Trendsurfing: Butlerkritik

Welch ein Geschenk, als Queertheoretiker*/_in muß ich doch Butler-Kritik lieben und werde in letzter Zeit damit überschwämmt. Die ganze kritische Kritik in letzter Zeit nicht ausblenden könnend – Filtersouveränität ist ein Mythos, zumal wenn der Monoszenigkeit äußerst abgeneigt – frage ich mich zunehmend, woher haben die ganzen Leute eigentlich ihr Butler-Verständnis? Wird dieses neoliberale Queer irgendwo gelehrt? Und wieso habe ich mich durch diese Bücher gequält, wenn auch sowas als Kenntnis durchgeht?

Irgendwie juckt es doch in den Fingern, Verriße zu schreiben, doch der Spaß an der Polemik – gerade auch bei zu erwartender Gegenpolemik – nutzt sich schnell ab und eine kleinteilig-fundierte Kritik schreibe ich frühestens, wenn ich dafür angemessen bezahlt werde.

Über den ganzen Personenkult und das Ringen um philosophische Deutungshoheit will ich mich gar nicht erst echauffieren, wer zuviel Mühe in ein kompliziertes philosphisches Werk investiert hat, wird es wohl aus Dissonanzreduktion bis aufs Äußerste verteidigen und wer monophilosophisch denkt, wird auch projizierend anderen Theorien Personenzentriertheit unterstellen. Von daher an dieser Stelle die Warnung: Die schweren Philosoph*innen sind nichts für alle! (=> „Geh‘ doch und lies Popper!“).

Zur Preisverleihung an Derrida ließe sich auch noch etwas schreiben, Abgrenzungsfolien der Adornit*innen auszuloten; ein anderes mal oder ein* andere Autor*in (Bewerbungen gerne im Kommentarteil, wir bieten eine zeitgemäße Altersvorsorge – keine – und das Einstiegsgehalt wird auf Anfrage verdoppelt; so vom Teilen dadurch abgesehen wird)

Zuletzt wurde mir sogar die Holzversion einer länglichen Schmähschrift aus einem ungenannten Wochenblatt überlassen. Von queertheoretisch erfahrenerer Kollegin wohlweißlich als tl;dr abgetan.

Wiegesagt, die Kleinkritik sparen wir uns, unterstellte Hauptthese war die Kritik an einer verzerrten Deutung des Punktes, Verwundbarkeit und Abhängigkeit zu gestalten statt bekämpfen zu müssen. Also an genau jenem Punkt, welcher aus diversen Feminismusperspektiven fast eine Trivialität ist. Aber vielleicht wollen manche noch an den bürgerlichen Mythos des autonomen Subjekts glauben; also neben den Befürworter*innen der neoliberalen „Eigenverantwortung“ …

In ungewohntem Optimismus schließend: Es gab auch Butler-Kritisches mit Niveau:

  • Vielleicht habe ich dies nur geschrieben, um einen Vorwand zu haben, Antje Schrupp für ihren Artikel zu danken
  • Wieso nimmt Butler jetzt eigentlich von CDU-Angehörigen Preise an?(1) Sogesehen hatte selbst Schramm mehr Stil.(2)

Verlautbarungen

  • Für alle die ernsthaft philosophieren wollen, ist es wohl „alternativlos“, den eigenen Kopf zu verwenden
  • Wir wollen nicht das beste Werkzeug, wir wollen den Baumarkt!
  • Wer mir als nächstes eine grobe Butler Fehldeutung als Kritik zu verkaufen versucht, wird mit einem Waschlappen erschlagen!
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