Die Krise des Feminismus

11. Januar 2011

Selbst unter Gleichstellungsbeauftragten ist es bis heute ein Tabu: Diskriminierung als solche zu benennen. Zusehr verbinden wir das Einfordern der persönlichen Würde mit Zeichen der Schwäche. Dabei hat bereits Pisa gezeigt, wiesehr unser Bildungssystem Menschen – ganz gleich welchen Geschlechts – keine hinreichenden Möglichkeiten gibt, ihre Leistungsfähigkeit zu entfalten.

In diesem Sinne traten die ersten Feministinnen an, Menschenrechte auch für ihre Gruppe durchzusetzen. Diese Idee durchzusetzen war eine zivilisatorische Errungenschaft, auf die der Westen stolz sein darf. Doch nach weitgehender rechtlicher Gleichstellung konnte dieses Projekt bis heute nicht vollkommen realisiert werden; bis heute gibt es in Deutschland 23% (Zufall?) Einkommensunterschied zwischen den beiden Geschlechtern, welcher nur zu geringen Teilen auf Schwangerschafts- oder Erziehungsurlaub zurückgeht.

Dem Erfolg so nahe, scheint der Feminismus zu straucheln, in viele Strömungen gespalten herrscht Uneinigkeit über das weitere Vorgehen. Es steht außer Zweifel, daß die Mittel im Rahmen der Freiheitlich Demokratischen Grundordnung liegen müssen. Realistische Einschätzungen könnte nur die Wissenschaft produzieren. Und es stehen neuere, bahnbrechende Forschungsergebnisse, so in den kognitiven Neurowissenschaften oder der Spieltheorie zur Verfügung. Doch fehlt der interdisziplinäre Rahmen, diese zu deuten. Von daher ist es eine Schande, daß der Innovationsbereich „Genderstudies“ nicht weiter ausgebaut, teilweise sogar eingestellt wird. Deutschland darf sich nicht leisten, derartige Ressourcen ungenutzt zu lassen sondern sollte eine derartige Chance auf einen Standortvorteil und Stärkung der kreativen Klasse nutzen. Gleichstellung ist ein Exzellenzfaktor!

-AUFLÖSUNG-

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Peta-Steilvorlage

22. März 2012

Peta fordert, „Jägermeister“ umzubenennen. Das ist geschickt, trollen für Fortgeschrittene, sie machen es eine* unmöglich, nicht darüber zu lästern. Wobei dieser Kräuterschnaps etwa so ekelhaft wie die Jagd ist.

Die betreffende Spirituose kam btw. ein Jahr nachdem Herrmann Meier zum „Reichsjägermeister“ ernannt wurde auf den Markt. Irgendann findet Peta heraus, daß Waldmeister ein Kraut und ein darauf baasierendes anderes Getränk ist, dann können sie endlich – in gewohntem geschichtspolitischem Feingefühl – „Forstmeister“ (ebenfalls ein Titel Görings, ich hasse es, Witze zu erklären) vorschlagen …

Wie könnte jenes  Gesöff aber wirklich emanzipatorisch werden – abgesehen davon, daß wir auch den Geschmack ändern sollten? Gewohnt (rein symbolisch) herrschaftskritisch, arbeitet die Kulturellepraxis an ihrem neuen Getränk. In die engere Auswahl des Markennamens kommen

  • Naherholungsgebietsgenoss*in
  • NatureCulture Kin
  • Gejagde* Magister

Es steht auch bereits ein passendes Logo für die Flaschen zur Verfügung; als besonderes Feature werden die ergonomisch-aerodynamisch optimierten Flaschen mit einem entflammbaren Lappen inkl. integrierter Zündvorrichtung ausgeliefert.


Sexarbeit

2. September 2010

Political Ambiguity, Explicit Sarcasm

  • Seit der äußerst nutzbringenden Einführung von Studiengebühren wissen wir: Was nichts Kostet ist nichts wert
  • Überall in dieser Arbeitsteiligen Gesellschaft herrscht hochgeradige Spezialisierung und Professionalisierung. Selber Sex haben wäre, als bauten wir noch unser Gemüse selbst an – wo kämen wir da hin. Dabei wissen wir doch, daß DIY nichts als eine „verkürzte Kapitalismuskritik“ ist
  • Die steigenden HIV-Infektionsraten deuten auf unprofessionelles Hygieneverständnis hin, auch Sexualverletzungen muß der Staat entschiedener bekämpfen, wenn er sich schon aus seinen Kernbereichen zurückzieht
  • Sex sollte deshalb nur nach dreijähriger betrieblicher Ausbildung mindestens eine* beteilige* erlaubt sein. Ausnahmeregelungen kann es für Eineurojobber*Innen geben
  • Zum Arbeitsplatzerhalt muß ein flächendeckendes Masturbationsverbot erlassen werden. zur Durchsetzung fordern wir Kameras in jedem Rauchmelder1

(Ich hasse es, Witze zu erklären) Welch ein Glück, daß die Lobbyarbeit von Zuhältern nicht so erfolgreich ist; bzw. Peter Hartz2 diese vorstandsnahe Abteilung seines Unternehmens outgesourced hält.


1 Durch Induktionsprinzip kann Energieversorgung und Datenübertragung über die obligatorischen Quecksilber(„Energiespar“)lampen erfolgen. Verschwörungstheoretiker*Innen seien darauf hingewiesen, daß auch diese Idee unter Creative Commonssteht, Verschwörer*Innen seien darauf hingewiesen, daß d* Autor* einen gut bezahlten Job gebrauchen könne.

2 Als Synekdoche zu verstehen: Hate the game, not the player!


Kulturellepraxis live

17. November 2012

Mit ihdl

Wenn Gewalt die Sprache der Dummen ist, biete ich gerne Übersetzungen für Nazis an“ – „Mh?“ – „Ist Witzeerklären nicht auch irgendwie epistemische Gewalt?“ – „Dann ist Kant epistemischer Slapstick“


Stammtischparolen, Teil I

7. September 2010

Political Ambiguity, Explicit Sarcasm
Wir werden von Juristen1 überfremdet.

Die Arbeitslosenquote von Juristen ist in absoluten wie relativen Zahlen höher, als die von Historikern. Damit ist statistisch bewiesen, daß Juristen unproduktive Teile der Gesellschaft sind. Selbst die arbeitenden sind ständig in irgendwelchen Rechtsstreitigkeiten verstickt, was beweist, daß die sich nicht richtig integrieren können!

Die Symptome sind unübersehbar. Die TV-Gerichtsshows vermehren sich unkontrolliert, auch wenn Guido Knopp mit „unsere Deutschen“ noch höhere Einschaltquoten erzielen konnte. Irgendwann kann ZDF-History nur noch über römisches Recht berichten. Während die Geisteswissenschaften stagnieren, kommen jedes Jahr über 10.000 neue Juristen hinzu, bereits 22% der Bundestagsabgeordneten sind schon Juristen! Wie weit wollen wir es noch kommen lassen? Sollen künftige Genreationen etwa einem Land von Talarmädchen2 aufwächst?!?


1Heute nicht geschlechtsneutral, ich muß in die Rolle ‚reinkommen; und hasse es, Witze zu erklären.

2 Ja, nicht ganz unproblematisch, da bereits der Originalneologismus in seiner mustergültigen Intersektion von Rassismus und Sexismus kaum noch zur Kenntlichkeit verfremdet werden kann. Vgl. zu diesem Problem das „No Homo“-Phänomen (und wo Ihr schon dabei seid, der „That’s Gay“-Beitrag dazu ist auch sehr gelungen).