Offener Brief

10. Mai 2014

mit @Bediko, @Literalschaden, @Ultras_Luhmann, @sanczny und unnamed

Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit
Dr. Harald Parigger
Praterinsel 2
80538 München

Bayer. Informationsstelle gegen Extremismus im Landesamt für Verfassungsschutz
Knorrstr. 139
80937 München

 

Sehr geehrte Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit, liebe Bayerische Informationsstelle gegen Extremismus im Landesamt für Verfassungsschutz,

mit Erstaunen mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass in Ihrer Sammlung linksextremistischer Ideologien, wir als queerfeministische poststrukturalistische Postmarxist*innen, postkoloniale Intersektionalist*innen / Critical Whiteness Schnubbis, radikale Linksluhmannianer*innen und Team Adorno nicht vorkommen. Wir sind auch linksextrem! Das Auslassen unserer linksextremistischen Strömung*en und die damit einhergehende Diffamierung als nicht-linksextrem empfinden wir als äußerst ignorant und verletzend.

Auch bei uns steht das Individuum nicht im Mittelpunkt, wir dekonstruieren es gar bzw. betrachten es als Teil der Umwelt. Auch unsere Theorien verknüpfen Wissenschaft und „Handlungsanleitung“ (siehe „Knutschverbot“, #mackergohome). „Dem Menschen angeborene, unveränderliche und vorstaatliche Grundrechte“ existieren auch unserer Auffassung nach nicht, sie sind immer Resultat einer historisch-diskursiven Formation. Selbst das Konzept des „Menschen“ teilen wir nicht.

Wenn von einer freiheitlich demokratischen Grundordnung die Rede ist, kann vom ‚Menschen‘ schon nicht mehr die Rede sein, da wir der Meinung sind, dass Menschen in sozialen Systemen sowieso nichts verloren haben. Nur das soziale System (oder halt die Klasse)! Der Mensch ist hier nur noch als irgendwie vorhandene Bedingung zur Entstehung sozialer Systeme notwendig und da schmunzeln wir nur. Aber klar, wenn es darum geht, zu einem sozialen System „eurer“ Umwelt zu gehören, sind wir sofort dabei. Denn auch wir wollen erwähnt werden, wenn es darum geht, linksextrem und gefährdend zu sein. Zur Not greifen wir auch zum Hardcover und schrecken auch vor der Benutzung bei Demos nicht zurück. Zum Glück schließt linksextreme Kommunikation eben auch an diese an. Und wir lassen uns nicht nehmen, dass auch in der Evolution linksextremer Kommunikation und Konstitution linksextremer sozialer Systeme die Linksluhmannianer*innen vorkommen. Und sowieso: „Systemtheorie ist eine besonders eindrucksvolle Supertheorie“ (Luhmann, Niklas: Soziale Systeme: Frankfurt/Main 1984; S. 19 Suhrkamp Taschenbuch Wissenschaft 666)

Vom „Menschen“ zu sprechen ermöglicht sogleich dessen konstitutives Äußeres, Personen zu entmenschlichen. So sollte „Mensch“ nicht synonym für „alle“ verwendet werden – alle einschließen zu können ist auch eine Allmachtsphantasie -, da es sich hier um eine aus der kolonialen Aufklärung geborenes Konzept handelt. In diesem Sinne kann “man sehr wohl wetten, daß der Mensch verschwindet wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand.” (Foucault, Michel: Die Ordnung der Dinge: Frankfurt/M 1974; S. 462.)

Auch unsere Positionen haben starken Bezug zu „1968“, so läßt sich der Poststrukturalismus als Versuch deuten, die Lehren aus dessen Scheitern zu ziehen, so bot die Kritische Theorie Adornos und Horkheimers zu dem Zeitpunkt bereits eine entwickelte Alternative zu von Ihnen vorgestellten marxistischen Strömungen. Insofern möchten wir alle als „Weiterentwicklungen“ angeführt werden.

