Weihnachtsgegrantelpost

Einige Leser*innen sollten grundsätzliche Skepsis gegenüber Normen haben und erfundene Traditionen, gedankenlos wiederholte Praxen, Einordnung in Kollektive als ein Problem sehen. Hoffe, zumindest einige haben Unbehagen bei Nationalismus, Heteronormativität, proprietärer Software, Szenenasigkeit und Weihnachtsbräuchen. Will sagen: Freiwillige Komplizenschaft mit dem Weihnachts-Dispositiv unterscheidet sich sozialpsychologisch gesehen auch nicht wesentlich von solcher mit dem Schlandmob.

Katholische Gegenden dieses Landes scheinen noch das Christkind zu bevorzugen. Dieses wurde mutmaßlich von Luther gegen die Heiligenverehrung Nikolaus‘ eingeführt. Während die in nördlichen Gegenden durchgesetzte Figur eine mutmaßlich enge Verknüpfung mit Coca-Cola hat. Heißt das, Weber hatte doch Recht?

Besonders absurd wird es, wenn Christ*innen – die sich mancherorts immernoch für den Normal- und/oder Sollzustand halten; darin sind sie hierzulande fast schlimmer als ihre Möchtegern-Erben, die Humanist*innen – nöhlend auf „die ursprüngliche Bedeutung“(tm) von Weihnachten zu berufen versuchen. Nicht wahrhaben wollend, daß diese die Aneignung heidnischer Feste ist. „Postmodern“ als nicht vormoderne Kritik der Moderne mit Mitteln der Moderne sehend verbietet es sich also, dem ganzen Unsinn Sol Invictus, Wintersonnenwende o.ä. entgegenzusetzen.

Traditionen u.ä. befinden sich immer im Fluß; hoffen wir, das ganze wird nicht bald in eine zu zeitgemäße Form aktualisiert. Wir stellen uns vor: Statt Weihnachtsmann Economywoman – Sie bestraft die braven Kinder, da sie nicht die notwendige Durchsetzungskraft hatten, bringt aber keine Geschenke, auch das Weihnachtsessen fällt zugunsten der Effizienz aus, denn „there is no such thing as a free lunch“ (Milton Friedman). Für das Harmoniegedöns kommt nach aktuell gehypter Weltanschauung das Oxytocin-Wichtelchen.

Wer sich also die nächsten Tage Weihnachtsessen in biologistisch begründeten Zwangskollektiven („Familie“) antut: Der Spruch „soviel kann ich gar nicht essen wie ich kotzen will“ trifft hier wenigstens nicht immer zu …

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