Flachzangen im Sonderangebot #2: Plagiatskleinbürger

Ein interessantes Beispiel für die Weisheitsverbreitung des Adorniterordens ist dieser Artikel. Gut, von sich kritisch gebenden Medien wird letztlich erwartet, auch die kritische Kritik kritisch zu kritisieren – zumal wenn nicht aus der eigenen Ecke kommend – und sicherlich, es kann Spuren von Zutreffendem enthalten. So die These von Politiker*innen als Sprechautomaten oder die Tatsache, daß Plagiatsaffairen als isolierte Aufreger viel zu behandeln zu kurz greift. Doch Schavans Politik oder was sich aus dieser Affaire für die Funktion von s.g. „Bildungsabschlüssen“ rekonstruieren läßt, bleiben Leerstellen des Artikels.

Faszinierend ist v.a. das Enden auf Gedankensprüngen, die eines Uniflugblatts würdig wären. Denn das Problem sind letztlich letztlich die Postmoderne und irgendwie hängt diese auch noch mit den Copyrightdebatten der Pirat*innen zusammen. Feinheiten, wie Urheberrecht und Copyright oder Intertextualität und Betrug zu differenzieren wäre ja die – hier abfällig benannte – „Fleißarbeit“, d.h., „einer Mischung aus Pingeligkeit und Ignoranz“; das ist nur was für Leute, die die Wahrheit noch nicht bei Adorno nachgelesen haben, Ausprägungen voller Ignoranz scheinen legitim.

Der Autor zieht die Qualifikation der *plag-Betreiber*innen in Frage – hätte es handfeste Hinweise gegeben, wären die Wieselformulierungen unnötig gewesen -, setzt aber selbst fehlende Originalität und fehlende Quellenangaben gleich (für alle Nichtakademiker*innen: letztere sind basales Handwerk, während erstere selten positiv in die Benotung einfließen).

Wohlgemerkt: Tu Quque an sich wäre ein Ad Hominem; aber die pathische Projektion ist ein wichtiges Konzept im psychoanalytischen Begriffsarsenal, gerade in Anitsemitismuskritik der Frankfurter Schule. Soetwas wird offenbar nicht für die Selbstanwendung genutzt.

So übernehmen wir dies und verweisen angesichts seiner Pomo-Kritiken auf Erkenntnis, daß sich die *plagbetreiber*innen offenbar den kritisierten „nicht gewachsen fühlen“.

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One Response to Flachzangen im Sonderangebot #2: Plagiatskleinbürger

  1. […] psychoanalytisch gesprochen dieser Autor die pathische Projektion durchaus zu beherrschen scheint (siehe). So können Aussagen, daß “Schwachsinn und Redseligkeit seit jeher proportional zueinander […]

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