Feine Atheisten mal wieder

Mal wieder ein nettes Fundstück in der Soup aufgetaucht mit dem Text „Water is two parts hydrogen and one part oxygen. What if someone says, ‚well, that’s not how I choose to think about water.‘?“

Also – Advocatus Diaboli; oder eher Advocat* Erisis – versuchen wir es mal. Ich – modest_witness – lasse mich nicht mit „anders sehen oder nicht“ abspeisen, sondern messe Massen, lasse reagieren (nein, liebes LKA, nur ein Gedankenexperiment), danach werden die ergebisse berechnet und wir stellen empirisch fest: Wasser ist ein Teil Sauerstoff und 0,126 Teile Wasserstoff …

Will sagen, verwechseln wir besser nicht Methoden mit Ergebnissen und wissenschaftliche „Tatsachen“ mit Naheliegendem. Das unterschätzt schon, wieviel Arbeit in Enstehung und Verbreitung einer wissenschaftlichen Tatsache steckt; von sozialem, geschichtlichem, zufälligem ganz zu schweigen. Wieder der Verdacht: Viele Selbstmißverständnisse der Naturwissenschaft kommen aus der Art sie zu lehren („Fakten“ auswendig lernen in der „Lehrbuchwissenschaft“).

Aber das ist nicht alles, das Problem dreht sich um die aufklärerische Erzählung, Mythen durch Wissen zu ersetzen, vulgo „Positivismus“, hier zunächst sogar i.e.S. Sehen wir vom Adorno-Einwand, daß hier allzuleicht die Aufklärung wieder in ihr Gegenteil, den Mythos umzuschlagen droht ab und stellen wir weitere Grundsatzkritik an diesem Bild ersteinmal zurück; oder bringen zumindest Verständnis dafür auf, daß in einer Auseinandersetzung mit dogmatischen Fundichristen Gegendogmatismus notwendig ist, alles Andere als Schwäche ausgelegt würde. Bei einigen schlägt dieses geistig ungesunde Umfeld in Subjektivierung um. Und überhaupt, die wirklich existenziellen Fragen berührt die Naturwissenschaft nicht wirklich, beider Frage, wie mit Sterblichkeit umzugehen sei bieten diese Debatten nur die Wahl zwischen religiöser Verleugnung und atheistischer Verdrängung.

Aber abgesehen von der Lebensphilosophie, hier versagen beide. Zurück zur Hoffnung, Mythen zu zerstören; Mythbusters erfassen damit zwei wichtige Aspekte von Wissenschaft, Mythen überprüfen zu wollen und Spaß an der Sache zu haben. Damit sind sie bei aller Kritik wissenschaftlicher als Knopp. Also wieder die Frage nach der Methodenkritik. Im Wissenschaftsalltag wird häufig bei „Wohlfühlgewißheit“ etablierter Mythen methodisch unsauberer gearbeitet als bei kontroversen Themen. Das mag methodisch bisweilen Sinn ergeben – Alltagsbeispiel: Wenn das Licht nicht angeht, probiere ich es nicht allzu häufig nocheinmal und wechsele meist ersteinmal die Glühlampe, bevor ich andere Defekte annehme. Solche Routinen können hinderliches Beharrungsvermögen haben, das – kommt Zeit, kommt Anomalie – kein Unüberwindliches ist. Gefährlich hingegen ist Ideologisches.

Definieren wir „ideologisch“ provisorisch als hegemonial anerkannte Clichés. Also setzen wir die Gefahr dort an, wo sich – meist implizit – nicht auf fachlich spezifische, sondern alltägliche Denkgewohnheiten berufen wird. Das Beharren auf solche Denkgewohnheiten läßt sich bisweilen inneparadigmatisch aufbrechen, Wohlfühlgewißheit ersetzt oftmals methodische Strenge.