Auch wir halten es für geboten eine „kapitalistische“ (das heißt sowas Ähnliches wie der Euphemismus „marktwirtschaftlich“) Gesellschaftsstruktur als solche zu benennen, obschon Ökonomie unserer Ansicht nach lediglich als eine von mehreren – mindestens: Race, Class, Gender, Ability – zusammenwirkenden Machtachsen ist.

Gleichwohl nicht im Anarchismus verortet, klingen letztlich „Freiheit, Freizeit, Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung“ gar nicht so schlecht – rhetorisch hätte die Aufzählung übrigens besser aus dreien bestehen sollen.

Wir sind nicht damit einverstanden, als theoretische Intellektuelle des linksextremen Spektrums verschwiegen zu werden, nur weil wir nicht zur Traditionslinken zählen. Als Philosoph*innen könn(t)en wir Leute totquatschen unsere Texte eignen sich gesprochen wie geworfen zur Folter! Damit wären wir als „diskursiv gewaltbereit“ einzustufen. Auch wir lehnen Herrschaft, „Hierarchie und Unterordnung“ ab – gleichwohl mit einem elaborierteren Verständnis davon – und somit auch Sie, liebe Bayerische Landeszentrale und Informationsstelle.

Wir fordern Sie daher auf, uns als queerfeministische poststrukturalistische Postmarxist*innen, postkoloniale Intersektionalist*innen / Critical Whiteness Schnubbis, radikale Linksluhmannianer*innen und Team Adorno, in ihre Sammlung linksextremistischer Ideologien aufzunehmen, für die wir sicherlich eine Bereicherung darstellen, sowie hinreichend geschultes Personal einzustellen, sich mit unseren Ideologien auseinanderzusetzen; für entsprechende Fortbildungen wenden Sie sich gerne an uns.
Wir fordern Sie darüber hinaus auf, die angegebenen Aktionsfelder von Linksextremisten um Antirassismus, Anti-/Cis-/Heterosexismus, Kampf für Barrierefreiheit, freie Bildung, freie Software, Subversion, Freibier, alkoholfreie Erfrischungsgetränke und vegane Snacks zu erweitern.

Viva la revolución und mit freundlichen Grüßen
Ihre queerfeministischen poststrukturalistischen Postmarxist*innen, postkolonialen Intersektionalist*innen / Critical Whiteness Schnubbis, radikalen Linksluhmannianer*innen und Team Adorno

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Mannifest für Shirtfreiheit

1. April 2014
Mit: Sanczny

Gemeinsame Erklärung der
Shirtless Dude Section (SDS) der Kantianisch-autonomen Manntifa
AG Sozialistischer Dudebroism in der Piratenpartei
Brozialistische Einheitsfront Deutschland
Mimimitglieder der Gruppe „No Male Tears From Krauts“
Verein der Freunde und Förderer der Übriggebliebenen der KPD/ML (VDFFÜKPDML)

§ 1
Wir sind gegen Rassismus, Faschismus, Nationalismus, Patriotismus, Grauzone, Homophobie, Stigmatisierung, Kapitalismus und Tierquälerei.

§ 1.1 Rassistisch sind Nazis und gegen die tragen wir einen Button.

§ 2
Whoa! … und gegen Sexismus.

§ 3
Unserer Auffassung nach ist es kein Sexismus sich auszuziehen, wenn einem warm ist.

§ 4
Sollte sich unsere Meinung ändern, ist Ausziehen doch Sexismus. Aber das ist jetzt nicht der Fall. Siehe § 3.

§ 5
In dem Fall würden wir zukünftig mit Bekleidung unter die Dusche gehen. Aber bis dahin sehen wir keinen Grund, den Strand zu meiden.

§ 5.1 Es sei denn, es ist nicht warm.

§ 5.2 Die Fülle an FKK-Stränden zeigt, dass die DDR wohl doch das bessere Deutschland war.

