Dein Bart für’n A

Mit Odradek

Beängstigend die Kampagne „Dein Bart für Deutschland„! Diese unheilige Allianz zwischen Sport, Nationalismus und Männlichkeitsgedöns müssen wir unseren Leser*innen nicht näher erläutern, „All nationalisms are gendered, all are invented, and all are dangerous.“(1)

Damit erreicht der Satz „Beards Don’t Kill People, People With Beards Kill People“ ungeahnte Aktualität. Waren Bärte nicht gerade noch Symbol für den gefürchteten islamistischen Terrorist*n? Müssen Bart tragende Personen jetzt fürchten, von Antideutschen als General- oder Sippenverdächtige angegriffen zu werden? Ein betroffener dazu: „Ich habe bereits erwogen, mir einen Davidstern ‚reinzurasieren, aber wahrscheinlich gibt es insgesamt doch mehr Antiimps und NeoNazis, zumal gewaltbereite.“

Die Idee, Bärte zu Fußballevents zu tragen ist nicht neu, sie wurde bereits von  antiken Griechen praktiziert (siehe). Aber wir dürfen nicht vergessen, daß mit Karl Marx, Friedrich Engels, Wau Holland, Richard Stallman und Heinz Diogenes diverse – größtenteils übergewichtige – linke Vordenker Bärte trugen.

Vielleicht müssen das Verhältnis von Nationalismus, Haaren und Begehren dekonstruieren und komplett neu denken, schließlich gibt es auch andere kontroverse Formen der Enthaarung; auch wollen wir nicht männlich identifizierte Wesen mit Bartwuchs nicht unnötig marginalisieren.

Wieauchimmer. Die Kulturelle Praxis ruft zur Gegenkampagne auf! Doch wie sollte diese Gegenkampagne aussehen?

Konsequent sämtliche Haare abrasieren unter dem Motto „Deine Glatze gegen ‚Schland“ scheint nicht optimal. Doch böte sie zumindest eine Eskalation des zu erwartenden nationalismuskritischen Rasierzwangs: „Wer sich nicht von allen Haaren trennt ist kein rechter Linker!“ Und endlich könnte unfreiwillige Kahlköpfigkeit etwas Widerständiges sein.

Sollten wir nicht lieber mit portablen Rassierapparaten – Naßrasierer könnten gegen die Versammlungsauflagen verstoßen, aber Geräte der Marke Philips kommen auch nicht in Frage – über Fanmeilen laufen und auf diese Art und Weise Widerstand leisten? Zwangsenthaarungen stehen in bester realsozialistischer Tradition.

Wäre es nicht auch möglich einen Bart Simpson Schlüsselanhänger (als Symbol der Bricolage) zu tragen?

Weitere Vorschläge werden gerne angenommen, als erster Preis winkt ein Original Mensa-Kaffee (Reisekosten nicht inkl.).

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