Lernen

Fortsetzung zur Lanze #6 für Bildungsnerdigkeit

Wir haben festgestellt, auch wenn „Bildung“ vielleicht keinen Eliteanspruch, an ihrem Wesen die Welt zu genesen mehr vor sich hertragen sollten, irgendwie könnte dennoch bedauerlich sein, wiesehr sich „intellektuell“ zu geben in Verruf geraten ist; d.h., wie antiintellektuell – teils mit pädagogischer, teils mit verwertungslogischer, teil mit moralischer Begründung – auch in studierten Kreisen die diskursive Großwetterlage ist.

Ein Antrag des Treitschke-Instituts, die Universitäten abzuschaffen und durch Fachhochschulen zu ersetzen wird an dieser Stelle zurückgewiesen, dies wurde zum einen bereits im Vorfeld der Humboldt’schen Univeritätsreform vorgeschlagen, zum anderen durch Bologna bereits zum Teil realisiert.

Wenn jetzt das Problem in (aus)Bildung und der daraus resultierenden Subjektivierung liegt, müssen wir uns Gedanken zum „Lernen“ machen. Dies kann hier nicht ansatzweise geleistet werden, von daher nur ein paar Pflöcke

  • Gemeinsam Lernen heißt nicht, sich auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner zu treffen.
    • Selbst abgesehen von der Gefahr, dann dabei mit Nullen zu dividieren
  • Diese Vorstellung ist lediglich die einfache Negation des Elitegedankens: Die Moral der Enge von Heerden
    • Lernen ist entgegen landläufigen Theorien nichts was automatisch auf angemessenes Präsentieren einer geeigneten Informationsmenge eintritt
    • Lernen ist nicht Resultat des Absorbierens einer Informationsmenge („Nürnberger Trichter“), aber auch kaum uninformiert zu möglich
    • Unwissenheit sollte kein Hemmnis zum Lernen werden, also nicht zum schwer überwindlichen Nachteil gemacht werden. Das bietet aber keine Rechtfertigung, in einfacher Umkehrung Wissen strukturell zu benachteiligen
    • Ignoranz muß klar von Unwissenheit getrennt werden, auch wenn sich erstere oftmals als letztere tarnt. Diese Trennung hilft auch zur Burnout-Prävention von Lehrenden
    • Leute für dumm zu verkaufen hilft auch den unwissenderen nicht
  • Anreichern von Details an ein bestehendes Überzeugungssystem mag sinnvoll sein, ist aber kein Lernen
  • Wenn also nicht sichergestellt werden kann, ob jemand schlauer aus einer Lehrveranstaltung geht, sollte zumindest darauf geachtet werden, daß niemand dadurch dümmer wird – also Halbbildung künftig der Bildung entgegensteht
    • Teilweise besteht gar moralische Verpflichtung, nicht den einfachen, unmarkierten Weg zu nehmen, etwa wenn es um gesellschaftlich anerkannten und reproduzierten Rassismus geht. An dieser Stelle sei nochmals erwähnt, daß es keine Bären auf dem Ponyhof gibt
  • Forschungsstand und Transparenz sind kein „Cargo-Kult“, sondern Qualitätssicherungsversuche!
    • Dahinter steht der Irrtum der Halbbildung, „die Wahrheit“ müsse einfach sein; das ist nur das Unmarkierte: „Wenn wir den Quellen der Erkenntnis nachforschen begehen wir den Fehler, uns die selben viel zu einfach vorzustellen“ –Fleck Ludwik: Zur Krise der Wirklichkeit; in: Schäfer, Lothar (Hrsg.); Schnelle, Thomas (Hrsg.): Ludwik Fleck : Erfahrung und Tatsache; Frankfurt/M 1983; S. 46-58, S. 46.
    • Sich vergangenen Debatten bewußt zu sein schafft erst Tiefe/Komplexitätsaufbau in gegenwärtigen Debatten. Neben Methodischem Vorgehen letztlich die Stärke der Wissenschaft, die durch (positivistische) Wissenschaftsgläubigkeit oftmals vernachlässigt wird
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One Response to Lernen

  1. […] Viel Ähnliches geschrieben, aber manche Sachen können auch häufiger mal geschrieben […]

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