§ 6
Wir diskriminieren niemanden aufgrund seines Geschlechts oder seiner sexuellen Orientierung und werden es auch niiiemals tun.

§ 6.1 Jedenfalls keine Männer.

§ 7
Das Verbot der Oberkörperentblößung von männlichen Männern impliziert, dass Frauen sich bei Hitze ebenfalls nicht entkleiden dürfen. Das ist unserer Meinung nach sexistisch.

§ 7.1 Frauen dürfen sich natürlich auch ausziehen. Hrrrhrrr.

§ 7.2 Folgen von Sexismus zur Kenntnis zu nehmen ist sexistisch.

§ 7.2.1 Kein Herrschaftsverhältnis ist so umfassend, dass es sich nicht wegignorieren lässt, wir schaffen das schließlich auch.

§ 7.2.2 Sollten einzelne Punkte dieser Erklärung keinen Sinn ergeben, bleibt davon die allgemeine Superheit dieser Erklärung insgesamt unberührt.

§ 7.2.3 Ob wir gekifft haben? Selber doof!

§ 7.3 Wir unterstützen die Annexion der Krim durch das oberkörperfreiheitliche Putin-Regime.

§ 7.4 Wir unterstützen auch den oberkörperfreiheitlichen Kampf von Femen. Fashion = Fasc– nee, Moment. Naked Freedom!

§ 8
Wir bemühen uns, das soziale Miteinander zu optimieren, aber wir wollen nicht PC sein. Das sagen auch unsere Freunde.

§ 8.1 Das sagen auch Thilo Sarrazin, Matthias Matussek oder Birgit Kelle, aber die sind nicht unsere Freunde, denn sie machen keine Musik.

§ 8.2 Wir können auch nicht PC sein, wir benutzen Mac.

§ 9
Wenn uns warm ist, ziehen wir uns aus. Basta!

§ 10
Wenn uns kalt ist, ziehen wir uns an. Auch basta!

§ 10.1 Somit sind nicht uns, sondern höchstens den Witterungsbedingungen Vorwürfe zu machen.

§ 10.2 Aber uns sind keine Vorwürfe zu machen.

§ 10.3 Aber wer Vorwürfe macht fordert: Nieder mit den Hochdruckgebieten!

§ 11
Wir respektieren die Autonomie autonomer Zentren.

§ 11.1 Es sei denn, es geht um Bekleidung.

§ 11.2 Oder starren.

§ 12
Freiheit ist immer die Freiheit der Unbekleideten!

§ 12.1 Sowohl in Körperkultmuskulatur, als auch Getränkebauch stecken Jahre der Arbeit, die nicht umsonst investiert sein dürfen.
*
Shirtfreiheitsverbot trifft uns alle!
Unterstützerunterschriften in die Kommentare!
Unterschreibt auch unsere Petition für Freiluftpinkeln!
*
[Abgeschrieben bei: Stellungnahme von „Abbruch“ zum Konzertabbruch in der Scherer8, FB]


Evaluation

25. Januar 2014

Hoffend, vom (menschlich schäbigen) Anlaß zu abstrahieren, sei an dieser Stelle mal wieder über Feedbackwahn geranted. Denn der vermehrte Glaube an dieses Verfahren bietet ein praxisnahes Musterbeispiel für Kritik am Positivismus i.w.S.

