Positivismusgottesdienst #1

Wenn der Positivismus die Fortsetzung der Religion mit anderen (wissenschaftlichen) Mitteln anstrebt und wenn Wittgenstein einer der reflektiertesten Vertreter*innen ist, wie können wir uns das vorstellen?

Eine Kathedrale, die „der allgemeine Begriff der Bedeutung […] mit einem Dunst umgibt“  (PU §5). Erbaut wurde dieses sehr moderne Gebäude ausschließlich aus den „Bausteinen […] Würfel, Säulen, Platten und Balken“, möglicherweise mit Material einer schweizer Baumarktkette und der Legende nach von nur von einem „Bauenden A mit einem Gehilfen B“ (PU §2). Über dem Eingang groß geschrieben steht „Die Welt ist alles was der Fall ist“ (Tractatus 1).Wir besuchen sie Sonntag, „wenn die Sprache feiert“ (PU §39). Denn zur Eucharestie gibt es „fünft rote Äpfel“ (PU §1). Als der Pfarrer – der wie ein Dorfschullehrer aussieht – den Raum betritt, wird es ganz still, denn „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen“ (Tractatus 7); außerdem trägt er einen Schürhaken. Die Predigt beginnt

„Wir fühlen, dass, selbst wenn alle möglichen wissenschaftlichen Fragen beantwortet sind, unsere Lebensprobleme noch gar nicht berührt sind. Freilich bleibt dann eben keine Frage mehr; und eben dies ist die Antwort.“ (Tractatus 6.52)

Es setzt der Chor ein mit M.A.Numminen.

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