Guy Fawkes

Matussek entdeckt, daß es sich eigentlich um einen katholischen Anschlag handelte und läuft künftig als Fawkes herum. Btw.: Gehört der Katholizismus nach Deutschland – dann hätten wir nur ein Integrationsproblem – oder sollten wir diese potentiellen Attentäter in den Vatikan abschieben, wo sie hingehören?

Indessen klärte sich ein Geheimnis am Ende des Films auf: Ein Sprecher von Heckler und Koch räumte nun offiziell die Existenz einer Guy-Fawkes-Sperre ein. Mit Enfield L85 Gewehren hätten nämlich höchstens Ladehemmungen ein Massaker verhindern können. Die hier verwendete Exportvariante des HK50 wurde also nicht zufällig von „G36E“ in „G36V“ umbenannt, sie kann – so ohne Jailbreak – nicht auf Leute mit derartigen Masken feuern, welche die Bundeswehr in geheimen Lagern vorrätig hält. Bei Lieferengpässen durch Occupy und Annonymous wurden solche allerdings an Zivilfahnder als Amtshilfe ausgegeben. SSchäuble nutzte diese Gelegenheit, um erneut Bundeswehreinsätze im Inneren zu fordern.

Damit sind Annahmen widerlegt, daß die Wahl der Waffen dem Fundus der Babelsberger Studios oder Schleichwerbung geschuldet sei oder der Film gar davon ausginge, daß in einer derartigen Situation alle von Gewalt abstand nähmen.

Der Film ist btw. äußerst sehenswert, die Besetzung – Stephen Fry als Showmaster, John Hurt dieses mal als Big Brother, um nur einige hervorzuheben – funktioniert, die Thematisierung von Homosexualität ist beachtenswert und der Film läßt m.E. Ambivalenzen – gerade gegenüber der Figur des V – zu, letztlich weist er über seine landläufigen Deutungen hinaus.

Dennoch hat er alles, was eine verkürzte Kapitalismuskritik braucht. Nicht daß ein solcher Film auf einen Helden oder Vereinfachungen verzichten könnte, auch das Ende war narrativ notwendig. Unangenehm wirkt allerdings, daß die meisten Bürger*innen gute Menschen sind – selbst das Militär, als es keine Anweisungen mehr bekommt -. während das Regime aus einer überschaubaren Gruppe von Bösewichtern besteht, die nur mittels – selbst verursachter – Angst regieren können. Auf den ersten Blick überzeugend und widerständig wirkend, ist der Glaube, durch einen Willensakt den Zurichtungen eines grausamen Systems entkommen zu können: „In that cell you found something that mattered more to you than life.“ Bei näherer Betrachtung handelt es sich um gefährlichen Unsinn. Nicht nur daß es widerlegbar-falsch ist, zu Selbstüberschätzung führt und die Privilegiertheit, in dieser Illusion leben zu können verschleiert. Leben ist die Grundbedingung des Handeln, also der Moral; Moral, die Dinge für wichtiger als das Leben hält, ist somit zumindest suspekt. Das Schlimme daran aber ist, daß an soetwas zu glauben – und es handelt sich um Glaube im stärkeren Sinne des Wortes – leicht als Technik dienen kann emotionale Ambivalenzen zu vereindeutlichen und überzeugt zu sein, sich von den eigenen Verstrickungen mit einem Willensakt entzogen zu haben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s