemäße Verwendung freidrehendes Gewinde

Beugekontraktur, Kapitalismuskritische := Kritik ist schräger art und komplett versteift

GMV, der := „Gesunder Menschenverstand“ (abwertend)

Hamburger Sicherheitswetter, das := Wasser von vorne


Offener Brief

10. Mai 2014

mit @Bediko, @Literalschaden, @Ultras_Luhmann, @sanczny und unnamed

Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit
Dr. Harald Parigger
Praterinsel 2
80538 München

Bayer. Informationsstelle gegen Extremismus im Landesamt für Verfassungsschutz
Knorrstr. 139
80937 München

 

Sehr geehrte Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, liebe Bayerische Informationsstelle gegen Extremismus im Landesamt für Verfassungsschutz,

mit Erstaunen mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass in Ihrer Sammlung linksextremistischer Ideologien, wir als queerfeministische poststrukturalistische Postmarxist*innen, postkoloniale Intersektionalist*innen / Critical Whiteness Schnubbis, radikale Linksluhmannianer*innen und Team Adorno nicht vorkommen. Wir sind auch linksextrem! Das Auslassen unserer linksextremistischen Strömung*en und die damit einhergehende Diffamierung als nicht-linksextrem empfinden wir als äußerst ignorant und verletzend.

Auch bei uns steht das Individuum nicht im Mittelpunkt, wir dekonstruieren es gar bzw. betrachten es als Teil der Umwelt. Auch unsere Theorien verknüpfen Wissenschaft und „Handlungsanleitung“ (siehe „Knutschverbot“, #mackergohome). „Dem Menschen angeborene, unveränderliche und vorstaatliche Grundrechte“ existieren auch unserer Auffassung nach nicht, sie sind immer Resultat einer historisch-diskursiven Formation. Selbst das Konzept des „Menschen“ teilen wir nicht.

Wenn von einer freiheitlich demokratischen Grundordnung die Rede ist, kann vom ‚Menschen‘ schon nicht mehr die Rede sein, da wir der Meinung sind, dass Menschen in sozialen Systemen sowieso nichts verloren haben. Nur das soziale System (oder halt die Klasse)! Der Mensch ist hier nur noch als irgendwie vorhandene Bedingung zur Entstehung sozialer Systeme notwendig und da schmunzeln wir nur. Aber klar, wenn es darum geht, zu einem sozialen System „eurer“ Umwelt zu gehören, sind wir sofort dabei. Denn auch wir wollen erwähnt werden, wenn es darum geht, linksextrem und gefährdend zu sein. Zur Not greifen wir auch zum Hardcover und schrecken auch vor der Benutzung bei Demos nicht zurück. Zum Glück schließt linksextreme Kommunikation eben auch an diese an. Und wir lassen uns nicht nehmen, dass auch in der Evolution linksextremer Kommunikation und Konstitution linksextremer sozialer Systeme die Linksluhmannianer*innen vorkommen. Und sowieso: „Systemtheorie ist eine besonders eindrucksvolle Supertheorie“ (Luhmann, Niklas: Soziale Systeme: Frankfurt/Main 1984; S. 19 Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 666)

Vom „Menschen“ zu sprechen ermöglicht sogleich dessen konstitutives Äußeres, Personen zu entmenschlichen. So sollte „Mensch“ nicht synonym für „alle“ verwendet werden – alle einschließen zu können ist auch eine Allmachtsphantasie -, da es sich hier um eine aus der kolonialen Aufklärung geborenes Konzept handelt. In diesem Sinne kann “man sehr wohl wetten, daß der Mensch verschwindet wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand.” (Foucault, Michel: Die Ordnung der Dinge: Frankfurt/M 1974; S. 462.)

Auch unsere Positionen haben starken Bezug zu „1968“, so läßt sich der Poststrukturalismus als Versuch deuten, die Lehren aus dessen Scheitern zu ziehen, so bot die Kritische Theorie Adornos und Horkheimers zu dem Zeitpunkt bereits eine entwickelte Alternative zu von Ihnen vorgestellten marxistischen Strömungen. Insofern möchten wir alle als „Weiterentwicklungen“ angeführt werden.

Auch wir halten es für geboten eine „kapitalistische“ (das heißt sowas Ähnliches wie der Euphemismus „marktwirtschaftlich“) Gesellschaftsstruktur als solche zu benennen, obschon Ökonomie unserer Ansicht nach lediglich als eine von mehreren – mindestens: Race, Class, Gender, Ability – zusammenwirkenden Machtachsen ist.

