Fefelogik

„Kurze Durchsage [von Fefe]: „Zu viel Transparenz schadet“. Äh, wie meinen?“(1)


Daß Fefe gern bis zu den Schultern ins Klo greift, wäre keine Neuigkeit; auch daß seine – positivistische – Auffassung von Wissenschaft vollkommen verfehlt ist, muß den geneigten Leser*innen – die ungeneigte mögen sich gehackt legen – nicht erläutert werden. Eine ganz gute Kritik an dem ersten Artikel – vor dessen Hintergrund die Replik im zweiten noch verfehlter wirkt als kontextfrei – findet sich bei Kai Denker. Küchenpsychologische Thesen sind gerade nicht verfügbar, außer der – oftmals irreführenden – Spekulation, daß wo Rauch sei, nur Feuer sein könne, also Fefe irgendetwas an diesen Forschungen fürchte. Jedenfalls sind – selbst für Fefes Verhältnisse – die Argumente dermaßen schlecht und emotional, daß dies nach einer psychologischen Erklärung schreit; mir fehlen aber gerade Daten und v.a. Hypothesen. Von daher, hoffend, wir können ihdl zu einem Artikel über die wissenschaftspolitischen und -theoretischen Hintergründe überreden, hier nur die schönsten Argumentationsfehler:

  • Zunächst hieß es „Solche „Studien“ werden von den Bösen [srsly, WTF?!?] gemacht“. Auf den Hinweis, daß gerade solche Studien meist vom akademischen „Prekariat“, welches unter widrigen Bedingungen aus Idealismus (im umgangssprachlichen Sinne) und oftmals gegen Widerstände der Prüfer*innen handelt, heißt es „Das Ergebnis deiner Arbeit wird veröffentlicht werden und steht denen am Ende zur Verfügung.“
    • Dies ist zunächst einmal eine klassische nachträgliche Immunisierung
    • Das immunisierende „Argument“ bedient sich einer security through obscurity Logik
    • Forschungsinteresse, Fragestellung, Methode scheint nicht relevant zu sein. Klar, mit Fefes Wissenschafts- und Faktenbild lassen sich derartige Feinheiten in der Wissensproduktion nicht fassen
  • Bedenken wir, daß eine entfernte Ähnlichkeit zwischen Kai Denkers und Fefes jeweils drei Gegenargumenten herrscht, Fefes aber deutlcih schwächer sind, liegt im besten Fall extremes Unverständnis in Kombination mit übler Verletzung des principle of charity vor, wahrscheinlicher ist ein Strohmannargument
    • Hierbei fällt auf, daß bei Fefe Argument 2 & 3 erhebliche Ähnlichkeit aufweisen und beide mit der impliziten Prämisse zurückgewiesen werden, solche Studien seien grundsätzlich etwas Schlechtes. Nun ist gerade dies der kontroverse Punkt …
  • Verschwörungslogik (siehe)
    • Die eigene Gruppe ist aus irgendwelchen Gründen dazu prädestiniert, eigentlich die Verantwortung zu haben, sodaß alles besser wird. Aber eine andere arbeitet im Geheimen mit schmutzigen Tricks daran, dies zu verhindern
    • Komplexitätsreduktion zugunsten eines klareren Feindbildes. Selbst beim bekennenden – und sich damit ironisch davon distanzierenden – Verschwörungsblog Fefes sind Formulierungen wie „den Bösen“ oder „denen“ nicht so häufig, wie hier.
    • Karl Koch und Tron im Zusammenhang mit „Ausforschung“ von CCC-Strukturen nennen. Dies ist zum einen ein grober Fall von false cause, zum anderen wird hier mit Emotionen, nicht mit Argumenten gearbeitet. Wir bezeichneten diesen Spezialfall von appeal to emotion als „Squaring“: Denkverweigerung unter moralischem Vorwand
  • Aussagen wie „Wieso macht eigentlich keiner von euch eine Strukturausforschung über BP?“ können auch nur von sozialwissenschaftlichen n00bs stammen. Bewegungs-/Subkulturforschung mag bei Wirtschaftsunternehmen schwer sein, doch „Strukturausforschung“ allgemeiner fassend enden wir mit einer Hausaufgabe: Wieviele Treffer bezüglich jenes Unternehmens gibt es in den einschlägigen sozialwissenschaftlichen Aufsatzdatenbanken?
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2 Responses to Fefelogik

  1. Phaidros sagt:

    Danke für den schönen Post – aber sag mir: Meintest Du die „entfernte Ähnlichkeit“ zwischen meinen und seinen Argumenten formaliter oder materialiter? Ich habe es erst formaliter gelesen, was mich irritierte 😉

    Ansonsten sehe ich es mittlerweile so, dass ich in meiner Mail an Fefe, die Du verlinkt hast, einen wichtigen Teil über die konkrete sozialwissenschaftliche Forschungspraxis weggelassen habe. Hier geht es dann auch nochmal konkreter um Forschungsinteresse und Methodik, insb. warum Fefe als Forschungsgestand zum Gähnen langweilig ist: http://denker.net/2013/02/09/forschung-und-ausforschung/

    • Odradek sagt:

      „Selbstverständlich“ nicht formaliter; lediglich küchenpsychologische Spekulation, daß Fefes (Strohmann)-„Argumente“ von falschem Verständnis Deiner und sein unterkomplexer Grundsatzverriß auf falschem Verständnis von Anne Roths Kritik an Bewegungsforschung inspiriert sei. Manchmal doch bedauerlich, so wenig Einfluß auf die Wirkung der eigenen Texte zu haben.

      M.E. stecken im Thema viele interessante wissenschaftstheoretische und -ethische Aspekte, die (ohne Fefe) interessant bärklärt und diskutiert werden könnten. Schon das landläufige positivistische und knoppistische Wissenschaftsverständnis zu kritisieren ist mir ein Anliegen. Insofern vielen Dank für den Link!

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