STFU!

+++ Newsflash: Wissenschaftler*innen haben herausgefunden:
Die Gesellschaft ist ein soziales Konstrukt1. +++

Vorschlag zur Güte: Könnten nicht einfach alle, welche Diskursives2 für einen unwichtigen Nebenkriegsschauplatz des „Materiellen“ – wasimmer darunter (miß)verstanden wird – halten ihren eigenen Ansprüchen folgend auf die Verwendung von Zeichen komplett verzichten?


1 „Konstrukt“ ist kein unproblematischer Begriff. Butler schlägt in Kritik des Begriffs „Konstrukt“ und in Abgrenzung zum Konstruktivismus den Begriff der „Materialisierung“ vor, vgl. Bulter, Judith: Körper von Gewicht : Die Diskursiven Grenzen des Geschlechts; Frankfurt/M 1997; S. 24-35. Die Kulturellepraxis distanziert sich sprachlich von Schulen des Konstruktivismus dadurch, Essenzialismuskritik als „Antiessenzialismus“, nicht (mehr) als „Konstruktivismus“ zu bezeichnen.

2 So nicht anders angegeben, nutzt die Kulturellepraxis einen erweiterten – d.h. nicht auf Sprachliches i.e.S. beschränkten – Foucualt’schen Diskursbegriff. Vgl. etwa Laclau, Ernesto; Mouffe, Chantal: Post-Marxism without Apologies; in: New Left Review 166 (1987), S. 79-106; S. 82-84.

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5 Responses to STFU!

  1. Phaidros sagt:

    Die Feststellung, dass etwas „sozial konstruiert“ ist, bedeutet nicht, dass es unwichtig ist, sondern dass Teil einer politischen oder politisierbaren Ontologie ist. Dass Elektronen die gegenteilige Ladung von Protonon haben, ist nicht politisch. Dass eine Mann-Frau-Polarität gedacht wird, ist politisch. Wer „sozial konstruiert“ für ein Argument gegen die Bedeutung des Konstruierten hält, bestreitet die Bedeutung des Politischen.

    • Odradek sagt:

      Danke, wichtiger hinweis, v.a., daß „sozial konstruiert“ nicht heißt, daß es etwas nicht gebe oder individuelle einstellungsfrage sei!

      Das mit dem Politischen zu fassen finde ich extrem spannend. Praktisch v.a. für die Psychologie: Diese kann sich also mit keinem Naturwissenschaftsverständnis oder Methodenfetisch aus dem Problem ‚rauswinden, daß ihre Ergebnisse hochpolitisch (relevant) sind.

      Bin aber noch am überlegen, wie weit ich Dir da folge. Denke beispielsweise an Haraway, Donna Jeanne: Modest_witness@second_millennium; in: dies: The Haraway Reader; NY (u.a.) 2004; S. 223-250. Das Einzelergebnis – bleiben wir beim Beispiel Gegenteiliger Ladung von Elektron & Proton – mag nicht politisch sein, der Macht-Wissens-Komplex, der diese Erkenntnis ermöglicht letztlich schon.

      • Phaidros sagt:

        Dass ein Macht-Wissens-Komplex politisch ist, ist trivial. Notwendig politisch wird damit das sachverhaltsartige Resultat nicht, da es nicht inhaltlich aus dem Komplex material folgt. Hingegen ist der Modus seiner Produktion durch den Komplex bestimmt und daher politisch. Modus der Produktion und Inhalt eines Sachverhalts sind nicht notwendig, sondern bloß potentiell verbunden. Die Einträge der Logarithmentafeln sind davon unabhängig, ob Menschen dafür entlohnt wurden oder nicht, sie zu berechnen. Politischer Modus, unpolitisches Resultat. Einige Erkenntnisse der Medizin wurden historisch durch KZ-Experimente gewonnen, andere nicht. Politischer Modus, politisches Resultat. Die Relation ist aber formaliter bloß potentiell.

  2. […] einem Leser*innenkommentar auf dem Blog Kulturellepraxis tauchte im Zusammenhang mit dem Konstruktionsbegriff eine interessante Unterscheidung auf: Nämlich […]

  3. Fritz sagt:

    Könnten nicht einfach alle, welche das Materielle für ein Erzeugnis von Disursen halten mal darlegen, wie sie sich die Existenz von Diskursen erklären?

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