Elbphilharmonie

00:00 – Große Science Fiction Party unter dem Titel „Living in the Future“, es ist eingetreten, was niepserd für möglich hielt: Die Elbphilharmonie, das teuerste Konzerthaus der Welt, ist fertiggestellt und wird an diesem Tag feierlich eröffnet

00:01 – Einladungen für den interdisziplinären Sprachphilosophisch-linguistischen Kongreß „Elbphilharmoie fertiggestellt, ein Schlag für das Futur III Bewegung?“ werden verschickt

06:03 – Vor dem Schlafengehen bloggt der Musicalfan

„Es bleibt zu hoffen, die Elbphilharomie verschafft uns dann endlich soviele schöne Stunden, wie es die Flora tat, ich werde ihr auf jeden Fall einen Besuch abstatten.

Auf Nachfrage, ob er jetzt unter die Linksextremist*innen gegangen sei ergänzt er

Natürlich meine ich die Flora mit der roten Fassade, die andere finde ich komplett uninteressant. Sry für das Mißverständnis, bin gerade etwas unorganisiert

08:46 – Der Kaffee in der Strafversetzungsabteilung des Verfassungsschutz ist alle. Der zuständige Sachbearbeiter für Blogdurchsuchungen sieht die Meldung im Tran und berichtet seinem Vorgesetzten:

Chaoten aus dem Flora-Umfeld planen „schöne Stunden“ in der Elbphilharmonie

09:23 – Der Vorgesetzte(1) überprüft den o.g. Blogger und findet heraus, der Titel seiner Dissertation lautet: „Aspekte des Autonomiebegriffs in §8 der Kritik der praktischen Vernunft“. Sofort geht eine Alarmmeldung an die Hamburger Polizei,

Autonome aus dem Flora Umfeld planen, der Elbphilharmonie „einen Besuch abzustatten“

11:48 – Großalarm bei der Hamburger Polizei. Der Innensenator sucht sein jägergrünes Sakko heraus. Gerüchte, daß der gesamte Seeheimer Kreis in StahlKevlarhelmen sind reichlich übertrieben.

12:56 – Ein erster Zwischenfall ekaliert, als sich Dekorateur*innen an der Sicherheitsschleuse vorstellen mit „Wir sind die Floristen“. Da per definitionem verhältnismäßige Mittel eingesetzt wurden, kann den betroffenen wegen ihrer gebrochenen Knochen trotz des bedauerlichen Irrtums die Anzeige wegen Widerstands nicht erspart werden

13:32 – Großeinsatz mehrerer Hundertschaften, eine Mobiltoilette wurde mit der Aufschrift „besetzt“ versehen. fünf Beamte werden leicht durch die eingesetzten Unmengen an Reizgas verletzt.

13:34 – Die DPolG gibt eine Erkärung heraus.

Fünf verletzte Beamte ist ein trauriger Rekord an menschlicher Grausamkeit, den der schwarze Block heute angerichtet hat. Es zeigt, niemand respektiert unsere Autorität. Deshalb muß ein Verbot von Kennzeichnungsschildern im Grundgesetz verankert werden und die Hamburger Polizei braucht endlich eine Bärenstaffel!

Versehentlich geht die Pressemitteilung an alle Hamburger Radiosender heraus.

14:03 – Im FSK Büro liest ein Büro-AG Mitglied diese Meldung. Da die eigentlich gerade sendende Person verspätet ist, wird die Gelegenheit genutzt, eine bissige Kurzmeldung zu den Ereignisse zu senden. Auf mysteriösen Verbreitungswegen landet die Meldung letztlich auf Facebook

14:51 – Gerade in ihren Eigentumswohnungen in der Schanze erwachende elbvorortsstämmige Studierende nützlicher Fächer lesen diese Facebookmeldung, hoffen auf ein unterhaltsames Krawallerlebnis – für irgendwas müssen die teuren Anwälte ja gut sein – und holen die 79€ teuren Kapuzenpullis aus den begehbaren Wandschränken

16:26 – Um den anstehenden Großeinsatz zügig und koordiniert über die Bühne zu bringen entscheidet sich die Polizeiführung zum Einsatz von Agents Provocateurs

17:13 – Agents Provocateurs, Verfassungsschutz-V-Leute und o.g. Elbvorortkiddies treffen aufeinander. Aus Angst vor Spitzeln gilt jedes Zögern und Mäßigen schnell als Anzeichen von Verrat.

18:56 – Erste Ausschreitungen. Der Innensenator ordnet an „verhaften Sie die üblichen verdächtigen“. Dies erweist sich als überraschend einfach, da sich die meisten dieser gerade bei einer Podiumsdiskussion in der (roten)Flora über den verkürzten Kapitalimusbegriff der Occupybewegung (untertitel: „was hätte Adorno gesagt“) mit anschließendem Breakcore-Konzert befinden.

19:36 – Da die Randalierenden ungwöhnlich gut organisiert sind, das Codewort nur selten vergessen wird und keine brauchbaren Lageberichte zur Verfügung stehen, weil aufgrund zu kurzen Vorlaufs keine FSK-Liveberichterstattung läuft, fordert der Bundesinnenminister – unter frenetischer Zustimmung des Finanzministers – Bundeswehreinsatz. Elternverbände werfen ihnen vor, zusehr durch die GTA-Spielereihe beinflußt zu sein.

20:15 – ARD-Brennpunkt. Die Elbphilharmonie ist nicht mehr, die Hafencity steht in Flammen. Ein Glücksfall für den Hamburger Landeshaushalt, der nun die Mehrkosten für die Elbphilharmonie nicht mehr schultern muß. Beobachter*innen sind sich einig, daß es sich um ästhetische Verbesserung für das Stadtbild handelt.

21:12 – Der Senat beschließt in Telephonkonferrenz, wie mit der bis auf die Grundmauern abgebrannten Elbphilharmonie zu verfahren ist. Konzerte finden auf dem nun freien Platz unter dem Namen Ground Xero statt. Zum Regenschutz sollen Vordächer an die verbleibenden Mauerreste angebracht werden. Nach einer Kosten- und Statikprognose von Hoch-Tief wird beschlossen, über V-Leute sich das Knowhow der Roten Flora dafür zu besorgen.

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2 Responses to Elbphilharmonie

  1. drkultur sagt:

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  2. […] Chronik der Eröffnung […]

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