  • Evaluationen sind manipulierbar. Der formale Charakter der Daten macht dies schwerer nachvollziehbar, der scheinbar objektive Charakter speziell quantitativer Forschung („It’s accurate, because I used math!“) schwerer kritisierbar
    • Damit verknüpft: Scheinbare Ideologielosigkeit kann unter Umständen leichtere Anfälligkeit für nicht gleich als solche erkennbare, da verbreitete („unmarkierte“) bedeuten
    • Dieses Problem tritt am stärksten bei quantitativen Methoden auf, ist aber nicht auf diese beschränkt
  • Evaluationen messen und bewerten einen Zustand an seiner Differenz zu Erwartungen
    • Die Erwartungen sind somit Basis der Messung und sind kaum noch problematisierbar, ohne den gesamten Prozeß zurückzuweisen
      • Manche Erwartungen können legitim sein, andere nicht. Für beides lassen sich mühelos Beispiele aus dem akademischen Alltag finden (d.h.: Übungsaufgabe für die Kommentarseite)
      • Nichtsdestoweniger bleibt diese Erwartungen als steuernd setzen zu wollen ein sein-sollens Fehlschluß
      • Veränderungen in Erwartungen lassen sich als Erkenntnisfortschritt sehen, doch da die Messung überhaupt auf ihnen basiert, sind diese kaum zu erfassen
      • Als Sollwert für das Evaluierte werden diese Erwartungen gesetzt. Andere mögliche Zielsetzungen, Zwecke, Ideale drohen damit wegrationalisiert zu werden, zumal deutlich schwerer zu erfassen
  • Evaluationsverfahren sind eingebunden in das Prinzip prekärer Beschäftigung, durch welchen auch gerade der Wissenschaftsbetrieb sich aufrecht erhält (freilich privilegierter als viele andere derartige Verhältnisse, zumal Teil des Spiels Versprechen auf eine großartige Karriere sind). D.h., sie sind nicht nur „Ideologie“ im Sinne eines zufällig/tradiert falschen Bewußtseins. In einer Situation der Konkurrenz und in einer Sitation, in welcher  „Leistung“ nach dem System immanenten „Sachzwängen“ notwendig ist, werden Bewertungsverfahren benötigt – besteht Bedarf nach einem bestimmten Wissen -, scheinen diese sogar rational, da sie alternative zu persönlicher Willkür einzelner Entscheidender eingeführt werden
    • Zur Vertiefung sei nochmals wärmstens die dreiteilige BBC-Doku „The Trap“ empfohlen

Kulturellepraxis live

18. Januar 2014

„Aber Du bist doch eine Frau?“ – „Nö, ich bin kein abstrahierendes Konzept“


Pressemitteilungen

17. Januar 2014

Wie die Redaktion der Kulturellenpraxis investigativ recherchierte, ereignete sich in den letzten Tagen der Gefahreninseln folgende Begebenheit: Eine Person in schwarzem Kapuzensweatshirt überfuhr in der Nähe des PK21 mit einem Fahrrad eine rote Ampel. Ein zufällig vorbeifahrender Streifenwagen nahm sofort die Verfolgung auf, erlitt dabei aber durch das im Viertel häufige Kopfsteinpflaster einen Fahrwerksschaden. Andere Medien nutzten andere Methoden der Berichterstatung:

Polizei Pressestelle (und ergo 90% der Meldungen ähnlichlautend): „Polizeifahrzeug im Gefahrengebiet durch autonome Linksextremisten mit Pflastersteinen außer Gefecht gesetzt“

Große Boulevardzeitung: „Autonome Chaoten greifen Polizei mit Pflastersteinen an!“

Eine Polizeigewerkschaft: „Nach diesem unfassbaren Angriff, bei dem die Streifenwagenbesatzung hätte zu Schaden kommen können, müssen wir mit voller Härte durchgreifen und erwarten Unterstützung von der Politik, uns endlich die dringend benötigten Schützenpanzer zur Verfügung zu stellen“

Größere Boulevardzeichnung: „Wieder Gewalt gegen Polizisten. Handeln Sie!

