Unvollendete Postmoderne?

Ja, ich weiß, wir waren niemals modern, wieso sollten wir deshalb von der „Postmoderne“ sprechen? so Latour, citation needed Vielleicht um auch die Postmoderne als unvollendetes ProjektLabermas, citation denied wiederzubeleben, als Hoffnung, unser Verhältnis zu einigen Denkgewohnheiten der Moderne – laut Kulturellepraxis die „Zukunft der Vergangenheit“ – produktiv ändern zu können. Sozusagen die Moderne redigieren.Lyotard I think, citation sowas von needed

Das dachte ich jedenfalls als mir dieses Zitat via Twitter unterkam.

Da leider z.Zt. nicht die Ressourcen für einen vollwerttigen Blogessay zur Verfügung stehen, nur kurz ein paar Fragen dazu angerissen – Baustelle betreten erbeten, Cyborgs haften für ihre Subjektivierungen:

  • Wir brauchen ein anderes Verhältnis zu Wahrheit als das alltagsintuitive „ist so“
    • Die Methode – und Transparenz dieser, m.E. eine der Säulen aller Wissenschaft – spielt eine größere Rolle als das Ergebnis, es ist nicht egal woher oder wieso eins etwas weiß
  • Viele Denkmethoden gehen von einem Mangel an Informationen aus. Wir brauchen mehr und bessere Methoden um mit einem Überfluß an diesen klarzukommen
    • Wo z.B. „jumping to conclusions“ ein mutiger Sprung statt eine denkfaule nachlässigkeit ist
    • D.h., methodischer Zweifel ist mehr gefragt als in Situationen in denen methodisches Raten gefragt ist
  • Die Informationen denen wir ausgesetzt sind, sind widersprüchlich. Wir müssen einen Umgang mit Brüchig- & Widersprüchlichkeit des Diskurses finden
    • Ex contradictione quodlibet sequitur, rein logisch wäre es zulässig, aus dem widersprüchlichen Informationsnoise zu folgern was beliebt
    • Die Vorstellung, die Wahrheit sei klar, einfach und unwidersprüchlich und die Welt sei durch genug Informationen komplett deduktiv zu erklären bringt uns als Leitbild nicht (mehr?) weiter, die Versuchung liegt nahe, soviel auszublenden, daß am Ende etwas der äußeren Form der eigenen Vorstellungen von „Wahrheit“ nahekommt. Und das erhöht die Täuschbarkeit.
      • Beispiel: Authentizität: Die Hoffnung auf etwas Echtes läßt auf Zeichen für Echtheit suchen, womit diese niemals authentisch, sondern auch immer hergestellt ist
  • Ziel sollte es sein, sich die Welt nie als zu einfach vorzustellen und jedes Modell als Komplexitätsreduktion statt als Abbildung (inkl. Teilabbildung) zu begreifen
  • Was als „Low-Level-PoMo“ in vielen Köpfen geistert – v.a., aber nicht ausschließlich denen der möchtegern-„Kritiker*innen“ – sind überwiegend vorschnelle und undifferenzierte Antworten auf wichtige Probleme
    • „Dann ist doch alles relativ“, „kann doch nicht alles anzweifeln“ usw. ist einfach nur langweilig
    • Eine Ontologie, die nur zum Ziel hat, das eigene Rechthaben zu begründen ist Bitverschwendung
    • Standpunkttheorie mit einer Vogelperspektive sozialer Strukturen zusammenzuflanschen ist banane
  • „Sinn machen“ ist zwar ein Anglizismus, aber ein sinnvoller: Sinn ist nichts was da ist und entdeckt wird (in your face, Platon), sondern etwas das – auch sozial – hergestellt wird. Von daher gilt es, die Mechanismen der Herstellung besser zu verstehen und sich dazu sinnvoller verhalten zu können
    • Statt „aber das Materielle“ zu schreien um im Namen der Wahrheit der eigenen Willkür zu frönen
    • Statt angesichts frustrierender Nonsensdiskussionen jeden Einwand als Angriff abzutun und sich in die Filterblase zurückzuziehen
  • Trotz allem eine gute Idee der Aufklärung: Denken lernen, Denkfehler erkennen und reduzieren
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2 Antworten zu Unvollendete Postmoderne?

  1. ConnyLo sagt:

    Da sehe ich diesen Link in der NZ
    Willentliche Ignoranz- Warum wir uns dem Wissen verweigern
    Ich bin kein Robot…
    https://goo.gl/c3XCPu

    • Nach Principle of Charity repariert: Ulrich Steinvorth machte den Punkt stark, daß sich Willensfreiheit durch Indifferenzvermögen begründen läßt; also wir frei sind weil wir z.b. auch gegen Gutegründe(tm) handeln können.

      Mein Fazit nach dem Artikel: „Wie ich dann doch kein Idiot wurde (obwohl ich es mir vorgenommen hatte)“ 😉 (Titel einer Rezension von Kai Denker)

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