Dialektik, Digga

„Postmoderne“ läßt sich auf vielerlei weise fassen; platte Geschichtsphilosophie – die Moderne ideologisch beerben zu wollen -, Modewort – so hätte es wohl auch Focuault verstanden -, Abwertungsversuch gegen Poststrukturalismus, was mit intertextualität/zitaten/kombinierbarkeit, moderne redigieren. Wir haben es hier meist im Derrida’schen Sinne, als nicht vormoderne Kritik an der Moderne mit Mitteln dieser verwendet.

<#befindlichkeitstweet>In existenzialistischer (bei aller Kritik an den Inhalten/Antworten: Sie hatten zumindest guten Themen) Stimmung </#befindlichkeitstweet> mal das mit der Beliebigkeit: Nüchtern betrachtet entzündet sich der Konflikt meist an Verabschiedung des God-Tricks, daß keine Metaphysik das eigene Rechthaben verbürgt. Soweit, so trocken. Denn die philosophischen Überlegungen über Grenzen erfassen nicht diese kafkaeske Erfahrung, beim Versuch eine Realität abzubilden nur in einen zerbrochenen Spiegel zu schauen (oder auch beim Versuch, sich selbst zu erkennen, gleichwohl Psychoanalysefans genre darin Kaffeesatzlerei betreiben). Durch den Prozeß des Erkennens können wir keine tiefere Wahrheit hinter dem Erkennen erkennen; wie sollten wir wahrnehmen, was außerhalb der Wahrnehmung, sagen, was außerhalb der Sprache ist. Die Ent-Täsuchung ist also, daß alleine die Frage nach der wahren Realität also schon der Holzweg ist. Btw.: Wie Leute zum einen dsa „dialektischer“ am Materialismus überlesen, sowie Materialismus und Realismus verwechseln ist mir schleierhaft; der Glaube, die Welt müsse den eigenen Konzepten entsprechen ist Vulgäridealismus der übelsten Sorte.

Diese Ent-Täuschung setzt die Aufklärung voraus. In einem religiösen Weltbild ist die Welt zwar auch vollständig verstehbar, aber letztlich nur durch ein höheres Wesen. Der Positivismus tritt mit dem Glauben an, die Welt vollständig im Rahmen seines Wissenschaftsverständnisses erfassen zu können.1.) Mit anderen Worten: Das moderne Erkenntnisversprechen muß in der Welt sein, um sein Scheitern überhaupt erst denk-/meinbar zu machen.

Interessant wird das freilich erst, wenn es darum geht, das „was dann“ anzupacken; vielleicht der gemeinste Trick der Flachzangen, die Frage mittels zu einfacher Beantwortungsversuche (ob tatsächlich oder erfunden) abbügeln zu wollen. Beliebter Argumentationsfehler: In queeren Kreisen wurde mir auch ein Nichtfunktionieren simpler Identitätsablehnung für viele politische Kontexte als Argument gegen die queere Kernkompetenz der Identitätskrtiik verkauft.

Ein weiterer Versuch, den Bedeutungsnebel „Postmoderne“ dingfest zu machen wäre also: Sich epistemisch wie politisch von der Idee der Repräsentation2.) zu verabschieden.


1.) Beispiel: Die berühmte Verkürzung des Tractatus auf seine zwei besten Catchphrases, nämlich den ersten und den letzten Satz; meist von Leuten, die die PU nicht gelesen haben.

2.) So versucht dies auch dieser Vortrag zum Thema Marxismus, inkl. Postmarxismus zu fassen. Bei allen Enttäuschungen und Polemiken, wenn auf Audioarchiv mal wieder Flachzangiges angepriesen wird, wegen Fundstücken wie diesen (geschweige denn: Den Bini Adamczak Vorträgen) lohnt sich der Ärger eben doch manchmal. Das dürfte wohl auch sowasmitnichtidentisch sein.

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