Gleichwohl nicht im Anarchismus verortet, klingen letztlich „Freiheit, Freizeit, Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung“ gar nicht so schlecht – rhetorisch hätte die Aufzählung übrigens besser aus dreien bestehen sollen.

Wir sind nicht damit einverstanden, als theoretische Intellektuelle des linksextremen Spektrums verschwiegen zu werden, nur weil wir nicht zur Traditionslinken zählen. Als Philosoph*innen könn(t)en wir Leute totquatschen unsere Texte eignen sich gesprochen wie geworfen zur Folter! Damit wären wir als „diskursiv gewaltbereit“ einzustufen. Auch wir lehnen Herrschaft, „Hierarchie und Unterordnung“ ab – gleichwohl mit einem elaborierteren Verständnis davon – und somit auch Sie, liebe Bayerische Landeszentrale und Informationsstelle.

Wir fordern Sie daher auf, uns als queerfeministische poststrukturalistische Postmarxist*innen, postkoloniale Intersektionalist*innen / Critical Whiteness Schnubbis, radikale Linksluhmannianer*innen und Team Adorno, in ihre Sammlung linksextremistischer Ideologien aufzunehmen, für die wir sicherlich eine Bereicherung darstellen, sowie hinreichend geschultes Personal einzustellen, sich mit unseren Ideologien auseinanderzusetzen; für entsprechende Fortbildungen wenden Sie sich gerne an uns.
Wir fordern Sie darüber hinaus auf, die angegebenen Aktionsfelder von Linksextremisten um Antirassismus, Anti-/Cis-/Heterosexismus, Kampf für Barrierefreiheit, freie Bildung, freie Software, Subversion, Freibier, alkoholfreie Erfrischungsgetränke und vegane Snacks zu erweitern.

Viva la revolución und mit freundlichen Grüßen
Ihre queerfeministischen poststrukturalistischen Postmarxist*innen, postkolonialen Intersektionalist*innen / Critical Whiteness Schnubbis, radikalen Linksluhmannianer*innen und Team Adorno


Mannifest für Shirtfreiheit

1. April 2014
Mit: Sanczny

Gemeinsame Erklärung der
Shirtless Dude Section (SDS) der Kantianisch-autonomen Manntifa
AG Sozialistischer Dudebroism in der Piratenpartei
Brozialistische Einheitsfront Deutschland
Mimimitglieder der Gruppe „No Male Tears From Krauts“
Verein der Freunde und Förderer der Übriggebliebenen der KPD/ML (VDFFÜKPDML)

§ 1
Wir sind gegen Rassismus, Faschismus, Nationalismus, Patriotismus, Grauzone, Homophobie, Stigmatisierung, Kapitalismus und Tierquälerei.

§ 1.1 Rassistisch sind Nazis und gegen die tragen wir einen Button.

§ 2
Whoa! … und gegen Sexismus.

§ 3
Unserer Auffassung nach ist es kein Sexismus sich auszuziehen, wenn einem warm ist.

§ 4
Sollte sich unsere Meinung ändern, ist Ausziehen doch Sexismus. Aber das ist jetzt nicht der Fall. Siehe § 3.

§ 5
In dem Fall würden wir zukünftig mit Bekleidung unter die Dusche gehen. Aber bis dahin sehen wir keinen Grund, den Strand zu meiden.

§ 5.1 Es sei denn, es ist nicht warm.

§ 5.2 Die Fülle an FKK-Stränden zeigt, dass die DDR wohl doch das bessere Deutschland war.

§ 6
Wir diskriminieren niemanden aufgrund seines Geschlechts oder seiner sexuellen Orientierung und werden es auch niiiemals tun.

§ 6.1 Jedenfalls keine Männer.

§ 7
Das Verbot der Oberkörperentblößung von männlichen Männern impliziert, dass Frauen sich bei Hitze ebenfalls nicht entkleiden dürfen. Das ist unserer Meinung nach sexistisch.

§ 7.1 Frauen dürfen sich natürlich auch ausziehen. Hrrrhrrr.

§ 7.2 Folgen von Sexismus zur Kenntnis zu nehmen ist sexistisch.

§ 7.2.1 Kein Herrschaftsverhältnis ist so umfassend, dass es sich nicht wegignorieren lässt, wir schaffen das schließlich auch.

§ 7.2.2 Sollten einzelne Punkte dieser Erklärung keinen Sinn ergeben, bleibt davon die allgemeine Superheit dieser Erklärung insgesamt unberührt.

§ 7.2.3 Ob wir gekifft haben? Selber doof!

§ 7.3 Wir unterstützen die Annexion der Krim durch das oberkörperfreiheitliche Putin-Regime.

