Epic Fail!

Wir müssen sie zu kritischem Denken motivieren


Abstract:

  • „Motivieren“ ist ein neoliberales Konzept
  • „Motivieren“ hemmt mittel- bis langfristig Motivation
  • „Motivieren“ widerspricht der Idee kritischen „lernen“ im Gegensatz zum inhaltlich belehrt-werden

Feuilletonistische Ausführung
Die neoliberalen Aspekte des Motivationsbegriffs seien an dieser Stelle ausgeklammert, tragen aber zum Unwohlsein mit dieser Formulierung bei.

„Lernen“ ist etwas Aktives d* lernenden; es lassen sich vielleicht Anregungen, Hilfestellungen usw geben; es kann aber nicht – etwa wie in einem Sender-Empfänger-Modell – bewirkt werden. „Question everything!“ – „Why?“. Ein Nürnberger Trichter ist also gerade für kritisches Denken ausgeschlossen; weshalb die Formulierung lediglich abgeschwächt wird: „motivieren“, statt zu bewirken. Eine von außen zu „kritischem Denken“(tm) motivierte Person wäre in Ursache oder Anleitung zur Kritik unkritisch gesteuert worden. Das alte „sei mal spontan“ Paradox; es wird nie vollständig aus der Formulierung „teaching critical thinking“ herauszubekommen sein.

Zudem stehen wir – mit Grüßen aus der Experimentalpsychologie – vor dem Problem, daß Versuche zu „motivieren“ die Tendenz haben, Motivation zu bremsen. „Motivation“ sei hier als Beweggründe, „motivieren“ als veranlassen (zur Bewegung) verstanden.

Konsequenzen
Von daher auch der Vorschlag, „Kritik“ als Prozeß begreifen, was heißt, diesen nicht an den konkreten Ergebnisse festzumachen und mit Beurteilungen, v.a. steuerungswissenschaftlichen („kybernetischen“) Rückkopplungsmechanismen  („Feedback“ im doppelten Sinne) vorsichtig („kritisch“) zu sein – so schwer dies ist, ich traue es mir gerade nicht zu, da ich von Inhalten i.d.R. überzeugt bin wenn ich sie vertrete; dadurch funktioniert die Erklärbär-Performance weitaus besser. Es wäre aber wichtig, zu vermeiden, daß „Kritik“ zu einem Inhalt verkommt und dieser Inhalt zum Einschlußmarker. „Kritisches Denken“ schlägt dadurch nämlich in dessen Gegenteil um, den den Lehrbetrieb als Trivialisierungsanstalt (Heinz von Foerster) zu gestalten.

Als Bescheidenes Minimalziel sei deshalb angeregt, das Publikum nicht dümmer hinaus als hereingehen zu lassen. Dies sollte an andererstelle genauer ausgeführt werden, Funktion und Grenzen von Vereinfachungen müßten ausgelotet werden. Kurzgesagt sollten vermittelte Differenzen eine brauchbare Basis für weitere (Systemtheoretisch: „Komplexitätsaufbau“) bilden und auf keinen Fall dazu verleiten, auf diesem Differenzierung- („Komplexitäts“)niveau stehenzubleiben. Nach Kritischer Theorie formuliert sollte Halbbildung unbedingt vermieden werden, da diese nicht halbe Bildung, sondern ein größeres Hindernis für Bildung als Unwissen ist: Einfache, konformistische Orientierungen, die tiefergehendes Verständnis einer Materie wie störende Details erscheinen läßt.

Hoffnungsbeladene Conclusion
Hoffen wir jedenfalls, einige Leser*innen haben auch ohne das Metageschwurbel über vorangestelltes Zitat gelacht und hoffen wir, das Zitat zeigt lediglich weiße Flecken bei an sich kritisch denken wollender.

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2 Responses to Epic Fail!

  1. Haben alle gemerkt, daß hier die „more“-funktion genutzt wurde, also ein klick notwendig ist den Artikel zu lesen?

    Btw.: „hoffen wir, das Zitat zeigt lediglich weiße Flecken“ war ein wenig kryptisch. „Weiße Flecken“ bezieht sich darauf, daß blinde Menschen die Erfahrung des Blinden Flecks nicht machen können, die Metapher insofern etwas abelistisch ist; in der Alltagssprache funktioniert diese – auch noch eine Kolonialanspielung verwendende – Ersetzung recht gut; Philosoph*innen grämen sich, daß der weiße Fleck ja eine kartographierte Unwissenheit ist, der Witz an jener Form des Skotom gerade dessen nicht-wahrnehmen ist.

    Zweite Kryptizität an diesem Satz die – verschwiegene, um Applaus aus der falschen Richtung zu vermeiden – Alternative: Wenn diese Hoffnung unzutreffend ist, haben wir es einfach nur mit Szenenasen zu tun …

  2. […] Dann das Problem der Kommunikation. Es geht hier um kein Sender- Empfänger*innenverhältnis, es geht um keinen nürnberger Trichter. Gleichwohl es sinnvoll sein dürfte, sich bei der Präsentation Mühe zu geben – dies ist genauso arbeit wie die fachliche also keine einseitige Wertungen dieser Arbeitsformen -, was ankommt und was damit gemacht wird nicht alleine vom Vortrag bestimmt. Siehe auch “Teaching critical thinking”. […]

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