Nationalphilosoph*n

Wird ein Kontrast zum offensichtlichen Höhepunkt deutschen Kulturguts 1933-1945 gesucht, fallen Sätze wie „im Land eines Immanuel Kant“. Was soll das heißen? Anzunehmen, daß alle deutsch identifizierten nach dem Kategorischen Imperativ oder nur den Werten der Aufklärung lebten, ist trivial falsch. Aĺso sind Philosoph*n sowas wie Staatseigentum?

Kant ging 1946 in sowjetischen Besitz über, deshalb wurden Leninposter bisweilen auch mit dem Antlitz Manelchen Kants versehen, da Karl Heinrich Marx und Friedrich Engels auf der anderen Seite des eisernen Vorhangs lebten und starben. Aufgrund eines Bündnisgeschenks an den sozialistischen Bruderstaat durch Walter Ulbricht, wurde später Nietzsche ergänzt und das Poster in seiner heute bekannten Form (Kant, Nietzsche, Lenin) kam zustande. In Fachkreisen wird Lenin seitdem ironisch als „Quotenhete“ bezeichnet. Bis heute laufen Verhandlungen zwischen der BRD, der Schweiz, Italien und Russland, wem Nietzsche nach Ende des Kalten Krieges nun zusteht. Kant hingegen wurde in den 90ern von Lukoil aufgekauft und seitdem luk-rativ vermarktet. Kritiker*innen mögen deshalb zwar die zeitgenössischen Darstellungen von Aufklärungsphilosophie als Zweckrationalismus und hypothetischer Imperativ als zu kommerziell-stromlinienförmig abtun, aber sein Rassismus hat über die Jahrhunderte nichts von der ursprünglichen Kraft verloren.

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