Qualitätsstaat: „Der Rechtsstaat wurde auf eine harte Probe gestellt. Wir prüfen eine Verschärfung des Polizeirechts, um effizienter gegen Linksextremisten, Dealer und Kopfsteinpflaster in diesem Viertel vorgehen zu können.“

Größere nicht-Boulevardzeitung: „Alle sind bestürzt angesichts der Ereignisse. Der Rechtsstaat wurde auf eine harte Probe gestellt. Nun heißt es, mit Augenmaß zu handeln und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, gewaltbereite Linksautonome in ihre Schranken zu weisen.“

Täglich erscheinende Zeitung: „Daß die Aggessionen bei den gegenwärtigen Problemen hochkochen müssen wir verstehen. Doch kann Gewalt gegen Polizist/Innen oder Kraftfahrzeuge der Marke Mercedes-Benz keine Lösung sein.“

FSK: „Das Freie Senderkombinat, FSK auf 93,0, 101,4 im Kabel und im Internet über Livestream, werdet Fördermitglieder. Wie unser Korrespondentenbericht gerade bestätigte, wurde der Polizeiwagen bei der Verfolgung eines Radfahrers auf dem Kopfsteinpflaster beschädigt. Wir dürften dabei nicht vergessen, daß diese Falschmeldungskampagne der Hamburger Polizei im Kontext der Gentrifizierung des Viertels zu sehen ist, welche eng verzahnt ist mit der verfehlten Drogenpolitik in diesem und anderen Stadteilen. Hier werden Traditionslinien sichtbar, die bis vor die Schillzeit reichen, als der damalige Innensenator Scholz sich für tiefergelegte Polizeifahrzeuge entschied. Die nachfolgende Sendung beschäftigt sich zwei Stunden, unterbrochen von Risotto-Klassik mit dem Verhältnis der Kritischen Theorie Adornos und Horkheimers zu Fahrwerkstuning.“

Infoflyer in einer Szenekneipe: „Ein Genosse wirkte heute Morgen in Altona mutig der brutalen Polizeiwillkür durch eine Militante Aktion entgegengewirkt, dabei wurde ein Bullenauto plattgemacht. Dies ist ein entscheidender Wendepunkt in unserem revolutionären Kampf!“

Uniflugblatt: „Ein fortschrittlich geordneter Einsatz staatlicher Mittel ist anzustreben, um Härte der Polizei ausschließlich im emanzipatorischen Sinne einzusetzen. Dies ist durch fortschrittliche Bildung zu erreichen. Eine Abschaffung des Baster-Machelor-Systems ist somit notwendig.“


Gefahrengebiets-Playlist

6. Januar 2014

Zusammen mit Sanczny,
Dank an @loveheartcore & @fuerdieteilung

Weite Teile Hamburgs wurden aus recht zweifelhaften Gründen zum „Gefahrengebiet“ erklärt [1, 2], was massive Kontrollen [3, 4, 5], nicht-so-ganz-legale Durchsuchungen und Aufenthaltsverbote/Platzverweise für alle bedeutet, welche dem Profil entsprechen. Da sich Hamburger Polizist*innen ohnehin ungeliebt fühlen[6, 7], ließe sich ihr harter Alltag mit ein wenig musikalischer Beschallung der Anwohner*innen abwechselungsreicher gestalten.

Als Service der Kulturellenpraxis präsentieren wir deshalb:
Gefahrengebiet – eine Playlist für Gefahrengebiete und andere musikalische Notstände.


Das Kreuz mit den Privilegiendebatten

13. November 2013

Dieses Thema „Privilegien“ und die Frage ihrer richtigen Kritik ist kontrovers; insofern herrscht Bedarf nach mehr guten Artikeln und weniger schlechten Polemiken. Da die Kulturellepraxis dies gerade nicht zu leisten vermag, versuchen wir, wenigstens auf der Metaebene beizutragen und an dieser Stelle do-s & don’t-s vorzuschlagen, basierend darauf, was in bisheriger Lektüre an Käse unterkam.