Dann bleibt mindestens noch das Problem der Unmarkiertheit1: Wir können wir nur gegen Mythen kämpfen, welche wir auch sehen. Genau an diesem Punkt wird offensichtlich, daß die neopositivistische Wissenschaftsauffassung (also „Positivismus“ im wissenschaftstheoretischen Sinne: Der logische Empirismus) insofern auch „positiv“ ist, als daß sie das Messbare – möglicherweise gegenüber dem schwer operationalisierbaren, aber auf jeden Fall gegenüber dem Abwesenden, z.B. Historischen oder Möglichen uvm. – affirmiert.

Deshalb – Neopositivistische Kritik kommt nicht an Unmarkiere heran, Suche nach verallgemeinerbaren Gesetzmäßigkeiten, fehlende Absicherung gegen Alltagsclichés, beispielsweise in der Fragestellung – kann Kulturpsychologie nur in Rassismus abdriften.

Besonders schön ist diese Nichtneutralität der (i.e.S.) positivistischen Fortschrittserzählung in Bezug auf etablierte Mythen am Beispiel entstehender Medizindiskurse zu beobachten: Im Bestreben, den Mythos der Religion zu beerben wurden alte Verbote – so von Masturbation oder Homosexualität – verwissenschaftlicht (siehe).

Interessanteres, da komplizierteres Beispiel bietet die Physik. Die theoretische Physik ist so maßgeblich von höherer Mathematik (nein, liebe Psycholog*innen, drei Statistikkurse fallen NICHT darunter) durchdrungen, daß sie vor Alltagsintuition mittlerweile halbwegs sicher ist. Ihre Entstehung ist da weitaus ambivalenter. So wurde bei Konflikt gegenüber religiösen Dogmen Alltagsverstand bemüht („schau‘ doch durchs Fernrohr, dann siehst Du die Jupitermonde“), auch die Methode des Experiments – Wissenschaft als Salonunterhaltung2 – setzt auf alltagsintuitive Überzeugungskraft. Doch ist ein Experiment nicht erst dann interessant, wenn es Unerwartetes produziert, d.h., der Intuition widerspricht? Und war die Zurückweisung aristotelischer Physik nicht auch ein – sicherlich nicht unpolitischer Schritt, Anglikaner wettern gegen einen katholisch vereinnahmten Philosophen – Schritt aus den damals etablierten Denkweisen? Sich Mechanik zunächst reibungsfrei vorzustellen („Ein punktförmiger Affe hängt reibungsfrei an seinem masselosen Schwanz“) ist nicht wirklich griffig …

Wir können also festhalten, Ideologie in der Wissenschaft läßt sich dadurch erkennen, daß bereits verbreitete Clichés nur bestätigt und ausdifferenziert werden; vgl. auch Knoppismus, vgl. Teile der Evolutionspsychologie. Das heißt auch, wir können Forderungen nach alltagsnaher Forschung getrost zurückweisen.


1 Nicht zu verwechseln mit dem Metaproblem der Unmarkiertheit: Der Begriff scheint aus der Sprachwissenschaft zu stammen und sich zunächst auf grammatikalische Formen von Wörtern zu beziehen. Kulturellepraxis und ihr Umfeld konnte bislang nicht klären, wo/wie dieses Konzept den Sprung zur Metapher nimmt und Positionen beschreibt, die in ihrer Selbstverständlichkeit nicht mehr als Position wahrgenommen werden. Standardlösung ist die Fußnote auf Autor*innen, die setzend definieren, aber nicht weiter zurückverweisen, so D.J.Haraway oder M.M.Eggers. Ähnlich, aber anders ist G.S. Browns „Unmarked Space“, hier geht darum, daß, ein Bereich, in dem keine Unterscheidung vorgenommen wird nicht beschreibbar ist.

2 Hier könnten wir gar einen Aspekt vergessenen Genderings der Naturwissenschaft sehen. Mag das „modest_witness“ (Haraway), der unmarkierte Beobachter als britischer Gentleman gedacht sein, wäre vielleicht der Einfluß der – i.d.R. von Frauen ausgerichten – Salons zur Verbreitung des Experiments als wissenschaftliche Währung zu erforschen. Nicht daß das nicht immernoch asymmetrische Geschlechterverhältnisse wären, doch sollten wir in geschichtlichen Narrativen immer aufpassen, die Marginalisieren nicht nocheinmal zu marginalisieren. Wobei es hier in den Dimensionen Race und Class wesentlich übler aussehen dürfte.

