Urheberrecht

Unabhängig von der wirklich höchst merkwürdigen Auffassung der Einheit eines Werkes, baut das Urheberrecht auf die folgende Säule auf:
Es herrscht das „Schöpferprinzip“ (§7UrhG): Urheber*In des Werkes kann nur die Schöpfer*In des Werkes sein. Das heißt, als Schöpfer*Innen kommen nur natürliche Personen in Frage, Computer, Tiere, juristische Personen etc. nicht.

Wir erkennen den impliziten Idealismus dieses Gesetzes: Die Idee kommt vor ihrer materiellen Verwirklichung (algorithmisch-computergenerierte Musik oder eine Katze, die über eine Klaviatur läuft, hat keine Idee). Seltsamerweise basieren wiederum musikwissenschaftliche Gutachten (nach Kriterien d. Werkanalyse), die Grundlage für gerichtliche Urteile zum Urheberrecht darstellen, auf einem impliziten Positivismus.

Wir resümieren: Hier stellt der Kapitalismus den Hegel vom Kopf auf die Füße!

Advertisements

2 Responses to Urheberrecht

  1. kimberra sagt:

    Hm, wer Ideen hat, finde ich noch eine recht unstrittige Frage. Ich habe es immer so verstanden, dass das Urheberrecht die Frage nicht mehr beantworten kann, wer denn von ihren_seinen Ideen leben können soll. Auch die Frage, ob den ‚Geistiges‘ noch Eigentum sein kann, hängt, wie ich finde, zumindest in der Schwebe.
    Mehr hier: http://kimberra.wordpress.com/2012/05/13/neues-zum-urheberrecht/

  2. Odradek sagt:

    In Erklärbärlaune – nicht daß das zur Gewohnheit wird:

    Zugegebenermaßen ist es schon ein Dilemma, daß die Idee d* Urheberschaft – verwurzelt im Deutschen Idealismus – gegenüber der Warenmetapher des Copyrights eine andere Form als die rein marktförmige Rationalität einführt.

    Nur bei näherer – poststrukturalistischer – Betrachtung ist die Frage, wer oder was eigentlich Urhebend ist gar nicht so einfach. Auch solche Phänomene wie Intertextualität stellen das Bild des schöpfenden (bürgerlichen) Individuums arg in Frage. Vielleicht ein guter Einstieg in dieses Thema böte Foucault, Michel: Was ist ein Autor?; in: Ders.: Schriften zur Litaratur; Frankfurt/M 2003; (Ersterscheinen: Paris 1969); S. 235-270., Teile daraus paraphrasiert in unserem Nicht-Impressum.

    Wer Lust hat in die Urheber*innenrechtsdebatte einzusteigen (oben verlinkter Blog-Artikel war mir gerade etwas tl;dr), steige ich mal kurz ins Archiv
    – Kurzer Einstieg von Keimform
    – Ausführlich (viel Interessantes dabei, aber Achtung: Adornismus) vom „Arbeitskreis emanzipatorische Kommunist_Innen“
    – Dann kann es sich die Kulturellepraxis natürlich nicht verkneifen, Gesinnungslinks zu legen und darauf aufmerksam zu machen, daß
    – Die Linkshirnextremisten gleich drei Manifeste zum Thema haben (1, 2, 3)
    – ihdl ein wenig im Umfeld des Themas geschrieben hat (1, 2) und es in #dcka häufiger erwähnt.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s