§ 7.4 Wir unterstützen auch den oberkörperfreiheitlichen Kampf von Femen. Fashion = Fasc– nee, Moment. Naked Freedom!

§ 8
Wir bemühen uns, das soziale Miteinander zu optimieren, aber wir wollen nicht PC sein. Das sagen auch unsere Freunde.

§ 8.1 Das sagen auch Thilo Sarrazin, Matthias Matussek oder Birgit Kelle, aber die sind nicht unsere Freunde, denn sie machen keine Musik.

§ 8.2 Wir können auch nicht PC sein, wir benutzen Mac.

§ 9
Wenn uns warm ist, ziehen wir uns aus. Basta!

§ 10
Wenn uns kalt ist, ziehen wir uns an. Auch basta!

§ 10.1 Somit sind nicht uns, sondern höchstens den Witterungsbedingungen Vorwürfe zu machen.

§ 10.2 Aber uns sind keine Vorwürfe zu machen.

§ 10.3 Aber wer Vorwürfe macht fordert: Nieder mit den Hochdruckgebieten!

§ 11
Wir respektieren die Autonomie autonomer Zentren.

§ 11.1 Es sei denn, es geht um Bekleidung.

§ 11.2 Oder starren.

§ 12
Freiheit ist immer die Freiheit der Unbekleideten!

§ 12.1 Sowohl in Körperkultmuskulatur, als auch Getränkebauch stecken Jahre der Arbeit, die nicht umsonst investiert sein dürfen.
*
Shirtfreiheitsverbot trifft uns alle!
Unterstützerunterschriften in die Kommentare!
Unterschreibt auch unsere Petition für Freiluftpinkeln!
*
[Abgeschrieben bei: Stellungnahme von „Abbruch“ zum Konzertabbruch in der Scherer8, FB]


Evaluation

25. Januar 2014

Hoffend, vom (menschlich schäbigen) Anlaß zu abstrahieren, sei an dieser Stelle mal wieder über Feedbackwahn geranted. Denn der vermehrte Glaube an dieses Verfahren bietet ein praxisnahes Musterbeispiel für Kritik am Positivismus i.w.S.

  • Evaluationen sind manipulierbar. Der formale Charakter der Daten macht dies schwerer nachvollziehbar, der scheinbar objektive Charakter speziell quantitativer Forschung („It’s accurate, because I used math!“) schwerer kritisierbar
    • Damit verknüpft: Scheinbare Ideologielosigkeit kann unter Umständen leichtere Anfälligkeit für nicht gleich als solche erkennbare, da verbreitete („unmarkierte“) bedeuten
    • Dieses Problem tritt am stärksten bei quantitativen Methoden auf, ist aber nicht auf diese beschränkt
  • Evaluationen messen und bewerten einen Zustand an seiner Differenz zu Erwartungen
    • Die Erwartungen sind somit Basis der Messung und sind kaum noch problematisierbar, ohne den gesamten Prozeß zurückzuweisen
      • Manche Erwartungen können legitim sein, andere nicht. Für beides lassen sich mühelos Beispiele aus dem akademischen Alltag finden (d.h.: Übungsaufgabe für die Kommentarseite)
      • Nichtsdestoweniger bleibt diese Erwartungen als steuernd setzen zu wollen ein sein-sollens Fehlschluß
      • Veränderungen in Erwartungen lassen sich als Erkenntnisfortschritt sehen, doch da die Messung überhaupt auf ihnen basiert, sind diese kaum zu erfassen
      • Als Sollwert für das Evaluierte werden diese Erwartungen gesetzt. Andere mögliche Zielsetzungen, Zwecke, Ideale drohen damit wegrationalisiert zu werden, zumal deutlich schwerer zu erfassen
  • Evaluationsverfahren sind eingebunden in das Prinzip prekärer Beschäftigung, durch welchen auch gerade der Wissenschaftsbetrieb sich aufrecht erhält (freilich privilegierter als viele andere derartige Verhältnisse, zumal Teil des Spiels Versprechen auf eine großartige Karriere sind). D.h., sie sind nicht nur „Ideologie“ im Sinne eines zufällig/tradiert falschen Bewußtseins. In einer Situation der Konkurrenz und in einer Sitation, in welcher  „Leistung“ nach dem System immanenten „Sachzwängen“ notwendig ist, werden Bewertungsverfahren benötigt – besteht Bedarf nach einem bestimmten Wissen -, scheinen diese sogar rational, da sie alternative zu persönlicher Willkür einzelner Entscheidender eingeführt werden
    • Zur Vertiefung sei nochmals wärmstens die dreiteilige BBC-Doku „The Trap“ empfohlen