Werbeanzeigen

13 Responses to Feine Atheisten mal wieder

  1. Muriel sagt:

    Hm.

    Und überhaupt, die wirklich existenziellen Fragen berührt die Naturwissenschaft nicht wirklich, beider Frage, wie mit Sterblichkeit umzugehen sei bieten diese Debatten nur die Wahl zwischen religiöser Verleugnung und atheistischer Verdrängung.

    Verstehe ich nicht. Gerade auf die Sterblichkeitsfrage liefert Naturwissenschaft doch eine sehr wertvolle Antwort, im Gegensatz zu den schönen Lügen, die Religionen auftischen.
    Und wie Atheisten ganz ohne Verdrängung mit dem Thema umgehen, konnte man zuletzt am Beispiel Christopher Hitchens gut verfolgen.
    Ich denke, eine Frage, die naturwissenschaftlich nicht zugänglich scheint, ist nur unüberlegt gestellt.

  2. drkultur sagt:

    1. *auf die Schulter klopf! Großartig!
    2. hmmm, also zunächst einmal müssen wir uns ganz wittgensteinisch fragen, wie und ob wir überhaupt „adäquat“ über Dinge sprechen können, und dementsprechend, überhaupt in der Lage sind „adäquat“ Fragen an diese Dinge zu stellen und zu formulieren. Poststrukturalistisch (oder diskurstheoretisch) weitergedacht, können wir solche Dinge wie Sterblichkeit nicht als unabhängig, jenseits einer diskursiven Formation stattfindende Phänomene betrachten. Sprich: Die Antwortmöglichkeiten sind im Bezug auf die jeweilige Wissensproduktion innerhalb eines Diskurses schon in gewisse Richtungen gedrängt. Ob es nun ein religiöser Diskurs oder ein naturwissenschaftlicher (oder eben auch kulturwissenschaftlicher/philosophischer) Diskurs ist, ist dann insofern egal, als das alle spezifischen Spiel- und Formationsregeln unterworfen sind, die sich nicht in Bezug auf etwas unabhängiges, objektiv vorhandenes als „besser“ oder „schlechter“, als „aufgeklärter“ oder „ideologischer“, als „wahrer/realitätsnäher“ oder „falsch“ beurteilen und vergleichen lassen. Dennoch sind mir die Spiel- und Formationregeln der Wissenschaften (wobei es da auch gehörige Probleme gibt) sympathischer, als die der Religionen oder Patchwork-Esoteriken (also nicht-institutionalisierte geistig-religiöse Haltungen). Aber Odradek hat auch recht, dass sich diese Diskurse überlappen – er brachte das Beispiel der Homosexualität – ich bringe das Beispiel des Wahnsinns, der Geisteskrankheit (deren theologische Erklärung, z.B. Besessenheit, und „Therapieformen“ langsam aber sicher durch die Wissenschaften, Medizin und Psychologie, verdrängt wurde), wobei klar ist, wie der eine Diskurs gewisse Formationsregeln des anderen übernommen und lediglich in neue Macht-Wissenskonstellationen überführt hat.
    Weder ein Plädoyer für ein objektivistisches, noch für ein relativitstisches Verständnis scheint hier angebracht, sondern für eines, dass sich der harawayschen Situiertheit und „modest wittness-Verfasstheit“ von Beobachtungen im Klaren ist.

    • drkultur sagt:

      achso, tschuldigung, kleine Korrektur: Odradek ist kein „er“, sondern ein „hölzern wirkender, mit verknoteten, bunten Fäden aufgewickelter Zwirnstern, der auf einem seiner Zacken hochkant steht. Als stabilisierendes Bein hat er ein an ein zu dem von der Mitte des Sterns ausgehendes Stäbchen im rechten Winkel angeordnetes zweites.“

  3. Odradek sagt:

    Schön, daß ein etwas arbeitsaufwendigerer Artikel solchen Erfolg hatte. Aber interessant, wiesehr sich die Debatte auf einen nur tangiertes Thema einschießt. Von daher noch ein wenig dazu.

