Gewerkschaften

Mit drkultur

„Wer nur eine Minderheit vertritt, darf nicht jederzeit den ganzen Betrieb lahmlegen können.“ —Hundt

Merkwürdig, daß dies so vertraut wirkt.
Merkwürdig, daß Gestaltung durch dezentrale Politiken oder Vernetzungsfragen so wenig Diskussionsthema hierbei zu sein scheinen.
Merkwürdig, daß niemand mehr dezentralisierte Gewerkschaftsbewegungen erinnert.
Merkwürdig, wie scharf die Rhetorik gegen erfolgreiche Gewerkschaften ausfällt.
Merkwürdig, auf welcher Seite der Barrikade die etablierten Gewerkschaften stehen.
Merkwürdig, daß hier sogar das beknackte Occupy Argument eine angemessene Antwort wäre.
Merkwürdig, daß Repräsentationspolitiken so wenig problematisiert werden
Merkwürdig, daß immernoch nach der „Klasse an sich“1 + 2 gesucht wird


1 Pierre Bourdieu:
„Von der nur auf dem Papier existierenden Klasse zur „realen“ Klasse kommt man nur um den Preis einer politischen Mobilisierungsarbeit: Die „reale“ Klasse, sofern überhaupt jemals eine Klasse „real“ existiert hat, ist immer nur die realisierte, das heißt mobilisierte Klasse, Ergebnis des Klassifizierungskampfs als eines genuin symbolischen (und politischen) Kampfs um die Durchsetzung einer Sicht der sozialen Welt oder besser einer Art und Weise ihrer Konstruktion in der Wahrnehmung und in der Realität und einer Konstruktion der Klassen, in der sie zu unterteilen ist.“ (Bourdieu, Pierre: Praktische Vernunft. Zur Theorie der Handelns. Frankfurt/M: Suhrkamp, 1998, S.25.)

2 (Wir dürfen hier für unser Beispiel ‚Partei‘ durch ‚Gewerkschaft‘ ersetzen):

„Wenn das Feld der Produktionsverhältnisse das spezifische Terrain der Klassenkonstitution ist, kann die Präsenz der Klassen auf dem politischen Feld nur als eine Repräsentation von Interessen verstanden werden. Durch ihre stellvertretenden Parteien vereinigen sie sich unter der Führung einer Klasse in einem Bündnis gegen einen gemeinsamen Feind.“ (Laclau, Ernesto & Mouffe, Chantal: Hegemonie und radikale Demokratie. Zur Dekonstruktion des Marxismus. Wien: Passagen Verlag, 1991, S.95)

„Sobald jedes politsche Verhältnis als Repräsentationsverhältnis aufgefaßt wird, haben wir es mit einem zunehmenden Substitutionalismus zu tun: die Klasse wird von der Partei (Repräsentation der objektiven Interessen des Proletariats) und der Partei vom Sowjetstaat substituiert (Repräsentation der Weltinteressen der kommunistischen Bewegung).“ (ebd., S.103)

Also:

„Die Suche nach der „wahren“ Arbeiterklasse und ihren Grenzen ist ein falsches Problem, und als solches fehlt ihm jede theoretische und politische Relevanz.“ (ebd., S.133)

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One Response to Gewerkschaften

  1. Odradek sagt:

    Schräg an der unter „so vertraut wirkt“ verlinkten „History of Corporate Whining“ wirkt, daß wir zu arbeitendenrechten bis in die 70er zunehmende Verbesserungen hatten. Das soll keine nostalgische Sehnsucht sein, die Zurichtungen der Lohnarbeit waren auch unter fordistischen Bedingungen nicht schön, aber irgendwie wirkt es gerade ein wenig, als hätte sich damals noch auf „Fortschritt“ hoffen lassen. Irgendetwas hat sich geändert. Irgendwas ist schiefgegangen. Die Zukunft ist nicht mehr das was sie mal war.

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