Flachzangen mal wieder

Wider besseres Wissen las ich einen Artikel mit „Intersektionalität“ in der Überschrift und zwar diesen: http://jungle-world.com/artikel/2016/06/53480.html

Dabei ist immer wieder faszinierend, mit wie wenig geistigem Aufwand sich offenbar ein Artikel in einer überregionalen Zeitung veröffentlichen läßt. Früher hätte ich vielleicht nochmal „Intersektionalität“ erklärt, mache aber nicht kostenlos andererleute Arbeit mehr.

Zunächst einmal fällt die vernachlässigte Recherche auf. Hier werden zu den Ereignissen von Köln halbgare Überzeugngen präsentiert, ein Mädchenmannschaftsartikel gelesen, Intersektionalität, Critical Whiteness weder verstanden noch auseinandergehalten. Dies kennen wir von Debatten die mit Gerüchten über „die Postmoderne“ geführt wurden, auch hier konnten die wenigstens Autor*innen Postmoderne, Poststrukturalismus und Gerüchte darüber unterscheiden. Besonders spektakulär wird die Arbeitsweise des Artikels demonstriert im Zitat einer „Nadja Shehade“. Mutmaßlich sollte damit Nadia „Shehadistan“ Shehadeh bezeichnet werden; wird sie aber nicht. Abgesehen von der Peinlichkeit, in einem Artikel über Rassismus den Namen einer PoC falsch zu schreiben, spricht dies Bände über die Arbeitsweise der Autorin.

Nun ist das (fast) zitierte Blog Mädchenmannschaft ohnehin ein beliebtes Feindbild, sie zu rügen kann auch in diesem Artikel nicht fehlen: Kartoffeln wollen nicht Kartoffeln genannt werden und natürlich kennen sich diese in Rassenkunde aus, wissen also genau, wer „Nordafrikaner“ ist.

Als ich unironische Verwendung des Wortes „Denkverbote“ las, prüfte ich nochmal, ob ich wirklich auf der Seite der Jungleworld war oder einem Organ der „besorgten Bürger“.

Hier wird von „Realität“ gesprochen – allgemein ein schlechtes Zeichen – und vorgeworfen, daß „die Welt da draußen aber schlicht nicht ihr Forschungsgegenstand ist“. Nun, der Artikel dekliniert lediglich – zudem teils nach rechts anschlußfähige – Überzeugungen durch und kommt zu Resultaten, die auch wenig Ähnlichkeit mit dem haben, was von Leuten vor Ort berichtet wird – so etwas hier http://www.sueddeutsche.de/panorama/hamburger-tuersteher-die-groessten-probleme-machen-nicht-fluechtlinge-sondern-anzugtraeger-ueber–1.2857617#

Da läßt sich fragen, handelt es sich bei dem Realitätsgerede um eine pathische Projektion oder bloß Idealismus im Sinne der Überzeugung, daß die Realität mit den eigenen Konzepten übereinzustimmen habe? Jedenfalls können wir, wenn „die Welt da draußen“ einem „Forschungsgegenstand“ gegenüber gestellt wird, Antiintellektualismus feststellen. Da die Autorin beklagt, daß ihr Lieblingsthema Antisemitismus vernachlässigt werde, kann sie als Übungsaufgabe den Zusammenhang von Antisemitismus und Antiintellektualismus recherchieren.

Hier wurden mal wieder Wohlfühlgewissheiten eines Szenesplitters kenntnisfrei in Polemik umgesetzt und es beängstigt, daß Leute offenbar denken, an soetwas könnte etwas dran sein. Denn selbst wenn dies der Fall wäre, es dermaßen schlecht zu vertreten sollte selbst die Anhänger*innen dieser Meinungen abstoßen.

Die rot angestrichene Flachzange des Monats geht an: Hannah Wettig.

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