    M.E. läßt uns die Naturwissenschaft bei der „lebensphilosophischen“ Frage etwas im Regen stehen. Es handelt sich bei derartigen Fragen/Problemen sicherlich nicht um den intendierten Anwendungsbereich solcher Theorien/Methoden. Und wenn es eine Sollbruchstelle dieser Art von „Naturwissenschaft“ ist, das „kann/war/soll“ zugunsten des „ist“ aus den Augen zu verlieren, liefert sie uns sicherlich keine Antwort. Wobei ich ein „ich weiß nicht“ für weitaus klüger als das religiöse „Auf dem Holzweg zur Erlösung“ halte.

    Die – irgendwo schoneinmal angerissene – Frage, auf die das verweist, war: „Was bedeutet es, nicht nur abstrakt um die eigene unvermeidliche Sterblichkeit zu wissen, sie nicht nur zu fürchten, sondern mit dieser Erkenntnis zu leben?“ Deshalb schätze ich den Existenzialismus bei aller inhaltlichen Kritik sosehr, da dieser ein ernsthafter Versuch gewesen zu sein scheint, diese Frage anzugehen.

    Soviel mein Stand dazu, guter Input zum weiterdenken – Ausführungen, Links, Texte – wäre mir sowas von willkommen.

    @drkultur: Ein Glück für unsere Diversity, daß kfermion noch mitschreibt, so ähnlicher Meinung zu sein ist unheimlich.

    Sicherlich treffen befinden sich weder Fragen, noch ihre Antworten im diskursleeren Raum. Und Sympathie für wissenschaftliche Formationsregeln trifft es gut, gerade deshalb das Bestreben, die Wissenschaftlichkeit gegen (Neo-)Positivistische Vereinnahmung zu verteidigen.

    Einzig „Ding“ fand ich ein wenig schräg formuliert. Solipsismus und Formen des Idealismus, die nur von Subjekten ausgehen weisen wir sicherlich zurück, aber es könnte der (falsche) Eindruck entstehen, mit „Ding“ sei gemeint, daß die Natur der Dinge aus Gegenständen bestehe; es könnten ja z.B. Relationen oder Prozesse oder whatever sein. Wäre „Aktant“ vielleicht treffender?

    @Muriel

    eine Frage, die naturwissenschaftlich nicht zugänglich scheint, ist nur unüberlegt gestellt.

    It’s complicated; aber prinzipiell wissenschaftlich anzugehen – auf zur Metaebene!

    Irgendwie irritiert mich der Zusatz „natur[!]wissenschafltich“ Nach Heinz von Foerster: „Die ‚hard sciences‘ sind erfolgreich, weil sie sich mit den ’soft problems‘ beschäftigen“. Selbiger zum Thema Fragen ungefähr parapharasiert: Eine legitime Frage ist eine Frage, auf die wir nicht die Antwort kennen. Aber unter den legitimen gibt es prinzipiell beantwortbare – also bei denen uns ein Rahmen zur Beantwortung zur Vergung steht – und unbeantwortbare; gleichwohl die Antworten solche v.a. etwas über die beantwortenden aussagen, liege in prinzipiell unbeantwortbaren Fragen Freiheit. Gut, das kann leicht ins Eso abdriften, zurück zu solider Philosophie 🙂

    Stichwort „Präsupposition einer Fragestellung“: Jede Frage enthält Prämissen, hinter die wir bei Beantwortung nicht mehr zurück können; Beispiel: „Hast Du aufgehört, kleine Kinder zum Spaß zu grillen?“ (Veganer Einwand: „Kalbsfleisch?!?“) – wer diese Frage beantwortet und nicht zurückweist, hat ein Problem. Vgl. auch Mu.

