Christliches Plakat

Hamburgs ÖPNV, auf Bahnhöfen hängen christliche Plakate mit Bibelstellen. Theologieerfahrene, Mediävist*- und Satanist*innen, sowie sonstwie Bibelfeste erkennen die Verkürzung, selten ist auch nur ein Vers komplett zitiert. Von Kontext oder gar Historisch-Kritischer Methode ohnehin zu schweigen.

Bei religionskritischen Wesen stößt diese Aktion insofern auf Unmut, alsdaß auch der deutsche Ableger des „Atheist Bus Campaign“ gegen gewaltige Widerstände zu kämpfen hatte (Beispiel). „Ideologie ist wie Mundgeruch, sowas haben nur die anderen“ –Sachzwang FM.

Nun lassen sich aber gewisse Ideologien besonders effektiv kombinieren. Oder anders ausgedrückt:

Age Test

Welche Verbindung besteht zwischen „Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde mich doch deine Hand daselbst führen“ (Ps 139:9, Kürzung durch das Plakat) mit „Headin‘ into twilight / Spreadin‘ out her wings tonight / She got you jumpin‘ off the track / And shovin‘ into overdrive“?

AUFLÖSUNG

Exkurs: Es handelt sich um einen Meilenstein des „Waffenporno“Genres. Bereits sechs Jahre zuvor gab es mit „The Final Countdown“ einen staatstragenden Film, welcher Aufnahmen eines Flugzeugträgers jener Klasse nutzte. Doch nahm dieser keine solche Durchästhetisierung der gezeigten Waffensysteme vor: Gleichwohl hier technologische Möglichkeiten und Personal – gerade Jerry Bruckheimer wäre nähere Erwähnung wert – eine Rolle in einer seriösen Untersuchung spielen müßten, untersuchen wir das mal rein auf dem Niveau einer – da wir hier unter uns sind kursorischen und informellen – Sequenzanalyse am Beispiel von Start- und Landeoperationen in beiden Filmen.

In „The Final Countdown“ wird meist eine Einstellungslänge von ca. 3-4s verwendet – so etwa 07’20“-08’40“ oder 1h24’34“ -1h26’13“ -, überwiegend totale – bzw. halbtotale – Einstellungen. Oben verlinkte Sequenz aus „Top Gun“ beginnt mit extrem langen Einstellungen von ca. 8s, zum Flugzeugstart bei 2’33“ auf 4s verkürzt. Nach dem Musikwechsel bei 2’36“ kommen keine Einstellungen länger als 2s mehr vor, auch wird ab diesem Punkt stark mit wechselnden Eintellungsgrößen gearbeitet.

Die Abstimmung von Musik –  in „the Final Countdown“ glücklicherweise nicht das gleichnamige „Europe-Stück„, sondern ein Orchester, bei „Top Gun“ zunächst Faltermeyer, nach dem ersten Start Moroder, auch die Entdeckung des OST als Zusatzverwertung lag offenbar zwischen diesen Filmen – und Bild ist weitaus kleinteiliger, der Einsatz von O-Tönen weitaus stärker und – u.a. durch akustische Großaufnahmen – gezielter.

Die Tendenz, zweifelhafte Inhalte lieber durch ästhetische Mittel zu verkaufen dürfte so alt wie die Massenverbreitung des Mediums – und anderer – sein. Doch ist es schon interessant, daß „The Final Countdown“ ‚Patriotismus‘ v.a. auf Handlungsebene verbreitet, diese bei „Top Gun“ wesentlich dünner ist, hingegen der Einsatz ästhetischer Mittel weitaus ausgefeilter. Wohlgemerkt, es handelt sich um einen Film aus dem Jahr 1986; ich hätte ursprünglich die Tendenz, von ‚Blockbustern‘ zu immer mehr Eye-Candy und immer weniger Story auf CGI und Metroplexkinos zurückgeführt. Doch obwohl zwischen diesen Filmen nur 6 Jahre liegen und für solche Aussagen eigentlich mehr Vergleiche notwendig wären, die Erzählweisen scheinen sich in dieser Zeit gewaltig geändert zu haben.

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