  • Es sollte klar erläutert werden, was „Privileg“ bedeuten soll
    • Ebenfalls hilfreich: Im Blick zu behalten, was „Privileg“ bedeuten kann
    • Im falle der Rekonstruktion andererleute Verwendungen ist das principle of charity unbedingt anzuwenden
  • Klar herausstellen: Wird über verkürzte Lesarten oder das Potential einer Theoriepraxis gesprochen?
    • Wenn Ersteres der Fall ist: Wer nimmt diese Verkürzungen vor und wie verbreitet sind diese?
  • Es sollten Quellen genutzt werden, diese sinnvoll und nicht suggestiv ausgewählt, sowie offengelegt. Für diesen Artikel reden wir uns mal hierauf (sowie die dortigen Links) ‚raus.
  • Es sollte auf unnötige (küchen-)Psychoanalyse verzichtet werden: Derartige Debatten funkionieren oftmals – auch da es damit so einfach ist – über gegenseitige Unterstellungen versteckter/unbewußter niederer Motive. (z.B. „Lustfeindlichkeit“ vs. „Privilegienverteidigung“).
    • Sicherlich kann gerade in derartigen Debatten nicht die Deutungshoheit für die Motive einzelner Personen ihnen selbst überlassen werden
      • Gerade versuche, derartige Debatten durch „ich meine ja nur …“ und „die uns doch auch …“ artige Argumentationsfehler zu derailen trugen höchstwahrscheinlich massiv zur Verbreitung des Privilegienbegriffs als Gegenstrategie bei
      • Aus der ethischen Mottenkiste seien – leider mit dem äußerst problematischen Utilitarismus verbundene – konsequenzialistische Moralvorstellungen gefischt: Die Motive müssen nicht zwangsläufig ausschlaggebend zur Bewertung von Handlungen/Taten sein
      • Aus der psychologischen Mottenkiste sei die – leider mit dem äußerst problematischen Behaviorismus verbundene – Blackbox-Metapher gefischt: Wir können anderen Menschen nicht in die Köpfe sehen (und wenn doch: Es bringt nichts, wenn wir etwas über ihr Denken wissen wollen)
    • Die Psychoanalyse bietet einen mit etwas Wissen und Erfahrung gut zu bedienenden und Plausibilität erzeugenden Narrativgenerator
      • Gewarnt sei vor dem God Trick, die Psychoanalyse verleitet ganz besonders dazu
      • Oftmals kann mit einer „misanthropischen Unterstellung“ (Schulz von Thun) Kommunikation abgebrochen werden
        • Dies sei hier nicht generell bewertet, manchmal kann soetwas hilfreich sein. Nur sollten wir uns bewußt sein, es handelt sich damit lediglich um einen Zug in einem Macht-/Dominanzspiel, kein cat’s cradle (Haraway) gemeinsamer Wissensproduktion
      • Viele Ausprägungen der Psychoanalyse – auch die der Kritischen Theorie – sind heteronoramtiv und/bzw. homofeindlich. Siehe zur Psychoanalyse allgemein beliebige Lehrbücher, siehe zur Frankfurter Schule im Speziellen: Halle, Randall: Zwischen Marxismus und Psychoanalyse : Antifaschismus und Antihomosexualität in der Frankfurter Schule; in: Zeitschrift für Sexualforschung 9 (1996) S. 343-357.
      • Nahe am Kern der Theorie – also kaum durch kleinere Korrekturen behebbar – steht ein Modell unbewußter Triebe. Damit wird zumindest eine Art von Vorstellung über Begehren bzw. dessen Essenzialisierung nicht aus psychoanalytischer Theroriebildung loszuwerden sein. Welche impliziten Probleme/Ausschlüsse wir uns damit einhandeln sei am Beispiel von Asexualität verdeutlicht
    • Für die Erkenntnis, daß Motive nicht zwangsläufig bewußt und nicht zwangsläufig wie dargestellt sein müssen, sei auf Freud verzichtet – Koksen oder schreiben, eines von beidem hätte er lassen sollen – und auf den – gleichwohl nicht minder sexistischen – Nietzsche zurückgegriffen