    Dann äußern sich Änderungen im Denkstil/Paradigma häufig durch einen Wandel der zulässigen oder zumindest als interessant geltenden Fragen, ich würde das dahingehend zuspitzen: Die Fragestellung ist Teil der Hintergrundtheorie (Wissenschaftsphilosophisches Detail: Hab‘ versucht, mich mit diesem Begriff vor der Frage zu drücken, ob der Begriff „Theorie“ überladen wird, wenn wir ihn nicht von „methodischem Apriori“ trennen). D.h., Gegenfrage: Welcher Naturwissenschaft …

    Vielleicht können wir sogar soweit gehen zu behaupten, der Gegenstand verschwinde komplett hinter der Methodik; diese hat zumindest Einfluß darauf, was wir als Gegenstand sehen, wie und auch noch bevor Erkenntnisse/Ergebnisse über jenen vorliegen. Ohne etwas über deren Qualität auszusagen, aber sogesehen eröffnen unüberlegt gestellte Fragen vielleicht bisweilen neue Wissen(schafts)sbereiche.

    • Muriel sagt:

      Ich behaupte nicht, dass jede unüberlegt gestellte Frage zwangsläufig eine schlechte sein muss. Man kann ja auch Glück haben,
      Ich bin mir ja nicht mal sicher, ob ich Recht habe. Aber mir fällt zumindest keine Frage ein, die sowohl Sinn ergibt als auch dem Anwendungsbereich naturwissenschaftlicher Methoden grundsätzlich entzogen wäre. Und da eine solche Frage sich ja dann definitionsgemäß auf etwas beziehen müsste, das nicht überprüfbar ist, wüsste ich auch nicht, wie das möglich seinsollte.

      • Odradek sagt:

        Versteh‘ ich nicht ganz, was in diesem Fall „grundsätzlich“ bedeutet: Was ist z.B. mit geistes/kulturwissenschaftlichen Fragestellungen? Oder dem Satz „Was soll ich tun“ (vorsicht vor naturalistischem fehlschluß)?

      • Muriel sagt:

        Auch geistes- und kulturwissenschaftliche Fragestellungen sind grundsätzlich auf physikalische Phänomene reduzierbar. Praktisch sind wir dazu allerdings (noch?) nicht in der Lage. Das meine ich mit „grundsätzlich“: Es geht mir nicht um den jetzigen Stand unserer naturwissenschaftlichen Erkenntnis, sondern um den Anwendungsbereich der Methodik als solcher.
        Der Satz „Was soll ich tun?“ ist ein Beispiel für eine Frage, die aufgrund ihrer vielen Bedeutungsmöglichkeiten nicht sinnvoll beantwortbar ist. Soll die Frage bedeuten „Wie lautet der objektiv gültige Imperativ für mein Handeln?“, dann unterstellt sie das Vorhandensein eines solchen Imperativs, was schon denklogisch keinen Sinn ergibt.
        Soll sie bedeuten „Was möchtest du [die Person, der ich die Frage stelle], das ich tue?“, dann zielt sie auf den Zustand des Gehirns dieser Person, der naturwissenschaftlich untersuchbar ist.
        Soll sie bedeuten „Welche Handlung wird mir in meiner jetzigen Situation den größten Nutzen in Bezug auf […] bringen?“ ist wohl ebenfalls ersichtlich, dass sie naturwissenschaftlich beantwortbar ist.
        Usw.

      • Odradek sagt:

        Der Wiener Kreis ging davon aus, daß Sätze entweder logisch oder empirisch zu beweisen oder Unsinn seien; dieser Satz ist btw. weder logisch noch empirisch zu beweisen.

        Karl Raimund Popper widersprach Wittgensteins Grundsatz, daß es keine philosophischen Probleme gebe, sich diese sich in empirische Fragen oder Mißbrauch von Sprache überführen ließen. Wie genau ist nicht klärbar, aber die Diskussion soll mit einem Schürhaken geendet haben.

        Doch nochmal sowas ähnliches wie zwei Argumente: Zum einen das erwähtne Verschwinden des Gegenstandes hinter der Methode, zum anderen, daß die (formale Prädikaten) Logik ist eine sehr mächtige und v.a. extrem präzise Sprache ist; aber sie kann längst nicht zuviel wie alle „natürlichen“ Sprachen. Und sie basiert auf dem Konzept der Repräsentation (vgl. auch Korrespondenztheorie der Wahrheit), während neuere – hier vertretene – Theorien eher dazu neigen, „natürliche“ Sprache als ein System der Differenzen zu sehen. D.h., die Grenzen der formal-mathematischer Theorien der Naturwissenschaften sind die Grenzen der (Prädikaten)Logik.

