GraSS

Die wirklich angemessene Berichterstattung betreibt Titanic; Stuttmann dazu aber auch ganz nett und der Postillon sowieso. Nicht allzu gesundes Gras(s) wird nun einmal irgendwann bräunlich. Also könnten wir es letztlich bei einem „Si tacuisses, philosophus mansisses“ belassen.

Hier nur am Rande erwähnt sei bereits geschilderte Beobachtung: Durch die (pseudo-?)Gedichtform und durch die bewußt subjektiven Formulierungen („Warum schweige ich […] Weil ich meinte, meine Herkunft,“ *würg*) wurde nicht etwa das konstruktivistisches Utopia pluraler, gleicher anything-goes-Genies erreicht, sondern das unmarkiert-privilegierte(tm) „Ich“ versuchte sich lediglich von den letzten – einschreibungsmöglichen – Rechtfertigungshürden für die Privilegierung seiner Sprecherposition zu befreien. Während ein marginalisiertes(tm) „Ich“ in dieser Sprecher*innenposition sich in wohl noch ichigere Position begeben hätte. Dies soll keinem Objektivismus das Wort reden, der wiederum Rechtfertigungen durch die Wohlfühlgewissheit eines – von unmarkierte Kategorien bewohnenden – „das ist so“ abschneidet. Siehe auch.

Gehen wir für diesen Artikel aus sprachlichen Gründen mal davon aus, daß die Eigenheiten von Antisemitismus dermaßen betont werden müssen, ihn nicht unter Rassismus zu subsummieren. Dann können wir festhalten: Bei Alltagsrassismus wäre Grass wohl leider mit dieser Taktik durchgekommen (schöne Untersuchung in Forum KriPsy). Das heißt jetzt nicht etwa, es sei aus der Geschichte gelernt worden (wobei: wie interessant, daß ausgerechnet Grass dann daran sägt) oder der Staat Israel habe einen Schwarzer-Effekt (->Schwupps) – nehmen wir einfach an, die diskursiven Verschleierungstaktiken bei Antisemitismus funktionieren nach anderen Mechanismen. Da sich aber auch Gemeinsamkeiten finden lassen, regen wir Cortexbomben an, die auf den Satz „das wird man wohl mal sagen dürfen“ detonieren; zusätzliche Trigger, wie „Digger“ optional.

Wir halten fest: Sich kompetenzfrei viel Raum nehmen zu können ist ein Zeichen von Privilegierung. Viele denken jetzt an manche Grußworte auf Konferenzen, einige an die Kony-Videos; oder einfach tl;dr (Kulturellepraxis-Artikel versuchen btw. i.d.R. unter Uni-Essay Länge – 800 Wörter – zu bleiben …)

An dieser Stelle muß entschieden Gerüchten widersprochen werden, die Veranstaltung in der Flora am Tag nach der Veröffentlichung des „Gedichts“ wurde genutzt, Grass-Bücher hinten auf der Feuerstelle zu verbrennen. Weniger aus moralisch-historischen Gründen, sondern lediglich, weil sich niemand solche Bücher kaufen wollte …

One Response to GraSS

  1. Thee Other sagt:

    Ich muss auch an den Herrn „Indy-Rocker“ Sven Regener und seine „wut-rede“ denken. Checkt das mal.

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