Dekonstruktion des Holzwegs

Nein, es geht hier nicht um Holzwürmer, die einen Holzsteg zerfressen; auch nicht darum, daß bei der Frage, „auf dem Holzweg oder nicht“ die Möglichkeit des darunter verschleiert wird. Aber das wäre auch nett.

Mehr um die Frage, was so schlimm daran ist, auf einem Holzweg zu sein. Sicherlich verwirrt es, wenn Wege nicht in den Karten eingezeichnet sind. Aber einmal ganz davon abgesehen, daß sich schöne Plätze grundsätzlich nur beim Verirren finden lassen, selbst dabei den Forstweg mit dem Wanderweg zu verwechseln ist nicht allzu tragisch, an einer Sackgasse läßt sich immernoch nach Richtung weitergehen. Zumindest mit guten Stiefeln – die allen Wandersleuten angeraten seien.

D.h., traditionelle Verwendungen dieser Metapher wähnen sich dann wohl im Naturschutzgebiet oder in gefährlicherer oder dichterer Flora und Fauna, als die norddeutsche Kulturlandschaft derzeit zu bieten hat. Und meinten, daß es wichtiger sei, sich auf vorgegebenem Weg zu bewegen, als zu wissen, wohin, also wieso.

Wobei die Richtung die eigentliche Frage ist. Gerade im Wald läßt sich diese extrem leicht verlieren. Ohne Kompaß beginnt es also ein Problem zu werden, sprichwörtlich im Wald zu stehen. Nehmen wir jetzt an, weniger Orientierungsmöglichkeiten (Landstraßen, Bahnstrecken) als in der Lüneburger Heide zu haben oder nehmen wir gar an, ohne Karte zu sein: Es wird es langsam unangenehm. Kommt dann auch noch ein zeitkritisches Element dazu – die Dunkelheit bricht bald herein – wird die Möglichkeit, auf dem Holzweg zu sein, d.h., sich verirrt zu haben auf einmal beunruhigend. Auch wenn keine Hexen zu fürchten sind (und weitaus weniger auszurichten vermögen als talentierte Hacksen), diese sind ohnehin nicht die merkwürdigsten Personen im Wald (siehe).

Wir halten also fest, lebensphilosophisch ist auf dem Holzweg zu sein an sich ersteinmal kein allzu großes Problem, das gehört dazu, das läßt Neues entdecken. Unangenehm wird es erst, wenn wir den Überblick (Karte) oder das Ziel (Kompaß Sonnenstand/Zeit) verlieren. Wenn uns dann auch noch die Zeit knapp wird (es wird dunkel) haben wir ein Problem.

Werde trotz des Sturms (2012-01-01-18:16) kurz einen Spaziergang unternehmen …

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3 Responses to Dekonstruktion des Holzwegs

  1. drkultur sagt:

    Zum Glück haben die Leute ja heutzutage dank Handytechnologie und Apps alle ihre (Land)Karten dabei. So werden sie nie auf den Holzweg geraten, denn das Handy weiß ja immer wo mensch ist 😉

    • Odradek sagt:

      Oh, apropos (sp)iPhones: Auch rückblickend interessant, daß ich GPS-Geräte gar nicht berücksichtigt habe. So old school, daß schon koryu …

      Frage ist nur, wie wir uns das bei irl-Holzwegen vorstellen können. Ein Handy, das mir in Lebensentscheidungen ‚reinquatscht – und dann womöglich noch Zusatzgeräte zur Belohnung haben will – kommt mir jedenfalls nicht in die Tasche.

  2. […] “Jede* muß den eigenen Weg finden – und meiner ist der Holzweg“ […]

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