  4. drkultur sagt:

    Ich finde es übrigens äußerst fragwürdig, intentionale Zustände (oder dergleichen) auf Zustände des Gehirns zu reduzieren sind. Das ist ein allzu schnell getroffener Kurzschluss, der in den letzten 30 Jahren in Mode gekommen ist (in diesem Zeitraum wurde die Erforschung des Gehinrs und damit die Neurowissenschaften populär). In 100 Jahren werden wohl auch die Ergebnisse der heutigen Neurwissenschaften im zeitgenösisschen naturwissenschaftlichen (so es Naturwissenschaft dann noch gibt und sie noch so genannt wird) Mainstream antiquiert wirken und heutige Ergebnisse total absurd erscheinen. Oder in einer Fortschrittserzählung (sofern es solche dann noch gibt): „die Menschen damals waren ja noch sehr weit weg von dem was wir heute wissen,“ was natürlich ein erneuter Fehlschluss ist, der einfach übersieht, wie der Gegenstand – wie Odradek sagt – hinter der Methodik verschwindet.

  5. Odradek sagt:

    Zur „Lebensphilosophie“ brillant: SMBC-Theater.

    Zur Neurodebatte verweise ich gerne auf Siegrid Schmitz; aber auch ein heftiger Schlag waren Vul et.al..

    Letztlich ist die populärwissenschaftliche Verwurstung der Neurowissenschaften ein paradigmatisches Beispiel, wie ein an sich interessanter Wissensbereich, mit sehr viel Ideologie im o.g. Sinne überfrachtet unter selbst eigenen Mindeststandards bleibt. Die Hoffnung, die Naturwissenschaft könne geistes- kultur- und sozialwissenschafte Probleme übernehmen und sie in Eindeutigkeit und Gewißtheit lösen, ist keine Neue. Vielleicht einfach auf das Mißverständnis zurückzuführen, die Naturwissenschaft beschreibe – ein veraltetes Bild von – Natur …

  6. […] Da ich ja, wie ihr wisst, auf Gegrantel aus dieser Richtung allergisch reagiere, kommt hier (auf die Gefahr hin, mal wieder d* Buhpers die personifizierte Diversity des Blogs zu werden) der Advocatus Dei zu diesem Artikel. […]

  7. Odradek sagt:

    Einen wichtigen Link noch vergessen: „Das schmutzige Geschäft mit den Zwangszitaten“, wie gezielt der Impact-Factor manipuliert wird.

    Interessanterweise befinden sich auf der Top10 Liste wirtschaftswissenschaftliche und wirtschaftspsychologische Publikationen. Was immer die Physik funktionieren läßt, es ist nicht das, was jene Wissenschaften glauben …

    Aber bei all den Grundsatzdebatten um Wissenschaftsverständnisse, die dieser Artikel mal wieder aktivierte, es ging eigentlich um den als Versuch – hier kommt „le essai“ in den Essay -, zugegebenermaßen, die These aufgeschnappt in einem Thomas Ebermann Vortrag (schlechte Fußnote): Funktioniert es, wenn wir für den Bereich des Wissenschaftsbetriebs Alltagsbewußtsein als Indikator für Ideologie sehen? Mit dem Hintergedanken: Läßt sich Ideologie/Mythos von Wissenschaft trennen, wie es ihr – oftmals uneingelöster – Anspruch ist? Zugegebenermaßen ein wenig Aufklärungsromantik, der Gegenwind zu diesem Artikel läßt Gegenteiliges fürchten. Dennoch bleibe ich ersteinmal bei meiner Kernthese: Mythbusters machen etwas richtig, was Knopp grundsätzlich falsch läuft.

  8. […] Anschluß an Feine Atheisten mal wieder und kfermions Replik hat sich eine ausführliche und interessante Debatte entwickelt. Zum Thema […]

Schreibe eine Antwort zu drkultur Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.